Christian Simon: Vom Moderator zum Buchautor

Selbst kann Christian Simon (69) auf eine beachtliche Karriere beim Radio und im Fernsehen zurückschauen: Er war zunächst ab 1974 Sprecher bei Radio Luxemburg, eine Tätigkeit, die ihm  seinen neuen Vornamen und zudem eine gute Grundlage für das Fortkommen in den Medien verschaffte. Anschließend Moderator von „Rockpop“ und „Rockpop in concert“ im ZDF, was ihn endgültig bundesweit bekanntmachen sollte, und weiterer TV-Sendungen.

Christian Simon (Bild: ©Hendrik Leuker, Sept. 2020)
Christian Simon (Bild: ©Hendrik Leuker, Sept. 2020)

Parallel dazu Moderator in verschiedenen ARD- Hörfunkanstalten und dem Deutschlandfunk. Schließlich war er in führender Position im damals in Baden-Württemberg neu aufkommenden Privatfunk bei „HITRADIO OHR“ (Offenburg) und „Radio Victoria“ (Baden-Baden) tätig. Ab 1995 war er selbständiger Konzert- und Eventveranstalter in Baden-Baden. Im Laufe der Zeit traf Simon daher schon von Berufs wegen mit zahlreichen Prominenten zusammen. Er begann über Prominente, die er näher kennenlernen durfte, Bücher zu schreiben. Vor vier Jahren brachte er sein erstes Buch über Udo Jürgens heraus. Im Jahr 2020 folgte ein Buch über den Ex-Beatle Paul McCartney.-

Unser ständiger Mitarbeiter Hendrik Leuker fragte bei Christian Simon auf der Terrasse eines Baden-Badener Restaurants nach.


Begegnungen mit Prominenten

Bevor Simon Zugang zu den Medien fand, machte er eine Ausbildung zum Werbekaufmann bei der Agentur „Die Werbe“ in Essen, schon damals mit Schwerpunkt Film, Funk und Fernsehen. Anschließend arbeitete er bei Werbeagenturen in Stuttgart und Düsseldorf. Bei einer Werbeproduktion lernte er den Schauspieler Dieter Eppler („Tatort“, Edgar-Wallace-Filme, „Stahlnetz“) kennen, der ihm dazu riet, zum Radio zu gehen.

Nach einer erfolglosen Bewerbung bei Manfred Sexauer von der Europawelle Saar fiel Eppler Frank Elstner, damals Programmdirektor bei Radio Luxemburg, ein, mit dem er in den 1960er Jahren zusammen in Baden-Baden Theater gespielt hatte. So klingelte eines Tages kurz nachdem Simon von der Arbeit bei der Werbeagentur nach Hause kam das Telefon. Am anderen Ende der Leitung war Frank Elstner. Er lud Simon zum Sprechertest nach Luxemburg ein: „Frank Elstner, der damals schon im Fernsehen mit Camillo Felgen in ,Spiele ohne Grenzen´ auftrat, war der erste Prominente, den ich kennenlernen durfte.“ Simon bestand den Sprechertest und begann ab Oktober 1974 probeweise bei Radio Luxemburg. 1975 wurde er fest angestellt. Da ein halbes Jahr zuvor der Nachrichtenredakteur Hartmut Schröter eingestellt wurde, wurde Simons eigentlicher Vorname „Hartmut“ einkassiert und aus Hartmut wurde fortan Christian.

Christian Simon und Frank Elstner (Bild: Privatarchiv Christian Simon)
Christian Simon und Frank Elstner (Bild: Privatarchiv Christian Simon)

Schon zuvor, im Jahr 1969, belegte Simon den zweiten Platz bei einem nationalen DJ-Talentwettbewerb von „Tanz-Illustrierte“ und dem Westdeutschen Rundfunk (WDR), nachdem er zuvor die lokale (Duisburg) und die landesweite Ausscheidung (NRW) gewonnen hatte. Anschließend ging er auf Tanzschultournee durch NRW und trat bei Beatfestivals in seiner Heimatstadt Duisburg in der Mercatorhalle auf. In der Jury bei der nationalen Ausscheidung saß der Südtiroler Gorgio Moroder, der später in Deutschland und den USA ein erfolgreicher Produzent von Donna Summer, David Bowie, Barbara Streisand sowie Cher u.a. werden sollte und an die 100 Goldenen Schallplatten produzierte. Mit dem Song „Looky, Looky“ war Moroder seinerzeit selbst in den Hitparaden gewesen (in Deutschland belegte er damit 1969 den 26. Platz, in der Schweiz wurde der Song sogar auf Platz 3 notiert).   

