Radio ohne Events: „Das Gemeinsamkeit stiftende Moment fehlt“

Veröffentlicht am 13. Mai. 2020 von unter Deutschland

Das Coronavirus bestimmt weltweit weiter das öffentliche, soziale und private Leben. Natürlich auch beim Hörfunk, wo Covid-19 noch immer zentraler Schwerpunkt des Sendegeschehens ist. Eine äußerst engagierte Berichterstattung sowie unzählige Aktionen und Sondersendungen haben in den letzten Wochen die Attraktivität des Mediums bei den Menschen im Land deutlich aufpoliert. Dies wird übereinstimmend durch mehrere Umfragen belegt. Auch für die logistischen Herausforderungen fanden die Programmmacher schnelle und kompetente Antworten.

Klasse Stimmung beim 25. SWR3 New Pop Festvial 2019 vom 12. bis 15. September 2019 in Baden-Baden. (Bild: ©SWR/Ronny Zimmermann)

Klasse Stimmung beim 25. SWR3 New Pop Festvial 2019 vom 12. bis 15. September 2019 in Baden-Baden. (Bild: ©SWR/Ronny Zimmermann)

Der erdrutschartige Einbruch bei den Werbeeinnahmen im März und April dürfte innerhalb der Branche – nicht nur bei den privaten Sendern – jedoch erhebliche Sorgen ausgelöst haben. Zweifellos werden die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie den deutschen Radiosektor noch über viele Jahre beschäftigen.

Auch das Verbot von Veranstaltungen bis mindestens 31. August trifft die Sender ins Mark. Die Sommersaison 2020 fällt aus: unzählige Planungen für Events, Konzerte oder Festivals sind hinfällig. Die beim Publikum so beliebten Massenveranstaltungen der Sender, aber auch eine Vielzahl hochwertiger Aufführungen der ARD-Kulturprogramme in kleinerem Rahmen sind gestrichen. Zwar laufen weiter die Vorbereitung für später terminierte Großveranstaltungen wie das SWR3 New Pop Festival, doch auch hier stehen – je nach Verlauf der Pandemie – weitere Absagen im Raum.

RADIOSZENE stellte Senderverantwortlichen folgende Fragen zu den Auswirkungen der Veranstaltungsabsagen:

  1. Die Coronakrise zwingt die Radiosender im Sommer zur Streichung öffentlicher Veranstaltungen. Wie sehr schmerzt dieser Verzicht von Konzerten oder Festivals?
  2. Wie viele Events sind von diesen Absagen betroffen? Was bedeutet eine Sommersaison ohne Veranstaltungen mit Publikumsbeteiligung?
  3. Zumindest bis Ende August ist die gesamte deutsche Veranstaltungs- und Musikszene betroffen. Planen Sie hier Alternativen – etwa in Form von virtuellen Konzerten?
  4. Sehen Sie in diesem Jahr überhaupt noch eine Möglichkeit für öffentliche Senderevents?

 

„Bestimmte Formen von wertvollem Programm kommen nun gar nicht erst zustande“

 

Jochen Rausch, WESTDEUTSCHER RUNDFUNK, Leiter der WDR-Breitenprogramme und Stellvertretender Programmdirektor NRW, Wissen, Kultur.

Jochen Rausch (Bild: ©WDR)

Jochen Rausch (Bild: ©WDR)

1) Der Verzicht auf Konzerte und Festivals schmerzt natürlich, auch wenn die Einschränkungen vor dem Hintergrund der aktuellen Situation nachvollziehbar sind. Bestimmte Formen von wertvollem Programm kommen nun gar nicht erst zustande; Live-Übertragungen und die damit verbundenen besonderen Radio-Momente werden nicht möglich sein.

