Radio-Köpfe | Sabine Sauer – Die vielseitige Moderatorin

Geplant war ihre Karriere nicht. Es reihte sich oft Zufall an Zufall: „Man hat mir immer mehr zugetraut, als ich mir selbst zugetraut habe“, das sei symptomatisch für ihre Karriere gewesen, meint Sabine Sauer bescheiden. Andererseits blieb ihr konzeptionelles Arbeiten und ihre Akribie manchem nachhaltig in Erinnerung.

Sabine Sauer (Bild: © Ulrich Späth, 2012)
Sabine Sauer (Bild: © Ulrich Späth, 2012)

Unser Mitarbeiter Hendrik Leuker traf Sabine Sauer in einem Büro des Bayerischen Rundfunks (BR) in München, das ihnen für das Interview überlassen wurde.

Sabine Sauer: Ihr Weg zum Radio

Sabine Sauer wollte ursprünglich Ärztin werden. Wegen einer „Beton-Fünf in Mathe“ (Sauer) ließ sich das aber nicht realisieren. Damit scheiterte man schon damals am Numerus Clausus. „Ab der Oberstufe hatte ich einen Plan B. Ich war kunstgeschichtlich interessiert und handwerklich geschickt. Nun wollte ich Restauratorin werden“, merkt Sauer an.

Nach dem Abitur 1975 schrieb sich Sabine Sauer an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) in München für Kunstgeschichte ein. Über einen Aushang an der LMU erfuhr sie im Jahr 1977, dass der BR Stationssprecher suchte und eine Studienbeihilfe von 300.- DM im Monat in Aussicht stellte.

„Ich wollte gerade von Zuhause ausziehen, und hatte es eigentlich nur auf diese finanzielle Unterstützung abgesehen.“, erinnert sich Sauer. Sie bewarb sich kurz vor Fristende. Am Bewerbungstag saßen hunderte von Bewerbern im Foyer des alten Rundfunkgebäudes Ecke Marsstr./ Am Rundfunkplatz in München. „Da war eine Drehtür und ich bin wie in einem Slapstickfilm die Drehtür gleich wieder hinausgegangen“, kommt es Sabine Sauer noch wie heute vor.

Sabine Sauer (Bild: © Ulrich Späth, 2012)
Sabine Sauer (Bild: © Ulrich Späth, 2012)

Ihre Schwester Gabriele, mit der sie alle wichtigen Termine wahrzunehmen pflegte, zog sie zurück und brachte Sabine Sauer dazu, abzuwarten, bis sie bei hunderten von Bewerbern endlich an der Reihe war. Die Prüfungen waren schließlich nicht ohne, so musste man Texte prima Vista (auf den ersten Blick, ohne Einlesen) vorlesen und sollte dabei nicht über eingebaute Fallen stolpern. So wurde immanent Allgemeinbildung abgefragt, z.B. dass der berühmte Tenor Wunderlich mit Vornamen Fritz und nicht Max hieß.

Auch Texte auf Englisch, Französisch und Italienisch mussten vorgelesen werden: „Beim italienischen Wetterbericht, bei dem die Ziffern nicht ausgeschrieben wurden, hatte ich eigentlich gedacht, dass es das jetzt gewesen war“, fällt es Sauer noch gut ein. Dem war aber nicht so! Sauer meisterte alle drei Bewerbungsrunden und wurde schließlich als einer von zehn Bewerbern übernommen, wovon einer noch in der Probezeit wieder ausschied. Nach dem Überstehen der Bewerbungsrunden war Sauer endlich im Stationssprecherdienst angekommen. 

Stationssprecherdienst

Bevor der eigentliche Stationssprecherdienst losgehen sollte, wurden die neu angestellten Sprecher im Sprecherseminar in Phonetik und Aussprache geschult. Anschließend wurden sie auf die einzelnen Programme des BR im Schichtdienst verteilt: Es gab eine Frühschicht (6-12 Uhr), eine Nachmittagsschicht (12-18 Uhr) und eine Spätschicht (18-24 Uhr) in damals drei Hörfunkprogrammen des BR.

„Wir mussten das Programm, in dem wir eingeteilt waren, begleiten. Begonnen habe ich mit der Frühschicht und darin mit dem Impressum des BR. Irgendwann konnte ich es auswendig und habe es geradezu zelebriert. Überwiegend wurde ich für Bayern 1 und Bayern 3 eingeteilt und dann ab Oktober 1980 auch für das damals neue Bayern 4, unserer Klassikwelle.“, erinnert sich Sauer.

