„Wer echte Emotion sucht, bleibt bei Künstler:innen, nicht bei Algorithmen.“

Große Umfrage zu den aktuellen Musiktrends im Radio (Teil 1)

Große Umfrage zu den aktuellen Musiktrends im Radio: Musikprogrammierer im Radiostudio (Bild: KI)

The Trend is your Friend! Weiter weisen zahlreiche Untersuchungen Radio als wichtigen Kompass und Orientierungshilfe für den Musikkonsum der Menschen aus. Wie aber entwickelt sich die Musik im Radio? Welche Genres dominierten im vergangenen Jahr – und noch interessanter – welche Trends sind in diesem Jahr zu erwarten?

MusicMaster Musikumfragen 2026

RADIOSZENE stellte hierzu den Musikverantwortlichen deutscher Hörfunkstationen zu Jahresbeginn 2026 folgende Fragen:

  1. Welches waren in 2025 die angesagten Musiktrends im Radio in Ihrem Sendegebiet? (Welche Genres haben an Bedeutung gewonnen, welche verloren)
  2. Werden sich diese Richtungen fortsetzen beziehungsweise sind bereits neue Trends in Sicht?
  3. Welche Künstler*innen (Etablierte wie Newcomer) haben Sie zuletzt am meisten beeindruckt?
  4. Die Künstlichen Intelligenz war auch ein zentrales Thema bei der Musikgestaltung im Radio. Erste Sender strahlen bereits KI-generierte Musik in ihren Sendezeiten aus. In wie weit beeinflussen diese Technologien bereits Ihre Arbeit? Wo sehen Sie Chancen, wo die Grenzen?

Die Antworten der Entscheider aus den Musikredaktionen lieferten eine Vielzahl interessanter Hinweise auf die aktuellen und kommenden Musikströmungen. Wegen der hohen Beteiligung veröffentlichen wir die Antworten in vier Etappen.

Gregor Friedel, SWR3, Musikchef

Gregor Friedel (Bild: © SWR / Patricia Neligan)1) Tatsächlich kann man den Eindruck gewinnen, dass die Phase der EDM-„Remakes“ endlich zu einem Ende gekommen ist und wirklich wertige Musik wieder an Stellenwert gewinnt. Wenn Sie mal schauen: Lola Young, Olivia Dean, Raye (übrigens, das sage ich nicht ohne Stolz: alle haben vor Jahren schon beim SWR3 New Pop Festival gespielt) sind aus der Nische „wertvolle Musik“ rausgekommen und haben endlich auch im Radio Erfolg. Das gibt mir Hoffnung, wenn ich das mal so sagen darf. Ebenfalls eine tolle Entwicklung: die von mir bereits vor zwei Jahren erhoffte „neue, kontemporäre, deutschsprachige Popmusik“ ist ebenfalls im Mainstream angekommen: mit Levka, Skuth und Fayan haben wir neue Künstler auch fürs Popradio und Künstlerinnen wie zum Beispiel Maja Kemper lassen die Erwartungen fürs nächste Jahr sehr hoch sein.

Tatsächlich kann man den Eindruck gewinnen, dass die Phase der EDM-‚Remakes‘ endlich zu einem Ende gekommen ist und wirklich wertige Musik wieder an Stellenwert gewinnt

2) Ich glaube, dass sich alles oben genannte. fortsetzen wird, weil es ja immer diese Wellenbewegungen gibt und wenn ein Thema reüssiert, signen die Labels ja gerne „ähnliche Acts“. Insofern bin ich recht zuversichtlich. Und solange es KünstlerInnen wie Sienna Spiro gibt, glaube ich daran. Eine Hoffnung von mir wäre übrigens, dass sich nach der unfassbar erfolgreichen Tour von Oasis auch wieder Bands zusammenfinden. Make „I’m in a band“ great again! (Falls sie mit ihren Eltern bei den Shows waren.) Das wäre was.

