Lebensalter oder Generation – was bestimmt die Mediennutzung?

Lebensalter oder Generation - was bestimmt die Mediennutzung? (Bild: © Pexels / Gustavo Fring)
Lebensalter oder Generation – was bestimmt die Mediennutzung? (Bild: © Pexels / Gustavo Fring)

Die fortschreitende Digitalisierung und der Wandel von Medienangeboten und deren Verbreitungswegen prägt die Mediennutzung zunehmend. Wie sich dies im Zeitverlauf auf Trends und langfristigen Entwicklungen der Mediennutzung verschiedener Generationen auswirkt, analysierte die Kohortenanalyse der ARD/ZDF-Medienstudie 2025. Ergebnisse hierzu finden sich in der aktuellen Ausgabe von Media Perspektiven.

Langzeitanalyse zeigt drei zentrale Effekte, die Mediennutzung beeinflussen

Es zeigt sich, dass die Mediennutzung im Zeitverlauf von Alters-, Perioden- und Kohorteneffekten geprägt ist. Das aktuelle Alter zum Zeitpunkt einer Untersuchung ist somit nicht allein entscheidend für unterschiedliche Entwicklungen der Mediennutzung bei verschiedenen Personen. Ein Periodeneffekt liegt vor, wenn ein neues Medienangebot zuerst von den aufgeschlossensten Personen (Early Adopter) in ihren Medienalltag integriert wird und sich für eine gewisse Zeit zunehmend auch bei den Älteren etabliert (wie etwa ein starker Zuwachs der Hördauer in den 90-er Jahren). Ein solcher langfristiger Effekt ist also mehr als ein kurzfristiger Trend.

Die Mediennutzung verändert sich auch im Laufe des Lebens, denn die Lebenssituation (Erwachsenwerden, Berufstätigkeit, Gründung von Familie, Ruhestand usw.) nimmt hierauf großen Einfluss. In diesem Fall, wenn man die Mediennutzung von gleichaltrigen Personen vergleicht, spricht man von Alterseffekten. Kohorteneffekte spiegeln einmal erworbene Vorlieben wider, die jede Generation aufweist, und sie von den vorherigen oder nachkommenden Generationen unterscheidet.

Mediennutzung 1980 bis 2025 im Kohortenverlauf (netto) (Bild: ARD/ZDF Medienstudie 2025)

Unterschiede der Kohorten in der Gesamtnutzung der Medien

Bei den Kohorten der vor 1990 geborenen Menschen lassen sich Periodeneffekte erkennen: Die Mediennutzung wuchs zwischen 1995 und 2005 deutlich, seit 2010 zeigt sich eine Sättigung. Dies bedingt die im Vergleich mit den vorher Geborenen sinkende Mediennutzung mit steigendem Alter aller Kohorten der ab 1930 Geborenen. Nur die jüngste untersuchte Kohorte, die zwischen 2000 und 2009 Geborenen, verbrachte zu den Messzeitpunkten ähnlich viel Zeit mit Medien wie die Kohorte vor ihnen. Generell lässt sich derzeit ein leichter Rückgang der Mediennutzung feststellen, nur die Kohorte der 1980 bis 1989 Geborenen nutzt mehr Medien als im Corona-Jahr 2020.

Kohortenanalysen bilden Medienalltag einzelner Generationen über langen Zeitraum ab

Um den Medienalltag unterschiedlicher Generationen abzubilden und einzuordnen wurden in der ARD/ZDF-Medienstudie 2025 Kohortenanalysen durchgeführt. Sie dienen dazu, inmitten der schnell voranschreitenden Digitalisierung die Entwicklung der Mediennutzung mit einem größeren Abstand zu betrachten. So ist es möglich, trotz des Wandels von Medienangeboten und Verbreitungswegen zentrale Trends der Mediennutzung der einzelnen Generationen über einen langen Zeitraum zu erkennen.

Auswirkungen der Digitalisierung unterscheiden sich zwischen Video und Audio stark

Im Bewegtbildbereich geht die lineare Nutzung in allen Altersgruppen zurück. In den jüngsten Kohorten sinkt die Nutzung dramatisch – hier scheint es jenseits von Live-Übertragungen großer Ereignisse nur wenige Inhalte zu geben, die noch spezifisch im Linearen verfolgt werden. Vielmehr findet die Nutzung inzwischen weitgehend zeitsouverän statt. Jedoch bleibt die Nutzung innerhalb der Kohorten mit zunehmendem Lebensalter stabil, während ihre Vorgänger-Kohorten ihre Bewegtbildnutzung mit steigendem Alter ausgeweitet hatten. Gleichzeitig sorgen die Rückgänge des linearen Fernsehens in den mittleren Alterskohorten sogar für eine geringere Videonutzung insgesamt, während die Ältesten rückläufige TV-Nutzung mit mehr non-linearer Nutzung kompensieren.

Bei der Audionutzung verläuft die Entwicklung anders: Hier geht die lineare Radionutzung bei den Älteren stärker zurück als bei den Jüngeren. Für Ältere scheint sich der Rückgang beim Radiohören hingegen nicht in Steigerungen beim non-linearen Audio niederzuschlagen, sondern eher in einer insgesamt niedrigeren Hördauer.

Auch bei den Texten sinken die Lesedauern bei Älteren im Einklang mit der rückläufigen Printnutzung, während sich bei den Jüngsten das gedruckte Buch erstaunlich resistent zeigt und gleichzeitig die digitale Nutzung von Artikeln auf diversen Plattformen anwächst.

Immer mehr Angebote kämpfen um knapper werdende Zeitbudgets

Als zentraler Befund lässt sich festhalten, dass die steigende Bedeutung des Internets als Verbreitungsweg von Medieninhalten zwar einen großen Einfluss auf die Verteilung von Medienbudgets hat, die gestiegene Vielfalt der Angebote aber nicht dazu führt, dass die Mediennutzung insgesamt weiter ansteigt. Im Gegenteil: Nur die Kohorte 1980 bis 1989 weitet ihren Medienkonsum gegenüber dem Stand von 2020 aus, während gerade bei den Älteren die Mediennutzung deutlich zurückgeht. Dass die Digitalisierung nun auch die älteren Generationen stärker erfasst, wird diesen Trend wohl auch in den kommenden Jahren befeuern.

Quelle: Media Perspektiven

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