NRWision ist mehr als ein Fernsehsender – es ist die Lern- und Mitmachplattform für Medienmacher:innen in Nordrhein-Westfalen. Ob Video, Audio oder Podcast: Bürgerinnen und Bürger sowie Studierende können eigene Beiträge einreichen, werden professionell betreut und auf TV, Livestream oder Mediathek veröffentlicht.

Dortmund. Ein leichter Geruch von Farbe und Holz liegt in der Luft, als Besucherinnen und Besucher am Samstag (22.11.) durch die hellen, neuen Räume von NRWision schlendern. Die Bürgermedienplattform Nordrhein-Westfalens hat ihre bisherigen Räumlichkeiten verlassen und ist nun direkt am Campus Nord der TU Dortmund angesiedelt. Anlass für einen Tag der offenen Tür, bei dem Interessierte einen Blick hinter die Kulissen werfen können – und die Möglichkeiten, die NRWision bietet, live erleben.
Ein Umzug, der Perspektiven öffnet
„Wir waren zuvor in der Otto-Hahn-Straße, ungefähr einen Kilometer vom Campus entfernt. Jetzt sind wir mittendrin“, erklärt Chefredakteurin Leonie Krzistetzko. „Der Umzug ermöglicht uns ein TV-Studio, das wir seit Jahren nicht hatten, und gleichzeitig Audio- und Videoprojekte in einem neuen Setting umzusetzen. Wir können Leute zusammenbringen, Veranstaltungen organisieren – das war vorher nur schwer möglich.“

Die neuen Räumlichkeiten liegen strategisch günstig: Nähe zum Institut für Journalistik, zu studentischen Radioprojekten und Lehrredaktionen – hier kann NRWision Theorie und Praxis unmittelbar verbinden. Krzistetzko beschreibt das Umfeld als „Medienhaus“, in dem Ausbildungsabteilungen, Studios und Redaktionen miteinander verzahnt sind.
NRWision: Lern- und Lehrsender für alle

„Wir sind ein partizipatives Projekt“, erklärt die Chefredakteurin. „Alle Menschen aus NRW, die Medien machen wollen, können ihre Beiträge bei uns einreichen und bekommen dabei redaktionelle und technische Unterstützung.“ Von Reportagen über Interviews bis hin zu Urlaubsvideos – jede Einreichung wird professionell begleitet, medienrechtlich geprüft und in einem geschützten Rahmen veröffentlicht. Wer mitmacht, lernt gleichzeitig, wie man Beiträge verbessert, Inhalte medial professionell aufbereitet und die eigenen Kompetenzen im Umgang mit Medien erweitert.
Die Inhalte von NRWision sind nicht nur online über die Mediathek verfügbar, sondern laufen auch linear im digitalen Kabelnetz und per Livestream. Gleichzeitig fungiert der Sender als Bindeglied zwischen Praxis und Theorie: Studierende der Journalistik und Auszubildende im Bereich Mediengestaltung übernehmen redaktionelle Betreuung und sammeln so wertvolle Praxiserfahrung.
Mit dem Umzug an den Campus Nord hat NRWision nicht nur neue Räumlichkeiten bezogen, sondern sich strategisch in die Nähe wichtiger Partner gerückt. „Wir waren zuvor nur etwa einen Kilometer entfernt, jetzt sind wir direkt im Herzen der TU Dortmund“, sagt die Chefredakteurin. „Das macht uns leichter zugänglich – für Studierende, für Bürgerinnen und Bürger, für alle, die bei uns mitmachen wollen.“

