Große Umfrage zu aktuellen Musiktrends im Radio 2021

Veröffentlicht am 02. Feb. 2021 von unter Musik

Große Umfrage zu aktuellen Musiktrends im Radio (Bild: ©kzenon/123RF.com)

„Das letzte Jahr war wieder geprägt von großen Namen und vertrauten Sounds“

The Trend is your Friend! Wie entwickelt sich die Musik im Radio? RADIOSZENE stellte hierzu Musikverantwortlichen deutscher Hörfunkstationen folgende Fragen:

  1. Welches waren im Radio in 2020 die angesagten Musiktrends in Ihrem Sendegebiet?
  2. Werden sich diese Richtungen fortsetzen oder sind bereits neue Trends in Sicht? 
  3. Hat die Corona-Pandemie auch Auswirkungen auf die Musikpräferenzen der Hörerinnen und Hörer?
  4. Seit Ende letzten Jahres fließt Airplay wieder in die Ergebnisse der “Offiziellen Deutschen Charts“ ein. Wie bewerten Sie diesen Schritt? Gewinnen die Charts für das Radio damit wieder mehr an Gewicht?

MusicMaster: Einfach immer perfekte Playlists

Die Antworten der Macher aus den Musikredaktionen lieferten eine Vielzahl interessanter Hinweise auf die aktuellen und kommenden Musikströmungen. Wegen der hohen Beteiligung durch zahlreiche Entscheidungsträger veröffentlichen wir die Antworten in vier Etappen:


 

„Der Schritt, die Airplay-Charts in die ‘Offiziellen Deutschen Charts‘ mit einfließen zu lassen, war längst überfällig“

 

Fred Schoenagel, NDR 2, Musikchef

Fred Schoenagel (Bild: NDR)1) Während sich der Trend zu bearbeiteten und gecoverten Songs 2020 fortgesetzt hat, gab es aus unserer Sicht erfreulich viele Newcomer, die wir auch frühzeitig im Programm von NDR 2 gespielt und damit bundesweite Trends unterstützt haben oder sogar setzen konnten. Besonders erwähnenswert ist dabei die Hamburger Newcomerin Zoe Wees, deren Hit “Control“ bei NDR2 sehr früh gespielt wurde. Gleiches gilt zum Beispiel für die Debüthits des Iren JC Stewart, der UK-Band Banners oder der Neuseeländerin Benee. Beim Überraschungshit des Jahres “Hypnotized“ von Purple Disco Machine und Sophie And The Giants dagegen haben wir, wie vermutlich einige andere Sender auch, dem Titel zu wenig Zeit gegeben sich zu entwickeln und ihn erst sehr spät in die Tagesrotation gesetzt.

2) Der Trend, alte Hits zu recyceln oder zu bearbeiten, wird sich wohl auch 2021 fortsetzen. Den Anfang hat DJ Alle Farben mit seinem Remake von “Lemon Tree“ gemacht. Hier bin ich sehr gespannt, ob die Mehrheit die neue Version goutieren wird. Abgesehen davon werden wir auch 2021 unseren Fokus auf spannende deutsche und internationale Newcomer legen. Um unserem Publikum noch mehr Orientierung bei der Flut neuer Veröffentlichungen zu geben, haben wir unsere Musikspecials von drei auf fünf Stunden ausgeweitet. Die „Musikszene Deutschland“ ist dabei zum festen Bestandteil aller Sendungen geworden.

3) Wir haben keine Veränderung der Präferenzen während der Pandemie feststellen können.

4) Der Schritt, die Airplay Charts in die “Offiziellen Deutschen Charts“ mit einfließen zu lassen, war längst überfällig. Das lineare Radio hat eine ungebrochen wichtige Bedeutung, wenn es darum geht, Musik zu verbreiten. Die “Offiziellen Deutschen Charts“ gewinnen dadurch allerdings nicht zwingend an Bedeutung für uns als Musikredaktion, weil sie unsere aktuellen Neuheiten- und Rotationslisten sowieso nur bedingt abbilden.


