
Zum Jahreswechsel verabschiedet sich kulthitRADIO von seinem bisherigen Musikformat und geht als Kölsch Radio on air. Künftig steht kölsche Mundartmusik im Mittelpunkt des Programms, das landesweit über DAB+ verbreitet wird. Am 29. Dezember wird es zunächst nur Nonstopmusik geben, moderiert wird erst später. sind Im Interview mit RADIOSZENE erläutert Geschäftsführer Andreas Lang die Gründe für den Strategiewechsel, die neue Lizenz, die Programmausrichtung und das Alleinstellungsmerkmal im NRW-Radiomarkt.
RADIOSZENE: Warum gibt kulthitRADIO das bisherige Musikformat auf?
Andreas Lang: Der Markt bei den Oldie-AC based Formaten ist in Deutschland, insbesondere in NRW besonders stark umkämpft. Dies war bei der Planung 2020 und dem Launch 2021 noch nicht der Fall. Allein WDR4 mit über 600.000 Hörern in NRW ist ein absoluter Platzhirsch, daneben gibt es Oldie Antenne, Nostalgie, Paradiso sowie die einstrahlenden Programme von NDR und SWR. Dazu die ganzen spezialisierteren Programme für eine ältere Zielgruppe: 80s80s, 90s90s, Schlager Radio, Radio Paloma, Schlagerparadies, 80er Radio harmony und so weiter. Sie merken, die Liste ist nahezu endlos. Und scheinbar gibt es immer noch Anbieter, die dort ihre Chance wittern wie Mixtape. Wir haben uns daher entschieden, dieses umkämpfte Format zu verlassen, da es nahezu für alle Beteiligten, kaum zufriedenstellende Ergebnisse zeigt.
RADIOSZENE: Warum war für Kölsch Radio eine Neuzulassung notwendig?
Andreas Lang: kulthitRADIO war als Vollprogramm zugelassen, da neben Nachrichten auch regionale Inhalte verbreitet wurden. Kölsch Radio ist ein Spartenprogramme mit dem Schwerpunkt auf kölscher Mundartmusik. Die inhaltliche Neuorientierung hat bedingt, dass wir in Abstimmung mit der Landesmedienanstalt einen neuen Zulassungsantrag gestellt haben.
RADIOSZENE: Wann startet Kölsch Radio und wie wird verbreitet?
Andreas Lang: Der Start ist als Soft-Opening zum Jahreswechsel geplant und wird im landesweiten Multiplex verbreitet. Das Thema ist mittlerweile überregional. Die Gruppen und Interpreten gehen mittlerweile national auf Tournee. Dazu gibt es eine nicht zu unterschätzende Anzahl von Pendlern in NRW. Es ist aus unserer Sicht ein landesweites Thema, wenngleich der Schwerpunkt des Hörerinteresses eher im Rheinland liegt. Allerdings deckt der Regiomux nicht das gesamte Kerngebiet ab. Keine andere Region in Deutschland hat eine so ausgeprägte, regionale Musikkultur. Das merkt langsam auch der Rest der Republik. Daher hat diese Musikrichtung es verdient, endlich eine Plattform zu erhalten. Und das auch landesweit.
RADIOSZENE: Ist Kölsch Radio ein reines Karnevalsprogramm?
Andreas Lang: Kölsche Mundartmusik ist kein alleiniges Karnevalsthema. Es ist aber auch ein Karnevalsthema. Das mag früher auch so gewesen sein. In den letzten 10 bis 15 Jahren haben sich hier aber deutliche Verschiebungen ergeben. Während früher eher nur BAP überregional und wenig karnevalistisch war und andere Künstler wie Zeltinger eher regional relevant waren, so ist das Thema dieses Genres mittlerweile ein ganzjähriges und überregionales Thema geworden. Vom Stil reichte es von Rock, Hip-Hop, Rap über Kölsch-Pop und Kölsch Schlager und Partyschlager bis hin zu Bras-Pop und Jazz. Gemein ist den unterschiedlichen Stilrichtungen eines: Das rheinische Lebensgefühl, welches in vielen Teilen in NRW auch Anklang findet und die Emotionalität, die diese Musik ausmacht.
RADIOSZENE: Welche Künstler spielen im Programm eine Rolle?
Andreas Lang: Die genannten Gruppen spielen dieselbe Rolle wie auch Cat Ballou, Lupo, Kempes Finest, Simon Schwieren, Björn Heuser, die Räuber, Querbeat, Druckluft und und und. Kölsch Radio ist die Plattform der Kölschen Mundartmusik, die Lebensgefühl und Emotion transportiert. Wir decken die dynamische Entwicklung, die in diesem Segment derzeit stattfindet, ab, berücksichtigen aber mit dem Kulthit immer um 11 nach auch das traditionelle Repertoire ab.
RADIOSZENE: Wie definieren Sie die Zielgruppe?
Andreas Lang: Es richtet sich an alle, die sich bei uns zuhause und wohl fühlen. Diese Zielgruppe lässt sich nicht altersmäßig eingrenzen. Schauen Sie sich Konzerte von Querbeat oder auch Cat Ballou an, wer dort im Publikum steht. Regional werden es natürlich vorrangig die Rheinländer sein, auch noch in Düsseldorf. Aber es gibt in ganz NRW viele gebürtige Rheinländer und Freunde der rheinischen Lebenskultur. Sonst würde man nicht im Januar und Februar an 15 Veranstaltungen der Lachenden Kölnarena die LANXXESS Arena vollbekommen. Das sind rund 300.000 Menschen, und die kommen von überall her, zum Großteil aus dem Rest NRWs. Und wäre dies nicht so, würden die Künstler nicht bundesweit auf Tour gehen.
RADIOSZENE: Worin liegt das Alleinstellungsmerkmal von Kölsch Radio gegenüber bestehenden und kommenden privaten Radioprogrammen wie Radio Altstadtwelle?
Andreas Lang: Kölsch Radio ist das erste Radio, welches dieses Genre terrestrisch auf DAB+ – und dann noch landesweit – verbreitet. Wir sind mit Start quasi die Nr. 1. Es hat damit ein absolutes Alleinstellungsmerkmal gegenüber allen anderen Radioangeboten, da es dieses als solches nicht gibt. Dies ist ja auch einer der Gründe, warum wir hier eine Chance für eine Etablierung sehen. Zwei der Mitinitiatoren stammen aus dem Rheinland und kennen den Hörer- und Werbemarkt in NRW und dem Rheinland sehr gut. Bei einem ist die Idee bereits 25 Jahre alt. Wir haben die Erfahrung und Marktkenntnis gepaart mit Marktforschung und regionaler Anbindung. Daher denken wir, dass wir sehr gut aufgestellt sind.
RADIOSZENE: Herr Lang, vielen Dank für das Gespräch.