Nach seiner Zeit bei Radio Luxemburg wechselte Simon zum ZDF und moderierte die Musikshow „Rockpop“. In seiner ersten Sendung 1978 trat die Gruppe Emerson, Lake and Palmer mit dem Song „Tiger in the Spotlight“ auf. Mit dabei ein echter Tiger, der sich in den Proben aber zahm verhielt. „In der Generalprobe habe ich mich dann so auf die Moderation konzentriert, dass ich über den Tiger gestolpert bin.“, erinnert sich Simon. Bei dieser unfreiwilligen Aktion, die etwas an das ‚Dinner for One‘ erinnerte, ist ihm glücklicherweise aber nichts passiert.

In einer der „Rockpop“- Sendungen trat der irische Sänger und Songschreiber Gilbert O´Sullivan ( „Alone Again (Naturally)“, „What´s in a Kiss?“) auf. Simon hatte bei dessen Ansage einen Blackout. Er brachte nur heraus: „Und hier ist am Klavier…“. Gilbert O´Sullivan bemerkte das instinktiv und flüsterte dem jungen Moderator ins Ohr: „Gilbert O´Sullivan“ , so dass Simon wieder einsetzen konnte: „Und hier ist Gilbert O´Sullivan!“.

Eine weitere Panne passierte bei der Ansage der britischen Rockband Jethro Tull. Diese wurde von Frontmann Ian Anderson auf der Querflöte begleitet. „Ich habe ihn als Jon Anderson angekündigt, habe Jon statt Ian gesagt“, bekennt Simon. Das ist aber ein Rockmusiker der Gruppe Yes… – An Starallüren kann oder will sich Simon nicht erinnern: „Ich nenne jetzt keine Namen. Es gibt wesentlich mehr nette Künstler als solche mit Starallüren. Das Management ist oft schlimmer.“, redet Simon aus Erfahrung. Insgesamt kennt Simon viele Prominente, auch von den Konzerten, die er selbst veranstaltete: „Am längsten kenne ich Peter Maffay. Udo Jürgens, der Ende 2014 starb, kannte ich gut 40  Jahre.“  

Mit Udo Jürgens befreundet

Der Anlass für das erste Interview mit Udo Jürgens war eine Dokumentation der Tour des Sängers „Udo ´75“. „Damals verbrachte ich drei Tage mit Udo Jürgens auf Tournee“, erinnert sich Simon. Udos damaliger Manager Hans R. Beierlein, zu dem Programmdirektor Frank Elstner gute Kontakte hatte, ermöglichte diesen Blick hinter die Kulissen.

Christian Simon mit seinem Buch "Ich, Udo" (Bild: Privatarchiv Christian Simon)
Christian Simon mit seinem Buch „Ich, Udo“ (Bild: Privatarchiv Christian Simon)

Simon holte sodann Udo Jürgens, der schon fünf Jahre lang ein großer Star der Musikwelt war, mit seinem nicht standesgemäßen Simca Rallye 1 am Düsseldorfer Flughafen ab, was diesem sichtlich etwas missfiel. Die Zeit mit Udo Jürgens verlief dann doch mehr als zufriedenstellend: „Ich war einige Tage mit ihm und der ganzen Crew auf Tour, das Mikrofon immer dabei. Ich sprach mit Udo direkt vor und nach den Auftritten, interviewte die Band, die Techniker und das Publikum. Es entstand eine dreistündige Hörfunk-Dokumentation, die beste Kritiken erhielt. Während dieser gemeinsamen Arbeit merkten wir beide, dass wir sehr gut miteinander können, die Chemie stimmte.“ („Ich, Udo, Gespräche mit Christian Simon“, S. 23).  Daraus sollte eine Freundschaft fürs Leben werden.

Udo Jürgens war am Wechsel Simons von Radio Luxemburg zum Zweiten Deutschen Fernsehen (ZDF) im Jahr 1978 nicht ganz unbeteiligt: „Wir waren in Luxemburg auf dem Weg zu einem urigen Grill-Restaurant außerhalb der Stadt, das Udo sehr mochte. Er saß neben mir auf dem Beifahrersitz, sah mich an und sagte: ‚Du musst beruflich noch mehr aus dir machen. Du hast das Zeug dazu. Denk mal ans Fernsehen. Du kannst das schaffen!‘ Der Gedanke ließ mich nicht mehr los, und ich bewarb mich einige Zeit später beim Mainzer Sender“ (ebenda, S. 25). Hierzu ergänzt Simon: „Zum örtlichen Wechsel von Luxemburg in den Raum München, wo „Rockpop “ produziert wurde, und zur Konzentration auf die Aufgaben beim ZDF, riet mir dann der ZDF-Unterhaltungschef Peter Gerlach.“ Die Folge davon war, dass Simon Radio Luxemburg verließ.

