BR stellt lineares PULS-Radio Ende 2025 ein

Nicht unerwartet stellt der Bayerische Rundfunk (BR) die lineare Verbreitung seiner jungen DAB+ Welle PULS ein. Überraschend kommt eher der baldige Zeitpunkt des Sendeschlusses zum Jahresende, der offenbar auch in direktem Zusammenhang mit dem Umzug der weiß-blauen Anstalt ins neue Sendezentrum im Münchner Stadtteil Freimann steht. Verschwinden wird die Marke PULS jedoch nicht: Die Aktivitäten sollen sich künftig noch stärker auf digitale Angebote konzentrieren – wie etwa die Nachwuchsförderung der heimischen Musikszene.

BR PULS Studio (Bild: ©BR puls)
BR PULS Studio (Bild: ©BR puls)

Auf Nachfrage von RADIOSZENE teilt Christian Dück, stellvertretender Pressesprecher des BR, im Wortlaut mit: „Seit Jahren ist PULS mit hochkarätigen Digital-Angeboten erfolgreich und erreicht damit Millionen Userinnen und User pro Monat. Anlässlich des Umzugs nach Freimann setzt der BR deshalb ab dem Jahreswechsel 2025/26 klare Prioritäten: Statt dort mit PULS-Ressourcen ein neues Hörfunkstudio einzurichten, wird sich das junge Angebot künftig noch konzentrierter auf innovative digitale Produkte fokussieren, mit denen die Zielgruppe der 14- bis 29-Jährigen besser und effizienter erreicht wird. Erst Ende September ist beispielsweise die neue ‚PULS Gaming Analyse‘ gestartet.

Musikalische Talente in Bayern zu fördern und on air zu bringen, bleibt bei alldem eine wichtige Aufgabe. Deshalb hat PULS für die Nachwuchsförderung bereits alternative Wege entwickelt: etwa mit der neu aufgestellten PULS Startrampe als Plattform für neue Künstlerinnen und Künstler und als wichtigem Partner der Musik- und Popkultur. Sie ermöglicht Nachwuchsmusikerinnen und -musikern erste Medienerfahrungen und Reichweite sowie eine GEMA-relevante lineare Ausspielung, wenn Konzertmitschnitte beispielsweise im BR Fernsehen laufen. Hinzu kommen ein neues Festivalkonzept mit noch mehr PULS-Events und Auftrittsmöglichkeiten in allen Regionen Bayerns sowie das BR Popradar – unter diesem neuen Label stellt der BR Nachwuchskünstlerinnen und -künstler auch außerhalb des bisherigen PULS-Kosmos prominent auf Bayern 3 und Bayern 2 vor und ermöglicht ihnen erste Airplays mit großer Reichweite.

"Idles" während ihres Auftritts beim PULS Festival 2017 im Funkhaus in München, Bayern. (Bild: © BR/Fabian Stoffers)
„Idles“ während ihres Auftritts beim PULS Festival 2017 im Funkhaus in München, Bayern. (Bild: © BR/Fabian Stoffers)

Außerdem ergänzend: Auch wenn die Entscheidung, PULS Radio nicht weiterzuführen, zeitlich mit übergreifenden medienpolitischen Diskussionen zusammenfällt, wurde sie unabhängig davon getroffen. Anlass ist – wie beschrieben – der Umzug nach Freimann und die damit verbundenen technischen und logistischen Grundsatzentscheidungen. Es handelt sich nicht um ein Sparprogramm, sondern um eine Umschichtung der PULS-Ressourcen ins Digitale.“

Mit dieser Entscheidung endet das in den 2010er-Jahren begonnene lineare Jugendradio-Projekt, dessen Inhalte in den letzten Jahren immer weiter verkürzt wurden. Seit Jahresbeginn 2025 ist PULS ohne Livemoderation zu hören. Gegen die Einstellung haben rund 150 Musik- und Kulturschaffende sowie Organisationen in einem offenen Brief protestiert. Die Unterzeichner fordern die Aussetzung dieser – ihrer Meinung nach – zu kurzfristigen Entscheidung.

Offener Brief: Keine vorschnelle Abschaltung von PULS Radio – Zeit & Alternativen jetzt sichern!

Das Ende von PULS Radio dürfte nur der Anfang einer Reihe von Programmstreichungen weiterer öffentlich-rechtlicher Jugendradios darstellen. Im Zuge des derzeitigen ARD-Reformprozesses wurde bereits angekündigt, die Programme DASDING (Südwestrundfunk), UNSERDING (Saarländischer Rundfunk) und YOU FM (Hessischer Rundfunk) in ein gemeinsames Jugendangebot für den Südwesten zu überführen (RADIOSZENE berichtete). Dieser geplante Zusammenschluss sowie Deutschlandfunk Nova wären dann die letzten verbliebenen öffentlich-rechtlichen Jugendsender innerhalb der südlichen Hälfte der Republik. Zur Disposition steht mit MDR TWEENS offenbar auch das Kinder- und Jugendradio des Mitteldeutschen Rundfunks.

