CLASSIC ROCK RADIO: Laut, geil, meins!

Veröffentlicht am 26. Okt. 2022 von unter Musik

Radio und Rock – erweist sich gerade als eine eher ambivalente Beziehung. So ist es kein Geheimnis, dass die Musikanteile für das Genre bereits seit geraumer Zeit bei den meisten großen AC- und Jugendwellen rückläufig sind. Was vordergründig nicht unbedingt am verlorengegangenen Interesse der Hörer liegt – eher an einem (sagen wir mal) Nachschubproblem in Form einer ausreichenden Zahl neuer kompatibler Hit-Singles. Da kam für die Playlisten zuletzt – vor allem im Vergleich zu früheren Dekaden – herzlich wenig Spielbares. Die langjährigen Top-Lieferanten der Branche wie Bon Jovi, Toten Hosen, Bryan Adams oder (die Rockhymnen-Produktionsfabrik der 2000er-Jahre) Nickelback hatten für das Radio auf ihren letzten Veröffentlichungen nur wenige wirkliche Ohrwürmer zu bieten. Manche Helden sind eben in die Jahre gekommen, treten kürzer, sind verstorben oder verdienen ihr Geld heute vorzugsweise lieber mit dem lukrativeren Konzertgeschäft. Auch die in den Mainstream-Markt eingetretenen, einst so kreativen Bands aus der Alternativeszene wie Red Hot Chili Peppers, Linkin Park oder Green Day, die lange zahlreiche (perfekt) auf das Radio zugeschnittene Songs geliefert hatten, lassen nur noch großen Abständen von sich hören. Keine leichte Aufgabe also für die Musikstrategen der jüngeren AC-Sender, die  – mangels Masse an herausragenden neuen einschlägigen Titeln – nicht ewig auf die immer gleichen großen Best-Tester früherer Jahre zurückgreifen können. Irgendwann erreicht der „Burn“ auch die großen Rockhits innerhalb der Rotationen.

Allerdings ist den Radiohörern die generelle Lust an Rockmusik keineswegs abhanden gekommen. So stehen beim Blick auf die Gewinner der Reichweitenerhebungen der letzten Jahre gerade die Rockstationen im Land beständig weit vorne. ROCK ANTENNE, RADIO BOB!, STARFM oder Radio 21/Rockland Radio sammelten offenbar viele der von den AC-Sendern unterversorgten Rockfreunde ein und bedienen sie mit Generations-übergreifenden Musikmischungen aus Classic Rock, Rockhits der 80er, 90er, 2000er und neuen Rocksongs. Zuletzt punkten mit diesem Konzept auch einige – mit weniger Frequenz-Power ausgestatteter – Programme wie Rockland.FM, Radio Gong 97,1, REGENBOGEN ZWEI oder das saarländische CLASSIC ROCK RADIO. Das zur Radio Salü-Euro-Radio Saar-Gruppe gehörende Angebot ist der einzige im Saarland beheimatete Rocksender, in dessen Fokus „die Songs der größten Stars der Rockgeschichte mit ihrer legendären Musik von den 60ern bis zu aktuellen Rockstücken“ stehen. 

CLASSIC ROCK RADIO ist im Saarland im September 2005 zunächst im DAB L-Band gestartet. 2006 erfolgte die Ausweitung der Ausstrahlung über verschiedene UKW-Frequenzen – unter anderem in Saarbrücken und Neunkirchen.

Neben den UKW-Frequenzen kann der Sender auch als Webstream unter www.classicrock-radio.de und mobil über iPhone und Android gehört werden. Mehr Komfort und mehr Radio bietet zudem die CLASSIC ROCK RADIO App. Seit Anfang 2022 ist das Programm in weiten Teilen des Saarlands via DAB+ empfangbar.

 

„CLASSIC ROCK RADIO ist in fast allen Zielgruppen zuhause“

 

Im Interview mit RADIOSZENE Mitarbeiter Michael Schmich stellt CLASSIC ROCK RADIO Programmdirektor Daniel Stupp seinen Sender und die vielfältigen Programmaktivitäten vor.

RADIOSZENE: Herr Stupp, CLASSIC ROCK RADIO sendet seit 2005 als Spartenprogramm für das Saarland. Wie flächendeckend sind Sie im Bundesland vertreten?