Bei Bayern 3 seien damals noch die Auflasszeiten für Brieftauben und Wasserstandsmeldungen, die Pegelstände für die Schifffahrt, durchgegeben worden. Aus der Information für die Binnenschifffahrt habe sie eine „literarische Lesung“ (Sauer) gemacht. 

„Gute Nacht, Freunde!“

Zur Moderation der ersten eigenen Sendung kam Sauer durch Peter Machac, der sie im Jahr 1978 fragte, ob sie nicht Lust hätte, ihn im Urlaub in „Gute Nacht, Freunde!“ auf Bayern 1 (23-24 Uhr) zu vertreten. Sauer sagte spontan zu und realisierte erst nach und nach, was auf sie in der Folge zukommt: „Wir mussten unsere Platten selbst auswählen und unsere Texte selbst schreiben. Ich habe mich aus dem Schallarchiv bedient und musste mir mein musikalisches Repertoire selbst aneignen“, schildert Sauer ihren Einstand.

Ihre erste Sendung war dann am 25.08.1978. Aus der Urlaubsvertretung wurde ein fester Sendeplatz am Montag. Sie gehörte somit zu einer illustren Runde, der neben Peter Machac noch Gabi Schnelle, Georg Kostya, der Rockexperte des BR, und Ado Schlier angehörte. „Gute Nacht, Freunde!“ lief mit ihr bis Dezember 1983. Das Intro der Sendung war der gleichnamige Titel von Inga und Wolf.

Einmal habe sie ihren Musikkoffer zu Hause im Flur stehen lassen, das erst im Sender bemerkt und, glücklicherweise hatte sie einen Zeitpuffer eingebaut, diesen noch geradeso kurz vor der Sendung ins Funkhaus bringen können. Die Nachrichten zur Stunde liefen schon…  

Auf Sendung bei Bayern 3

Sabine Sauer in den 1980er Jahren als sie bei BAYERN 3 arbeitete (Bild: Privatarchiv Sabine Sauer)
Sabine Sauer in den 1980er Jahren als sie bei BAYERN 3 arbeitete (Bild: Privatarchiv Sabine Sauer)

Im Januar 1984 bekam Sabine Sauer ein weiteres Angebot, im BR eine Sendung zu moderieren, diesmal am frühen Montagnachmittag auf Bayern 3, seinerzeit dem meistgehörten Programm im Freistaat, da weitestgehend konkurrenzlos. Von 14 bis 15 Uhr war sie im „Montags-Mix“ zu hören.

Sie war frei, diesen Sendeplatz mit leichter U-Musik zu befüllen, konnte ihre Musik dabei selbst auswählen und wahlweise auf drei Plattenspieler legen: „Das war für mich wie ein Ritterschlag“, bekennt Sauer. Und weiter: „Mein Ehrgeiz war es, Schlager und seichter Pop wurden damals genug auf Bayern 3 gespielt, anspruchsvollere Pop-Musik mit avantgardistischem Stil und Texten mit mehr Inhalt dem Hörer vorzustellen.

Um auf dem Laufenden zu sein, hatte ich mir ein Musikmagazin aus London namens „The Face“ abonniert mit den neuesten Musiktrends aus der Pop-Welt.“, betont Sauer. So sei sie in der Lage gewesen, noch nicht so „abgespielte Popmusik“ (Sauer), sei es von Nik Kershaw oder Sadé (Adu) dem Hörerpublikum vorzustellen.

Auch habe es Studiogäste in ihrer Show gegeben: „Bei mir war der junge Herbert Grönemeyer oder der junge Falco, der gerade mit „Rock me Amadeus“ einen großen Hit in den USA hatte.“, merkt Sauer an. Ihre Sendung, die (anfangs) eine Pop-Insel im Programm gewesen sei, neben z.B. dem „Schlager-Karussell“, lief bis zum 23.09.1985. Am 07.10.1985 wurde der Sendeplatz von der legendären „B3-Radioshow“ mit Thomas Gottschalk und Günther Jauch gekapert. „Ich wurde noch nach Jahren auf diese Sendung angesprochen. Hörer versicherten mir, damals jeden Montag auf den Montags-Mix gewartet zu haben“, fügt Sauer nicht ohne Stolz hinzu. 