Christian Simon interviewt Udo Jürgens mit Radio Victoria-Mikro (Bild: ©Monica Simon)
Christian Simon interviewt Udo Jürgens mit Radio Victoria-Mikro (Bild: ©Monica Simon)

Ab 1995 war Simon selbständiger Konzertveranstalter in Baden-Baden. Auch in dieser Funktion hatte er immer wieder mit Udo Jürgens zu tun. Zwei von ihm veranstaltete Konzerte mit dem Ausnahmesänger sind Simon besonders gut in Erinnerung: Im Jahr 2002 veranstaltete Udo Jürgens Solo-Konzerte, ging ohne das Orchester Pepe Lienhard, sonst sein ständiger Begleiter, auf Tour. Die Idee dazu hatte Udo Jürgens selbst. So hieß es an einem Abend jenen Jahres auf der Galopprennbahn Baden-Baden Iffezheim: „Udo Jürgens – Ein Soloabend“, an dem Udo Jürgens allein am Klavier das Publikum in seinen Bann zog.

(Bild: ©Verlag LangenMüller)
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Im Jahr 2005 wiederholte Simon nach diesem gelungenen Abend das Soloprojekt mit dem Künstler. Man erkor diesmal für den Star die größte Freilichtbühne Deutschlands in Ötigheim bei Rastatt zum Austragungsort. Diese Location gefiel Udo Jürgens besonders gut, da diesmal das Publikum näher heranrücken durfte. Das Konzert fand zudem am 17. Juni 2005, Simons 54. Geburtstag, statt. „Während des Soundchecks hörte ich plötzlich seine Stimme durchs Mikrofon: ‚Happy Birthday, Christian! Alles Gute zum Geburtstag! Nach dem Konzert lade ich Dich ins ,Gagarin´ nach Baden-Baden ein. Der Wein steht schon kalt….‘ (ebenda, S.65). „Er hatte dann tatsächlich einen Tisch für uns reserviert und wir hatten noch einen schönen Abend“, fügt Simon hinzu.

Im Jahr 2014 ging Udo Jürgens wieder auf Tour. „Mitten im Leben“ wurde sie benannt. Es sollte Udos letzte Tour werden. Das Festspielhaus in Baden-Baden war die dritte Station der Tournee nach Heilbronn und Mainz. Das war am 27.10.2014. Zu Beginn des Konzerts wurden Szenen aus Udos Leben auf einer großen Leinwand gezeigt. „Udo Jürgens nahm mich beim Soundcheck in den Arm und sagte: Das war eine Idee von Michaela!“ Michaela Moritz war Udos letzte Lebensgefährtin (Anm.: Auch Ko-Autorin der Lebensgeschichte von Udo Jürgens – „Der Mann mit dem Fagott“).

Christian Simon mit Udo Jürgens in Frankfurt (Bild: ©Privatarchiv Christian Simon)
Christian Simon mit Udo Jürgens in Frankfurt (Bild: ©Privatarchiv Christian Simon)

Simon fährt fort: „Das Konzert war super. Er gab noch die legendären Zugaben im Bademantel. Aber keine Besuche in der Garderobe wie sonst. Keine Autogramme auf der Bühne wie sonst. Ich habe dann noch die Abrechnung gemacht. Udos Fahrer Dimitri kam noch zu mir und lud mich in Udos Namen zum Abendessen ein. Vor dem „Brenners Parkhotel“ in Baden-Baden, wo wir uns treffen wollten, parkte schon Udos Limousine. Im extra von ihm reservierten Frühstücksraum dort saßen wir dann nach dem Konzert noch zusammen: Udo Jürgens, Pepe Lienhard, der Fahrer Dimitri, Udos Physiotherapeut, der Produzent Peter Wagner, Udos Lebensgefährtin Michaela Moritz, meine Frau Monica und ich. Diese acht Personen waren bis ein Uhr nachts zusammengesessen und haben sich angeregt unterhalten. Udo Jürgens ging dann mit Peter Wagner und Pepe Lienhard noch an die Bar. Meine Frau und ich haben uns dann verabschiedet. Udo sah mich ein letztes Mal an und sagte zu mir: ‚Mensch Alter, was haben wir schon alles zusammen erlebt!‘. Verabschiedung, Abschiedskuss. Wir haben uns fest gedrückt. Das war das letzte Mal, dass ich Udo Jürgens gesehen habe.“, schaut Simon auf seinen letzten Abend mit Udo Jürgens sentimental zurück.

