Es stimmt schon und ist bemerkenswert, dass immer mehr Audioinhalte über das Internet und andere Kanäle wie DAB+ konsumiert werden. Ob sich darüber allerdings Privatanbieter freuen, steht auf einem anderen Blatt. Beispiele im Ausland zeigen, dass beim teuren Wechsel von UKW auf DAB erkleckliche Hörermengen insgesamt für Radio verloren gehen.
Ein Artikel aus der F.A.Z.-Serie „Schneller Schlau“ vom 14.04.2025 mit dem Titel „Der Hörfunk lässt das klassische Radiogerät hinter sich“ zeigt unter anderem, dass in öffentlich-rechtlichen Sendern Wortbeiträge einen zunehmend geringeren Anteil am Programm haben. „Fast zwei Drittel der Programme sind mit Musik gefüllt, etwa ein Viertel des gesamten Programms mit Rock- und Popmusik.“
Bei Privatsendern hat Musik ein noch größeres Gewicht und bringt mehr Abwechslung: „2013 wurden auf privaten endern im Durchschnitt 2170 Titel im Jahr gespielt, 2024 waren es 2332.“
Nicht sehr hilfreich sind hingegen die Zahlen in „Schneller Schlau“ zu den Einkünften insgesamt und pro Anbieter: Die aufgeführten Umsätze für Privatanbieter – deren einzige Einnahmequelle – liegen nicht bei 700 Mio. Euro. Sie berücksichtigen nicht die lokalen Einnahmen, die schätzungsweise noch einmal den gleichen Betrag ausmachen. Hingegen sind die 700 Millionen Werbegelder Bruttoangaben, die sich auf Sekundenmengen beziehen. Die Einnahmen pro Sender unterscheiden sich gewaltig und können bis in den dreistelligen Bereich gehen.
Insgesamt lässt sich also feststellen, dass die privaten Hörfunkanbieter weiterhin in einem nicht sonderlich fairen Wettbewerb mit den öffentlich-rechtlichen Anstalten stehen. Die ARD-Anstalten tragen Werbung und generieren hieraus nicht unerhebliche Einnahmen, sie programmieren weniger Wort und dafür Musik. Was die Umstellung auf DAB+ betrifft, sind sie im Vorteil. Die Gebühren werden es schon richten.
Also vielleicht doch nicht so „schlau“.
Erfreulich insgesamt ist die Tatsache, dass nicht nur die Anzahl der Radiosender steigt sondern, dass die tägliche Hördauer auf einem ähnlichen Niveau wie vor 30 Jahren liegt. Mit etwa 169 Minuten Hördauer pro Tag ist Radio das Massenmedium.
Helmut Poppe gehört zu den Privatradiopionieren in Deutschland und hat früh den Blick über den Tellerrand gewagt. Er war in der RTL-Gruppe (seinerzeit IPA) und bei Studio Gong für Vertrieb und Marketing leitend für den Vertrieb des Werbeinventars verantwortlich und kenn auch das Lokalgeschäft durch seine Vertriebstätigkeit u.a. bei Radio RPR.
Mit seinem Mediaforschungs- und Marketinghintergrund berät er Agenturen, Start-Ups und Audioanbieter in Fragen der Strategie und Markenbekanntheit sowohl in Deutschland und benachbarten Ausland, insbesondere in Frankreich. Als Experte für Radiomarketing und Medienstrategie setzt er sich intensiv mit der Rolle der künstlichen Intelligenz in der Medienbranche auseinander.