Von der Unterhaltung zum Zeitfunk.

Anfang 1983, nachdem sie ab 1980 schon einzelne Beiträge für das „B3-Morgentelegramm“ vertont hatte, bekam sie eine Anfrage von der Abteilung des Zeitfunks, gewissermaßen die „journalistische Institution“ (Sauer) im BR, ob sie nicht fester Bestandteil des Teams des „B3-Morgentelegramms“ werden wollte.

Im April 1985 war es dann so weit, Sauer moderierte fortan meistens einmal die Woche das „B3-Morgentelegramm“.  Die Sendung ging, nachdem von Ö3 nicht mehr von 08.05-09:00 Uhr die Musik-Nonstop-Sendung „Bitte recht freundlich!“ übernommen wurde, nunmehr drei Stunden lang, bis 9 Uhr. Sie bestand in einer Sendestunde aus drei politischen Beiträgen und einem bunten Thema, Sport und Musik.

Das Morgentelegramm-Team mit Sabine Sauer in der Mitte und dem BR-Hörfunkdirektor Martin Wagner ganz rechts (Bild: ©BR Sessner)
Das Morgentelegramm-Team mit Sabine Sauer in der Mitte und dem BR-Hörfunkdirektor Martin Wagner ganz rechts (Bild: ©BR Sessner)

„Unser Redaktionsleiter im Zeitfunk war Wolfgang Marwitz, der größten Wert auf journalistische Glaubwürdigkeit legte und uns einhämmerte, dass das unser Kapital sei“, macht Sauer klar. Das „B3- Morgentelegramm“ war schließlich die meistgehörte Sendung im Freistaat. Nach jeder Sendung fand eine Manöverkritik statt, die Sauer aber gut überstand. Im analogen Zeitalter behalf man sich bei der Recherche mit Karteikästen für potentielle Interviewpartner, dem Netz der ARD-Auslandskorrespondenten und dem Telex-Ticker. Internet und Google standen damals nicht zur Verfügung.

Die Themen wurden am Nachmittag zuvor festgelegt, bis in die Abendstunden recherchierte Sauer, auch von zuhause aus. Als Co-Pilot (begleitender Redakteur) fungierte unter anderem bei ihr Martin Wagner, später Hörfunkdirektor des BR. In Erinnerung sei ihr noch ein mundartlich gefärbtes Interview mit Rodelolympiasieger und -Weltmeister Georg Hackl. Auch gratulierte Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) 1989 über den Äther zu 10 Jahren B3-Morgentelegramm.

Unvergessen ist Sabine Sauer, dass sie am Tag nach dem nächtlichen Unfall im AKW von Tschernobyl (damals UdSSR), am 27.04.1986, Dienst hatte: „Beim Überfliegen der Ticketfahnen am frühen Morgen stellte ich fest, dass immer wieder von einem Störfall in einem AKW in Tschernobyl die Rede war. Wir fragten uns zunächst, wo Tschernobyl überhaupt liegt. Auf der Weltkarte im Studio war es schließlich schlecht zu finden.“, erinnert sich Sauer noch genau.

Dann sei man auf die Idee gekommen, den damaligen ARD-Korrespondenten in Moskau, Johannes Grotzky (Anm.: späterer Hörfunkdirektor des BR), aus dem Bett zu klingeln. Dieser wusste zunächst von nichts, versprach aber zu recherchieren. Indem man in der Sendung alle 15-20 Minuten mit ihm telefonierte, sei mit der Zeit, bis zum Ende der Sendung, das zutreffende Bild der bislang größten Nuklear-Katastrophe entstanden, die die Menschheit je gesehen hat.

„Wir haben damals Nachrichtengeschichte geschrieben“, merkt Sauer treffend an. Für diese Sendung stand eine eigene Musikredaktion zur Verfügung: „Auch wir Moderatoren durften uns manchmal im Hintergrund etwas wünschen.“, erinnert sich Sauer. Sie moderierte das „B3- Morgentelegramm“ bis Mai 1992.

