Kai Fischer, Geschäftsführer der Audiotainment Südwest (bigFM, Radio Regenbogen, RPR1, Rock FM), hat dem Südwestrundfunk (SWR) vorgeworfen, bei der angekündigten Reduzierung von Radioprogrammen „in die Trickkiste zu greifen“. Im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd) kritisierte Fischer, dass die Umsetzung des Reformstaatsvertrags weit hinter den Erwartungen zurückbleibe.

„Es wird suggeriert, dass Programme gestrichen werden, tatsächlich reduziert der SWR aber nichts“, so Fischer. Konkret nannte er die geplante Zusammenlegung der Jugendwellen DASDING (SWR), UNSERDING (SR) und YOUFM (HR). Das neue Programm werde weiterhin in allen bisherigen Sendegebieten ausgestrahlt – „damit bleibt die Anzahl der Jugendprogramme unverändert“. Die öffentlich angekündigte Reduzierung sei aus seiner Sicht reine Augenwischerei.
Der Reformstaatsvertrag schreibt vor, dass die ARD ihre Radioprogramme verringern und zugleich Kosten einsparen muss. Laut Fischer würden die Vorgaben jedoch von den Landesrundfunkanstalten „nach dem Pippi-Langstrumpf-Prinzip“ umgedeutet: „Wir machen uns die Welt, wie sie uns gefällt.“ Statt echter Angebotsreduzierung verschwänden lediglich reichweitenschwache, werbefreie Spartenprogramme – oder würden ins Netz verschoben. „Das löst weder das Ungleichgewicht im dualen Hörfunksystem, noch schafft es Entlastung im Wettbewerb um Hörer und Kunden.“
Neben dem „Trickkisten“-Vorwurf beklagt Fischer auch die ungleiche Ausstattung im DAB+ Bereich. So belege der SWR durch mehrfach regionalisierte Ausstrahlungen unnötig viele Sendeplätze, die dann privaten Anbietern fehlten.
Auch die wachsende ARD Audiothek sieht er kritisch. Mit über 2.000 Podcasts sei sie längst ein bundesweiter Player. Sollten diese Inhalte künftig auch vermarktet werden dürfen, drohe eine massive Wettbewerbsverzerrung: „Das würde die Werbepreise für Privatradios massiv unter Druck setzen und könnte deren Existenz gefährden.“
Neben der Kritik an der Regulierung setzt Fischer aber auch auf Innovationen. Seine Sendergruppe nutzt nach eigenen Angaben bereits mehr als 20 KI-Systeme – etwa für O-Töne, automatisierte Videos oder Chatbots. Mit bigGPT betreibt Audiotainment Südwest seit zwei Jahren einen reinen KI-Sender. Fischer bezeichnet dieses Projekt als Experimentierfeld: „KI beschleunigt Recherche und Routineinhalte hervorragend. Für Moderation ist sie jedoch ungeeignet. Radio lebt von Emotionen, Haltung und Authentizität.“
Für die Zukunft fordert Fischer „mehr Mut in der Branche“: Mut zu Konsolidierung und Zusammenarbeit, Mut zu Investitionen in Inhalte und Vermarktung – und Mut, Künstliche Intelligenz sinnvoll einzusetzen. Sein Ziel bleibe klar: „Wir private Hörfunkveranstalter wollen Angebotsvielfalt sichern – mit flexibleren Regeln, mehr Kooperation und fairen Wettbewerbsbedingungen.“ Nur so könne Radio seine Rolle als „letztes echtes Massenmedium“ behalten und eine zentrale Säule der Demokratie bleiben.
Quelle: epd