 

„Unverändert bleibt das große Interesse für neue Songs, allerdings eher von bereits etablierten Künstlern. Newcomer haben es im Moment wirklich schwer, ihren Weg auf die Playliste zu finden“

 

Kathrin Weiß, 89.0 RTL, Leitung Musikredaktion

Kathrin Weiß (Bild: 89.0 RTL)1) Das Jahr 2020 war bei 89.0 RTL geprägt von Soft-Dance und Pop. Die erfolgreichsten Songs im Programm waren englischsprachige, mit weiblichen Leadstimmen geprägte Hits wie “Physical” von Dua Lipa, “Salt” von Ava Max oder “Some Say” von Nea & Felix Jaehn.

2) Ich bin der Ansicht, dass sich dieser Trend in den nächsten Monaten weiter fortsetzen wird. Uns fällt auf, dass die Hörer von 89.0 RTL zunehmend die Popsongs im Programm favorisieren. Ebenso steigt die Nachfrage nach Titeln mit bekannten Samples oder kompletten Coverversionen von Hits aus den 80ern und 90ern.

Es fällt auf, dass auch deutsche Songs wieder mehr gemocht werden. Jedoch halten sich diese Songs, in der Akzeptanz beim Hörer, nicht über längere Dauer.

3) Das auf jeden Fall. Musik ist immer auch Ausdruck von Emotionen und Gefühlen in der jeweiligen Lebenssituation. Das letzte Jahr glich einer emotionalen Achter­bahn­fahrt. Ängste, Frustration, Stress aber auch Zuversicht und Dankbarkeit spiegeln sich auch in den Musikpräferenzen unserer Hörer wider.

Ich sehe in der auffälligen Beliebtheit von Coverversionen und Songs mit bereits bekannten Melodien aus möglicherweise „besseren Zeiten“ den Hörerwunsch nach Beständigkeit, Vertrautem und einem Stück Routine.

Titel wie “Hot Stuff“ von Kygo, “ILY“ von Surf Mesa feat. Emilee oder “My Head & My Heart” von Ava Max sind neu, aber bekannt. Es erweckt den Eindruck, die Hörer wollten wenigstens durch die Musik das erleben, was sie im Alltag momentan nicht bekommen können: Voraussicht, Sicherheit, Klarheit, zu wissen was kommt. Entspannte Texte und Melodien, mit wenig Anstrengung und wenig Ecken und Kanten sind das, was musikalisch gerade vom Hörer präferiert wird.

Die wechselnde Stimmung der Hörer findet sich auch in der Musikbewertung deutlich wieder. Ein Song aus dem Frühherbst vor dem Lockdown, der Freude und Ausgelassenheit thematisiert, kann heute knallhart scheitern. Die Entwicklung eines Titels im Programm ist deshalb momentan noch weniger vorher­sehbar als vor der Pandemie.

Unverändert bleibt jedoch das große Interesse für neue Songs, allerdings eher von bereits etablierten Künstlern. Newcomer haben es im Moment wirklich schwer, ihren Weg auf die Playliste zu finden.

4) Wir schauen uns für die Auswahl der Songs im Programm von 89.0 RTL viele Faktoren an. Die Airplay-Charts sind wichtig und wir werfen auch mal einen Blick in die “Offiziellen Deutschen Charts“. Ich kann aber nicht sagen, dass diese Veränderung der Zusammenstellung der deutschen Charts wieder mehr Einfluss auf die Erstellung unseres Musik-Programms hätte. Ich bin der Meinung, dass die “Offiziellen deutschen Charts“ nicht mehr entscheidend an Bedeutung zurückgewinnen können. Dafür bietet die rasant fortschreitende Digitalisierung zu viele andere Möglichkeiten der Information über Nutzung und Download von Musik.

Generell gilt für uns: Wenn wir uns sicher sind, dass ein neuer Song zu 100% in das Programm von 89.0 RTL und zu unseren Hörern passt, spielen wir ihn – unabhängig davon, wie er platziert ist.