3) Auch diese schon genannt: Lola Young, Olivia Dean, Raye (mit einer Nummer 1 in UK), Sienna Spiro, dazu noch Jacotene aus dem internationalen Raum. In Deutschland Levka, Skuth, Tiffany Aris und viele mehr, die mit einer großartigen Selbstverständlichkeit herausragend sind.

4) Gut, die augenscheinlichen Themen/Songs sind ja nun bereits überall durch die Medien getragen worden. In der Programmierung spielt das für uns im Moment noch keine Rolle. Ich glaube aber, dass es hier rasch zu technologischen Entwicklungen kommen wird, die am Ende, bei einer guten Einpflegung der Meta-Daten, weitestgehend fehlerfreie Musikprogramme ermöglichen. Über die müssen trotzdem noch RedakteurInnen schauen (human factor), aber was wir heute an Möglichkeiten für Voreinstellungen in den Programmen haben, ist im Vergleich zu dem, was ich erwarte, steinzeitlich.

Im Bereich Musik ist es zweischneidig. Bislang haben Producer sich gerne immer wieder an „Ideen“ anderer Musiker, teilweise aus anderen Epochen, bedient. Klar, es gibt eben nur ein bestimmtes Spektrum an Noten und Harmoniefolgen. Insofern glaube ich, dass die KI für Produktionen ein sehr hilfreiches Tool sein kann. Trotzdem – oder gerade deswegen – müssen hier natürlich die rechtlichen Voraussetzungen geklärt sein, damit die Urheber, auf Grundlage deren Arbeit sich die KI bedient – vergütet werden. Das wird mutmaßlich sehr schwierig werden. Hier wird vermutlich technische Findigkeit Kreativität ausstechen. 

Für MusikerInnen, die ihren Lebensunterhalt mit ihrer Kunst bestreiten müssen, kann die KI hingegen bedrohlich sein. Da sind wir (und damit meine ich nicht „Radiomacher“, sondern „Konsumenten“, oder vielleicht schöner „Musikfans“) angehalten, die KünstlerInnen zu unterstützen und die Labels, Managements, Verlage et cetera, sie zu schützen.


TikTok ist ein relevanter Trendindikator, jedoch kein automatischer Hitlieferant fürs Radio

Henricke Frey, Antenne Niedersachsen, Leiterin Musikredaktion

Henrike Frey (Bild: © Antenne Niedersachsen)1) Im Jahr 2025 blieb melodischer, songorientierter Pop das prägende Genre im Radio. Künstler*innen wie Taylor Swift, Kamrad, Leony und Ed Sheeran stehen exemplarisch für zeitlose, emotional zugängliche Songs, die bei einer breiten Hörerschaft funktionieren.

TikTok ist dabei ein relevanter Trendindikator, jedoch kein automatischer Hitlieferant fürs Radio: Entscheidend ist, ob virale Titel auch musikalisch und emotional anschlussfähig sind. Gleichzeitig zeigen Beispiele wie „Golden“ aus dem Film Deamon Hunters oder Serienformate wie Stranger Things, wie stark Film- und Serienplatzierungen Songs emotional aufladen und sie – auch genre- und generationsübergreifend – erfolgreich ins Radioprogramm zurückführen können.

2) Diese Entwicklung wird sich fortsetzen. Erfolgreich sind vor allem klare Songstrukturen, starke Refrains und hohe Wiedererkennbarkeit. Trends entstehen weniger über neue Genres als über moderne Interpretationen bewährter Pop-Formate

3) Neben etablierten Stars prägen zunehmend starke weibliche Stimmen den Mainstream-Pop. Künstlerinnen wie Olivia Dean und RAYE stehen für selbstbestimmtes Songwriting, emotionale Offenheit und künstlerische Eigenständigkeit. Ihr Erfolg zeigt, dass Female Empowerment längst im Mainstream angekommen ist und auch bei einem erwachsenen Radiopublikum nachhaltig wirkt.

