Zusammenfassung des Panel von Ansgar Mayer, Dirk Ellenbeck und Dirk van Loh zum RADIO DAY 2010. Moderiert von Johnny Haeusler.

Mobile Mediennutzung lasse sich durch drei Begriffe festmachen: Interaktion, Personalisierung und Emotion – alle drei stünden für seit Jahrzehnten gelebte Radiopraxis. Nun hieße es für das Radio, Interaktion, Personalisierung und Emotion auch auf Smartphone und Co. gewinnbringend zu nutzen, um unterwegs das stärkste Medium zu bleiben bzw. seine Position noch auszubauen.
Wie bleibt das Radio im neuen, mobilen Umfeld stark?
Aus seinen Forschungsergebnissen – durch repräsentative Umfragen, ein exklusives Experten-Panel und die Auswertung von Studien und Fachliteratur – formuliert Mayer mehrere wichtige Bedingungen für die Zukunft des Radios: Das Radio muss Leitmedium im Auto bleiben. Onboard-Entertainment ist ein Milliardengeschäft, das Radioanbieter nutzen sollten und dabei z.B. von Kooperationen mit Autokonzernen profitieren könnten. Auf Endgeräten wie dem iPhone oder anderen Smartphones müsse sich Radio auf veränderte Mediennutzungs-Muster einstellen, die eine neue Angebots-Vielfalt und damit mehr Dynamik in den Wettbewerb bringen. 46,3 Prozent aller Mobile-Nutzer wünschen sich nach einer Emnid-Umfrage für die Radiozentrale mehr mobile Audio-Angebote – ein großes Marktpotenzial für Radio-Anbieter. Diese müssten jetzt eine Doppelstrategie verfolgen: Das klassische, massenattraktive Radioprogramm bleibe erhalten und müsse über Apps und mobile Web-Browser neue Verbreitungswege gehen. Gleichzeitig gelte es, auf den Smartphones mehr Möglichkeiten für Interaktion und Personalisierung zu bieten, auch live und synchron zum laufenden Programm. Stichworte seien: „Mobile Mood Management“ und eine umfassende Funktion als „Life Navigator“, die auch als Paid Service funktionieren könne. Dabei sei ebenfalls nicht zu unterschätzen: Individualisierte Programme ermöglichen personalisierte, neue Werbeformen.
Gestaltungsvielfalt besser nutzen
In der auf diesen Vortrag folgenden Diskussion unter der Leitung von Spreeblick-Blogger und Radiomann Johnny Haeusler schließt sich Ellenbeck den Ausführungen Mayers an. Personalisiertes Radio als Serviceangebot ist auch für ihn ein zukunftsfähiger Ansatz. Gemeinsam mit Radiopark aus Hamburg präsentiert Vodafone die kostenpflichtige „Radioland-Applikation“ als Antwort auf den Wunsch nach personalisiertem Infotainment. Durch eine neu entwickelte Form des Zwischenspeicherns wird ein lückenloser und abbruchsicherer Sendeablauf ohne die Notwendigkeit einer permanenten Netzanbindung garantiert. Damit ermöglicht dieser Ansatz zudem eine ökonomische und kostengünstige Nutzung der Übertragungsressourcen – ein bereits gespeicherter Titel muss nicht erneut gestreamt werden. Aktuelle Welt-Nachrichten werden on demand, also auf Abruf und zu jeder Zeit bereitgestellt. Die Nutzer entscheiden selbst, wann sie welche Information in Verbindung mit welcher Musikfarbe hören wollen.
Van Loh fordert Radiomacher zu mehr „mobilem Denken“ auf, wobei neue Gestaltungsmöglichkeiten wie beispielsweise Mobile Apps entwickelt werden müssten. Am Beispiel Fußball erläutert er, wie das Programm weiter individualisiert werden könnte. Z.B. kann der Hörer im Livestream selbst darüber entscheiden, ob er Konferenzschaltungen wünscht oder einzelne Spiele bevorzugt. Er hat damit eigenständige Programm– gestaltungsmöglichkeiten. Hier weist Ellenbeck darauf hin, dass dem Moderator bei einer Zunahme der Dienste und der Interaktionsmöglichkeiten wieder eine gestärkte Rolle zukommt: Ihm werde die Aufgabe übertragen, den Informationsfluss im Sinne des Senders zu koordinieren.
Wege der Finanzierung neuer Angebote
Die Klage einiger Radiomacher, die neuen Angebote und Wege rechneten sich nicht, kann die Expertenrunde nicht nachvollziehen. Mayer rät auch hier zu mehr Kreativität und findet, das Radio könne von der Game-Branche einiges lernen. Diese gewinnt ihre Kunden durch das Angebot der kostenlosen Teilnutzung und lässt sie später bei Interesse für das volle Angebot zahlen – ein funktionierendes Modell, das durchaus auf das Radio übertragbar sei. Ellenbeck sieht gerade für lokale und regionale Informationen, die nicht im Internet in Hülle und Fülle kostenlos zur Verfügung stehen, eine wachsende Zahlungsbereitschaft der Kunden. Ein Bezahl-Abo für eine bestimmte Musikrichtung oder lokale Nachrichten wären realistische Möglichkeiten. Hier könne das Handy, z.B. durch SMS-Serviceangebote, wunderbar als bewährtes Zahlungsmittel eingesetzt werden. Neue Kanäle über das Internet sollten zu besonders kreativen Einnahmequellen inspirieren, meint van Loh. Warum nicht zum Beispiel dem Fußballfan gegen Gebühr ermöglichen, ein Fußballspiel für seinen persönlichen Freundeskreis über Internetradio zu kommentieren?
Wohin geht der Trend 2011?
Die Runde wagt zum Abschluss eine Prognose. Für Ellenbeck ist klar: Die mobilen Datendienste wachsen weiter, die Preise werden sinken und neue, günstige Endgeräte bereichern den Markt. Damit ist Radio to Go für viele Nutzer erschwinglich und bietet den Verantwortlichen beste Chancen, an neue Zielgruppen zu gelangen. Van Loh sieht noch mehr Raum für Kreativität. Er appelliert an die Radiomacher, diesen gerade im mobilen Angebot zu nutzen. Und Mut zu neuen Formen zu beweisen, z.B. durch die Abkehr vom ausschließlichen Denken in 30-Sekunden-Spots. Für Mayer ist Mood-Management das wichtigste Thema in naher Zukunft: Radio to Go hat die Chance, für seine Nutzer die Möglichkeit zu schaffen, genau auf die Stimmung zugeschnittene Programme auszuwählen oder sich diese zusammenzustellen. Denn Hören ist Emotion – die Stimmung zählt.
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