

Jens Baumgart: Herr Holz, warum braucht es den Rheinland-Pfalz-Report?
Andreas Holz: Wir stehen vor einer spannenden Wahl. Es ist die erste Landtagswahl nach dem Abschied von Malu Dreyer, und Ministerpräsident Alexander Schweitzer tritt zum ersten Mal an. Gleichzeitig fragen sich viele Menschen, wie es unserem Land eigentlich geht – politisch, aber auch ganz konkret im Alltag. Wir wollen diesen Fragen systematisch nachgehen. In dieser Form gibt es so ein Format bislang nicht in Rheinland-Pfalz.
Jens Baumgart: Herr Hennemann, was versprechen Sie sich davon?
Lars Hennemann: Zum einen ist der Zeitpunkt besonders: ein halbes Jahr vor einer wegweisenden Landtagswahl. Zum anderen leben wir in einer Zeit, die von Krisen, aber auch von Chancen geprägt ist. Uns geht es nicht nur um Prozentzahlen. Wir wollen die Lebenswirklichkeiten der Rheinland-Pfälzerinnen und Rheinland-Pfälzer erfassen: Was bewegt sie, was macht ihnen Sorgen, was macht sie glücklich? Denn Menschen bestehen nicht aus Statistiken, sondern aus ihrem Alltag – ob steigende Preise im Supermarkt, die Schließung eines Krankenhauses oder neue Chancen in ihrer Region.
Jens Baumgart: Welche Rolle spielt der Wahlkampf dabei?
Lars Hennemann: Natürlich ist es spannend: Alexander Schweitzer tritt erstmals an, Gordon Schnieder von der CDU ist ebenfalls neu im Rennen. Die CDU ist bundesweit vorn, aber wie wirkt sich das im Land aus? Hier treffen Personenwahl und Stimmungslage unmittelbar aufeinander. Das werden wir sehr genau begleiten.
Jens Baumgart: Herr Holz, Sie sprechen vom Alltag der Menschen. Welche Fragen stellen Sie?
Andreas Holz: Neben der Sonntagsfrage geht es uns um ein tieferes Bild. Wir fragen: Wie zufrieden sind die Menschen mit der Infrastruktur? Wo kaufen sie ein? Fühlen sie sich sicher in den Städten? Wie stehen sie zu Krankenhäusern oder Pendelwegen? All das prägt den Alltag und ist entscheidend für die Politik.
Jens Baumgart: Herr Hennemann, wie wollen Sie diese Antworten einordnen?
Lars Hennemann: Umfragen geben immer auch Fingerzeige. Politik argumentiert oft mit Statistiken – aber die Menschen bestehen nicht aus Zahlen. Sie erleben ganz konkret: Der Kaffee kostet mehr, das Krankenhaus ist geschlossen, der Arzt weiter weg. Diese Lebenswirklichkeiten wollen wir sichtbar machen und in ein Bild packen. So fühlen wir dem Land den Puls.
Jens Baumgart: Welche Verantwortung haben die Medien dabei?
Andreas Holz: Wir leben in einer Informationsflut. Unsere Aufgabe ist es, Wichtiges von Unwichtigem zu trennen. Wir wollen Orientierung geben und einordnen, welche Themen für die Menschen in Rheinland-Pfalz wirklich relevant sind.
Lars Hennemann: Genau. Zeitung und Radio ergänzen sich hier perfekt: Wir sortieren Informationen, begleiten die Menschen durch die Nachrichtenflut und stellen die wirklich relevanten Themen in den Vordergrund.
Jens Baumgart: Schauen wir auf die Fragen: Was steckt hinter ‚Wie glücklich sind Sie?‘
Andreas Holz: Auf den ersten Blick wirkt das banal. Aber in der Langfristperspektive können wir Entwicklungen ablesen. Wenn Glück sinkt, steckt dahinter oft Infrastruktur oder Nahversorgung: der Metzger im Dorf, der Bäcker, der Kreißsaal. Das sind harte Fragen mit echten Folgen für das Leben im Land.