Ein zentrales Ziel des neuen Standorts ist der Aufbau eines modernen TV- und Audio-Studios, das noch im kommenden Jahr fertiggestellt werden soll. Die Möglichkeiten reichen weit über die bisherigen Produktionsbedingungen hinaus: Neben der professionellen Aufnahme von Video- und Audiobeiträgen können hier auch kleine Veranstaltungen stattfinden und die Zusammenarbeit mit Studierenden intensiviert werden. Durch die räumliche Nähe zum Institut für Journalistik und zu Projekten wie „Eldoradio“ und Kurt – die Lehrredaktion am Institut für Journalistik der TU Dortmund – entsteht ein echtes Medienhaus, in dem Lernen, Praxis und Vernetzung nahtlos ineinandergreifen.
NRWision versteht sich so nicht nur als Plattform für Bürger:innen und Nachwuchsmedienmacher:innen, sondern auch als lebendiger Lernort, an dem Medienkompetenz praxisnah vermittelt wird. „Hier treffen Theorie und Praxis zusammen“, betont die Chefredakteurin. „Die Studierenden können unmittelbar in Redaktionsprozesse eintauchen, eigene Formate entwickeln und gleichzeitig die Arbeit eines modernen Medienhauses miterleben.“
Videoprojekt an der Schule
Zwischen neugierigen Kinderstimmen und dem Surren der Studiotechnik zeigt der Tag der offenen Tür bei NRWision, welchen besonderen Reiz der Bürgermedien-Sender für Familien hat. Während die jungen Besucherinnen und Besucher sich als Moderator*innen ausprobieren oder erstmals selbst eine Studiokamera führen, berichten ihre Mütter von ganz unterschiedlichen Wegen zum Sender. Marta (40) aus Gronau etwa lernte NRWision erst über Musikcoach Dennis Buss kennen – ihr Sohn Julian (11) hat an seiner Schule einen Song mit Dennis produziert, der bei NRWision im Programm lief.

Trotz ihrer grundsätzlichen Vorsicht gegenüber Social Media überwiegt für sie der Stolz, wenn sie sieht, mit welcher Begeisterung ihr Sohn bei der Sache ist. Medine, deren zwei Töchter Ela (11), Sara (10) im selben Workshop mitmachen, sieht das entspannt: „Die hatten so viel Spaß, da mache ich mir keinen Kopf.“ Für beide Familien ist der Studiobesuch eine Premiere – und zugleich ein Blick hinter die Kulissen eines Medienortes, der Kinder spielerisch an Moderation, Kameraarbeit und Mediengestaltung heranführt.
Jazzliebhaber gibt sein Wissen weiter
Mit NRWision hat der 76-jährige Jazzliebhaber und ehemalige Piratenradio-Moderator Yvon Martin eine neue Heimat gefunden – und eine Möglichkeit, sein über Jahrzehnte gewachsenes Wissen nicht im „verschlossenen Koffer“ verstauben zu lassen. Seit drei Monaten produziert der Willicher mit erstaunlicher technischer Leichtigkeit seine Jazzsendungen, die auf alten Schallplatten-Schätzen und viel Lebenserfahrung basieren. Die Plattform entdeckte er eher zufällig im Netz, doch die freundliche Unterstützung der Redaktion überzeugte ihn sofort. Für Martin, der einst im Burgenland bei einem selbstgebauten Piratensender und später im Düsseldorfer Bürgerfunk moderierte, schließt sich damit ein Kreis: Nach analogen Abenteuern und beruflichen Pausen kann er heute digital weitermachen – und das, wie er sagt, aus purer „Liebe zum Weitergeben“.
Nerdybunch
Mit „Nerdybunch” hat Julian Fuhrmann gemeinsam mit einem bundesweit vernetzten Team ein Format etabliert, das sich mit spürbarer Leidenschaft durch die Welten von Anime, Manga, Cosplay und Popkultur bewegt. Seit 2022 erscheint der Hobby-Podcast auch bei NRWision – nicht aus Zufall, sondern aus Überzeugung. Die Plattform biete, so Fuhrmann, „professionelles Feedback“, das selbst für ein bereits routiniertes Team wertvolle technische Impulse liefere.
Besonders schätzen die Podcaster die Möglichkeit, über NRWision dank der GEMA-Lizenzierung auch geschützte Musikstücke einzubinden – ein Freiraum, den ein unabhängiger Podcast auf anderen Plattformen sonst kaum hätte. Für Fuhrmann ist das Angebot mehr als nur eine zusätzliche Ausspielstation: Es öffne neue Zielgruppen und verleihe dem Bürgerfunk in NRW eine Aufmerksamkeit, „die ihn aus der Nische holt“. Umso größer wäre die Lücke, sollte die Förderung der Plattform jemals entfallen.
Sorgen wegen Kürzungen

