Medienkarrieretag NRW 2025: Lokalfunk zieht wieder Nachwuchs an

Medienkarrieretag NRW 2025 (Bild: © Landesanstalt für Medien NRW / Stephanie Lieske)
Medienkarrieretag NRW 2025 (Bild: © Landesanstalt für Medien NRW / Stephanie Lieske)

Beim Medienkarrieretag 2025 der Landesanstalt für Medien NRW in Düsseldorf trafen sich am 6. November erneut junge Talente, Studierende, Quereinsteiger*innen und erfahrene Medienprofis, um die Zukunft der Medienbranche zu diskutieren und neue Perspektiven kennenzulernen. Die Veranstaltung, die zweimal jährlich stattfindet, richtet sich an alle, die eine Karriere im Journalismus, Radio, Podcasting oder in digitalen Medien anstreben. Zwischen praxisnahen Workshops, Panels mit erfahrenen Profis und direkten Gesprächen an den Ständen von 17 Medienunternehmen standen sowohl Karrierechancen als auch gesellschaftliche Verantwortung im Mittelpunkt. Rund 180 Teilnehmende nutzten die Gelegenheit, um Einblicke in aktuelle Trends, Technologien und berufliche Wege zu erhalten, die die Medienlandschaft heute prägen.

Dr. Tobias Schmid (Pressefoto)Dr. Tobias Schmid Direktor der Landesanstalt für Medien NRW, betonte die Bedeutung einer vielfältigen Medienlandschaft für die Demokratie: „Eine funktionierende Demokratie braucht starke, unabhängige Medien. Manipulation und Desinformation müssen erkannt und entschieden bekämpft werden.“ Themen wie Fake News, Hate Speech und der Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Journalismus standen daher auf der Agenda. Gleichzeitig ging es um praxisnahe Fähigkeiten: Von der Gestaltung digitaler Inhalte über Social Media bis hin zu Podcasts erhielten die Teilnehmenden wertvolle Tipps für den Berufseinstieg und die Karriereplanung.

Persönliche Erfahrungen: Vom Chemie-Studium ins Medienhandwerk

Die persönliche Dimension zeigte sich am Medienkarrieretag besonders bei Anne, 26, Chemie-Studentin, die zum ersten Mal an der Veranstaltung teilnahm. „Ich wollte herausfinden, ob Journalismus etwas für mich ist“, erzählt sie. Für Anne bedeutet Journalismus ständiges Lernen über Menschen, Themen und Zusammenhänge – eine Perspektive, die sich stark von ihrem naturwissenschaftlichen Studium unterscheidet. Besonders beeindruckt war sie vom Content-Creator-Panel, das Mut machte, Projekte einfach zu starten: „Wenn ich darauf hören würde, würde ich weiter Theoretische Chemie machen, egal wie die Chancen stehen.“ Annes Notizblock, gefüllt mit Beobachtungen und Gedanken statt Formeln, ist ein Symbol für den Übergang vom analytischen Denken hin zu kreativem, aufmerksamem Arbeiten – eine Fähigkeit, die in der modernen Medienwelt unverzichtbar ist.

Politik trifft Praxis – Ein Gespräch mit dem Medienminister

Ein besonderes Highlight am Medienkarrieretag war die Diskussionsrunde mit Nathanael Liminski, Minister für Medien des Landes Nordrhein-Westfalen und Chef der Staatskanzlei. Liminski, Sohn des Hörfunkjournalisten Jürgen Liminski, sprach offen über seine ungewöhnliche Laufbahn, die ihn vom Redenschreiber in die Politik führte.

Nathanael Liminski (Bild: © Landesanstalt für Medien NRW / Stephanie Lieske)
Nathanael Liminski (Bild: © Landesanstalt für Medien NRW / Stephanie Lieske)

Mit Humor und Reflexion berichtete er, wie er einst für Größen wie Volker Bouffier, Ursula von der Leyen oder Armin Laschet schrieb und dabei erkannte, „wie sehr Wort Realität prägen kann“. „Sie können die beste Rede schreiben – wenn sie in der Schublade verschwindet, verändert sie nichts.“ Seine Botschaft an die Studierenden war klar: Sprache formt Macht – und wer sie beherrscht, trägt Verantwortung.

Medienpolitik zwischen Verantwortung und Zukunftssicherung

Inhaltlich schlug Liminski den Bogen von der persönlichen Erfahrung zur medienpolitischen Realität. Er betonte, dass journalistische Freiheit untrennbar mit wirtschaftlicher Unabhängigkeit verbunden sei – eine zentrale Herausforderung für Redaktionen und Medienschaffende im digitalen Zeitalter. Die Rettung des Lokalfunks, die Refinanzierung journalistischer Inhalte und die geplante Digitalabgabe für große Plattformen, die sich an fremden Inhalten bedienen, seien entscheidende Bausteine einer nachhaltigen Medienordnung. „Wenn uns die Kreativ- und Medienlandschaft wichtig ist, sollten wir nicht erst zuschauen, wie sie kaputtgeht, um dann über den Wiederaufbau nachzudenken – das ist ungleich schwieriger“, warnte Liminski. Seine Worte wirkten nach: Die Zukunft des Journalismus, so wurde in der anschließenden Diskussion deutlich, hängt nicht nur von Leidenschaft und Technik ab, sondern auch von den politischen und ökonomischen Rahmenbedingungen, die Qualität sichern und Vielfalt ermöglichen.

