Nachgefragt: Norman Landgraf – Radiobegeisterter Unternehmer

Veröffentlicht am 26. Jun. 2022 von unter Deutschland

©Privatarchiv Norman LandgrafVon Hendrik Leuker

Norman Landgraf (51) betreibt seit 2007 seine Event-Agentur „Mogul Entertainment“ in Leipzig und ist seit über 20 Jahren in den Medien, bei verschiedenen Radio- und Fernsehsendern oder auch im Internet (z.B.: YouTube) präsent. Landgraf gehört heute zum Moderatorenteam vom sächsischen Privatsender „SecondRadio“ und wirkt aktiv im Programm mit. Er verfügt durchaus über eine regionale Prominenz und wartet immer wieder mit kreativen Ideen auf. Grund genug für unseren Mitarbeiter Hendrik Leuker, ihn im Garten seines Hauses, im Landkreis Leipzig gelegen, zu besuchen und nachzufragen.

Auf Umwegen zum Radio

Norman Landgraf (Bild: ©Hendrik Leuker)

Norman Landgraf (Bild: ©Hendrik Leuker)

Landgraf besuchte in der DDR die Oberschule (10 Klassen) und lernte zunächst Werkzeugmacher. Er wollte eigentlich NVA-Offizier werden, dann aber nicht mehr, als er anstatt zur Marine oder zur Luftwaffe gehen zu können, ein politischer Offizier (Stasi) werden sollte. Er zog nach der Wende im Februar 1990 nach Mannheim. Zunächst arbeitete er in seinem angestammten Beruf weiter, 1992 kam er zur Deutschen Vermögensberatung und wurde schließlich 1997 Verkäufer bei der Mercedes Benz – Niederlassung in Mannheim. Später Moderator für den ADAC (Betreuung der damals neuen Deutschen Tourenwagen-Masters (DTM) und Vertriebsleiter bei Otelo.

Im Februar 2001 kam er nach einer erfolgreichen Bewerbung, angeregt durch einen Bekannten, zu Radio RPR. Gesucht wurde dort ein Moderationsassistent für die Sendung „Partnertreff“ mit Wolfgang Rositzka auf RPR 2. Diese lief als „Männerabend“ am Montag von 20 – 0 Uhr, Frauen konnten also für Männer anrufen, und am Freitag von 20 – 0 Uhr als „Frauenabend“, Männer konnten jetzt den Spieß umdrehen und für Frauen anrufen, um sie kennenzulernen. Die Sendung machte Landgraf großen Spaß, wurde aber 2002, nach über einem Jahrzehnt, abgesetzt. Danach ging er zum Theater „Hemshofschachtel“ Ludwigshafen, machte eine Sprechausbildung und spielte dort über 5 Jahre immer Hauptrollen.  Zum Beispiel im Stück „Dinner für Spinner“, vom französischen Klassiker „Le Dîner de Cons“ von Francis Veber.

Werdegang in den Medien

Norman Landgraf hatte nunmehr seinen Zugang zu den Medien gefunden. Im Jahr 2002 kam er zum Privatsender RTL und wurde Moderator beim RTL Shop in Köln (heute: Channel21), einem der ersten TV-Verkaufssender in Deutschland bis 2004. Wiederum ging es somit ums Verkaufen, von der Autopolitur bis hin zu Elektro-Produkten für den Haushalt. Nebenbei betätigte er sich bei einem Internetsender namens Radio Sunlight mit Sitz in Hamburg: „Dort habe ich von zu Hause vom Rechner aus mit einer Broadcast-Software moderieren können. Das waren damals meine ersten Schritte im Radio. Habe damals auch eigene Formate eingeführt“, erinnert sich Landgraf gerne zurück. Freilich sendete man bei diesem Internetradio für lediglich 5 000-10 000 Zuhörer.