2) Der WDR ist größter Veranstalter in NRW. Wenn man die Absagen aller verschiedenen Veranstaltungsarten betrachtet – von Podiumsdiskussionen über Comedy- oder Satire-Shows, Musikvermittlung in Schulen bis hin zu Partyveranstaltungen und Konzerten im Klassik- oder Pop-Bereich – addiert sich das auf weit über 100 Events seit Beginn der Corona-Krise. Je nach Dauer kann sich diese Zahl noch erhöhen. Weil diesen Sommer voraussichtlich alle Veranstaltungen mit Publikumsbeteiligung wegfallen müssen, bedeutet dies, dass wir den Menschen zumindest live und vor Ort nicht die hochwertigen kulturellen Angebote machen können wie üblich. Auch wenn wir in den Programmen versuchen, dies so gut wie möglich aufzufangen, entfällt an vielen Stellen leider auch der wichtige persönliche Kontakt mit den Hörerinnen und Hörern, und die Möglichkeit der Bindung an den Sender.

3) Der WDR hat unmittelbar nach Beginn der Krise damit begonnen, Alternativen zu entwickeln, um wenigstens die kulturellen Inhalte zu transportieren, selbst wenn eine Beteiligung von Publikum vor Ort nicht möglich ist. So hat das Kulturradio WDR 3 die „Kulturambulanz“ ins Leben gerufen, mit deren Hilfe Konzert- oder Theateraufführungen aus NRW ins Netz und ins Radio gebracht werden. Die Wittener Tage für neue Kammermusik wurden erstmals in ihrer Geschichte als exklusives Radiofestival ausgerichtet. In den 1LIVE Sektor Sessions spielen Musikerinnen und Musiker aus NRW Konzerte für das Sofa oder den Balkon. Und Orchester, Chor und Big Band des WDR spielen unter #wdrhausmusik und #wdrfunkhausmusik einzeln oder in kleiner Besetzung. Weitere virtuelle Konzert- und Kulturformate sind in Entwicklung.

Außergewöhnlich ist auch unser crossmediales Projekt #weiterlachen, in das auch WDR 5 involviert ist: Mit #weiterlachen haben wir im WDR eine digitale Bühne für Satire, Kabarett und Comedy im Internet eröffnet. Über die Webseite www.weiterlachen.wdr.de erreichen Künstler*innen der Kabarett- und Comedyszene, die zurzeit ohne Auftrittsmöglichkeit dastehen, weiter ein großes Publikum.

4) Diese Frage lässt sich zur Zeit noch nicht beantworten und hängt von der Entwicklung der nächsten Wochen und Monate ab.


 

„Fakt ist: Nichts schlägt das Live-Event!“

 

Marc Haberland, RTL Radio Center Berlin, Geschäftsführer

01) Der Verzicht schmerzt sehr. Events, Veranstaltungen und Konzerte sind für uns wichtig für die Hörer-Bindung, als Marketingmaßnahme und Einnahme-Quelle.

104.6 RTL veranstaltet seit 24 Jahren im Sommer STARS-for-FREE. Für 17.000 Hörer*innen werden Tickets verschenkt. Ein fester Termin für unsere Hörer*innen, viele Stars, unsere Sponsoren und unseren Promotion-Kalender. Dass dieses Event zum ersten Mal in 24 Jahren nicht stattfinden kann, ist sehr bitter.

Marc Haberland (Bild: ©RTL Radio Center Berlin)

Marc Haberland (Bild: ©RTL Radio Center Berlin)

Bei 105‘5 Spreeradio haben wir viele kleinere Events. Kino-Konzerte, geplante Live-Podcasts, dazu Kunden-Veranstaltungen . Dass diese Veranstaltungen ausfallen, ist für unsere Hörer*innen und für Programm-Macher*innen ebenfalls sehr traurig.

Ich halte die Maßnahmen der Landes- und Bundesregierung für richtig und absolut notwendig. Trotzdem sind die Konsequenzen für uns hart.

02)  In Summe werden es sicher 20 bis 30 Veranstaltungen sein. Von der größten – STARS-for-FREE mit 17.000 Zuschauer*innen – bis hin zu kleinen Kino-Konzerten mit einigen hundert Zuschauer*innen.

03)  Ja, das ist denkbar. Dank unserer guten Kontakte zu Musikern konnten wir mit STARS-for-FREE@Home einige solcher Formate bereits anbieten, unter anderem mit Rea Garvey, Ryan Tedder (One Republic) und Lost Frequencies. Das war toll und hier werden wir sicher noch mehr machen. Aber Fakt ist auch: Nichts schlägt das Live-Event!

04)  Ich hoffe es. Sobald es sicher ist und Sinn macht, werden wir am Start sein.


