Der regionale Radiosender extra-radio aus Hof stellt zum 1. September 2025 seinen Sendebetrieb über UKW und DAB+ ein und wird künftig ausschließlich online als Webradio zu hören sein. Das gab das unabhängige Familienunternehmen auf seiner Homepage bekannt.
„Seit vier Jahrzehnten senden wir aus und über Hochfranken, haben Arbeitsplätze geschaffen, Steuern gezahlt und zur Medienvielfalt in Bayern beigetragen. Damit soll bald Schluss sein“, heißt es in der Mitteilung. Als Grund nennt extra-radio die „Unwirtschaftlichkeit der aktuellen Frequenzkette“, auf die der Sender vor acht Jahren wechseln musste. Diese sei von der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM) „entgegen der Empfehlung zahlreicher Experten“ zugewiesen worden.

Laut extra-radio verursacht die schwache UKW-Frequenz 94,0 MHz monatliche technische Kosten in Höhe von rund 10.000 Euro. Die Entscheidung zum Rückzug sei „nicht leicht gefallen“, so der Sender, doch: „Auch wenn der UKW- und DAB+ Sendebetrieb endet, bleibt extra-radio online mit Webradio präsent.“ Allerdings soll es keine live moderierten Sendungen und redaktionellen Inhalte mehr geben, sondern nur Nonstop Musik gespielt werden, wie die Frankenpost berichtet. Außerdem müssten sieben festangestellte Mitarbeiter entlassen werden.

Der Bayerische Journalisten-Verband (BJV) reagierte mit Bedauern auf die Ankündigung. BJV-Vorsitzender Harald Stocker erklärte: „Der unabhängige Sender extra-radio schrieb bayerische Rundfunkgeschichte.“ Der hohe technische Aufwand in ländlichen Regionen wie Hochfranken mache den terrestrischen Betrieb „dutzendfach teurer“ als in Ballungszentren.
„Das bedeutet einen weiteren Verlust an Medienvielfalt in einer Region, in der das journalistische Angebot bereits geringer als in den Großstädten ist“, so Stocker weiter. Dass extra-radio als Webchannel bestehen bleibe, sei „nur ein kleines Trostpflaster und weit entfernt von der Präsenz der journalistischen Stimmen von extra-radio in den meisten Radiogeräten im Nordosten Bayerns.“
Extra-radio begann am 3. Oktober 1987 zusammen mit Radio Euroherz auf der Frequenz 88,0 MHz. Der Betriebsteil für Extra-Radio wurde ab 1998 auf eine vollständige Eigenständigkeit erweitert – inklusive langjähriger juristischer Auseinandersetzungen mit der BLM, die schließlich vor dem Bundesverfassungsgericht entschieden wurden: Extra-Radio erhielt Recht und verteidigte damit die Rundfunkfreiheit unabhängiger Lokalradios.
Der Frequenzwechsel im Jahr 2017 wurde durch eine Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts bestätigt. Extra‑Radio erhielt die Frequenzen 94,0 MHz und 97,3 MHz und sollte damit wirtschaftlich arbeiten können – laut BLM-Prognose schien das möglich. In der Praxis allerdings erwiesen sich die neuen Frequenzen als technisch schwach und kostspielig.
Trotz guter Hörerzahlen – die Tagesreichweite lag zuletzt bei rund 7.000 Hörern – machte die Kombination aus geringerer Reichweite, hohen Kosten und eingeschränkter Reichweite das Modell unwirtschaftlich.
Der Konflikt mit Radio Euroherz spielte eine zentrale Rolle: Extra-Radio hatte sich lange gegen eine Frequenzteilung gewehrt, argumentierte technische Nachteile und Funklöcher, insbesondere bei Autoradio-Nutzung nahe Schwarzenbach/Saale und Rehau. Die Klagen wurden schließlich abgewiesen: Die BLM-Verteilung sei rechtmäßig, und auch die Verwaltungsgerichte stimmten zu.
Die heutige Entscheidung – den UKW- und DAB+ Betrieb einzustellen – markiert damit das Ende eines jahrzehntelangen Kampfes für Unabhängigkeit und regionale Präsenz. Gründer Gerhard Prokscha (jetzt im Rentenalter) und seine Frau habe dabei noch an der Unabhängigkeit festgehalten: „… konnten aus dem Vertrag nicht raus ohne den Sender aufzugeben. Aber jetzt müssen wir die Reißleine ziehen!“ Die Geschäftsführung wurde im Jahr 2024 von Tochter Sabine Hager übernommen. Eine Insolvenz bestehe jedoch nicht.