Die erwähnten Einschnitte sind primär Auswirkungen der von den Bundesländern verordneten Reduzierung der öffentlich-rechtlichen Radioflotte von 70 auf künftig etwa 53 Programmangebote, allerdings auch Teil einer Strategie, die den Abbau terrestrischer Programme zugunsten zukunftsfähiger digitaler Angebote vorsieht. Kurios bleibt dabei die Tatsache, dass die jungen UKW-Wellen der ARD zuletzt wieder spürbar mehr – schon verloren geglaubte – Hörerinnen und Hörer für sich begeistern konnten: So legten bei der ma 2025 Audio II die Dickschiffe N-JOY (Norddeutscher Rundfunk), 1LIVE (Westdeutscher Rundfunk) oder YOU FM in der Publikumsgunst wieder zu; DASDING erreicht mit einem Wachstum von 18 Prozent und einer Tagesreichweite von 540.000 Hörern eine bislang nicht erreichte Bestmarke. Eine Abbildung von PULS Radio in der Media-Analyse ist bis heute nicht erfolgt. Experten schätzen die Hörerzahlen auf rund 20.000 Tageshörer – wobei zu berücksichtigen gilt, dass das Programm als einziges ARD-Jugendradio nicht über UKW verbreitet wird.

Thomas Müller (Bild: ©SWR/Patricia Neligan)
Thomas Müller (Bild: ©SWR/Patricia Neligan)

BR PULS ging am 15. Mai 2013 als Nachfolger von on3-Radio erstmals auf Sendung. Der Gründungsprogrammchef Thomas Müller hatte damals ein Angebot aufgebaut, das sich musikalisch und redaktionell wohltuend von den populären Hitformaten anderer Jugendradios abhob. Die Verbreitung erfolgte über DAB+, in den Abendstunden wurden an bestimmten Tagen die Sendezeiten simultan über BAYERN 3 ausgestrahlt. Die Ausrichtung des werbefreien Programms war von Beginn an „trimedial“ aufgestellt. Für seine Verdienste um die Förderung musikalischer Vielfalt erhielt PULS 2018 den Radiokulturpreis der GEMA.

PULS-Radio blieb ohne UKW-Frequenzen

Ulrich Wilhelm, Intendant Bayerischer Rundfunk
BR-Intendant Ulrich Wilhelm ist bekennender Digitalradio-Fan.

Geplant war, den Jugendsender ab 2018 über die UKW-Frequenzen von BR-Klassik in ganz Bayern zu verbreiten (RADIOSZENE berichtete). Das Klassikangebot sollte dann seinerseits terrestrisch nur noch über DAB+ zu hören sein. Eine Absicht, die heftige Proteste und sogar Klagen seitens zahlreicher Interessensgruppen – unter anderem der bayerischen Verleger – auslöste. Dann die überraschende Rolle rückwärts: Nachdem der Bayerische Verfassungsgerichtshof die Klagen gegen den senderinternen Tausch abgelehnt hatte, entschieden die Verantwortlichen des Bayerischen Rundfunks Ende 2017 „nach sorgfältiger Abwägung“, so der damalige Intendant Ulrich Wilhelm, das Manöver abzublasen und alles so zu belassen, wie es war. Ein Tiefschlag für die Macher des ambitionierten Projekts. Mit dieser Entscheidung blieb PULS Radio ohne echte Chance auf die Generierung größerer und langfristiger Reichweitenpotenziale.

PULS Radio hat sich seit Sendestart sehr hörbar um die Ausstrahlung von Musik „jenseits des Mainstreams“ verdient gemacht, hat Musikgenres gefördert, die in diesem Umfang bei den meisten deutschen Jugendradios nicht oder nur selten zu hören sind. Ein besonderes Augenmerk galt bis heute der nationalen und vor allem der bayerischen/alpenländischen Musikszene. Eine Präferenz, die den kreativen Nachwuchs ermutigte, beim Sender eigene Produktionen zur Ausstrahlung einzureichen – was die Musikredaktion in hohem Maße umsetzte. Ob diese Praxis mit dem anvisierten Konzept auch im künftigen digitalen Kosmos greift, bleibt abzuwarten.


UPDATE vom 13. Januar 2026

PULS Radio wurde offiziell am 13. Januar 2026 um 10 Uhr abgeschaltet.

Ab 6 Uhr war vorher noch eine „musikalische Zeitreise“ ab 2003 zu hören, wo der Sender noch Das Modul hieß und später in Bavarian Open Radio und on3radio umbenannt wurde.

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