4) KI-Technologien werden im Radiobereich zunehmend als unterstützendes Werkzeug eingesetzt, etwa in der Musikanalyse, Programmplanung und Marktforschung. Sie ermöglichen effizientere Prozesse und fundiertere Entscheidungen. Die Grenzen liegen dort, wo redaktionelle Erfahrung, musikalisches Gespür und Markenidentität gefragt sind. Kreativität, Emotion und Kontext lassen sich nicht automatisieren – die kuratierende Rolle des Menschen bleibt daher zentral.


Junge Artists setzen verstärkt auf einen authentischen Retrosound, statt bekannte Samples mit neuem Sound aufzufrischen

Sue Deckwerth, FFH-MEDIENGRUPPE, Leitung Musikteam

Sue Deckwerth (Bild: planet radio/Daniel Camino)

1) Die Trends aus dem Vorjahr haben sich größtenteils fortgesetzt, wobei Country-Einflüsse spürbar nachgelassen haben. Im Aufwind sind dagegen weiterhin Afrobeats, die sich anscheinend bei vielen DJs als neuer Sound-Konsens etabliert haben. Insgesamt wirkte das Musikangebot eher beständig – wahrscheinlich auch, weil viele bekannte Künstlerinnen und Künstler mit ihrem bekannten Sound abgeliefert haben. 

2) Ich habe das Gefühl, dass aktuell nicht die Zeit ist für neue, innovative Trends. Die Hits waren zuletzt eher back to basic. Jedoch zeigt sich ein neuer Nostalgie-Trend: Junge Artists setzen verstärkt auf einen authentischen Retrosound, statt bekannte Samples mit neuem Sound aufzufrischen (siehe auch Frage/Antwort 3). Die Songs fühlen eher eine Zeit, anstatt sie zu kopieren. 

3) Beeindruckt hat mich auf jeden Fall der rasante Aufstieg von sombr. Er hat es geschafft, seinen Social-Media-Hype rund um die Single „Back to Friends“ zu nutzen und sich auch mit anderen Nummern bei uns fest im Radioprogramm zu platzieren. Er bedient genau diesen eben genannten authentischen Retrosound. Ebenso Olivia Dean, die nicht nur mich mit ihrer nonchalanten, emotionalen und hochwertigen Musik überzeugt hat. Dazu kommt Raye, die es mit ihrer eher edgy und progressiven Nummer „Where Is My Husband!“ in die Airplay-Top 10 geschafft hat. Ich bin gespannt, wie sich diese Artists mit ihren Signature-Sounds in nächster Zeit entwickeln.

4) KI hilft uns aktuell vor allem bei kleineren Aufgaben, etwa bei der Recherche oder wenn mathematische Probleme in der Musikplanung gelöst werden müssen. Bei der direkten Gestaltung des Musikprogramms sehen wir aber noch keinen großen Benefit. Viel mehr beschäftigen uns die Problematiken, die KI mit sich bringt – etwa musikalische Deep-Fakes, bei denen Songs mit der Stimme eines Artists generiert werden. Da muss man extrem vorsichtig sein, was echt ist und was nicht. 

Dazu kommt noch das moralische Dilemma, wie zum Beispiel im vergangenen Jahr bei HAVEN.‘s EDM-Song „I Run“. Der Track hat vom Sound her perfekt in das Programm von planet radio gepasst, wurde aber wegen KI-generierter Vocals und Urheberrechtsfragen von den Streaming-Plattformen genommen. Man will den Song eigentlich spielen, weil er in den Charts ist, aber es bleibt ein ungutes Gefühl. Zum Glück wurde er am Ende noch einmal mit einer echten Sängerin produziert.


