Niederlande vergibt bis zu 784 Genehmigungen für lokales DAB+

Niederlande vergibt bis zu 784 Genehmigungen für lokales DAB+ (Bild: KI)

Die Niederlande setzen einen weiteren, konsequenten Schritt in Richtung Digitalisierung des Hörfunks: Ab dem 15. Januar 2026 startet die Rijksinspectie Digitale Infrastructuur (RDI) das neue Konzessionsverfahren für lokale Radiolizenzen im DAB+ Standard. Insgesamt stehen bis zu 784 Genehmigungen zur Verfügung, verteilt auf 57 geografische Versorgungsgebiete – sogenannte Allotments. Damit öffnet sich der Markt in bemerkenswerter Breite für bestehende wie auch neue Anbieter und unterstreicht die strategische Bedeutung von DAB+ im niederländischen Radiomarkt.

18 Lizenzen pro Gebiet

Pro Allotment können bis zu 18 Genehmigungen vergeben werden. Jede einzelne Lizenz umfasst ein Achtzehntel der verfügbaren Multiplex-Kapazität und ist bis zum 31. August 2030 gültig. Adressaten des Verfahrens sind ausschließlich kommerzielle Rundfunkveranstalter. Lokale öffentlich-rechtliche Sender hatten bereits 2024 die Möglichkeit, sich Kapazitäten zu sichern. Der nun verbleibende Frequenzraum wird vollständig für den kommerziellen Markt geöffnet – bewusst ohne Auktion.

Vergabe nach Eingangsreihenfolge statt Auktion

Bemerkenswert ist die Wahl des Vergabemechanismus: Die RDI setzt auf das Prinzip „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“. Anträge werden strikt nach dem Eingangsdatum und Vollständigkeit behandelt. Eine Versteigerung findet ausdrücklich nicht statt. Nur wenn in einem bestimmten Allotment mehr Anträge eingehen als Genehmigungen verfügbar sind, entscheidet ein Losverfahren.

Diese Entscheidung ist kein Zufall. Bereits bei der letzten Vergaberunde zeigte sich, dass in keinem der 57 Allotments eine echte Ressourcenknappheit bestand. Auch für die nun beginnende Genehmigungsperiode bis 2030 rechnet die Aufsicht nicht mit Engpässen. Ziel ist es daher, den Marktzugang möglichst niedrigschwellig zu halten und Planungssicherheit für Veranstalter zu schaffen.

Klare Regeln für einen fairen Start

Um eine ausgewogene Verteilung zu gewährleisten, gelten in den ersten vier Wochen der Antragsphase besondere Beschränkungen: Vom 15. Januar bis einschließlich 11. Februar 2026 darf pro Rechtsperson lediglich eine Lizenz pro Allotment beantragt werden. Erst ab dem 12. Februar 2026 können zusätzliche Genehmigungen innerhalb desselben Allotments beantragt werden. Ein entsprechendes Formular stellt die RDI ab dem 5. Februar 2026 bereit.
Diese Regelung soll verhindern, dass einzelne Marktteilnehmer frühzeitig große Teile der verfügbaren Kapazität binden und damit kleinere oder neue Anbieter verdrängen.

Wer darf beantragen – und wie?

Antragsberechtigt sind ausschließlich juristische Personen, etwa Vereine, Stiftungen oder Kapitalgesellschaften, die im Besitz einer gültigen Zulassung der niederländischen Landesmedienanstalt „Commissariaat voor de Media“ sind. Einzelunternehmen oder natürliche Personen sind ausdrücklich ausgeschlossen. Die Antragstellung ist ab dem 15. Januar 2026 möglich, vorzeitig eingereichte Anträge werden nicht berücksichtigt und automatisch abgelehnt.

Technische und programmliche Vorgaben

Mit der Lizenz sind klare technische Verpflichtungen verbunden. Jeder Lizenznehmer betreibt ein Radioprogramm mit mindestens 48 kbit/s in Stereo bei Nutzung von AAC+. Alternativ sind andere Codierverfahren zulässig, sofern eine vergleichbare Audioqualität erreicht wird.

Niederlande vergibt bis zu 784 Genehmigungen für lokales DAB+

Zudem gelten verbindliche Versorgungsauflagen: Gefordert sind mindestens 60 Prozent geografische Abdeckung für mobilen Empfang sowie 50 Prozent demografische Abdeckung für Indoor-Empfang. Für Veranstalter mit bestehender UKW-Lizenz gilt die Simulcast-Pflicht: Das Programm muss auf FM und DAB+ zeitgleich und inhaltsgleich ausgestrahlt werden.

Chancen für lokale Vielfalt und neue Konzepte

Das neue Konzessionsverfahren eröffnet erhebliche Perspektiven für den niederländischen Radiomarkt. Neben etablierten lokalen Stationen, die ihre Reichweite digital absichern oder ausbauen wollen, richtet sich das Angebot ausdrücklich auch an neue Marktteilnehmer, Nischenprogramme und Start-ups mit innovativen Radiokonzepten. Gerade im Vergleich zu UKW bietet DAB+ deutlich niedrigere Einstiegskosten und größere programmliche Flexibilität.
Professionelle Netzbetreiber als Schlüsselakteure

Die RDI weist ausdrücklich darauf hin, dass der Aufbau eines DAB+ Sendernetzes hohe technische Anforderungen mit sich bringt. Feldstärkebegrenzungen, Koordination mit benachbarten Allotments und die Einhaltung der Versorgungsauflagen erfordern Erfahrung. Entsprechend empfiehlt die Behörde die Zusammenarbeit mit professionellen Netzbetreibern, die in den vergangenen Jahren umfangreiches Know-how im Aufbau und Betrieb von DAB+ Infrastrukturen gesammelt haben.

Überblick über die Inhaber der lokalen Digitalradiolizenzen zum 01.01.2026

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