Jens Baumgart: Herr Hennemann, was ist für Sie das Besondere an Rheinland-Pfalz?
Lars Hennemann: Ich bin Westfale, lebe aber seit vielen Jahren hier. Was mich beeindruckt: Herzlichkeit, Lebensfreude und Authentizität der Menschen. Rheinland-Pfalz ist vielfältig – von Mainz bis Trier, von Koblenz bis in die Pfalz. Diese Mischung aus Ballungsraum und ländlichem Lebensraum macht das Land einzigartig.
Jens Baumgart: Herr Holz, wie spiegelt sich das im Programm von RPR1 wider?
Andreas Holz: Wir berücksichtigen die Vielfalt des Landes. Mit regionalen Angeboten wie Radio Weinstrasse und Radio Nürburgring, die sich als digitale App-Radios verstehen, greifen wir Traditionen auf und zeigen gleichzeitig, wie vielfältig Rheinland-Pfalz ist. Unser Ziel ist es, diese Lebensrealität hörbar zu machen.
Jens Baumgart: Welche Themen spielen in den Regionen eine besondere Rolle?
Lars Hennemann: Im Norden ist es etwa die Ahr-Flut, in anderen Regionen Infrastruktur, Kultur oder Nahversorgung. Wir tauchen bewusst in die Regionalität ein. Der Report soll genau diese Unterschiede sichtbar machen.
Jens Baumgart: Wie geht es mit dem Rheinland-Pfalz-Report nun weiter?
Andreas Holz: Die ersten Ergebnisse erwarten wir Anfang Oktober. Geplant sind vier Wellen: bis zur Wahl, aber auch danach. Denn wir wollen das Projekt langfristig anlegen – nicht nur eine Wahl begleiten, sondern ein Gespräch mit dem Land führen.
Lars Hennemann: Genau, es geht nicht nur um nackte Zahlen, sondern um die Gefühlslage und Lebenswirklichkeiten. Wir hoffen auf rege Teilnahme und wollen so Orientierung geben – den Menschen und auch der Politik.
Jens Baumgart: Vielen Dank für das Gespräch. Wir sind gespannt auf die ersten Ergebnisse des Rheinland-Pfalz-Reports.
Update vom 08. Oktober 2025
Erster Rheinland-Pfalz-Report: Bei Landtagswahl sind die meisten noch unentschlossen – Der Mainzer Ampel droht das Aus, der SPD nach 35 Jahren der Verlust der Staatskanzlei

Gut fünfeinhalb Monate vor der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz ist die Frage, wer nach dem 22. März 2026 das Bundesland regieren wird, vollkommen offen. Ein Viertel der Wahlberechtigten hat entweder noch keine Entscheidung für eine Partei getroffen (21 Prozent) oder plant derzeit, gar nicht wählen zu gehen (4 Prozent). Das hat der erste Rheinland-Pfalz-Report ergeben, für den das Meinungsforschungsinstitut Ifak im Auftrag von Rhein-Zeitung und RPR1. vom 18. August bis zum 21. September 1039 Rheinland-Pfälzer online befragt hat. Deutlich wird in den Ergebnissen: Der SPD droht ein Debakel und der Verlust der Staatskanzlei, die Mainzer Ampel steht vor dem Aus.
Noch ausgeprägter ist die Unentschlossenheit der Wähler bei der Frage, wen sie im Amt des Ministerpräsidenten sehen wollen: 53 Prozent gaben an, sich noch nicht zwischen Amtsinhaber Alexander Schweitzer (SPD) und Oppositionsführer Gordon Schnieder (CDU) entschieden zu haben.