Junge, deutschsprachige Musik ist kein Trend mehr, sondern Pflichtprogramm – von großen Namen bis zu völlig neuen Stimmen

Hauke Hackstein, JAM FM, Verantwortlicher Musikredakteur

Hauke Hackstein (Bild: JAM FM)1) 2025 war für JAM FM das Jahr des K-Pop: Huntr/x, Blackpink und Katseye zeigen, dass K-Pop längst mehr Lebensgefühl als Genre ist. Der Sound verbindet Generationen und fühlt sich einfach zeitgemäß an. Gleichzeitig bleiben Trends länger relevant – Afrohouse etwa, schon 2024 präsent, hat sich 2025 endgültig als Brücke zwischen Pop und RnB etabliert. Insgesamt werden die Grenzen des klassischen Jugendradioformats bei JAM FM immer weiter geöffnet: Wenn ein Song connected, ist sein Sound zweitrangig. Alles geht – von der Singer-Songwriter-Ballade bis zum Drum-and-Bass-Banger.

2) Junge, deutschsprachige Musik ist kein Trend mehr, sondern Pflichtprogramm – von großen Namen bis zu völlig neuen Stimmen. Genau dort setzt die Kooperation von JAM FM und Apple Music an und holt mit der von Aria Nejati gehosteten Show HYPED Radio 2026 noch mehr davon ins Programm. Und auch K-Pop wächst weiter: Das BTS-Comeback wird 2026 ein globaler Pop-Moment. Wer das hören will, ist bei JAM FM richtig.

3) 2025 war Zartmanns Jahr: „Tau mich auf“ kam Ende Januar und im Dezember war es der meistgespielte deutschsprachige Song des Jahres bei JAM FM. Neben ihm liefern auch Nina Chuba und Apache 207 weiterhin zuverlässig Hits, sie haben sich längst in der Breite etabliert. Besonders spannend waren außerdem die Tracks von Jazeek, Fayan und Wiz The Mc, die unseren Sound 2025 maßgeblich geprägt haben. Danke dafür!

4) KI kann viele Aufgaben erleichtern – in der Musikauswahl bei JAM FM spielt sie jedoch keine Rolle: Unsere Hörer:innen wollen Songs von echten Menschen, die berühren und verbinden. KI-generierte Tracks können das schlicht nicht leisten. Wer echte Emotion sucht, bleibt bei Künstler:innen, nicht bei Algorithmen. Und bei JAM FM.


Von Sendern selbst KI-generierte Musik auszustrahlen, nur um GEMA- und GVL-Abgaben zu sparen, halte ich für den falschen Weg. Hörer haben auch nachts einen Anspruch auf die Qualität in der Musikauswahl

Niklas Gruse, RADIO FFN, Leiter Musikredaktion

Niklas Gruse (Bild: © radio ffn)

1) Sehr gut funktioniert haben Interpreten, die direkt, glaubwürdig und emotional sind. Künstler wie Myles Smith, Alex Warren, Teddy Swims und Shaboozey stehen für Musik, die nicht künstlich überproduziert wirkt, sondern sofort etwas auslöst.

Deutschpop bleibt wichtig, aber selektiver. Zartmann ist für mich ein echter Hinhörer, weil er nicht nach Routine klingt. Solche Künstler geben dem Programm Profil. Deutschpop funktioniert dann besonders gut, wenn er sich weiterentwickelt und nicht mehr nach 2016 klingt.

Und: Viele Songs sind weiterhin auffällig kurz. Mein Wunsch an die Musikindustrie: Lange Radio-Edits auf die 1 – und kürzere Versionen für Spotify & Co.

2) Ich glaube ja: Produktionen werden eher reduzierter und klarer – weniger Effekt, mehr Song. Spannend ist, wie weit Radio bei ungewöhnlicheren Strukturen mitgeht. Ich frage mich zum Beispiel, ob Harry Styles mit „Aperture“ im Radio durchsetzbar ist. Da geht es nicht nur um die Länge, sondern auch um Aufbau und Dramaturgie: musikalisch interessant, aber fürs Tagesprogramm eine echte Herausforderung.
Genau dafür braucht es entweder einen starken Edit oder den Mut, so einen Song im Radio aufzubauen – und hier nochmal meine Bitte an die Musikindustrie: Bitte fürs Radio mitdenken.