 

„Wenn ich in der Umfrage 2022 sagen könnte ‚Gottseidank, die Flut von Remakes ehemaliger Tophits war ein kurzer Trend und jetzt machen die Leute wieder eigene, gute Musik, anstatt nur zu verwerten‘, wäre das ganz wunderbar“

 

Gregor Friedel, SWR3, Musikchef

Gregor Friedel (Bild: @SWR3/Kirsten Klumpp)

1) Bei Ihrer Umfrage Anfang vergangenen Jahres zum Lieblingstitel aus 2019, hatte ich “Blinding Lights“ geschrieben. Das könnte ich für 2020 immer noch sagen. Vor allem aber hat die Nummer einen neuen 80er Trend gesetzt, der mich persönlich sehr abholt und so schönen Sachen wie “Hypnotized“ von Purple Disco Machine den Weg geebnet hat. Was mich weit weniger abholt ist freilich die Flut von „Remakes“ ehemaliger Tophits. Wenn ich in Ihrer Umfrage 2022 sagen könnte „Gottseidank war das ein kurzer Trend und jetzt machen die Leute wieder eigene, gute Musik, anstatt nur zu verwerten“, wäre das ganz wunderbar. Wenngleich vermutlich nicht realistisch. Und: es gibt viel gute, neue deutsche Musik, das soll auch nicht unerwähnt bleiben.

2) In Bezug auf die 80er: gerne. In Bezug auf die Remakes: ich fürchte ja. In Bezug auf deutsch: bin gespannt. Aber nachdem es 2020 viel Neues zu entdecken gab, hoffe ich mal, dass sich das in diesem Jahr fortsetzt.

3) Naja, einige Songs, die selbst einen Textbezug hergestellt haben oder aufgrund deren Texte man einen Bezug herstellen kann, wurden sicher mehr gehört und mehr gewünscht. Grundsätzlich glaube ich, dass das Hörverhalten im letzten Jahr eher konservativer war. Um einen rum war genug los, genug Bewegung und vor allem genug, womit man sich ständig neu auseinandersetzen musste, so dass vertraute Musik ein Anker in dieser wilden Zeit sein konnte und es in unserer Wahrnehmung auch war.

4) Das ist natürlich strategisch ein schlauer Move gewesen, weil die Charts für viele Musikredakteure immer weniger bis kaum noch Bedeutung für ihre tägliche Arbeit hatten. Hier haben andere Player, allen voran vermutlich – wenngleich nicht alleine – Shazam, die relevante Position eingenommen. Gleichwohl bedeutet für mich „strategisch clever“ nicht, dass ich diesen Schritt nicht gutheiße. Es ist natürlich schon auch ein Statement der Musikindustrie und der GfK, dass das Medium „Radio“ auch in Zeiten, in denen ja mitunter nur noch „Streaming“ zu existieren scheint, durchaus eine große, mindestens gleichwertige Stellung hat. Insofern freue ich mich über die Entscheidung. Inwieweit das Auswirkungen auf die Wahrnehmung und Bedeutung der Charts für die Radios hat, muss man sich jetzt natürlich erstmal anschauen.


 

„Ganz offensichtlich dominierten in 2020 die Sounds der 80er und 90er“

 

Niklas Gruse, radio ffn, Leiter Musikredaktion

Niklas Gruse (Bild: @radio ffn)

1) Ganz offensichtlich dominierten 2020 die Sounds der 80er und 90er  – Entweder als komplett neue Komposition zum Beispiel The Weeknd mit “Blinding Lights“ oder als DJ Remix eines bekannten Klassikers wie “What’s love got to  do with it” von Tina Turner, neu interpretiert von Kygo.

Manchmal sorgte schon eine Anlehnung an bekannte Songs für den Erfolg, wie die Hits von Ava Max oder Nea beweisen.

2) Jeder Trend hat ein Ende – wenn der Markt mit Coverversionen überschüttet wird, die schon im Original nicht sonderlich gut bei der Zielgruppe ankommen, dann ist der richtige Zeitpunkt gekommen den Hörern wieder ganz frische, neue Sounds zu präsentieren.