 

„Um den Verlust dieser verbindenden Momente bestmöglich zu kompensieren, werden die Programme jetzt permanent optimiert, um den Menschen linear wie digital durch neue Programmaktionen und virtuelle Events zusätzliche Anreize zu bieten“

 

Anke Mai, SÜDWESTRUNDFUNK, Programmdirektorin Kultur

1) Events gehören zum Regelgeschäft eines erfolgreichen Radiosenders, um die Marke erlebbar zu machen und mit den Hörer*innen und Nutzer*innen in Verbindung zu treten. Die Absagen öffentlicher Veranstaltungen schmerzen die Radioprogramme des SWR deshalb natürlich sehr.

Anke Mai (Bild: ©SWR/Alexander Kluge)

Anke Mai (Bild: ©SWR/Alexander Kluge)

2) Die Radioprogramme des SWR sind insgesamt an mehreren hundert Veranstaltungen pro Jahr beteiligt. Alleine SWR3 veranstaltet jährlich mehr als 350 Events und erreicht damit mehr als eine halbe Million Menschen (Konzerte, Comedy-Touren, Festivals, DJ-Veranstaltungen und so weiter). Um den Verlust dieser verbindenden Momente bestmöglich zu kompensieren, werden die Programme jetzt permanent optimiert, um den Menschen linear wie digital durch neue Programmaktionen und virtuelle Events zusätzliche Anreize zu bieten. So sind u.a. bei SWR3 beispielsweise verstärkt Comedians zu Gast oder Musiker*innen als Co-Moderator*innen eingeladen.

3) Virtuelle Events finden in den Programmen des SWR bereits seit Beginn der Corona-Situation erfolgreich statt. Diese Möglichkeiten werden weiter ausgebaut. Die Situation der meisten Künstlerinnen und Künstler ist mehr als ernst, vielen bricht die Existenzgrundlage weg. Daher gab der gesamte SWR Kulturschaffenden vom 1. bis 3. Mai auf allen Kanälen eine Bühne, beleuchtet Schicksale und macht Kultur auch in Corona-Zeiten unter dem Motto „#ZUSAMMENHALTEN für die Kultur“ erlebbar. Unter SWR.de/fuer-euch-da werden all diese Aktivitäten gebündelt. Und auch nach dem Schwerpunkt-Wochenende wird der SWR seiner Verantwortung als öffentlich-rechtliches Medienunternehmen gerecht und bindet Kulturschaffende kontinuierlich in seine Programme ein.

4) Der SWR richtet sich nach den Regeln und Empfehlungen der Politik. Ob in diesem Jahr öffentliche Events noch mal möglich werden, liegt nicht in unserem Ermessen. Aber natürlich planen wir für den Fall von Lockerungen weiter – derzeit wird beispielsweise das SWR3 New Pop Festival ganz normal vorbereitet.


 

„Ohne Veranstaltungen fällt natürlich ein wichtiges Marketing-Tool weg, das sehr zur Hörerbindung beiträgt“

 

Alex Hajek, ENERGY DEUTSCHLAND, nationaler Programmdirektor

Alex Hajek (Bild: ©ENERGY)

Alex Hajek (Bild: ©ENERGY)

01)  Das schmerzt natürlich sehr, denn Konzerte sind sowohl für die Künstler als auch für uns als Musiksender eine tolle Möglichkeit, in direkten Kontakt mit den Hörerinnen und Hörern zu treten und ihnen ein unvergessliches Erlebnis zu bereiten. Aber die Massnahmen sind leider notwendig und wichtig – die Gesundheit geht immer vor.

02)  Normalerweise veranstalten wir in vielen Städten Deutschlands mehrere Ausgaben der beliebten ENERGY LIVE SESSIONS und in Berlin die ENERGY MUSIC TOUR. Ohne diese Veranstaltungen fällt natürlich ein wichtiges Marketing-Tool weg, das sehr zur Hörerbindung beiträgt.