3)International haben mich Alex Warren, Teddy Swims und Shaboozey beeindruckt, weil sie zeigen, dass Persönlichkeit und Echtheit gerade wieder stärker zählen. Dermot Kennedy hat gerade mit „Funeral“ eine richtig starke Single abgeliefert – emotional, groß, aber trotzdem radiotauglich. Und ich freue mich sehr über die neue Musik von Bruno Mars. In Deutschland stehen Leony, Kamrad, Michael Schulte, Loi und Nico Santos für verlässliche Qualität im Alltag der Hörer. Und spannend bleibt: Wer ist der nächste deutsche Künstler, der wirklich durchstartet? Gute Chancen sehe ich aktuell bei Marc Atlas.

4) KI hilft uns schon heute vor allem im Hintergrund – bei Recherche, Analyse und schneller Einordnung. Das spart Zeit und sorgt dafür, dass Entscheidungen besser vorbereitet sind. In Zukunft werden wir mit KI noch schneller und effektiver arbeiten. Vor allem eröffnet sie die Möglichkeit, komplett neue Sender und Musikangebote zu denken: deutlich nischiger, spitzer positioniert – und trotzdem mit einer klaren Zielgruppe, die man zuverlässig erreicht. Im Mainstream wird KI uns helfen, Musik und Programm schneller an aktuelle Trends und Ereignisse anzupassen, ohne die Zielgruppe aus den Augen zu verlieren. Genau das ist im Radio entscheidend: modern bleiben, aber nicht beliebig werden.

Von Sendern selbst KI-generierte Musik auszustrahlen, nur um GEMA- und GVL-Abgaben zu sparen, halte ich für den falschen Weg. Hörer haben auch nachts einen Anspruch auf die Qualität in der Musikauswahl, die sie aus dem Tagesprogramm kennen. Musik bleibt Einschaltgrund Nummer eins – und entscheidend ist dabei die Verlässlichkeit. Wer daran spart, spart am Ende am Vertrauen.

Wichtig ist mir dabei: Der Musikredakteur wird nicht wegrationalisiert. Im Gegenteil – KI ist ein Werkzeug, und die Verantwortung bleibt beim Menschen. Am Ende braucht es Erfahrung, Geschmack und Gefühl dafür, was beim Hörer wirklich funktioniert.


Ich hatte im vergangenen Jahr nach langer Zeit endlich wieder das Gefühl, dass deutsche Musik wieder beliebter wird – und das durchweg in allen Zielgruppen

Celine Bier, RADIO SALÜ, Musikredaktion

Celine Bier (Bild: RADIO SALÜ)

1) Im vergangenen Jahr gab es vor allem drei zentrale Entwicklungen, die ich ganz begeistert auch in unserem Sendegebiet beobachten durfte. Zum einen kam und kommt es immer mehr vor, dass die Grenzen der klassischen Genres sich verschieben und verschiedene Genres verschmelzen. So sind in der modernen Popmusik immer mehr Einflüsse anderer Genres wie Jazz, Hip-Hop oder auch Folklore zu hören, während EDM immer öfter durch globale Einflüsse, wie Afrobeats geprägt wird. Dadurch entstehen auch neue Subgenres wie etwa Hyperpop, die auch in der Zukunft sehr interessant werden könnten.

Außerdem gehen wir in der Musikwelt langsam aber sicher einen Schritt weg vom US- und Eurozentrismus. Globale Einflüsse und Genres wie K-Pop oder Afrobeats erfreuen sich in der Popkultur großer Beliebtheit, was sich auch auf unsere Radioplaylisten niederschlägt. 

Zu guter Letzt hatte ich im vergangenen Jahr nach langer Zeit endlich wieder das Gefühl, dass deutsche Musik wieder beliebter wird – und das durchweg in allen Zielgruppen. Wir haben bei uns im Sendegebiet die Erfahrung gemacht, dass auch junge deutsche Künstler*innen wie Zartmann, Nina Chuba oder Apache 207 auch ältere Zielgruppen begeistern können.

