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Das Ende des Radios, wie wir es kennen

bitter lemmer kleinEin einziger Landtag reicht, und das Gerüst stürzt ein. Es geht um die neue Rundfunk-Supersteuer und jetzt auch um den DAB-Irrsinn. Ein einziger Landtag, der nächstes Jahr das bürokratische Wortmonster namens Rundfunkänderungsstaatsvertrag nicht ratifiziert, und man könnte aufatmen. Es gibt ja neuerdings Beispiele, dass Landtage neuerdings nicht mehr alles mitmachen, was die Exekutive ihnen vorschreiben will. Der NRW-Landtag etwa, der den Staatsvertrag über die weltfremde Jugendschutzrichtlinie im Internet kippte, oder der Landtag von Mecklenburg-Vorpommern, der die durchweg ungeliebte Bologna-Hochschulreform zurücknahm und den Diplom-Ingenieur wieder einführte.

Ebenso könnte ein Landtag die neue Rundfunk-Supersteuer kippen, die gerade in Propagandafilmen der öffentlich-rechtlichen Anstalten als „gerecht“ und „einfach“ gepriesen wird. Mit der  kann den öffentlich-rechtlichen Sendern auch egal sein, welche Konsequenz DAB für das Radio haben wird, denn mit der neuen Rundfunk-Supersteuer wird endlich auch offiziell nur noch das Programmangebot bezahlt, ausdrücklich aber nicht der Empfang. Mit dem Beschluss, DAB nun tatsächlich einzuführen, haben sich diejenigen durchgesetzt, die ein schnelles Geschäft wittern, das darin besteht, den Deutschen einen neuen Gerätepark zu verkaufen und Millionen für ein neues Sendernetz zu versenken. Die alten Radiogeräte werden mit DAB unbrauchbar. Wer künftig Radio hören möchte, braucht ein neues Gerät.

Man muss kein Prophet sein, um zu ahnen, dass sich die Privatradiobranche ins Knie geschossen hat, als sie der Unterzeichnung der DAB-Verträge zustimmte. Ein paar Subventions-Kröten eines Chipherstellers, der gerne möglichst viele seiner Chips in DAB-Empfänger einbauen lassen möchte, haben das bewirkt. Das, liebe Leute, habt Ihr Euch nicht zu Ende überlegt. Glaubt Ihr wirklich, dass die Gerätebasis bei DAB genauso hoch sein wird wie heute bei UKW? Glaubt Ihr wirklich, Ihr bekommt es hin, alle gleichzeitig Eure Claims und Eure Positionen auf der DAB-Senderskala bekanntzumachen? Und glaubt Ihr wirklich, Radio sei so dominant, dass es nicht durch andere Angebote ersetzt werden könnte? Etwa durch Musikstreams aus dem Netz oder Comedy auf Youtube?

Ich glaube etwas anderes. Dass nämlich das Trommelfeuer an Aktionen, das demnächst auf Eure Hörer losprasseln wird, nur kollektive Verwirrung stiften wird. Niemand wird begreifen, was das soll und wozu es gut ist. Denn mit DAB habt Ihr ein Problem gelöst, das nicht existierte. Die technische Verbreitung von Radioprogrammen ist exzellent und weithin akzeptiert. Da musste man nichts ändern. Das Argument, DAB schaffe zusätzliche Programmplätze und senke damit Zutrittshürden, ist dagegen fadenscheinig, so lange Medienbehörden technisch vorhandene Frequenzen deshalb nicht vergeben, weil sie keine zusätzliche Konkurrenz im Markt wünschen. Soll etwa jemand glauben, mit DAB ziehe plötzlich liberale Ordnungspolitik in die Medienwelt ein? Lächerlich!

Vielleicht begreifen ja ein paar Landtagsabgeordnete, dass der Bogen gerade überspannt wird. Die ARD-ZDF-Supersteuer und der Todesstoß für das UKW-Radio werden beim Wahlvolk nicht gut ankommen. Ein einziger der 16 Landtage genügt, und das Wortmonster Rundfunkänderungsstaatsvertrag fällt durch. Damit dürfte dann nachträglich auch DAB wieder ins Wackeln geraten. Es wäre ein guter Tag fürs Radio.

Lemmer
Christoph Lemmer arbeitet als freier Journalist in Berlin.

E-Mail: christoph@radioszene.de