Seine Zusammenarbeit mit Paul McCartney

Der Ex-Beatle Paul McCartney war für Simon lange Zeit ein unerreichbarer Star. Selbst als Moderator von „Rockpop“ war es ihm nicht vergönnt, den aus Liverpool stammenden Superstar anzusagen. 1979 musste er sich mit einer Videoeinspielung auf MAZ- Band seines Songs „ Good Night Tonight“ mit den „Wings“ begnügen. Was war der Grund dafür? „Das weiß ich nicht genau. Uns direkt hat er auch nicht abgesagt. Er kam halt nicht. Es lag wohl am Management. Die Schallplattenfirma EMI bekam die Absage und schickte dem ZDF dann die Fernseh-MAZ.“, erklärt Simon.

Christian Simon und seine Frau Monica mit Paul McCartney in Sussex (Bild: ©Privatarchiv Christian Simon)
Christian Simon und seine Frau Monica mit Paul McCartney in Sussex (Bild: ©Privatarchiv Christian Simon)

Im  September 1991 sollte es dann klappen: In Diensten des damaligen Privatsenders Radio Victoria gelang es Simon über die Plattenfirma EMI in London Kontakt zu Paul McCartneys Pressesprecher Geoff Baker herzustellen. Simon war dabei, eine Beatles- Dokumentation für den Sender zu produzieren. Er interviewte zunächst Geoff Baker. Simon befand, dass darin ein Interview mit Paul McCartney nicht fehlen darf oder wie er es ausdrückte, ohne O- Töne Paul McCartneys sei diese Dokumentation „like a thunder without a lightning“ (wie ein Donner ohne Blitz).

(Bild: ©Verlag LangenMüller)
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Geoff Baker machte es wirklich möglich und arrangierte dann am 04.09.1991 einen Termin mit Paul McCartney in dessen Büro in London, das kurzerhand an dessen Privatsitz in seiner restaurierten Mühle namens Hog Hill Mill in Sussex verlegt wurde. Gerade zu diesem Zeitpunkt liefen 3-Sat- Wiederholungen von „Rockpop“, die Paul McCartney wohl kannte, so dass er gleich nach der Begrüßung anmerkte: „Ich kenne Dich“. Aus einem für 30 Minuten angefragten Interview wurden 2 Stunden. Als Gastgeschenk überreichte Simon ein kopiertes und in einen edlen Einband gekleidetes Exemplar des ersten in Deutschland erschienenen Buches über die „Beatles“: das Taschenbuch „Die Beatles kommen – Fahrplan einer Weltsensation“  von Dennis Bow aus dem Jahr 1964. Zur Sprache kamen in Simons ersten Interview neben der legendären Zeit mit den „Beatles“ auch die damaligen aktuellen Projekte des Ex-Beatle wie der Konzertfilm „Get Back“ über die Wurzeln des Sängers bei den „Beatles“ und den „Wings“ wie auch das gerade fertig gestellte „Liverpool Oratorio“, dem ersten klassischen Werk McCartneys für Chor und Orchester mit hundert Leuten.

Die Gesprächsatmosphäre beim ersten Interview war sehr entspannt: „Wir tranken einen Kaffee zusammen, und Paul sagte auf Deutsch zu mir: ‚Vorsicht, heiß. Aufpassen, das ist besser für dich.‘ Er war wirklich gut drauf! Ich überreichte ihm mein Buch-Geschenk , der Zufall wollte es, dass er eine Seite mit einem Foto von ihm und seiner damaligen Freundin und späteren Verlobten Jane Asher aufschlug. Er machte große Augen, zeigte auf das Bild und tat erstaunt: ‚Who´s that – wer ist denn das?’“ („Paul McCartney Hautnah, Meine Jahre mit der Legende“, S.49).

„Am Schluss des Interviews fragte mich Paul McCartney noch, was ich in zwei Wochen mache. Er lud mich dann zur Deutschland-Premiere von „Get Back“ am 17.09.1991 in Hamburg ein.“, fügt Simon hinzu. Wie sich herausstellen sollte war das  der Beginn einer freundschaftlichen Zusammenarbeit. Im Laufe der darauffolgenden Jahre wurde Simon zum „German Link“ (etwa: deutschen Verbindungsmann) für die Öffentlichkeitsarbeit im deutschsprachigem Raum. Im Zentrum stand neben der Arbeit für Paul und Linda McCartney auch das von Mark Featherstone-Witty als Direktor geleitete und betreute Projekt des “Liverpool Institute for Performing Arts“ (LIPA), in welchem aus Paul McCartneys einst dem Verfall geweihter Schule in Liverpool ein Institut, gewissermaßen eine „Fame School“ für künstlerische Allroundtalente entstand.