2) So genau kann man das ja nie sagen, aber ich hoffe auf jeden Fall, dass diese Trends sich weiter fortsetzen werden. Das hat einen sehr positiven Einfluss auf die Musikvielfalt und es wäre mir persönlich ein großes Anliegen, dass wir diese Entwicklungen weiterhin auch und vor allem im Radio abbilden können.

3) Ich habe mich sehr darüber gefreut, dass Künstlerinnen wie Raye, Olivia Dean und Lola Young endlich die Aufmerksamkeit bekommen, die sie meiner Meinung nach schon lange verdienen und das sogar auch im Airplay. Ansonsten bin ich beeindruckt, wie viele junge und vielversprechende Künstler*innen wir auch hierzulande haben – in Deutschland, aber auch und vor allem bei uns im Saarland. Wir haben im vergangenen Jahr stärker als sonst auf Regionalität in unserem Musikprogramm gesetzt und das hat sich ausgezahlt.

4) Wir haben uns bisher gegen die Ausstrahlung KI-generierter Musik entschieden und nutzen auch keine künstliche Intelligenz für unsere Musikgestaltung. Es mag oldschool sein, aber ich glaube immer noch an handgemachte von Menschen für Menschen kuratierte Playlists im Radio und was das angeht, machen wir hier durchaus einen guten Job.

Dennoch ist das natürlich ein Thema, mit dem man sich aktuell einfach auseinandersetzen muss. Viele Künstler*innen sprechen sich mittlerweile gegen KI-generierte Musik aus und in großen Teilen kann ich das nachvollziehen und sehe es ähnlich. Trotzdem kommt es meiner Meinung nach viel eher darauf an, wie und für welche Prozesse man KI in der Musikgestaltung und -produktion nutzt. Verwendet man diese beispielsweise unterstützend, um eigene Ideen umzusetzen, sehe ich das durchaus auch als Chance.


Junge Männer mit Gitarre funktionierten in 2025 auch ganz hervorragend – zum Beispiel Myles Smith und Sombr

Andreas Zagelow, MDR SPUTNIK, Musikchef

Andreas Zagelow (Bild: LinkedIn / privat)1) Es zeichnet sich immer klarer ab, dass Dance und EDM an Bedeutung verlieren. Nicht jede Robin Schulz-Single wird automatisch zum Hit, und sogar David Guetta versucht sich nun an einem Popsong. Im Gegenzug kann Pop wieder aufholen, etwa von Frauen wie Ásdís, Tate McRae und Olivia Dean. Erfreulich auch der anhaltende und weiter steigende Erfolg von deutschen Künstlerinnen und Künstlern wie Nina Chuba, Zartmann, Tiffany Aris, WizTheMC. Junge Männer mit Gitarre funktionierten in 2025 auch ganz hervorragend – zum Beispiel Myles Smith und Sombr.

2) Pop war immer da und wird immer da sein; Dance auf etwas niedrigerem Niveau auch. Aktuell stellen wir fest, dass die Songs wieder länger werden und teilweise nur noch 1:50 min langen Tracks inzwischen auch wieder vermehrt Songs mit einer Länge von drei Minuten oder mehr an der Seite stehen. Auch interessant: Die Einteilung von Rotationskategorien anhand von Veröffentlichungsjahren wird immer mal wieder obsolet, wenn Songs aus den letzten zehn Jahren (oder noch älter) durch Serien, Filme oder Social Media-Trends erneut charten und für eine junge Zielgruppe zu aktuellen Hits werden. Ja, das war auch schon 2023 und 2024 so, aber bei uns schlagen diese Trends inzwischen auch stärker ins Radio durch.

3) Der Aufstieg von Olivia Dean in den vergangenen Jahren war schön mit anzusehen. Die Beständigkeit einer Nina Chuba ebenso. Auch beeindruckend: Wie Yung Pepp aus Leipzig Schule und Musikkarriere verbindet und tolle Songs abliefert. Und wie Jassin mit seinem Album das halten konnte, was die ersten Singles versprochen haben.