Wandel zum Formatradio 

Im Juni 1992 wurde aus Bayern 3, nachdem man bereits seit Herbst 1984 ein Pop-Vollprogramm war, ein Formatradio nach dem Vorbild von SWF 3. Das Programm sollte von einer zentralen Redaktion wie aus einem Guss erstellt werden und damit durchhörbar werden. Die Fachredaktionen lieferten Bayern 3 nicht mehr zu, wurden teilweise mit der Zeit aufgelöst. Die private Konkurrenz, besonders bestehend aus Antenne Bayern und den Regionalstationen in den Großstädten, holte in der Hörergunst auf, Antenne Bayern überholte Bayern 3 ab dem Jahr 1992.

Vor der Umformatierung fand ein Casting statt. Obwohl Sauer damals schon fast 15 Jahre moderierte, musste sie daran teilnehmen. „Ein Casting wird durchgeführt, damit sich ein Chef vor unangenehmen Mitarbeitergesprächen drücken kann. Eine feige und letztlich fiese Methode“, findet Sauer. Das Ergebnis des Castings wurde Sauer nicht mitgeteilt, sondern sie erfuhr aus der „Abendzeitung“, dass sie nicht mehr im Team von Bayern 3 dabei sei.

„Warum ich gehen musste, weiß ich bis heute nicht“, schildert Sauer. Bei einem letztlich eingeräumten Gespräch mit dem damaligen Wellenchef Rüdiger Stolze wurde ihr entgegengehalten, dass das Programm verjüngt werden sollte, was Sauer damals als Mittdreißigerin nicht wirklich zu überzeugen vermochte: „Die Art und Weise kränkte mich. Ich war zunächst völlig ahnungslos, da ich nicht täglich die ‚Abendzeitung ‘ lese.“ Stolze empfahl Sauer ihrem Kollegen Maximilian Berg, dem Wellenchef von Bayern 1, weiter.      

Ihre Sendungen bei Bayern 1 und Bayern 4 ( Klassik/BR Klassik)

Auf Bayern 1 war Sauer erneut von Januar 2000 bis Ende 2001 in „Bayern 1 am Abend“, werktags von 20:00 – 23:00 Uhr, zu hören. Das Programm von Bayern 1 war seit der Programmreform im Jahr 1996 durchformatiert und oldielastig geworden. An das Spielen selbst ausgesuchter Platten war nicht mehr zu denken. Zudem moderierte sie seit dem 11.01.1998 auf Bayern 4 Klassik das „B4 Wunschkonzert“, sonntags 14:00-17:00 im Wechsel mit Herbert Hanko.

Sauers Sendung wurde im Oktober 2004 in „Wunsch: Musik“ umbenannt und kam sonntags von 15:00 bis 17:00 Uhr: „Hier befand ich mich in einem Team von fünf Moderatoren, die gecastet worden sind (Anm: Einschließlich Sauer selbst, die diesmal das Casting überstand). Ein bis zweimal im Monat kam die Sendung mit mir“, erklärt Sauer. Es wurden Musikwünsche aus dem Bereich Klassik und Jazz bis einmalig hin zur chinesischen Violinmusik des 20. Jahrhunderts erfüllt.

Seit Oktober 2009 heißt das Programm „BR Klassik“, wie die Dachmarke, unter der alle Klassikangebote des BR vereint wurden. Wie hat sich BR Klassik gegenüber dem Klassikprogramm von früher verändert? „Das Programm ist schneller geworden, dynamischer. Es gibt in den moderierten Magazinstrecken keine ganz langen Musikstücke mehr (ansonsten schon noch) und keine langen Moderationen.“, vergleicht Sauer.

In der Moderation nehme man sich nun einen Aspekt aus dem Leben eines Künstlers als Aufhänger heraus, als wie früher einen kurzen Lebenslauf zu schildern. Heute gäbe es statt langer Konzerte schon am Vormittag mehr Magazine. Aber eines sei geblieben: „Es ist viel Arbeit, man muss alles recherchieren. Die Hörer sind oft Experten auf ihrem Gebiet“, ist sich Sauer gewiss.      

Ansagerin beim Fernsehen

Im Jahr 1979 erhielt Sauer einen Anruf vom Bayerischen Fernsehen vom BR-Standort in Freimann, im Münchner Norden gelegen, mit der Einladung zum Kameratest. Da Sauer damals im gleichen Stadtteil wohnte, dachte sie sich, sie könne diesen ruhig wahrnehmen. „Damals wollte ich immer noch Restauratorin werden“, betont Sauer. Ein Ziel, das sie aber bald darauf aufgab, da sie vor lauter Radio und Fernsehen nicht mehr zur damals verpflichtenden Promotion gekommen wäre.