Daniel Stupp: Mit unseren UKW-Frequenzen und DAB+ kommen wir zusammen auf etwa 90 Prozent Abdeckung im Saarland. An den restlichen 10 Prozent sind wir dran. Bis dahin kann man uns natürlich auch über die eigene CLASSIC ROCK RADIO APP beziehungsweise per Smartspeaker zuhören.

Programmdirektor Daniel Stupp (Bild: © CLASSIC ROCK RADIO)

Programmdirektor Daniel Stupp (Bild: © CLASSIC ROCK RADIO)

RADIOSZENE: Ihr Sender ist bislang noch nicht in den ma-Erhebungen gelistet? Gibt es dennoch Zahlen, wie viele Hörer Sie erreichen?

Daniel Stupp: Ja, die gibt es. In der Reichweite der „RADIO SALÜ plus KOMBI“ steckt auch CLASSIC ROCK RADIO mit drin. Macht für die aktuelle MA: 45.000 Hörer am Tag, Tendenz steigend. Ein schöner Trend, der auch in der eigenen Marktforschung in die gleiche Richtung, nämlich nach oben, zeigt. Das freut uns ungemein, die Konkurrenz ist ja in den vergangenen Monaten nicht kleiner geworden.

RADIOSZENE: In welchen Bevölkerungsgruppen findet sich Ihr Kernpublikum?

Daniel Stupp: Tatsächlich ist CLASSIC ROCK RADIO in fast allen Zielgruppen zuhause. Klar, wir programmieren Musik und Inhalte ein wenig mehr auf Männer, im Alterssplit 30-59, im Gegensatz zu RADIO SALÜ – dem Marktführer bei 14-49 im Saarland – sind wir aber längst nicht so spitz in der Zielgruppenansprache.

RADIOSZENE: „Rock“ ist nach landläufiger Meinung eine Männerdomäne. Ein Vorurteil?

Daniel Stupp: Ja, das ist aus meiner Sicht ein Vorurteil. Sabine Kiehn tritt jeden Tag den Gegenbeweis an. Sie moderiert seit vielen Jahren bei CLASSIC ROCK RADIO, ist das Gesicht des Senders und sagt von sich selbst: „kein Mann kommt an mir vorbei!“. Die Hörer schätzen ihre Musikexpertise genauso wie ihre strahlende, positive Art. Als Saarländerin ist sie eine Topbesetzung für den Job und wir sind froh, sie zu haben.

RADIOSZENE: Wie viele Programmstunden sind moderiert?

Daniel Stupp: Wir moderieren werktäglich 12 Stunden. Nachrichten, Wetter und Verkehr gibt es bei CLASSIC ROCK RADIO hingegen 24/7. Wir wollen als „Vollsortimenter“ wahrgenommen werden, der mit seiner Regional-Expertise allen anderen Rock-Angeboten im Web und auf DAB eine „Pommesgabel“ voraus ist!

RADIOSZENE: Ihr Musikformat ist sehr hörbar auf Classic Rock fokussiert. Hilft Ihnen bei Ihrer konsequenten Ausrichtung auf ein Rock-Format, dass inzwischen sehr viele UKW-Radios das Genre anteilsmäßig nur noch sehr eingeschränkt bedienen?

Daniel Stupp: Nein. Rock als Genre hat keinen USP mehr. Alleine im Saarland werden mittlerweile drei Rocksender über DAB verbreitet. Nische ist anders.

RADIOSZENE: Der weit überwiegende Teil der Musik kommt von Bands, die das Genre von den 1960er- bis in die 1990er-Jahre geprägt haben …

Daniel Stupp: Unser musikalischer Schwerpunkt liegt im Rock der 80er und 90er. Man bekommt bei CLASSIC ROCK RADIO aber auch die frühen Stones aus den 60ern, genauso wie die aktuellen Scheiben von Volbeat, oder – aus dem Saarland – Powerwolf! Klingt abgedroschen, ist aber so: der Mix ist entscheidend und wird mit viel Liebe von der Musikredaktion kuratiert

RADIOSZENE: Hier können Sie ja aus einem großen Fundus schöpfen. Nach welchen Kriterien nehmen Sie Titel in die Rotation auf?

