Der langjährige Radio-Luxemburg-Moderator und Fernsehjournalist Rainer Holbe ist am 15. August 2025 in Frankfurt am Main im Alter von 85 Jahren gestorben. Mit ihm verliert die deutschsprachige Radiobranche eine ihrer prägendsten Stimmen.

Holbe, 1940 im böhmischen Komotau geboren, begann seine Karriere als Journalist und wechselte bald ins Fernsehen. Bundesweite Bekanntheit erlangte er mit der ZDF-„Starparade“, die er von 1968 bis 1980 moderierte und die zu den erfolgreichsten Abendshows jener Zeit gehörte.

Seine eigentliche Heimat fand Holbe jedoch im Radio: Von 1974 bis 1989 prägte er das Programm von Radio Luxemburg. Millionen Hörer kannten ihn aus Sendungen wie „Mister Morning“ oder dem legendären „Wunschkonzert“. Besonders populär wurde er mit den von Frank Elstner erdachten „Unglaublichen Geschichten“, in denen Hörer und Prominente von mysteriösen und unerklärlichen Erlebnissen berichteten.
Auch nach dem Start des Privatfernsehens 1984 war Holbe ein gefragtes Gesicht. Bei RTL moderierte er Shows, berichtete live vom Mauerfall 1989 und erhielt 1988 die Goldene Kamera für „Unglaubliche Geschichten“ bei RTL.
Neben seiner Radio- und TV-Arbeit veröffentlichte Holbe über 30 Bücher – häufig zu Bewusstseinsthemen und Grenzphänomenen. Bis ins hohe Alter blieb er publizistisch aktiv und engagierte sich in Frankfurt kulturell, unter anderem mit Führungen durch das Goethe-Haus.
Rainer Holbe bei Radio Luxemburg – die wichtigsten Sendungen
- „Mister Morning“ (1970er/80er): Frühe RTL-Vormittagssendung – Holbe wurde für viele Hörer zur „Stimme zum Aufstehen“.
- „Hörergrusslotterie“ (1970er–90er): Klassiker am Sonntagmittag, bei dem Hörer ihre Lieblingshits bestellen konnten.
- „Unglaubliche Geschichten“ (ab Mitte der 1970er): Von Frank Elstner entwickelt – Holbe führte durch mysteriöse Erzählungen von Hörern und Prominenten.
- Sondersendungen & Reportagen: Holbe war oft live bei Ereignissen auf Sendung, u. a. zum Mauerfall 1989.
- Abschied von RTL Radio (1989): Nach über 15 Jahren endete seine Radiokarriere in Luxemburg – eine Ära ging zu Ende.
Für viele Radiomacher war Holbe ein Vorbild: Seine warme, verbindliche Art und die direkte Ansprache machten ihn zu einer Stimme „zum Anfassen“. Er verstand es, Nähe zum Publikum herzustellen – sei es im Wunschkonzert, in persönlichen Geschichten oder in Interviews. Damit repräsentierte er eine Epoche, in der Radio mehr war als Musikprogramm: ein Begleiter durch den Alltag und ein Lagerfeuer für Millionen.

Holbe hinterlässt zwei Töchter: Miriam Holbe, die eine eigene PR-Agentur betreibt und die Schriftstellerin Julia Holbe.
Mit seinem Tod verliert die Radiobranche eine Legende, die die Geschichte von Radio Luxemburg entscheidend mitgeschrieben hat.
Im November 2011 hat unser Redakteur Hendrik Leuker Rainer Holbe in Frankfurt besucht und dieses Personality-Porträt über ihn auf RADIOSZENE veröffentlicht: Rainer Holbe: „Das Radio Luxemburg von damals hätte heute keine Chance“.