03) Wir bieten den ENERGY Hörerinnen und Hörer, neben Informationen über die aktuelle Situation, rund um die Uhr Ablenkung vom anstrengenden privaten und beruflichen Alltag in Form von Entertainment und Musik. Dazu gehören natürlich auch Konzerte und daher haben wir uns sehr früh entschieden, hier unterschiedliche virtuelle Alternativen auf energy.de und über unsere Social Media Kanäle anzubieten. Wir haben bereits private Videochats mit Tom Gregory verlost, ENERGY LIVE SESSIONS in der Streaming Edition mit Milky Chance und Alice Merton organisiert und am 01. Mai fand die ENERGY MUSIC TOUR@HOME mit den Black Eyed Peas, OneRepublic, Martin Garrix, Lewis Capaldi und Ava Max statt. Die Resonanz war großartig und es sind bereits weitere virtuelle Konzerte und Aktionen in Planung.

04)  Das kann aktuell niemand vorhersagen. Die Lage kann sich zu schnell in die eine oder andere Richtung entwickeln.


 

„Event lebt von Begegnung und Interaktion. Dies ist im virtuellen Raum nur bedingt möglich“

 

BAYERISCHER RUNDFUNK, Martin Wagner, Hörfunkdirektor und Dr. Markus Riese, Leitung Marketing

01) Nach einigen Wochen Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen bekommen die Radioprogramme des Bayerischen Rundfunks täglich von ihren Hörerinnen und Hörern Eindrücke, wie groß die Sehnsucht nach Gesellschaft und Nähe ist. 

Events leben in erster Linie von der Erlebnisorientierung und dem Gemeinschaftscharakter, die das Publikum gemeinsam vor Ort erlebbar teilt. Die ganz besondere Stimmung beispielsweise von Open Airs (BAYERN 1 Sommerfestival, BAYERN 3 Dorffest und PULS Open Air) mit zehntausenden friedlich feiernden Menschen lässt sich nicht einfach in den virtuellen Raum übertragen. Das Gemeinsamkeit stiftende Moment fehlt.

Martin Wagner (Bild: ©BR/Konvalin)

Martin Wagner (Bild: ©BR/Konvalin)

02) Von den Absagen sind derzeit circa 110 Events der Radioprogramme bis einschließlich 31. August betroffen. Dazu kommen noch circa drei Dutzend Konzerte der Klangkörper. Event lebt von Begegnung und Interaktion. Dies ist im virtuellen Raum nur bedingt möglich. Klassische Konzerte mit einer zurückgelehnten Nutzungssituation sind eher virtuell erlebbar als beispielsweise ein Sport-Festival wie das von PULS präsentierte Munich Mash. Chancen ergeben sich in Abhängigkeit vom Event-Charakter. In der Pandemie können auch kreative Ideen und Möglichkeiten entwickelt werden.

03) BAYERN 1: Zuletzt gab es auf Bayerns meistgehörtem Radioprogramm Ende März eine Aktion, bei der Stars auf BAYERN 1 moderiert und ihre Lieblingssongs gespielt haben. Unter anderem waren Grönemeyer, Maffay, Lindenberg, James Blunt und Alphaville dabei. BAYERN 1 plant derzeit die etablierte Event-Reihe „BAYERN 1 Disco“ samstagabends einfach ins Radio zu bringen und mit den Menschen, die vom Ausfall der Disco-Termine betroffen, sind on air zu feiern und dazu dann ganz Bayern virtuell einzuladen.

Bayern 2 verzichtet auf absehbare Zeit und sicher bis zur Sommerpause auf die Durchführung oder Präsentation von Publikumsveranstaltungen und Live-Events von Konzerten, Kabarett oder Kulturereignissen. Präsentierte oder zum Senden geplante Mitschnitte wurden abgesagt oder verschoben. Die Aufzeichnungen sollen nachgeholt werden. Stattdessen bietet Bayern 2 heimischen Künstlern verstärkt eine Plattform im Radio, sei es in Musik-Sondersendungen mit Interviews, so in den Sendungen Bayern 2-Heimatsound und Nachtmix, sei es durch kabarettistische Auftritte im Radio, sei es in „Corona-Tagebüchern“ von Kulturschaffenden. Das Streaming von Konzerten wurde bisher nur von der Redaktion Zündfunk durchgeführt: am 2. Mai das Konzert DAF CATS ALGORAVE live gestreamt und auch über die BR KulturBühne ausgestrahlt (https://www.br.de/kultur/daf-algorave-livestream-br-kulturbuehne-100.html).