Update vom 31. Juni 2025:
Ausführliche Ankündigung von extra-radio auf Facebook
Seit Oktober 1987 sendet der unabhängige Hofer Sender extra-radio aus und über Hochfranken, hat Arbeitsplätze geschaffen, Steuern gezahlt und zur Medienvielfalt in Bayern beigetragen. Damit soll bald Schluss sein.
Wir nennen die Gründe: Seit wir entgegen unserer Warnungen vor acht Jahren unsere Frequenz wechseln mussten ist eingetreten, was wir und andere Experten prognostiziert haben: Die Rahmenbedingungen lassen keinen wirtschaftlichen Sendebetrieb zu. Die zuständige Aufsichtsbehörde, die Bayerische Landeszentrale für neue Medien in München (BLM), empfahl extra-radio für die neue Frequenz einen „strikten Low-Budget-Ansatz“. Damit sei eine „Kostendeckung möglich“.
Auf dieser technisch schwachen Frequenzkette musste schon vor uns ein Sender wegen Unwirtschaftlichkeit den Sendebetrieb einstellen. Zu den zahlreichen Nachteilen gehören exorbitante monatliche Leitungskosten. Im Vergleich dazu erreichen Radiosender die vom Münchner Olympiaturm senden ein Zehnfaches an Hörern, bei gleichzeitig einem Bruchteil der monatlichen Kosten. Deshalb haben wir uns dazu entschieden nach fast vier Jahrzehnten die Sendetätigkeit zum 1. September einzustellen. Diese Entscheidung ist uns nicht leichtgefallen. Hinzu kommt für die gesamte Branche ein Bedeutungsverlust für das Medium Radio.
„Wir beenden damit einen jahrzehntelangen Kampf“
Bereits in den Anfangsjahren wurden kleine Radiosender in Bayern gezwungen sich Betriebsgesellschaften (Funkhausmodell) unterzuordnen. Keiner dieser Sender hat diesen Schritt überlebt. extra-radio hat sich erfolgreich dagegen gewehrt und 1998 Radiogeschichte geschrieben. Das Bundesverfassungsgericht hat im „11. Rundfunkurteil“ zugunsten von extra-radio entschieden. Die Süddeutsche Zeitung schrieb dazu „Auch in Bayern gilt das Grundgesetz“.
extra-radio trat allein gegen eine Konkurrenz an, die deutschlandweit über 60 Sender und den Gelben Seiten-Verlag betreibt.
Diese einseitige Lizenzvergabe wurde von Experten wie der Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK) massiv kritisiert. Parallel deckte die Süddeutsche Zeitung auf, dass der Gesellschafter dieses Medien-Konglomerats in eine Finanzaffäre mit dem damaligen Medienratsvorsitzenden der BLM verstrickt war. Für den Gesellschafter hatte das keine negativen Folgen. Im Gegenteil, er erhielt 2024 den BLM-Ehrenpreis.
Trotz dieser widrigen Umstände erreichte extra-radio gute Hörerzahlen und Anerkennung für seine Arbeit. Der Erfolg wurde vor acht Jahren mit dem Zwangs-Frequenzwechsel beendet. Die wirtschaftliche Tragfähigkeit war nicht mehr gegeben und damit das Karlsruher Urteil ausgehebelt. „Dessen waren wir uns bewusst, aber wir konnten aus dem Vertrag nicht raus ohne den Sender aufzugeben. Aber jetzt müssen wir die Reißleine ziehen!“, so Gründer Gerhard Prokscha. Er ist mit seiner Frau Irmgard, der alleinigen Gesellschafterin des Senders, mittlerweile im Rentenalter. Tochter Sabine Hager übernahm 2024 die Geschäftsführung und hätte unter wirtschaftlichen Rahmenbedingungen die Anteile übernommen. Auch wenn der UKW- und DAB+-Sendebetrieb endet, bleibt extra-radio weiterhin online mit seinem Webradio präsent.