3) Die Musikpräferenzen der Hörer sind stetig im Wandel – ich kann keinen Einfluss der Pandemie erkennen. Thematisch hat das Kreativteam von ffn mit den Corona Songs die Pandemie aufgegriffen und eine sehr erfolgreiche Serie von Songs geschaffen, die bei unseren Hörern sehr gut ankam und mehr als 10 Millionen mal geklickt wurde.

4) Dieser Schritt war zwingend notwendig, um in den Charts das abzubilden, was die Menschen wirklich hören. Und das ist immer noch sehr viel Radio. Für die Radiomacher selbst ändert das jedoch wenig – neue Hits entdecken wir nach unserem eigenem Gespür und die Airplaycharts helfen uns dabei zu prüfen, ob die Kollegen aus anderen Radiosendern das ähnlich sehen. Am Ende entscheidet der Hörer über Erfolg oder Misserfolg eines Songs – dazu nutzen wir die klassischen Mittel der Marktforschung.


 

„Interessant zu sehen wird sein, inwieweit sommerliche Klangfarben wie lateinamerikanische und karibische Sounds 2021 wieder eine größere Rolle spielen“

 

David Banks, RPR1., Musikredakteur

David Banks (Bild: ©RPR1)

1) Der Trend der letzten Jahre hat sich auch 2020 fortgesetzt. Coverversionen beziehungsweise Titel mit musikalischen Einflüssen aus den 80er und 90er Jahren haben in weiten Teilen das Soundbild bestimmt. Tanzbare, synthetisch produzierte Sounds waren ebenfalls weiterhin erfolgreich. Junge Singer-Songwriter mit markanten Stimmen wie Lewis Capaldi und Tom Gregory haben dazu den eher analog-organischen Gegenentwurf geliefert. Alles in allem war 2020 bei RPR1. ein abwechslungsreiches musikalisches Jahr.

2) Vorerst ist kein Ende dieser musikalischen Entwicklung in Sicht. Der Griff in die musikalische „Geschichts-Kiste“ wird bei RPR1. weiterhin hoch im Kurs stehen. Ob es dabei überwiegend bei dem Sound der 80er bleibt, wird sich zeigen. Der Erfolg der letzten Jahre legt aber nahe, dass das Sample-basierte Recycling früherer Sounds nach wie vor funktioniert. Interessant zu sehen wird sein, inwieweit sommerliche Klangfarben wie lateinamerikanische und karibische Sounds 2021 wieder eine größere Rolle spielen. Hier war 2020 eine Delle aufgetreten, die sich meines Erachtens mit dem pandemiebedingten Wegfall von einem Großteil der Sommerurlaubsreisen erklärt. Dadurch ist ein typischer Verbreitungsweg dieser „Sommerhits“ weggebrochen und der Bedarf an entsprechenden Titel war weniger groß.

3) Diese Frage lässt sich meines Erachtens nicht verallgemeinert beantworten. Mit Sicherheit sucht der Hörer in Krisenzeiten nach Titeln, die ihn aufbauen, Mut machen, eine gute Stimmung verbreiten. Das hat sich im vergangenen Jahr an unseren Musikumfragen ablesen lassen. Gleichzeitig waren aber auch eher ruhige, zurückgenommene, fast melancholische Songs durchaus beliebt. Diese Entwicklung ist jedoch, zumindest bei RPR1., keine Besonderheit, sondern lässt sich in jedem Jahr feststellen. Daher würde ich nicht sagen, dass die Corona-Pandemie eine flächendeckende, unmittelbare und nachhaltige Auswirkung auf die Musikpräferenz der Hörer hatte. Einzig der vergleichsweise geringe Anteil an Latinosounds kann, wie oben erwähnt, möglicherweise in direkten Zusammenhang mit den Folgen der Pandemie gesetzt werden.

