Radio-Köpfe | Mike Thiel: 30 Jahre Morningman bei Radio Gong 96.3

Am 1. April 2026 werden es 30 Jahre sein, dass Mike Thiel bei Radio Gong 96.3 Moderator der Morningshow, der nach ihm benannten „Mike Thiel-Show“, ist. Gewisse Routinen haben sich seither in seinem Leben eingeschliffen: „Ich schlafe fünf Stunden am Tag, nämlich von 22 Uhr bis 3 Uhr morgens. Das reicht mir. Am Wochenende stelle ich mir keinen Wecker und schlafe schon mal länger. Ich komme dann wieder mühelos in meinen Wochenrhythmus.“

Morningman Mike Thiel (Bild: ©Radio Gong 96.3)
Morningman Mike Thiel (Bild: ©Radio Gong 96.3)

Doch vor den Hörern aufzustehen reicht nicht, um sich in der Radio-Prime-Time des meistgehörten Münchener Privatsenders dauerhaft zu behaupten. Unser ständiger Mitarbeiter Hendrik Leuker hat Mike Thiel im Funkhaus von Radio Gong 96.3 im Münchener Stadtteil Bogenhausen getroffen und nachgefragt.

Der Weg zum Radio

Zunächst deutete beim gebürtigen Düsseldorfer nichts auf eine steile Radio-Karriere hin. Thiel machte nach der Mittleren Reife eine Ausbildung zum Hotelfachmann in einem Hotel an der Königsallee, das zu einer renommierten Hotelkette gehörte: „Mir ging es anfangs wie vielen. Ich habe mich gefragt: Wo geht es beruflich hin, welche Talente habe ich? Ich wäre für mehr Möglichkeiten, während der Schulzeit Praktika zu machen“, merkt Thiel an.

Und weiter: „Ein Hotel ist wie eine Stadt für sich. Ich arbeite gerne mit Menschen, habe auch internationale Praktika gemacht und war auf Messen unterwegs“, erinnert sich Thiel.

14 Jahre war Mike Thiel in der Hotelbranche tätig: „Auch damals legte ich bei Feiern als DJ auf“ – gewissermaßen als Rüstzeug für die spätere Karriere. Schließlich war Thiel Anfang der 90er-Jahre stellvertretender Chef eines Hotels an der Münchener Leopoldstraße, man stellte ihm sogar einen Auslandsposten in Aussicht: „Die hatten viel mit mir vor. Und dann hörte ich Radio – die Morningshow bei Radio Gong 96.3, damals noch mit Markus Langemann, Bully und Rick. Ich dachte mir: Das kann und will ich auch!“

Michael „Bully“ Herbig und Rick Kavanian (Bild: Radio Gong 96.3)
Michael „Bully“ Herbig und Rick Kavanian (Bild: Radio Gong 96.3)

Er nervte die Leute bei Radio Gong regelrecht. In einem Bewerbungsgespräch mit Moderator Andy Wenzel, der heute bei Charivari 95.5 tätig ist, konnte er ihn überzeugen, ihm einen Praktikumsplatz einzuräumen. Thiel kündigte im Hotel und fing 1993 bei Radio Gong an. Nach dem Praktikum wurde er als Redakteur übernommen und beschäftigte sich unter anderem mit O-Tönen. Als ein Nachrichtensprecher krank wurde, meisterte er dessen Part souverän.

Oliver BaierIn den Jahren 1994 und 1995 moderierte er an einem festen Sendeplatz von 17 bis 18 Uhr in der Drive-Time, außerdem eine damals neu eingeführte Kaffeeklatsch-Sendung mit Münchener Prominenten am Sonntagnachmittag – zusammen mit Oliver Baier, der später wieder zu Ö3 zurückkehrte.

Anfang 1996 war Mike Thiel am Ziel seiner Träume: „Geschäftsführer Georg Dingler fragte mich eines Tages, ob ich nicht Lust hätte, die Morningshow zu machen. Und ob ich wollte! Ich müsse es dann aber auch fünf Jahre machen. Ich sagte daraufhin: Machen wir zehn Jahre daraus! Bei meiner ersten Sendung am 01.04.1996 hatte ich Stefan Raab zu Gast, damals noch bei Viva.“ Daraus wurden inzwischen 30 Jahre.

Morgenmoderator – Mann mit Eigenschaften

Was zeichnet also einen guten Morgenmoderator aus? Thiel, einer der erfahrensten Morgenmoderatoren hierzulande, fallen dazu naheliegende Begriffe ein: „Zunächst sollte ein Morgenmoderator echtes Interesse an Menschen mitbringen. Er braucht Empathie und genügend Energie. Man sollte den Hörer mit dem, was man sagt, abholen, ohne ihn zu nerven. Humor ist dabei wichtig. Man muss einfach am Ball sein und wissen, wo in der Stadt etwa die besten Veranstaltungen laufen“, skizziert Thiel das Grundlegende.

