RTL streicht 600 Jobs – Kritik aus NRW wächst

RTL-LogoRTL Deutschland richtet seine Organisation tiefgreifend neu aus und will konzernweit rund 600 Arbeitsplätze abbauen. Das teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Der Schritt ist Teil einer strategischen Neuausrichtung hin zum Streaminggeschäft, das nach Unternehmensangaben dynamisch wächst. Besonders betroffen sei laut Einschätzung des Deutschen Journalisten-Verbands NRW (DJV-NRW) der Standort Köln.

Wie RTL mitteilt, verfolgt das Unternehmen das Ziel, seine Strukturen angesichts der „beschleunigten Transformation des Mediengeschäfts“ sowie konjunktureller Herausforderungen „zukunftssicher aufzustellen“. Der Fokus liege klar auf RTL+, dessen Abonnentenzahl seit 2019 von 0,8 auf über 6,6 Millionen gestiegen sei. Die Einschnitte sollen sozialverträglich über ein Abfindungsprogramm und Altersteilzeit erfolgen, in enger Abstimmung mit den Betriebsräten.

Stephan Schmitter (Bild: RTL RADIO)
Stephan Schmitter (Bild: RTL RADIO)

RTL-CEO Stephan Schmitter begründet die Maßnahmen: „Der Medienmarkt befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. […] Um langfristig erfolgreich und wettbewerbsfähig zu bleiben, richten wir RTL Deutschland noch konsequenter auf das Streaming-Geschäft aus.“ Weiter betont er, der Personalabbau solle „so fair und verantwortungsvoll wie möglich“ gestaltet werden. Die Maßnahmen seien „tiefgreifend, aber zwingend notwendig“.

DJV-NRW zum RTL-Stellenabbau: „Schwerer Schlag für Medienstandort NRW“

DJV-NRWDer DJV-NRW bewertet die Lage deutlich kritischer. Landesvorsitzende Andrea Hansen spricht von einem „schweren Schlag für den Medienstandort NRW“. Besonders in Köln verschärfe der bevorstehende Abbau eine ohnehin angespannte Personalsituation: „In Köln trifft es die Beschäftigten in einer Situation, in der sie bereits seit Jahren eine hohe Zahl unbesetzter Stellen durch viele Überstunden ausgleichen. Mit noch weniger Menschen in den Redaktionen wird es für sie extrem schwer, weiter Qualitätsjournalismus zu liefern.“

Andrea Hansen (Bild: © UweVölkner / AgenturFOX)
Andrea Hansen (Bild: © UweVölkner / AgenturFOX)

Der Verband fordert von RTL ein tragfähiges Zukunftsmodell für die Redaktionsteams. Hansen kritisiert zudem strategische Fehlentwicklungen der Vergangenheit: „Die Übernahme von Gruner & Jahr hat sich offensichtlich als teure Fehlinvestition entpuppt. Ob die geplante Übernahme von Sky ein klügerer Schachzug ist, muss sich noch zeigen.“ Positiv hebt sie hervor, dass RTL zumindest ein Paket für einen fairen Sozialausgleich vereinbart habe.

Über den Konzern hinaus sieht der DJV-NRW die Politik in der Pflicht. Hansen fordert: „Sie muss nach ungezählten Sonntagsreden für die Pressefreiheit nun endlich Taten folgen lassen, um den Journalismus massiv zu stützen.“ Sie verweist auf die jüngste Entscheidung des Bundes, die Förderung des Journalismus und eine mögliche Mehrwertsteuersenkung nicht weiterzuverfolgen. Die Landesregierung habe dagegen „bis zuletzt für eine öffentliche Unterstützung und Mehrwertsteuersenkung“ geworben.

Quellen: RTL Deutschland / DJV NRW