Weitere Streamings sind denkbar und werden redaktionell bewertet.

BAYERN 3 hat auf seiner Homepage schon einige virtuelle Konzerte von bekannten deutschen Künstlern gestreamt (zum BeispielMax Giesinger, Lena, Nico Santos, …) und auch das One World-Festival, das von Lady Gaga organisiert wurde.

Zudem hat BAYERN 3 beispielsweise unmittelbar vor Instagram Live-Sessions von Rea Garvey oder DJ Alle Farben aus ihren jeweiligen Wohnzimmern, die von BAYERN 3 auf den eigenen Kanälen geteilt werden, ein eigenes Warm-Up vorgeschaltet. BAYERN 3 Frühaufdreher Sebastian Winkler hat hier live aus seinem Wohnzimmer musikalische Hörerwünsche auf seiner Ukulele erfüllt. Die User waren begeistert über die fast greifbare Nähe und Spontanität. Auf Dauer kann das aber nicht das „echte“ Konzerterlebnis ersetzen. Deswegen denkt BAYERN 3 über sehr kleine Live-Formate „vor der Haustür“ nach – zum Beispiel mit der BAYERN 3 Band.

BR-KLASSIK hat den mehrstündigen Stream “Musik bleibt“ mit internationalen Stars der Klassik-Szene organisiert, verbunden mit Spendenaufrufen zugunsten der Spendeninitiative der Deutschen Orchestervereinigung. Im Mai soll es ein ähnliches Projekt mit Musiker/-innen der Orchester und des Chores des Bayerischen Rundfunks geben. Diese planen ab Juni grundsätzlich virtuelle Kammerkonzerte unter anderem in den BR-Studios, an deren Umsetzbarkeit gerade gearbeitet wird. Ebenso ist gerade in der Überlegung, Konzerte einiger Bayerischer Kammermusikfestivals im Studio zu realisieren. PULS unterstützt bayerische Künstler in vielfältiger Form auf allen Ausspielwegen.

04) In erster Linie schwierig ist derzeit die unklare gesundheitliche Perspektive und die davon abhängigen politischen Entscheidungen beispielsweise für Zeithorizonte. Verlässliche Entscheidungen können im Moment noch nicht getroffen werden. Ein Umplanen ist bei den meisten Veranstaltungen nicht möglich, da es sich um fixe Termine handelt, die auch von den Event-Partnern kaum verlegt werden können. In den meisten Fällen geht der BR von einer Aussetzung der Eventtermine im Jahr 2020 aus.


 

„Die Hörer sind virtuellen Events gegenüber aufgeschlossener geworden. Diese Chance werden wir nutzen“

 

Melanie Schulz, RADIO/TELE FFH, Leiterin Kommunikation/Events

01) Zunächst ist natürlich klar – die Gesundheit geht vor! Es gab in dieser außergewöhnlichen Situation ja nie eine andere Wahl. Aber natürlich schmerzt uns der Verzicht auf Highlights wie den „Hessentag“, den „Gießener Kultursommer“ oder auf tolle Konzerte im Rahmen des Stadionsommers in Frankfurt. Unsere Veranstaltungen und Aktionen sind wichtig für eine gute Hörerbindung und werden mit viel Herzblut und Energie geplant und umgesetzt. Das fehlt uns allen in diesem Jahr – nicht nur den Machern, sondern insbesondere unseren Hörern.

Melanie Schulz (Bild: ©FFH)

Melanie Schulz (Bild: ©FFH)

02)  In diesem Jahr hätte der „Hessentag“ über 10 Tage in Bad Vilbel stattgefunden. Direkt vor unserer Haustür. Seit zwei Jahren waren wir in den Vorbereitungen – diese Absage hat uns besonders getroffen. Auf Veranstaltungen wie „FFH-Just White“ und „FFH-Just 90s“ freuen sich die Hessen das ganze Jahr – innerhalb weniger Wochen waren die Tickets ausverkauft. Ein Sommer ohne Hörerevents kennen wir so nicht – und arbeiten deshalb schon an verschiedenen Konzepten, um unseren Hörern doch noch zu bieten, was sie sich wünschen. Selbstredend unter Einbehaltung aller Corona-Maßnahmen.