4) Wir versuchen, KI für interne Abläufe in der Musikredaktion einzubinden, vor allem für kombinierte, statistische Erhebungen und daraus zu schlussfolgernde, mögliche Erfolgsaussichten. Am Ende zählt aber weiterhin die Meinung der Kolleginnen und Kollegen sowie der übliche Kennzahlen-Mix aus Airplay-Charts, Konkurrenzbeobachtung, Spotify, Shazam, TikTok etc.. Programmlich ist KI-generierte Musik bisher eher eine Besonderheit, über die man bei Bedarf berichtet anstatt fester Bestandteil des Musikpläne. Die Frage der Kennzeichnung von KI-Songs wird hier sicher relevant werden.


Wir spielen in der Nacht für drei Stunden die ‘KI-Musik-Nacht‘ in unseren Stationen zwischen 1 Uhr und 4 Uhr morgens. Neben dem Unterhaltungswert besteht hier aber auch ein wirtschaftlicher Vorteil

Steve Cremer, The RADIO GROUP, Musikchef

Steve Cremer (Bild: ©ANTENNE BAYERN)

1) Im Jahr 2025 war unser Programm klar von modernem, melodischem Pop geprägt. Internationaler und nationaler Pop mit emotionaler Ansprache, klaren Hooks und hoher Wiedererkennbarkeit dominierten die Rotation. Besonders erfolgreich waren Titel, die klassische Pop-Strukturen mit zeitgemäßen Urban- oder leichten Dance-Elementen verbanden. Songs wie „Ordinary“ von Alex Warren, „APT.“ von Rosé & Bruno Mars oder „Be Mine“ von Kamrad liefen über viele Wochen regelmäßig in den Powerrotationen. 

2) Die beobachteten Trends werden sich bei uns voraussichtlich fortsetzen. Melodischer Pop mit emotionalem Kern bleibt das Rückgrat des Programms. Gleichzeitig beobachten wir, dass neue Titel schneller in die Rotation aufgenommen werden, wenn sie auf Social-Media-Plattformen erfolgreich sind. Die Verzahnung von Streaming-Trends und klassischem Radio-Airplay wird daher noch stärker werden. Hinzu kommt ein zunehmender Einfluss internationaler Klänge: Songs mit dezenten Afrobeats-, Latin-, oder R&B-Elementen werden auch bei unserem Publikum immer akzeptierter, solange sie radiotauglich bleiben – zum Beispiel „Azizam“ von Ed Sheeran. Kollaborationen zwischen etablierten Künstlerinnen und Künstlern sowie jungen Acts werden weiter an Bedeutung gewinnen.

3) Im Jahr 2025 haben sich einige Künstlerinnen und Künstler besonders nachhaltig bei uns durchgesetzt. Alex Warren mit „Ordinary“ gehörte zu den meistgespielten Titeln und begeisterte sowohl Mitarbeiter:innen als auch Hörer:innen. Ebenso beeindruckte die Zusammenarbeit von Rosé & Bruno Mars mit „APT.“, die musikalisch und im Feedback beim Publikum sehr stark war. Auch Kamrad mit „Be Mine“ und Leony mit „By Your Side (In My Mind)“ gehörten zu den Titeln, die bei uns regelmäßig in Rotation waren beziehungsweise sind.

4) Wir sind generell offen für KI-generierte Inhalte. Allerdings sind wir hier in einer begrenzten Umgebung tätig, um zu lernen und Erkenntnisse zu gewinnen. Wir spielen ebenfalls in der Nacht für 3 Stunden die „KI-Musik-Nacht“ in unseren Stationen zwischen 1 Uhr und 4 Uhr morgens. Neben dem Unterhaltungswert besteht hier aber auch ein wirtschaftlicher Vorteil, der ein ausschlaggebender Faktor war für dieses Experiment darstellt. Grundsätzlich sind wir mit den Erkenntnissen und dem Feedback zufrieden, der Anteil an KI-generierter Musik werden wir jedoch nicht ausweiten.

Weiterführende Informationen

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