Weiterhin sei wichtig, dass man sich dem Zeitgeist anpasse: „Als Morgenmoderator sollte man mit dem Zeitgeist gehen, also in der Lage sein, aufzuspüren und zu fühlen, was Menschen gerade bewegt.“ Auf dieser Grundlage passe man Programm und Inhalte an, setze auf die richtigen News, den richtigen Humor und die richtigen Themen.

Howard SternSo reagiere man darauf, wenn die Stadt gerade im EM-Fieber sei, sich Schlangen vor Läden für das neueste iPhone oder eine Tafel Dubai-Schokolade bildeten oder darüber getüftelt werde, wie man die Eisbachwelle für Surfer wieder zum Leben erwecke. Außerdem habe Thiel von den großen Hosts der US-Morningshows gelernt: „Ich war bei Howard Stern in New York und Rick Dees in Los Angeles“, fügt Thiel hinzu.

Sidekick – der Impuls in der Show

Ein Co-Moderator, manchmal auch zwei, gehört bei Radio Gong 96.3 seit Sendebeginn zum guten Ton in der Morningshow. Neben Arno Müller (104.6 RTL) zählt der langjährige Geschäftsführer des Senders, Georg Dingler, zu den größten Befürwortern eines Sidekicks, der als Hilfestellung für den Moderator fungieren soll.

„Ich habe schon immer mit Co-Moderatoren zusammengearbeitet. Anfangs mit Stephan Schmitter. Er war in der Sendung als Sidekick der ‚Sport-Schmitti‘, bevor er zu 104.6 RTL wechselte. Heute ist er der Big Boss von RTL Deutschland!

Mike Thiel und Karsten Wellert bei Radio Gong 96,3
Mike Thiel und Karsten Wellert (Bild: Radio Gong 96,3)

Dann mit Karsten Wellert, den meine erstgeborene Tochter auf ‚Kaka‘ getauft hat. Das war dann ein richtiger Co-Moderator. Er hat sich im großen Stil um die Show gekümmert und darüber hinaus unsere Hörerreisen organisiert. Aktuell und seit über zehn Jahren ist Natalie Diehl in der Show an meiner Seite. Das ist für mich eine echte Gesprächspartnerin. Sie bringt die weibliche Sicht auf Sachverhalte in die Show, denkt mit und lacht. Das hält die Show lebendig. Der Begriff ‚Sidekick‘ ist nicht abwertend, aber das ist Radio-Deutsch – deswegen sage ich das nicht über Antenne!“, führt Thiel aus.

Mike Thiel und Natalie Diehl (Bild: Radio Gong 96.3)
Mike Thiel und Natalie Diehl (Bild: Radio Gong 96.3)

Laut Eigenwerbung des Senders funktioniert die „Mike-Thiel-Show“ etwa so: „Wenn es morgens langsam hell wird über der schönsten Stadt der Welt – dann ist Mike Thiel schon wach und bringt München in den neuen Tag.“

Wie bewerkstelligen Thiel und die Redaktion der Morningshow das? „Wir entwickeln die Show ständig weiter. Was aber beständig ist, sind gute Laune, Hits, Wetter- und Verkehrsservice, Hinweise auf Events und Geschichten mit Regionalbezug, Empathie und Aktualität“, nennt Thiel die wesentlichen Zutaten.

„Was in der Stadt passiert, darüber reden wir am Morgen. Wir wollen Menschen emotional berühren, es gibt bei uns viel zu lachen. Wir sind ein Freund, der morgens anschiebt, gleichzeitig aber auch eine Marke in der Stadt.“

Die Hits – Wasser, auf dem man fährt

Derzeit spielt Radio Gong 96.3 die aktuellen Hits und dazu im Mix „supergeile“ 2000er: „Das ist genau die Musik, die die Hörer hören wollen! Am Ende des Tages haben die Hörer den Soundtrack ihres Lebens gehört. Mit den 2000ern wecken wir erste Erinnerungen, und mit den aktuellen Hits befinden wir uns am Puls der Zeit“, erklärt Thiel.

„Musik hat schon immer mein Leben bestimmt“, gibt Thiel Einblick in seine Freizeitgestaltung. „Ich höre musikalisch alles – Klassik, Jazz, Weltmusik, Pop und Oldies. Ich denke, ein Morgenmoderator sollte viel Musik hören, ein Feeling dafür haben und somit legitimiert sein, mit Musikern über ihre Musik zu reden.“

Mike Thiel und Johannes Ott mit dem Deutschen Radiopreis (Bild: Gong 96.3)
Mike Thiel und Johannes Ott mit dem Deutschen Radiopreis (Bild: Gong 96.3)

So habe er beispielsweise bei seiner großen Erfolgswelle 1999 Lou Bega im Studio gehabt und kürzlich den kanadischen Sänger und Songwriter The Weeknd. In einer festen Rubrik der Morgensendung werden die Hörer bei schrägen Titeln schon einmal gefragt: „Hit oder Shit?“: „Es geht dabei um formatfremde Musik – Musik, die wir sonst nie spielen würden. Die Shitparade habe ich 1997 erfunden. Sie ist immer noch ein Brüller bei den Hörerinnen und Hörern“, so Thiel.