Salon 5: Junge Stimmen in den Medien

Einen praxisnahen Workshop leitete Dilara Schwidder vom Salon 5, einem Projekt von CORRECTIV, das eigentlich für investigative Recherche und Faktenchecks bekannt ist. Salon 5 richtet sich gezielt an junge Menschen und ermöglicht ihnen, eigene journalistische Inhalte zu erstellen. Schwidder, die in Dortmund am Borsigplatz – der Geburtsstätte des BVB – arbeitet, setzt mit ihrem Team genau dort an, wo klassische Medien fehlen. „Wir gehen dahin, wo junge Menschen sind und wo sie Anschluss brauchen“, sagt sie.

Dilara Schwidder beim Medienkarrieretag NRW 2025 (Bild: © Landesanstalt für Medien NRW / Stephanie Lieske)
Dilara Schwidder beim Medienkarrieretag NRW 2025 (Bild: © Landesanstalt für Medien NRW / Stephanie Lieske)

Statt über Jugendliche zu sprechen, spricht Salon 5 seit 2020 mit ihnen – über das, was sie bewegt. Dabei geht es nicht um Reichweite oder Klickzahlen, sondern um Sichtbarkeit und Relevanz. „Viele Medien sprechen über Jugendliche, aber nicht mit ihnen“, erklärt Schwidder im Gespräch. In Workshops zeigt ihr Team, wie leicht der Einstieg in die Welt des Journalismus sein kann. Mikrofon, Aufnahmegerät, eine gute Idee – mehr braucht es oft nicht, um gehört zu werden.

In Schulen führt das Team regelmäßig Podcast- und Desinformations-Workshops durch, in denen Medienkompetenz und Selbstwirksamkeit gleichermaßen gestärkt werden. Für viele Jugendliche wird der erste Kontakt mit dem Mikrofon zu einem Schlüsselmoment: Sie merken, dass ihre Erfahrungen, Meinungen und Geschichten Gewicht haben. Dass sie nicht nur Konsument:innen, sondern auch Produzent:innen von Medien sein können. Genau das ist der Kern von Salon 5 – ein journalistisches Labor, das jungen Menschen zutraut, selbst journalistisch zu denken und zu handeln. Und damit füllt Schwidder eine Lücke, die viele etablierte Medien bislang offenlassen.

Von Piratensendern zum Profi: Kevin Zimmer über Radiokarrieren

Auch erfahrene Profis lieferten wertvolle Einblicke. Kevin Zimmer, Moderator bei Radio NRW, beschreibt seinen Werdegang als eine leidenschaftliche Entdeckungsreise: Vom Krankenhausradio über Piratensender und Bürgerfunk bis hin zum Volontariat bei Antenne Niederrhein lernte er das journalistische Handwerk von Grund auf. „Überleg dir vorher, was du sagst“ – dieser Rat aus dem Bürgerfunk prägte Zimmer nachhaltig. Die Arbeit am Tonband, das Schneiden und Zusammenfügen von Beiträgen mit analogem Equipment, bildete die Basis für sein späteres professionelles Arbeiten. Heute moderiert Zimmer die Vormittagssendung bei Radio NRW, die 45 Lokalradios in Nordrhein-Westfalen übernehmen. Sein Credo: Nähe entsteht durch Authentizität und Themen, die Menschen bewegen, nicht durch den Sendernamen.

Kevin Zimmer beim Medienkarrieretag NRW 2025 (Bild: © Landesanstalt für Medien NRW / Stephanie Lieske)
Kevin Zimmer beim Medienkarrieretag NRW 2025 (Bild: © Landesanstalt für Medien NRW / Stephanie Lieske)

Zimmer illustriert, dass der Wandel in der Radiotechnik – von analogen Tonbändern über Carts, PC-Software wie das Dalet-Sytem bis hin zu Cloud-gestützter Produktion – den Kern des Mediums nicht verändert hat. Radio bleibt ein Medium der Begleitung, der Nähe und des Vertrauens. Für junge Menschen, die eine Medienkarriere anstreben, zeigt sein Weg: Vielseitigkeit, Einsatzbereitschaft und praktische Erfahrungen sind entscheidend.