Daniel Stupp: Das ist eine  Kombination aus Marktforschung und „dem Händchen der Musikredakteure“

 

„Jeden Tag zwischen 18 und 20 Uhr laufen bei uns Songs von saarländischen Rockern, teils von ihnen selbst anmoderiert. Das schafft Aufmerksamkeit und sorgt für ein paar GEMA-Euro in den Kassen der Künstler“

 

RADIOSZENE: Was tut CLASSIC ROCK RADIO für die Förderung von Nachwuchsbands?

Daniel Stupp: Viel. Wir haben zu Beginn von Corona ein deutschlandweit viel beachtetes Format mit Namen „Sound of Saarland“ ins Leben gerufen. Die Idee dahinter: saarländischen Bands während der Zwangspause eine Ersatzbühne anzubieten – on Air! Jeden Tag zwischen 18 und 20 Uhr laufen bei uns Songs von saarländischen Rockern, teils von ihnen selbst anmoderiert. Das schafft Aufmerksamkeit und sorgt für ein paar GEMA-Euro in den Kassen der Künstler.

RADIOSZENE: Rockmusik und die Berichterstattung darüber sind naturgemäß ein zentrales Thema. Wie viel redaktionellen Platz räumen Sie der Rockmusik im Programm ein, welche Rolle spielt dabei die Regionalität?

Daniel Stupp: Außerhalb der Servicezeiten würde ich sagen, nahezu 100%. Rock ist die DNA von CLASSIC ROCK RADIO und Regionalität das Unterscheidungsmerkmal zu allen anderen.

RADIOSZENE: Leuchttürme im Programm sind sicher die Musikspecials am Abend – wie beispielsweise die Sendung “Live & Laut“. Wie wichtig sind diese Shows für den Sender?

Daniel Stupp: Sie komplettieren das musikalische Angebot und zeigen auf, dass wir für jeden „Rockgeschmack“ was anzubieten haben. Frei nach dem Motto: laut, geil, meins!

(Bild: © CLASSIC ROCK RADIO)

RADIOSZENE: Für die Sender ist nach der Pandemie seit 2022 ja endlich wieder die Veranstaltung von Hörer-Events möglich. Mit welchen Aktivitäten und Erfahrungen sind Sie hier unterwegs? 

Daniel Stupp: Die Hörer sind vor allem eins, unendlich dankbar. Wir präsentieren mit CLASSIC ROCK RADIO annähernd 60 Veranstaltungen jedes Jahr. Das war für alle ne harte Nuss, da zwei Jahre lang in den Pausemodus zu gehen. Entsprechend euphorisch sind wir dann auch wieder rein gestartet in die ersten Gigs im Frühjahr. Besonders emotional wurde es bei unserer legendären „CLASSIC ROCK RADIO – Born to be wild“ Party, die endlich wieder regelmäßig am Start ist. Hier sind beim ersten Wiedersehen im Frühjahr nicht wenigen Hörern – und auch Mitarbeitern – die Tränen runter gekullert.

RADIOSZENE: Seit knapp einem Jahr ist der Sender auch über DAB+ zu hören. Welche Landesteile werden digital terrestrisch versorgt? 

Daniel Stupp: Das Programm von CLASSIC ROCK RADIO wird seit Mitte November 2021 vom Senderstandort Saarbrücken-Schoksberg über den privaten Saarland DAB+ Multiplex im Kanal 9C ausgestrahlt. Der zweite Sender im saarländischen Spiesen wurde im März 2022 in Betrieb genommen. Dieser zusätzliche Senderstandort bedeutet natürlich auch mehr Reichweite. Somit können jetzt 80 Prozent der Saarländerinnen und Saarländer die besten Rocksongs für das Saarland über DAB+ nun auch unterwegs terrestrisch digital empfangen. Laut und kristallklar!

RADIOSZENE: Im nächsten Jahr feiert der Hörfunk 100. Geburtstag. In welche Richtung wird sich Ihrer Meinung nach das Medium entwickeln. Welche Bedeutung wird der Hörfunk in der Lebenswelt der Menschen in – sagen wir – 10 Jahren einnehmen?

Daniel Stupp: In 10 Jahren? Wenn ich mir meine Kinder anschaue, gar keine mehr. Aber so leicht wird sich unsere Branche hoffentlich nicht geschlagen geben. Wir sind dazu aufgefordert, unsere Geschäftsfelder weiter auszubauen, Allianzen zu schmieden und auch wirklich „Neues“ auszuprobieren. Noch haben wir die Luft dafür!

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