Trotz der wachsenden Zahl an Podcast-Plattformen bleibt NRWision für viele Bürgerfunker ein unverzichtbarer Anker – das bestätigt auch Sascha Schunk, der seit mehr als einem Jahrzehnt – mit einer Pause von fünf Jahren – Bürgerfunk-Sendungen für Antenne AC produziert. Für ihn schließt die Mediathek eine Lücke, die lange offengeblieben war: Endlich lassen sich verpasste Bürgerfunkbeiträge unkompliziert nachhören – professionell gehostet, sorgfältig geprüft und begleitet von individuellem Feedback. Gerade diese Mischung aus redaktioneller Unterstützung und technischer Zuverlässigkeit mache die Plattform für Hobby-Radiomacher so wertvoll, erklärt Schunk. Sie gebe Amateur- und Nachwuchsmoderatoren nicht nur Sichtbarkeit, sondern auch ein Gefühl von Ernsthaftigkeit und Qualität, das gängige Massenplattformen nicht bieten könnten.
Umso größer ist die Sorge angesichts der jüngsten Kürzungen bei der Landesanstalt für Medien NRW, die NRWision spürbar treffen. Schunk sieht darin ein fatales Signal für alle, die ehrenamtlich Themen in die Öffentlichkeit tragen, die sonst kaum Gehör fänden – von Mediensucht über Pflegekrisen bis hin zu investigativen Gesprächen mit Behörden. Für ihn ist die Plattform längst mehr als nur ein Archiv: Sie fungiert als Referenz, Türöffner und Qualitätsmerkmal zugleich. Wer sich später in lokalen Redaktionen oder für ein Volontariat bewerbe, könne über NRWision professionelle Arbeitsproben vorweisen. Dass ausgerechnet dieses Angebot finanziell geschwächt werde, hält Schunk für einen herben Rückschritt – für die Radiolandschaft in NRW und für den Bürgerfunk, der vielen Menschen erst eine Stimme verleiht.
Bei NRWision wird jede Stimme ernst genommen
Seit der Öffnung der Plattform für Audioformate zeigt sich ein klarer Trend: Audiobeiträge überwiegen mittlerweile. Die Themenvielfalt ist groß – von politischen Sendungen über persönliche Geschichten bis zu Popkultur, Gesundheit oder Überlebenstraining. Die Länge der Beiträge reicht von anderthalb Minuten bis zu mehreren Stunden.
„Wir wollen, dass NRWision ein Experimentierfeld bleibt“, sagt Krzistetzko. „Ideen, die sonst vielleicht nicht umgesetzt werden können, sollen hier ausprobiert werden. Dabei denken wir auch generationsübergreifend: Wir haben junge und ältere Zielgruppen im Blick. Die NRWohnzimmer sind Unterseiten unserer Mediathek, die speziell Angebote für unterschiedliche Altersgruppen bündeln.“
Sicherheit und Unabhängigkeit als Stärke
Neben Partizipation legt NRWision großen Wert auf Sicherheit und Unabhängigkeit. „Es ist nirgendwo so sicher zu publizieren wie bei uns. Jeder Beitrag wird geprüft, es gibt keine Hate Speech, und wir haben einen GEMA-Rahmenvertrag. Das ermöglicht es Nutzenden, auch Musik rechtlich abgesichert einzusetzen – das können andere Plattformen nicht leisten“, erklärt Krzistetzko. Hier zählt nicht, wer die meisten Klicks generiert, sondern wer Geschichten erzählt, Gedanken teilt oder gesellschaftliche Themen zur Diskussion stellt – ohne den Druck von Quoten, Reichweiten oder kommerziellen Zwängen.
Ob politische Reportagen, persönliche Podcasts, kreative Videoproduktionen oder Themen, die in der breiten Medienlandschaft kaum Platz finden – bei NRWision wird jede Stimme ernst genommen und findet ihren Raum. Gerade in Zeiten, in denen Hassrede, Desinformation und die Unübersichtlichkeit digitaler Plattformen für viele Menschen einschüchternd wirken, schafft NRWision einen geschützten Raum, in dem kreative Medienarbeit ohne Angst und Hürden möglich ist.
Für viele Hobby-Podcaster oder Bürgerfunkschaffende ist das ein entscheidender Vorteil. Inhalte können eingebettet werden, bleiben rechtlich abgesichert und erreichen gleichzeitig ein Publikum über Mediathek und Fernsehsender. Damit wird Selbstwirksamkeit gestärkt: Menschen erkennen, dass Medien nicht nur etwas für Profis oder große Konzerne sind, sondern dass sie selbst aktiv gestalten, berichten und in den Dialog treten können.