03)  Ja, daran arbeiten wir bereits. Guten Ideen stehen wir sehr aufgeschlossen gegenüber. Die Coronakrise hat die Welt auf einen Schlag digital vorangebracht. Die Hörer sind virtuellen Events gegenüber aufgeschlossener geworden. Diese Chance werden wir nutzen.

04)  Schwer zu sagen. Wir wünschen uns das! Viele gute Ideen liegen in der Schublade und warten auf Umsetzung. Aktuell gehe ich allerdings davon aus, dass erst 2021 wieder ein echtes Veranstaltungsjahr werden kann.


 

„Wir reagieren mit vielen kreativen Formaten auf die Krise“

 

Michael Naumann, MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK, Abteilungsleiter Presse & Information

01) Die Corona-Krise trifft auch den MDR mit voller Wucht. Nicht nur unsere Radioprogramme müssen Veranstaltungen absagen – auch unser MDR-Fernsehprogramm muss Events streichen, ebenso wie MDR KLASSIK auf Konzertpräsentationen verzichten muss. Die derzeitige Situation schmerzt natürlich sehr. Jedoch steht die Gesundheit unseres Publikums, unserer Partner und selbstverständlich auch unserer MDR-Kolleginnen und -Kollegen an erster Stelle.

Michael Naumann (Bild: ©MDR/Stefan Hoyer)

Michael Naumann (Bild: ©MDR/Stefan Hoyer)

02) Da wir nicht wissen, wie es in den kommenden Wochen weitergeht, lässt sich das bislang noch nicht genau beziffern. Maßgeblich für uns sind hier die Vorgaben der Behörden. Wichtig ist, dass wir trotz allem mit kreativen Ideen unserem Publikum zeigen, dass wir für die Menschen da sind. Aktuell bestes Beispiel ist der ‚MDR Lieder-Lieferdienst‘ von MDR JUMP und MDR KLASSIK, der auf große Resonanz stößt. Nähere Informationen gibt es hier: www.mdr.de/mitmachen.

03) Wir reagieren mit vielen kreativen Formaten auf die Krise: So hat beispielsweise MDR SPUTNIK die ‚MDR SPUTNIK Zuhause-Sets‘ etabliert, für die wir vor allem regionale DJs engagiert haben. In Zeiten, in denen fast alle Auftrittsmöglichkeiten wegfallen, konnte jeder von ihnen eine Stunde sein DJ-Set im Video auf YouTube und als Audio im Radio präsentieren. Darüber hinaus sind wir an der ‚UnitedWeStream‘-Initiative beteiligt. Auch MDR KULTUR widmet sich auf vielfältige Weise den regionalen Künstlerinnen und Künstlern. Und MDR KLASSIK hat verschiedene Konzerte auf ARTE Concert gestreamt.

04) Der sehr unsicheren Lage tragen wir Rechnung, indem wir versuchen, uns Möglichkeiten soweit es geht offen zu halten. Vorhersagen können wir in dieser Krisen-Zeit leider nichts.


 

„Ein Sommer ohne Hörerevents ist für mich nicht vorstellbar … Deswegen bleiben wir kreativ und zuversichtlich und hoffen, dass zum Beispiel die Autokino-Events im Sendegebiet etwas auffangen werden“

 

Andreas Ksionsek, RADIO REGENBOGEN, Prokurist und Eventleiter 

Andreas Ksionsek (Bild: ©MDR/Stefan Hoyer)

Andreas Ksionsek (Bild: ©MDR/Stefan Hoyer)

01) Es schmerzt erheblich, denn Radio Regenbogen steht seit seiner Gründung 1988 auch für viele Veranstaltungen in Baden und der Pfalz, die weit über das eigene Sendegebiet hinaus bekannt sind – zum Beispiel der Radio Regenbogen Award. Er sollte dieses Jahr am 3. April 2020 mit 1.500 Gästen im Europa-Park in Rust stattfinden. Kurz vorher mussten wir die Award Show coronabedingt zum ersten Mal nach 21 Jahren absagen. Es sind aber auch die vielen kleineren Veranstaltungen und Konzerte, die wir für unsere Hörer machen und die für uns einen großen Imagetransfer darstellen.