Hörerreisen und Mike Thiel-Fanclub

In der „Mike Thiel-Show“ wurden in den 2000er-Jahren auch Hörerreisen verlost: „Da waren entfernte Ziele wie Las Vegas oder Dubai dabei, aber auch Kreta, Málaga und Rom einschließlich Vatikan“, erinnert sich Thiel. Um die Hörerreisen kümmerte sich vorwiegend Co-Moderator Karsten Wellert alias „Kaka“.

Mike Thiel sammelt Schulsachen für 3.000 Kinder. (Bild: © Gong 96.3)
Mike Thiel sammelt Schulsachen für 3.000 Kinder. (Bild: © Gong 96.3)

Eine Anekdote zur Rom-/Vatikan-Reise erzählt Mike Thiel besonders gern: „Kaka ist ein gläubiger Mensch und wollte die Reise nutzen, um auch den Papst zu besuchen. Ich kam auf die Idee, Papst Benedikt XVI. meine gerade besorgte goldene Bibel zum Signieren zu überreichen. Der Papst nahm die Bibel an sich und legte sie in das Innere seines Papamobils. Ich war ganz verdutzt – hatte der Papst doch meine Bibel geklaut! Durch den folgenden Schriftverkehr klärte sich das Missverständnis auf, und ich bekam meine goldene Bibel signiert zurückgeschickt“, schmunzelt Thiel.

Ein wenig wird noch immer gereist: Vergangenen Winter startete der „Hahnenkamm-Express“ nach Tirol, weitere Trips seien angedacht. Seit über 20 Jahren verfügt Mike Thiel über einen eigenen Fanclub, den 1. MMMike-FanClub e. V., geleitet von Christian Glas aus Hebertshausen bei Dachau.

„Der Christian hat sich irgendwann gemeldet. So habe ich überhaupt erst von meinem Fanclub erfahren. Derzeit sind es rund 130 Leute. Wir treffen uns regelmäßig zu Veranstaltungen“, so Thiel. Besonders bei Sammlungen auf Weinfesten und bei der jährlichen Weihnachtstombola im mexikanischen Restaurant „La Bodega“ in Dachau gehe der Erlös an soziale Zwecke, unter anderem an Obdachlosenhilfen.

Radio in zehn Jahren

Wie wird Radio in zehn Jahren aussehen? „Warum alles schwarzmalen? Das Hörverhalten wird sich ändern, die Zeit dreht sich weiter. Radio darf nicht stehen bleiben. Die Technik wird sich anpassen, KI wird zum Einsatz kommen und uns unterstützen. Radio wird interaktiver, Streaming und Podcasts werden mit dem Radio verzahnt werden. Eines kann dem Radio niemand nehmen: die Magie des Livemoments. Deswegen wird es Radio auch weitergeben – davon bin ich überzeugt“, skizziert Thiel seine Sicht auf die Zukunft.

Hobbys, Hör- und Sehgewohnheiten

Mike Thiel ist verheiratet, hat vier Kinder und wohnt am Ammersee. Daraus ergeben sich auch seine Hobbys: „An erster Stelle steht meine Familie – alles, was mit meinen Kindern zusammenhängt: Schule, Erziehung und Größerwerden. Dann alles, was mit Wasser zu tun hat. In meiner Freizeit stehe ich gerne auf einem SUP. Ich war wohl einer der ersten Supper, gewissermaßen ein Trendsetter. Ein SUP ist ein Surfbrett mit einem Paddel“, erklärt Thiel.

Mike Thiel und Hendrik Leuker
Mike Thiel und Hendrik Leuker

Was das Fernsehen angehe, schaue er meist nicht linear: „Als Morgenmoderator ist zeitversetztes Fernsehen angesagt. Eigentlich kreuz und quer alles. Gerade habe ich eine Doku über den Rapper Haftbefehl auf Netflix angeschaut. Das interessiert mich. Genauso wie Sportsendungen – ich bin da etwas stigmatisiert durch meine Public-Viewing-Moderationen im Olympiastadion bei der Fußball-WM 2014 und beim ‚Finale dahoam‘ in der Champions League 2012.“

Beim Radio höre er auch die Konkurrenz: „Ich muss doch wissen, was die so treiben.“ Bei Podcasts bevorzugt er „Lanz und Precht“, „Baywatch Berlin“ und „Gemischtes Hack“.

Hörtipp

Die „Mike-Thiel-Show“ werktags von 5 bis 9 Uhr mit Mike Thiel und Natalie Diehl auf Radio Gong 96.3.

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