Bis zum Wahltag haben beide Parteien, die Anspruch auf den Chefposten in der Landesregierung haben, also noch viele Hausaufgaben zu erledigen – vor allem, da sie unter jenen, die bereits eine Wahlentscheidung getroffen haben, alarmierend schlecht abschneiden. Auf die Frage, wen sie wählen würden, wenn am kommenden Sonntag Landtagswahl wäre, antworteten 19 Prozent der Befragten: AfD, CDU und SPD kamen bei dieser Frage nur auf jeweils 16 Prozent. Bündnis 90/Die Grünen landeten bei 7, Die Linke bei 6 Prozent. BSW (4 Prozent), Freie Wähler (2) und FDP (2) und müssen um den Einzug in den Landtag bangen.
Die Methodik des Rheinland-Pfalz-Reports unterscheidet sich an diesem Punkt von jener anderer Umfrageinstitute, die bei der sogenannten Sonntagsfrage meist die Zahl der Unentschlossenen, die in Rheinland-Pfalz derzeit die größte Gruppe stellen, nicht gesondert ausweisen.
Die nächste Ausgabe mit aktuellen Ergebnissen des Rheinland-Pfalz-Reports erscheint Ende November.
Mit dem neuen Rheinland-Pfalz-Report legen die Rhein-Zeitung und der führende private Radiosender im Land, RPR1., erstmals eine umfassende Analyse zu Stimmung, Lebensqualität und politischer Orientierung in Rheinland-Pfalz vor.
„Wir stehen vor einer richtungsweisenden Wahl. Es ist die erste Landtagswahl nach dem Abschied von Malu Dreyer, und viele Menschen fragen sich: Wie geht es unserem Land eigentlich – politisch, aber auch ganz konkret im Alltag? Genau darauf wollen wir mit dem Rheinland-Pfalz-Report Antworten geben“, sagt Andreas Holz, Programmchef von RPR1.
„Uns geht es nicht nur um Prozentzahlen. Wir wollen die Lebenswirklichkeiten der Rheinland-Pfälzerinnen und Rheinland-Pfälzer erfassen: Was bewegt sie, was macht ihnen Sorgen, was macht sie glücklich? Denn Menschen bestehen nicht aus Statistiken, sondern aus ihrem Alltag“, betont Lars Hennemann, Chefredakteur der Rhein-Zeitung.
Besonders Jüngere bleiben unentschlossen. Das Interesse an der Landtagswahl ist hingegen über alle Altersgruppen hinweg stark oder sogar sehr stark ausgeprägt.
Rheinland-Pfalz überzeugt bei Lebensqualität
Trotz politischer Verschiebungen bleibt das Lebensgefühl positiv:
- 78 Prozent der Befragten lieben das Leben in Rheinland-Pfalz.
- 60 Prozent fühlen sich stark mit ihrer Region verbunden.
- 42 Prozent bewerten ihr Leben als „glücklich“.
In der Frage nach der Lebensqualität in den Rheinland-Pfälzischen Städten landet Mainz mit 45 Prozent auf Platz 1, gefolgt von Koblenz (41 Prozent) und Trier (38 Prozent). Deutlich schlechter schneiden die Pfalz-Städte ab: Kaiserslautern kommt nur auf 17 Prozent, Ludwigshafen sogar nur auf 10 Prozent.
Konsumverhalten: Online-Shopping boomt, aber Geschäfte bleiben wichtig
Ein Blick auf den Alltag zeigt: 92 Prozent der 40- bis 49-Jährigen erledigen ihre Einkäufe auch im Internet. Bei den 16- bis 29-Jährigen sind es weniger – 76 Prozent. Gleichzeitig bleibt der stationäre Handel wichtig: 83 Prozent kaufen weiterhin in klassischen Geschäften ein.
Fazit
Der erste Rheinland-Pfalz-Report macht deutlich: Das politische Klima in Rheinland-Pfalz verändert sich spürbar.Während die Lebensqualität im Land hochgeschätzt wird, sorgt die wachsende Skepsis gegenüber Zukunft und Politik für ein Erstarken der AfD. Damit stehen die etablierten Parteien in Rheinland-Pfalz vor großen Herausforderungen – wenige Monate vor der Landtagswahl.
Quelle: Pressemeldung der Audiotainment Südwest