2) Wir haben circa 25 Veranstaltungen absagen müssen – auch welche, die wir für Kunden praktisch als Agentur umsetzen. Ein Sommer ohne Hörerevents ist für mich nicht vorstellbar … Deswegen bleiben wir kreativ und zuversichtlich und hoffen, dass zum Beispiel die Autokino-Events im Sendegebiet etwas auffangen werden.

3) Wir von Radio Regenbogen haben schon zu Beginn der Coronakrise jeden Abend übers Radio „Zuhause-Konzerte“ für unsere Hörer in ihr Wohnzimmer und ihren Garten übertragen – auch am Abend des ausgefallenen Radio Regenbogen Awards. Preisträger, die wir eigentlich live in Rust auszeichnen wollten, spielten nun von Zuhause aus. Zum Beispiel Johannes Oerding mit Gitarre oder Matt Simons am Klavier in seinem Wohnzimmer in New York City (zu sehen im Video auf regenbogen.de). Das war sehr emotional! Unsere Prominenten und Hörer waren durchweg begeistert!

4) Also, die Hoffnung stirbt zuletzt. Wir stehen in den Startlöchern und hoffen ab September vielleicht doch noch das Eine oder Andere veranstalten zu können. Ob es so kommt, werden wir sehen. Für uns und die Hörer wäre es eine tolle Sache auch da ein Stück Normalität zurück zu bekommen.


 

„Wir sind in einer Lage, die sich sehr dynamisch entwickelt. Wir werden schauen müssen, wie es im Herbst aussieht und dann auf Sicht fahren“

 

NORDDEUTSCHER RUNDFUNK

1) Der Schutz der Gesundheit unserer Hörerinnen und Hörer hat für uns höchste Priorität. Trotzdem schmerzt die Situation natürlich sehr. Diese Veranstaltungen sind für uns eine wichtige Möglichkeit, direkt mit unserem Publikum in Kontakt zu kommen. Zudem ist das eine schwierige Situation für unsere Partner, mit denen wir bereits lange zusammenarbeiten.

2) Es sind sehr viele Events. Wie viele lässt sich noch gar nicht abschätzen, da wir nicht wissen, wie es im Herbst weitergeht. Entscheidend sind die behördlichen Vorgaben, die wir noch nicht kennen.

3) N-JOY hat bereits mehrere Home-Sessions mit Künstlern durchgeführt. Und plant weitere Online-Events, insbesondere auch, um nationale Newcomer in dieser schwierigen Situation zu unterstützen. NDR 2 hat in den vergangenen Wochen in der Reihe „Ein neuer Abend, ein neues Konzert“ komplette Live-Konzerte seines Festivals „Soundcheck – Neue Musik“ wiederholt. Sowohl im Radio als auch im Video per Livestream. Weitere Online-Events sind auch für NDR 2 vorstellbar. Das wirkliche „Live-Erlebnis“ ersetzt dies aber natürlich nicht.

4) Wir sind in einer Lage, die sich sehr dynamisch entwickelt. Wir werden schauen müssen, wie es im Herbst aussieht und dann auf Sicht fahren.


 

„Eine Sommersaison ohne Veranstaltungen ist vor allem für alle Musik- und Kulturbegeisterte in der Region ein Verlust. Aber auch unsere langjährigen Partner in der Konzertszene trifft das Verbot von Großveranstaltungen vor allem finanziell hart“

 

Jan Schulte-Kellinghaus, RUNDFUNK BERLIN-BRANDENBURG, Programmdirektor

01) Das schmerzt uns natürlich sehr. Schließlich sind solche Events doch immer eine Gelegenheit, unser Publikum und die Hörerinnen und Hörer live vor Ort zu treffen. Der unmittelbare Kontakt hilft auch den Radiomacher*innen, Vorschläge, Kritik und Lob direkt oder indirekt ins Programm einfließen zu lassen. Das gilt insbesondere auch für unsere Diskussionsreihe „Den rbb Grillen“, die in diesem Jahr in ganz Brandenburg 10 Mal stattfinden sollte. Programmmacher treffen hier auf interessierte Hörerinnen und Hörer, Zuschauerinnen und Zuschauer und diskutieren gemeinsam über unser Programm.