4) Aus Sicht des BVMI (Bundesverband Musikindustrie) ist der Schritt nachvollziehbar. Wenn die Charts die „Musiknutzung möglichst repräsentativ über alle Nutzergruppen“ abbilden sollen, gehört das Airplay dazu. Vor allem vor dem Hintergrund des wachsenden Einflusses der Zahlen diverser Premium-Streaminganbieter auf die Charts und der damit verbundenen überproportionalen Abbildung von typischerweise konsumierten (eher jungen) Inhalten, kann die Einbindung von Airplay den notwendigen Gegenpol schaffen und für mehr musikalische Ausgewogenheit sorgen. Positiv ist dabei sicher zu bewerten, dass mittlerweile die Top 300 einfließen; das war früher, bis zum Beginn der 2000er, noch anders.

Ob die Singlecharts dadurch aus Radiosicht mehr Relevanz gewinnen, wird sich zeigen. Nicht zuletzt durch die Berücksichtigung des „Passivfaktors“ bei der Berechnung von Airplay an den Single-Charts bleibt abzuwarten, inwiefern dieser Anteil genügt, um den Druck an Daten aus den Streamingplattformen tatsächlich zu nivellieren.

Ob das aber überhaupt notwendig ist, halte ich für fraglich. Ich denke, Radiomacher haben mit ihrer im Laufe der Jahre selbst weiterentwickelten Marktanalyse mittlerweile ein gutes, zuverlässiges Instrument, um – unabhängig von den Single Charts – zu guten Ergebnissen für ihre Rotationen zu kommen.


 

„Corona hat weitreichende Auswirkungen für alle, die grundlegenden musikalischen Präferenzen ändern sich dadurch aber nicht“

 

Alexander Schmitz, MDR JUMP, Musikchef

MDR JUMP1) Auch 2020 spielten die elektronischen Sounds wieder eine wichtige Rolle. Sowohl EDM als auch Electro-Pop sind etablierte Klangfarben. Wie schon vermutet, hat sich der Trend bei den Cover-Versionen fortgesetzt. Als weiteren Trend kann man auf jeden Fall auch die Verwendung von Sounds aus den 1980ern ausmachen. Beispielhaft sei hier der Titel ‘Hypnotized‘ von Purple Disco Machine und Sophie and the Giants genannt – ein aktueller Song, der sich der Stilistik und Sounds der 1980er bedient.

2) Es ist davon auszugehen, dass sich diese Trends 2021 auch in unserem Sendegebiet fortsetzen werden.

3) Corona hat weitreichende Auswirkungen für alle, die grundlegenden musikalischen Präferenzen ändern sich dadurch aber nicht.

4) Prinzipiell ist das ein interessanter Schritt, der die Musiknutzung repräsentativer abbildet. Inwieweit die Charts dadurch wieder mehr Gewicht für das Radio gewinnen, wird sich in der nächsten Zeit zeigen.


 

„Generell beobachten wir seit einiger Zeit, dass immer mehr der einzelne Song zählt. Der Künstler als solches ist kein Garant mehr, dass der Song bei den Hörern gut ankommt“

 

Antje Beyer, ANTENNE THÜRINGEN, Musikchefin

Antje Beyer (Bild: ANTENNE THÜRINGEN)1) Das letzte Jahr war auch wieder geprägt von großen Namen und vertrauten Sounds. Egal ob The Weeknd, Miley Cyrus oder Ava Max – überall hört man Samples oder Neuinterpretationen aus den 80er und 90ern. Für die Musikindustrie war es aufgrund der Corona Pandemie sehr schwer, Newcomer zu platzieren. Es gab wenige Möglichkeiten, neue Talente mittels Konzerte, Senderreisen und ähnliches zu promoten.

2) Musikalisch gesehen stellen wir aktuell einen leichten Rückgang in der Akzeptanz deutschsprachiger Musik fest, was aber durchaus auch am Mangel neuer Künstler und Songs liegen kann. Außerdem entwickeln sich die Dancethemen immer noch weiter in Richtung Pop und laufen dadurch auch bei konservativeren Stationen wie ANTENNE THÜRINGEN sehr gut. Aber auch junge, individuellere Popthemen wie Tate McRae, Zoe Wees und JC Stewart werden für unsere Hörer immer wichtiger. Generell beobachten wir seit einiger Zeit, dass immer mehr der einzelne Song zählt. Der Künstler als solches ist kein Garant mehr, dass der Song bei den Hörern gut ankommt.

