Die deutsche Radiobranche steht vor einer Konsolidierungswelle. Davon zeigt sich Kai Fischer, Vorsitzender der Geschäftsführung der Audiotainment Südwest (RPR1, Radio Regenbogen, bigFM, Rock FM), überzeugt. Gegenüber new business sagte er: „Der Prozess wird sich in den kommenden zwei, drei Jahren verstärken. In wenigstens fünf Jahren werden größere Strukturveränderungen stattfinden.“

Die Ursachen sind vielfältig: Rückläufige Reichweiten, stagnierende Werbeumsätze, steigende Kosten und notwendige Investitionen in Digitalisierung und Vermarktung setzen viele Sender unter Druck. „Die privaten Hörfunkveranstalter in Deutschland sind kleine mittelständische Unternehmen. Größe ist der wesentliche Faktor – das gilt auch für den Hörfunk“, so Fischer.
Dabei gehe es aber nicht um weniger Vielfalt für die Hörerinnen und Hörer: „Wir reden nicht über eine Reduzierung der Angebotsvielfalt, wir reden über eine Konsolidierung auf der Anbieterseite bei Beibehaltung der Angebotsvielfalt.“ Konsolidierung sei daher nicht Bedrohung, sondern Chance.
„Cost-Cutting ist keine Strategie. Konsolidierung kann und wird Angebotsvielfalt sichern.“
Audiotainment Südwest selbst will dabei zu den vier bis fünf größten privaten Hörfunkunternehmen in Deutschland gehören. Fischer betont: „Der private werbefinanzierte Hörfunk kann eine sehr solide Zukunft haben, wenn die Stakeholder bereit sind, kooperativ und investitionsfreudig vorzugehen.“

Auch die konsequente Nutzung von Künstlicher Intelligenz ist für Fischer Teil dieser Konsolidierungsstrategie. KI soll künftig vor allem bei der Regionalisierung von Services wie Wetter, Verkehr und Veranstaltungstipps eingesetzt werden, wodurch Synergien zwischen den verschiedenen bigFM-Standorten entstehen und gleichzeitig Kosten gesenkt werden können. So wird deutlich, dass technologische Innovation und organisatorische Bündelung zwei Seiten derselben Medaille sind, wenn es darum geht, die Wettbewerbsfähigkeit im privaten Hörfunk zu sichern.
Auch internationale Player wie die Bauer Media Group („The leading commercial radio broadcaster in Europe“) könnten künftig eine stärkere Rolle in deutschen Radiomarkt spielen, glaubt Fischer. Zugleich verweist er auf den Reformstaatsvertrag, der neue Rahmenbedingungen schafft und den Wettbewerb mit den öffentlich-rechtlichen Anbietern verändert.
Quelle: new business (Ausgabe 8/2025)