Paul McCartney und Christian Simon in Sussex 1991 (Bild: ©Monica Simon)
Paul McCartney und Christian Simon in Sussex 1991 (Bild: ©Monica Simon)

Simon half dabei durch Radiointerviews über das geplante Großprojekt, die ausgehend von „Radio Victoria“ im ganzen deutschsprachigen Raum verbreitet wurden, durch das Akquirieren von Sponsoren und Spenden und das Betreuen von VIP- Gästen bei einem Auftritt in der Stuttgarter Schleyerhalle (LIPA-Tour 1993). Das LIPA wurde dann zweimal eröffnet: Es gab sowohl eine Eröffnungsfeier am 30.01.1996 wie auch ein „Royal Opening“ (Königliche Eröffnungsfeier mit Her Majesty the Queen Elizabeth II.) am 07.06.1996. Simon nahm daran beides Mal teil: „Bilder, die verschwommen waren, wurden plötzlich wieder lebendig. Als Kind hatte ich die englische Königin 1965 bei ihrem Besuch in meiner Heimatstadt Duisburg gesehen, als sie winkend im offenen Mercedes Pullman Landaulet 600 durch die Straßen fuhr. Im selben Jahr sah ich die Beatles im Kinofilm „Help“ und spielte in der Schülerband „Yesterday“.

Und nun, 31 Jahre später, saß ich hier in Liverpool auf Einladung eines Beatle auf einem Empfang mit der Queen. Ich glaube, es war einfach das besondere Erlebnis, das Einzigartige, womit man nie gerechnet hatte. Ich ergriff die Hand meiner Frau und genoss den Augenblick.“(ebenda, S.217).

Simon hat seit 1991 bis heute Kontakt zu Paul McCartney, der abwechselnd in Sussex, wo er auch ein kleines Studio hat, und in den USA lebt. Vor seinem Tod holte der sehr sozial eingestellte Superstar den schwer kranken Ex-Beatle George Harrison zu sich. Neben Paul McCartney lebt von den ehemaligen „Beatles“ nur noch Ringo Starr. 

Buch-Tipp von Christian Simon

John Lennon- Genie und Rebell (Bild: © Piper)
(Bild: © Piper) (Bezahlter Link)

Zum Schluss des Gesprächs weist Simon auf eine Neuerscheinung, die deutsche Übersetzung eines Buches über John Lennon, hin, welches sein Buch gut ergänze: Zum 40. Todestag und 80. Geburtstag von Ex-„Beatle“ John Lennon erscheint am 05. Oktober 2020 im Piper-Verlag das Buch „John Lennon – Genie und Rebell“ von Lesley Ann-Jones (übersetzt von Conny Lösch). Dieses Buch erhebt für sich den Anspruch mit Mythen aufzuräumen, die sich immer wieder um Leben und Tod John Lennons ranken. Auch wird darin begründet, weshalb es eine Band wie die „Beatles“ wohl nicht mehr geben wird: Die sprichwörtliche „Beatle-Mania“ konnte sich auch wegen der zur ihrer Entstehungszeit sehr überschaubaren Medienlandschaft, was Radio und TV angeht, dermaßen ausbreiten. Ebenfalls- wie die beiden Bücher Simons- ein lesenswertes, den Horizont erweiterndes Buch!

Übrigens: Christian Simon schreibt bereits an seinem dritten Buch. Es wird sich thematisch vom ersten und zweiten Buch unterscheiden, da es sich dabei nicht um einen Künstler, sondern um viele interessante Begegnungen handelt. Mehr wird an dieser Stelle noch nicht verraten…    


Hendrik Leuker ist Redakteur der Rundfunkfachzeitschrift RADIO KURIER. Dieser Beitrag wird in den nächsten Monaten dort erscheinen und wurde vorab der RADIOSZENE zur Verfügung gestellt. 

Bibliografie

Christian Simon: Ich, Udo – Gespräche mit Christian Simon“,3. Auflage, Langen Müller, München 2016. (Bezahlter Link)
Christian Simon: Paul McCartney Hautnah – Meine Jahre mit der Legende, Langenmüller, Stuttgart 2020 (Bezahlter Link)

Lesley Ann-Jones: John Lennon-Genie und Rebell, Piper, München 2020. (Bezahlter Link)