3) Die Corona Pandemie einen spürbaren Einfluss auf das Informationsbedürfnis unserer Hörer. Dadurch änderte sich auch die Radionutzung – Einfluss auf die Musikpräferenzen haben wir bei uns im Markt jedoch nicht festgestellt.

4) Das Radio ist für den Hörer immer noch eine Möglichkeit neue Musik zu entdecken. Daher ist auch begrüßenswert, dass die Airplay-Daten mit in die Charts einfließen. Für unsere tägliche Arbeit ändert sich dadurch allerdings nichts.


 

„Man hatte in 2020 den Eindruck, dass die großen Mainstream-Hits immer wieder von den gleichen Künstlerinnen und Künstlern kamen“

 

Robert Morawa, BAYERN 3, Musikchef 

Robert Morawa (Bild: ©BR/Markus Konvali)1) + 2) 2020 war natürlich kein Jahr wie jedes andere. Es war, und ist auch immer noch, eine sehr schwere Zeit für die gesamte Musikbranche. Viele Kunstschaffende haben dieses Jahr eine musikalische Pause gemacht oder ihre Pause verlängert.

Auf der anderen Seite hat Dua Lipa, zum Beispiel, 2020 zu ihrem Jahr gemacht. Obwohl einige Künstlerinnen und Künstler ihre Projekte auf Eis gelegt haben, hieß ihr Motto: „Jetzt erst recht“. Überhaupt hatte man den Eindruck, dass die großen Mainstream-Hits immer wieder von den gleichen Künstlerinnen und Künstlern kamen. Ava Max, Dua Lipa, Taylor Swift, Justin Bieber und Jason Derulo zum Beispiel. Die waren alle erfolgreich und beliebt bei unserem Publikum, aber es hätte ruhig mehr Vielfalt geben können. Ansonsten waren wieder Coverversionen oder Songs mit Samples aus Klassikern erfolgreich.

Und wahrscheinlich war das Jahr einfacher für Musikerinnen und Musiker, die in erster Linie Track- und Streaming-Business betreiben, als für diejenigen, die an einem richtigen Albumzyklus arbeiten. Und für wirkliche Newcomerinnen und Newcomer war es sicher ein schweres Jahr. Umso großartiger, dass zwei richtig tolle neue junge Künstlerinnen aus Deutschland gerade so erfolgreich sind: Zoe Wees und, aus Bayern, Luna. 

3) Ich habe nicht den Eindruck, dass es bei unserem Publikum einen großen stilistischen Switch in den Präferenzen gab. Es war nicht so, dass eine Mehrheit plötzlich lieber Balladen oder Rock hören wollte, statt der aktuellen Hits. Wir hatten aber den Eindruck, dass sich in dieser Zeit der Verunsicherung die großen Hits viel länger als in den letzten Jahren als „Besttester“ gehalten haben. “Blinding Lights“, “Breaking Me“, “Love To Go“, “Physical“ et cetera. sind immer noch Lieblingshits unserer Hörerschaft. Ich denke eher, das Mediennutzungsverhalten hat sich verändert. Livestreams, Podcasts und Videostreaming hat in Zeiten des Lockdowns eine noch größere Relevanz.

4) Da Downloads für den Verkauf von Musik immer mehr an Bedeutung verlieren, ist es richtig, die Airplay-Daten miteinzubeziehen. Sonst wird nur noch ein sehr enger Markt über Streaming und über Vinylkäufe abgedeckt.

Es gibt viele Künstlerinnen und Künstler und Genres, die bisher im Streaming nicht so erfolgreich sind wie andere. Was aber in erster Linie nicht an der Musik liegt, sondern an der Altersstruktur der Zielgruppen, die Tracks hauptsächlich per Streaming konsumiert.

Hier geht’s weiter: Musiktrends im Radio Teil 2: Pop im Stile der 80er Jahre

 

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