Sabine Sauer in der Weihnachtsdeko der Sendung Wir in Bayern (Bild: BR Martina Bogdahn)
Sabine Sauer in der Weihnachtsdeko der Sendung Wir in Bayern (Bild: BR Martina Bogdahn)

Der Kameratest verlief erfolgreich und so wurde Sauer Fernsehansagerin, im Bayerischen Fernsehen, dem Dritten Programm, und im ARD-Gemeinschaftsprogramm, dem Ersten Programm: „Ein Beruf, den es heute nicht mehr gibt“, fügt Sauer mit Recht hinzu.    

Karriere im ZDF 

Bundesweit bekannt wurde Sauer, die beim BR nicht festangestellt war und sich daher freiberuflich auch anderweitig orientieren konnte, durch ihre Sendungen im ZDF: „ZDF-Kinohitparade“ (1984-1991) und „ Showfenster“ (1986-1992) sowie durch die Moderation der nationalen Ausscheidung beim Grand Prix Eurovision de la Chanson 1984, „Ein Lied für Luxemburg“ (ARD).

In der „ZDF-Kinohitparade“ ging es zur Prime-Time am Abend um die beliebtesten Filme eines Monats (anfangs von zwei Monaten) in den Charts. Als diese mit Auszügen aus den Filmen vorgestellt waren, kamen die Neuvorstellungen an die Reihe. Hierbei interviewte Sabine Sauer die Schauspieler oder Produzenten der neu vorgestellten Filme im Studio der UFA in Berlin-Tempelhof oder manchmal bei Außendrehs.

„Besonders erinnere ich mich an die Sendungen mit Donald Sutherland, einem ganz ausgezeichneten Schauspieler, Giuletta Masina, die Darstellerin in den Fellini-Filmen (Anm: Fellini war ihr Ehemann), an die witzige Sendung mit Otto, bei der wir beide am Schluss vor Lachen unter dem Moderationstisch lagen, an Regisseur Sergio Leone („Spiel mir das Lied vom Tod“) oder auch an Didi Hallervorden, der bei seinen Filmen auch Regie führte.“

Das „ZDF-Showfenster“ war ein halbstündiges Showmagazin, das im Wechsel mit anderen Magazinen abends zur Prime-Time lief und Neues aus der Welt von Film, Fernsehen und der Musikbranche zum Gegenstand hatte. Illustre Showstars, bekannte Sänger wie George Harrison und Eric Clapton, der Schauspieler und Regisseur Paul Newman und die Schauspielerin Audrey Hepburn wurden dort vor Ort aufgesucht.  

Reingelegt von der versteckten Kamera

Im Jahr 1990 wurde ihr vorgemacht, ihr säße Michael Jackson, zum Interview für „Showfenster“ bereit, gegenüber: „Dass er Mundschutz und Sonnenbrille trug, war an sich ja nichts Ungewöhnliches“, wirft Sauer ein. Ihr Gegenüber, angeblich Michael Jackson himself und auf Stimmbandkur im Schlosshotel Bühlerhöhe bei Baden-Baden, entpuppte sich als dessen Doppelgänger im Auftrag des „Verstehen Sie Spaß!?“ (ARD)-Teams , angeführt von Kurt Felix   

Beim NDR-Fernsehen

1992 endete die Zeit beim ZDF aus Sicht von Sauer ebenso abrupt wie im Hörfunk bei Bayern 3. Wenig später wurde das NDR-Fernsehen, auch als „Nord III“ bezeichnet (Anm.: Der NDR kooperiert im Dritten bis heute mit Radio Bremen), auf Sauer aufmerksam. Zu dieser Zeit war man bundesweit im Kabel empfangbar.

In den Jahren 1994 und 1995 moderierte Sauer die „NDR-Talkshow“ und von 1995 bis 1997 samstags „Die aktuelle Schaubude“ mit Co-Moderator Rüdiger Wolff. Die Sendung bestand aus einer Mischung aus Musik, Interviews mit Studiogästen sowie unterhaltender Information mit Schwerpunkt auf Themen aus Norddeutschland.