Die Vernetzung ist ein weiteres Fundament von NRWision. Rund 1.500 Gruppen, die auch aus 20 – 25 Personen bestehe können, und Einzelpersonen aus dem gesamten Bundesland sind mittlerweile Teil dieses Netzwerks. Mit den „NRWohnzimmern“, Unterseiten der Mediathek für unterschiedliche Altersgruppen – „NRWision YOU“ für die junge Generation und „Lebensgeschichten“ Angebot für Menschen ab 55 Jahren – wird gezielt auf die Interessen und Bedürfnisse der Nutzerinnen und Nutzer eingegangen „Das geht in der Anonymität von YouTube oder Spotify nicht“, sagt die Chefredakteurin. Sie tauschen sich aus, lernen voneinander, kooperieren und realisieren Projekte, die ohne die Plattform nicht möglich wären.
Dieses Netzwerk ist mehr als nur eine Sammlung von Kontakten – es ist ein lebendiger, kontinuierlich wachsender Raum für Austausch, Kollaboration und Innovation. Dabei spielt die Förderung des Dialogs eine zentrale Rolle: Inhalte sollen Diskussionen anstoßen, die nicht nur bestätigen, was ohnehin alle wissen oder denken, sondern unterschiedliche Perspektiven zusammenbringen. Gerade in einer Zeit gesellschaftlicher Spannungen, Polarisierungen und globaler Herausforderungen wird dieser Ansatz zur zentralen Funktion von NRWision: Demokratie lebt vom Dialog, und NRWision schafft Räume, in denen Dialog möglich wird – konstruktiv, respektvoll und inklusiv.
Zukünftige Ausrichtung
Trotz sinkender Fördermittel blickt Krzistetzko optimistisch nach vorne: „Wir arbeiten daran, NRWision zukunftsfähig zu gestalten, Ideen auszuprobieren und neue Formate zu entwickeln. Künstliche Intelligenz, soziale Medien, demokratischer Dialog – all das spielt eine Rolle. Wir wollen Medienkompetenz fördern und Menschen befähigen, selbstwirksam zu handeln.“ Neue Formate sollen stärker die sozialen Medien einbeziehen, um Reichweiten zu erweitern und auch jüngere Zielgruppen zu erreichen, ohne die Qualität oder Sicherheit der Inhalte zu kompromittieren. Gleichzeitig steht die Erforschung und Nutzung von Künstlicher Intelligenz auf der Agenda, allerdings stets unter der Prämisse, dass technologische Innovationen sinnvoll, konstruktiv und partizipativ eingesetzt werden.
Die Plattform bleibt lokal verankert, zeigt aber zugleich, dass ihre Reichweite über Nordrhein-Westfalen hinausgeht: „Unsere Inhalte werden nicht nur in NRW angesehen. Programmaustausch zwischen Bundesländern ist denkbar, aber lokale Ansprechpartner bleiben essenziell. Bürgermedien sind alles, was Bürgerinnen und Bürger selbst produzieren – von Schulradio bis Senioren-Reportagen. Wir wollen, dass diese Vielfalt sichtbar bleibt.“ Diese Kombination aus regionaler Verwurzelung und überregionaler Öffnung macht NRWision einzigartig in Deutschland.
In einer Zeit, in der internationale Plattformen die Medienlandschaft dominieren, beweist NRWision, dass lokal verankerte Medienprojekte unverzichtbar sind. Sie bieten Schutz, fördern Vielfalt und schaffen Räume für Selbstwirksamkeit, demokratischen Dialog und gesellschaftliche Teilhabe. Sie ermöglichen Menschen aller Altersgruppen, aktiv mitzugestalten, sich einzubringen und ihre Perspektiven sichtbar zu machen. NRWision ist daher nicht nur eine Plattform, sondern eine lebendige Bühne für Bürgerinnen und Bürger, ein sicherer Hafen für mediale Kreativität und ein Leuchtturm für die demokratische Kultur Nordrhein-Westfalens – lokal, partizipativ, generationenübergreifend und zukunftsorientiert zugleich. „NRWision ist eine sichere Bühne für alle, die gehört werden wollen“, resümiert die Chefredakteurin Leonie Krzistetzko.