Lokalfunk als Sprungbrett: Thorsten Kabitz über Chancen und Herausforderungen

Thorsten KabitzDer Medienkarrieretag NRW zeigte auch, dass Lokalradio weiterhin ein entscheidendes Sprungbrett für Medienkarrieren ist. Thorsten Kabitz, Chefredakteur von Radio RSG, sprach mit zahlreichen Studierenden über die Ausbildungsmöglichkeiten in lokalen Sendern. „Wer ein Volontariat beim Lokalsender macht, lernt Radio, Internet, Social Media und Eventmanagement – man ist mittendrin und nicht nur Beobachter“, erklärt Kabitz. Besonders wertvoll sei die Vielseitigkeit: Fähigkeiten aus dem Lokalfunk seien auch bei großen Sendern oder in der Medienwirtschaft gefragt.

Kabitz spricht jedoch offen über die Herausforderungen: finanzielle Rahmenbedingungen, mentale Gesundheit und Sicherheit vor Ort sind zentrale Themen, gerade für Nachwuchsjournalist*innen im Lokalfunk. Radio RSG setzt auf betriebliches Gesundheitsmanagement und faire, tariflich abgesicherte Bezahlung. Auch strukturelle Unsicherheiten wie kurzlaufende Sendelizenzierungen seien ein Thema, das den Nachwuchs betrifft. Gleichzeitig betont Kabitz: „Radio lebt. Wer den Mut hat einzusteigen, findet hier eine Schule fürs Leben.“

Medienkarriere heute: Torsten Nixdorf und die Rolle von Podcasting und KI

Torsten Nixdorf, dessen Karriere klassisch im Bürgerfunk beim Freien Lokalrundfunk Köln e.V. begann, verdeutlicht die Vielseitigkeit moderner Medienkarrieren. Vom Volontariat über digitale Formate bis zur professionellen Podcast-Produktion und medienpädagogischen Projekten zeigt Nixdorf, dass die Grenzen traditioneller Radioarbeit längst überschritten sind. Für ihn ist der Medienkarrieretag nicht nur eine Gelegenheit, Wissen weiterzugeben, sondern auch, sich inspirieren zu lassen und die eigene Arbeit kritisch zu reflektieren.

Medienkarrieretag NRW 2025 (Bild: © Landesanstalt für Medien NRW / Stephanie Lieske)
Medienkarrieretag NRW 2025 (Bild: © Landesanstalt für Medien NRW / Stephanie Lieske)

Nixdorf macht deutlich, dass kontinuierliche Weiterbildung, Kreativität und technologische Offenheit entscheidend sind, um in der heutigen Medienlandschaft erfolgreich zu sein. Sein Fazit: Veranstaltungen wie der Medienkarrieretag sind für alle, die eine Medienkarriere anstreben – unabhängig vom Erfahrungsstand – wertvoll, um Perspektiven zu erweitern, neue Formate kennenzulernen und das journalistische Handwerk zu vertiefen.

Medienkarrieretag 2025: Austausch, Networking und Perspektiven

Zum Abschluss bot der Medienkarrieretag den Teilnehmenden reichlich Gelegenheit zum Netzwerken: Vertreterinnen und Vertreter von 17 Medienunternehmen und Organisationen aus Nordrhein-Westfalen – darunter RADIO NRW, RTL, DJV NRW, Salon 5, Neue deutsche Medienmacher*innen, CGI, ProContent und QVC – standen für Gespräche, Bewerbungsfragen und Branchen-Insights bereit. Auffällig war in diesem Jahr das Fernbleiben neuer landesweiter Hörfunkprogramme, die nach zwei Jahren Präsenz in Düsseldorf nicht mehr vertreten waren.

Medienkarrieretag NRW 2025 (Bild: © Landesanstalt für Medien NRW / Stephanie Lieske)
Medienkarrieretag NRW 2025 (Bild: © Landesanstalt für Medien NRW / Stephanie Lieske)

Ein Symbol für den Wandel, der die Branche prägt: Während immer mehr Sender, die „NRW“ im Namen tragen, längst außerhalb des Bundeslandes entstehen – teils unter Einsatz von Künstlicher Intelligenz –, halten die lokalen Medienhäuser wie Rheinische Post, FUNKE Mediengruppe, Neue Westfälische und die NRW-Lokalradios an ihrer Ausbildungstradition fest. Sie bilden weiterhin Volontärinnen und Volontäre aus und sichern so journalistisches Handwerk und regionale Vielfalt.
Ob Einsteigerin, Quereinsteigerin oder erfahrener Profi – die Medienlandschaft bleibt in Bewegung.

Der Medienkarrieretag zeigt eindrucksvoll, dass es mehr denn je auf Haltung, Lernbereitschaft und Innovationsgeist ankommt. Wer sich auf diesen Weg macht, gewinnt nicht nur Einblicke in die Praxis, sondern wird Teil einer Branche, die sich ständig neu erfindet – und damit auch ihre eigene Zukunft gestaltet.

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