Sendungen im Bayerischen Fernsehen

Bei ihrem Heimatsender, dem Bayerischen Fernsehen, ab 2016 BR-Fernsehen genannt, moderierte Sauer von 2003 bis Ende 2020 das Heimatmagazin „Wir in Bayern!“, von Montag bis Freitag erst von 16:05 bis 17:45 Uhr und später von 16:15 bis 17:30 Uhr, mit informativen Beiträgen aus (ganz) Bayern, mehr oder weniger prominenten Talkgästen, einem Studiohund und einer Kochecke.

Am 28.12.2020, ihrer letzten Sendung, war Fritz Egner zu Gast: „Fritz kenne ich schon seit meiner Jugendzeit in Pasing“, so Sauer erfreut. Die Sendung leitet über zur „Frankenschau“ (BR Nord) und „Abendschau-Der Süden“ (BR Süd).

Sabine Sauer (Bild: © Ulrich Späth, 2012)
Sabine Sauer (Bild: © Ulrich Späth, 2012)

Sie gehörte weiterhin zum Moderatorenteam der Talkreihe „Unter Vier Augen“, samstags von 16:15 Uhr bis 16:45 Uhr in den Jahren 2002 bis 2016. Wobei die Moderation nur der sichtbare Teil der Arbeit sei und die Hauptarbeit das Schreiben des Sendekonzepts: „Die Moderation ist nur 10 % der Arbeit“, macht Sauer verständlich.

Sabine Sauer wurde mehrfach mit dem „Telestar“ und der „Goldenen Kamera“ ausgezeichnet. Außerdem moderierte Sauer (zusammen mit einem Co-Moderator, anfangs mit Christoph Deumling, dann mit Gerd Rubenbauer und zuletzt mit Volker Heißmann) nicht zuletzt alljährlich die „Sternstunden-Gala“, eine Benefizsendung des BR zur Adventszeit, von 1999 bis 2020, erst aus Unterföhring, dann ab 2004 aus der Nürnberger Frankenhalle.

Am 14.12.2012 kam es eine Viertelstunde vor Beginn der Gala zu einem Malheur: Auf dem Weg zum Garderobenzimmer in der Frankenhalle blieb Sabine Sauer mit ihren Stilettos im Abendkleid hängen und stürzte, dergestalt, dass ihr Kinn auf einer Steintreppenstufe aufschlug. Sie kam mit dem Schrecken und einer blutenden Oberlippe davon, die mit von draußen herbeigeschafften Schnee gekühlt werden konnte. Die Blutung stoppte und die Maskenbildnerin rettete mit finalem kosmetischen Eingriff den Auftritt. Sauer moderierte an diesem Abend dreieinhalb Stunden, als ob nichts gewesen wäre…    

Radio oder Fernsehen?

„Ich mache lieber Radio“, überlegt Sabine Sauer nicht lange. Fernsehen sei komplizierter; „Da überlegt man sich: Wie siehst du aus? Was ziehst du an? Habe beides gern gemacht. Aber Radio macht mir mehr Spaß, da es unkomplizierter ist.“, findet Sauer (vgl. auch „Radio ist einfach die beste Schule“).

Hobbys, Hör- und Sehgewohnheiten

Sabine Sauer (Bild: © Ulrich Späth, 2012)
Sabine Sauer (Bild: © Ulrich Späth, 2012)

„Hobbys habe ich keine. Mir wird nicht langweilig. Jeder Tag ist zu kurz“, überrascht Sauer mit ihrer Antwort. Im Radio höre sie, was Musik angeht, Bayern 1 und BR Klassik. Sie schätzt ebenso den dargebotenen gründlichen Journalismus, die Talksendungen und Features auf Bayern 2.

„Wenn ich Radio höre, dann immer im Auto, selten zu Hause“, schränkt Sauer ein. „Bei mir läuft der Fernseher viel, auch neben dem Bügeln und Putzen.“ Tagsüber sieht sie den ARD-Infokanal Tagesschau 24 und abends linear die 20 Uhr-Tageschau und danach Filme, Serien, Dokus in Echtzeit, meist im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. „In die Mediathek gehe ich nur, wenn es nicht anders geht“, so Sauer.

Sabine Sauer lebt in München und befindet sich seit Januar 2021 im (Un)ruhestand.

Weiterführende Informationen

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