Norman Landgraf bei HFM-TV (Bild: © Privatarchiv Norman Landgraf)

Norman Landgraf bei HFM-TV (Bild: © Privatarchiv Norman Landgraf)

2006 zog Landgraf von Ludwigshafen nach Leipzig. Der MDR hatte ihm in Aussicht gestellt, zunächst Moderator der Sendung „Treff nach vier“ (heute: „Der Nachmittag“) beim Radiosender MDR Sachsen zu werden, wurde er dann aber doch nicht. Durch die Zeit im Theater in Ludwigshafen und der damaligen Schauspielausbildung, wurde er für verschiedene Rollen in RTL- und Sat 1- Produktionen engagiert, sei es bei „Barbara Salesch“ (Sat 1), „Oliver Geissen“ (RTL), „Das Familiengericht“ (RTL) oder „Kai Pflaume“ (Sat 1). 2009 holte ihn Programmchef Jochen Kneifeld zu Antenne West nach Trier. Dort moderierte er die Nachrichten im Regionalfernsehen und war später auch Sprecher der Regionalnachrichten, die durch eine seinerzeitige Kooperation mit RTL RADIO 93.3 und 97.0 auch über den Luxemburger Sender für die Großregion ausgestrahlt wurden.

antenne westIm November 2009 musste Antenne West dann wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten Insolvenz anmelden. Somit ging es für Landgraf zurück nach Leipzig. Sodann war er für Saxonia Entertainment tätig, die die Produktion und die Künstlerbetreuung für die bis heute vom MDR- Fernsehen ausgestrahlte Sendung „Musik für Sie“ übernahm. Bei „Musik für Sie“ können sich nach MDR-Angaben Zuschauer wünschen, welche Künstler in ihrer Stadt auftreten sollen. Rund um die jeweilige Stadt gibt es dazu interessante Geschichten. Landgraf war sogar 2011 in Magdeburg der MDR Weihnachtsmann, bei „Weihnachten bei uns“.

Mogul Entertainment

(Bild: © Privatarchiv Norman Landgraf)

(Bild: © Privatarchiv Norman Landgraf)

Seit 2007 betreibt Landgraf seine Agentur „Mogul Entertainment“. Mogule nannte man früher mächtige Herrscher im indischen Großreich: „Es brauchte in erster Linie eine Anlaufstation für Anfragen an mich. Ich habe selbst keine Künstler unter Vertrag, aber durch meine Netzwerke auch Künstlervermittlungen angestoßen.“, erklärt Landgraf das Hauptziel seines Unternehmens. Auch habe er schon Videoproduktionen für den MDR ausgeführt, eigene Events und Veranstaltungen wie „Unsere Musikantenschänke“ (Schlager/Pop/Volksmusik) oder den „Mitteldeutschen Fußball-Firmen-Cup“ durchgeführt.  

Heimspiel und Second Radio

Als das Engagement bei Saxonia Entertainment endete, wurde Landgraf kreativ:  Im Jahr 2012 wollte er für den Fernsehsender „Info TV Leipzig“ (heute: Leipzig-Fernsehen) eine Plattform für alle Sport-Vereine schaffen „Heimspiel – Das Fanmagazin“ genannt. „Ich habe früher selbst Fußball u.a. in der DDR-Liga gespielt. Mein Engagement im Profifußball ging schief, ich habe ein Testspiel für Waldhof Mannheim verschlafen“, kann er heute mit einem Lächeln darüber hinwegsehen. Mehr Erfolg hatte Landgraf mit seiner Sendung „Heimspiel – Das Fanmagazin“, die ab 03.12.2012 bis zum Beginn der Corona-Pandemie im März 2020 lief. „Damit habe ich mir mit der Zeit u.a. ein großes Netzwerk aufgebaut. Habe viele Vereine, Spieler, Weltmeister und Olympiasieger sowie Präsidenten von unterschiedlichsten Sportvereinen kennengelernt.“

Norman Landgraf bei Radio-Leipzig (Bild: © Privatarchiv Norman Landgraf)

Norman Landgraf bei Radio-Leipzig (Bild: © Privatarchiv Norman Landgraf)

In dieser Zeit arbeitete er auch in der Off-Air Moderation für Sportveranstaltungen im Radio des sachsenweiten Privatsenders HitRadio RTL und Radio Leipzig (BCS Sachsen-Gruppe). Im Jahr 2018 sprach ihn Angelika („Angie“) Pörsch, Lizenzinhaberin von SecondRadio, wegen seiner Sportsendungen an. So kam er Anfang 2019 zum Team von „SecondRadio“. Dort moderiert Landgraf derzeit die Sendung „Heimspiel am Abend“ (idR MO von 17-18 Uhr): „Darin wollen wir nicht nur Ergebnisse melden. Es handelt sich um eine sportliche Nachbetrachtung vom Wochenende, für unterschiedlichste Sportarten, untermalt mit vielen Liveinterviews. Es geht natürlich um Fußball, aber eben nicht nur um Fußball. Wir informieren auch über Rugby, Handball, Volleyball und Basketball im Programm oder auch Wintersport, vor allem Eishockey usw.“, ergänzt Landgraf. Im Juni und Juli geht die Sendung immer in die Sommerpause. Eine weitere Sendung heißt „Deine Stunde“ (DO, 18-19 Uhr). Einmal im Monat wird darin ein Künstler, ein Sportler oder jemand aus dem „normalen Leben“ (so Landgraf) mit einem ausgefallenen Lebenslauf oder Hobby vorgestellt oder Menschen, die interessante Geschichten zu erzählen haben. Die Musikwünsche der jeweiligen Gäste runden die Sendung ab. Außerdem ist Landgraf Co-Moderator im Wochenrückblick bei „Hochaktuell“ mit Hauptmoderator Martin Hoch (FR, 16-18 Uhr).

SecondRadio – Your Music Your Life

Zum Musikformat von SecondRadio (Claim: „Your Music-Your Life“) äußert sich Landgraf wie folgt: „Im Prinzip hat SecondRadio den Anspruch, dass man dort die Musik hört, die sonst nicht so oft läuft. Natürlich senden wir auch aktuelle Chart-Musik, aber eben nicht nur“. Das Moderatorenteam geht vom (in der Technik vorher angelernten) Laien bis hin zum Vollprofi, wie Peter Escher oder Thomas Katrozan, der durch die 13. Staffel von DSDS bekannt wurde.

Norman Landgraf bei SecondRadio (Bild: © Privatarchiv Norman Landgraf)

Norman Landgraf bei SecondRadio (Bild: © Privatarchiv Norman Landgraf)

Es ist eine gute Radiostation für Laien, um dort erste Schritte zu machen. Wer selbst Lust verspürt, Radio zu machen, kann dort jederzeit vorsprechen. „Eine Chance wie es sie sonst nur vereinzelt bei Internetradios oder bei der (jüngsten) Reportersuche von Sportradio Deutschland gibt“, fügt Landgraf hinzu. – Zu empfangen ist SecondRadio neben dem Internet über www.secondradio.de und mittels der smarten Technologie von Alexa auch im Google Playstore (App), Radio.de App, auf DAB+, auf Kanal 6 C in Leipzig und auf Kanal 10 D in Freiberg/Sachsen, sowie in Sachsen im digitalen Kabelnetz von Pyur (Kanalplatz 707/ Frequenz 578 MHz). 

Ausblick und Hobbys

Norman Landgraf (Bild: ©Hendrik Leuker)

Norman Landgraf (Bild: ©Hendrik Leuker)

Ist Landgraf eher ein akustischer oder visueller Typ? – „Schwierig. Radio machen ist auf den ersten Blick einfacher. Eigentlich ist es aber komplizierter. Man hat beim Radio nur seine Stimme, um Stimmungen und Inhalte zu transportieren. Ich kann im Fernsehen und im Video auch mit Gesten zusätzlich Inhalte transportieren. Mache beides gerne.“, zeigt sich Landgraf unentschieden.- Im Radio hört Landgraf gerne Sendungen mit Hits aus den 80ern und 90ern oder Sunshine Live („Saß früher auch schon mit Captain Jack im Studio in Schwetzingen – als Gast“). Außerdem auch Podcasts (sein eigener heißt „Doppelbock“) und Playlists auf dem Streamingdienst Spotify. Im Fernsehen schaut er viel Nachrichten an und die Aussteigersendung „Goodbye Deutschland“ (VOX), nachdem er 1996 selbst nach Australien mit Visum in der Tasche auswandern wollte. „Eigentlich alles querbeet, nur keine Spiel- und Tanzshows“, fügt Landgraf hinzu. Als Hobbys nennt Landgraf den Sport – zusehen und (mittlerweile seltener) selbst treiben, und seine Arbeit. „Moderieren ist nicht nur mein Beruf, sondern meine Passion. Ich moderiere u.a. auch für den Verein „Eltern krebskranker Kinder“ unentgeltlich. Man bringt mehr Freude rüber, wenn man es auch gerne macht“, fügt Landgraf hinzu.

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