Dr. Jan Schulte-Kellinghaus (Bild: ©rbb/Thomas Ernst)

Dr. Jan Schulte-Kellinghaus (Bild: ©rbb/Thomas Ernst)

02) Eine Sommersaison ohne Veranstaltungen ist vor allem für alle Musik- und Kulturbegeisterte in der Region ein Verlust. Aber auch unsere langjährigen Partner in der Konzertszene trifft das Verbot von Großveranstaltungen vor allem finanziell hart. 

Der rbb ist ja auch Medienpartner und präsentiert Künstler und Bands, genauso wie Diskussionsreihen, Lesungen, Kinopremieren, Previews und Ausstellungen. Die Zahl der Events, die jetzt in Corona-Zeiten nicht stattfinden können, geht in die Hunderte. 

Wir haben uns schon früh entschlossen, zum Schutz der rbb-Mitarbeiter*innen den Publikumsverkehr in unseren Räumlichkeiten – wie dem Haus des Rundfunks oder unserem neuen Studio 14 im 14. Stock des rbb Fernsehzentrums – einzuschränken und haben deshalb alle Veranstaltungen und Konzerte, auch die von dritten Veranstaltern, abgesagt.

Vieles was die Radiowellen fertig geplant und auch schon vorbereitet haben, muss jetzt leider ebenfalls ausfallen: Fritz muss dieses Jahr ohne das „Fritz Festival“ und die „Deutschpoeten“ planen. Bei radioeins wird es im September kein „Parkfest“ geben und auch keine Schöne(n) Lesung(en) im Großen Sendesaal – um nur zwei Reihen zu nennen, die Corona bedingt ausfallen müssen. Und rbb 88.8 musste leider die „90‘ Super Show“ im Mai absagen und auch ohne „90er Olymp“ im August planen. Auch die Reihe „rbbKultur Kinderkonzerte“ ist bis auf Weiteres ausgesetzt. Inforadio muss derzeit alle Talkformate wie „Forum“ oder „Wissenswerte“ ohne Publikum aufzeichnen. Und was uns allerdings besonders schmerzt, dass Antenne Brandenburg auf das große Open-Air-Geburtstagskonzert zum 30. Geburtstag verzichten muss. Stattdessen wird es aber ein Livestream-Konzert auf dem rbb-YouTube-Kanal und auf der Internetseite von Antenne Brandenburg mit Max Giesinger und Lotte in der Reihe DER RBB MACHT‘S ab 19 Uhr geben.  Am 6. Juni ab 20.00 Uhr wird das Konzert dann auch im Radio wiederholt.

03) Unter dem Motto DER RBB MACHT’S sind ausgewählte Events im Livestream sowie auf rbbKultur im Radio und Fernsehen zu erleben. Damit sollen Lücken gefüllt werden, die durch die Absage von Großveranstaltungen und die Schließung der staatlichen Museen, Theater, Opern und Konzerthäuser in Berlin wegen der Corona-Krise entstehen.

Den Anfang machte die Aufführung von „Carmen“ aus der Staatsoper Unter den Linden. Das erste Angebot der Programmaktion DER RBB MACHT’S, hat im Netz mehr als 160.000 Menschen in Deutschland und weltweit erreicht. Es folgten weitere Übertragungen zum Beispiel aus dem Konzerthaus mit den Weltklasse-Künstlern Lang Lang und Daniel Hope oder auch weitere Opern-Aufführungen wie Falstaff, Fidelio oder Macbeth aus den Berliner Opernhäusern.

Ein weiteres Highlight ist das größte Berlin-Brandenburger Mitsing-Event „Sing dela Sing“. Zum ersten Mal senden das rbb Fernsehen, die rbb-Radiowellen radioeins, rbb 88.8 und Antenne Brandenburg zeitgleich einen Song zum Mitsingen.

In Zeiten von Homeoffice, Quarantäne und Social Distancing hat radioeins ein besonderes Angebot für seine Hörerinnen und Hörer. radioeins-Lieblingsbands öffnen ihre Wohnungen und machen Wohnzimmerkonzerte. Zu hören waren schon Die Sterne oder Oliver Koletzki und Bands wie Knorkator und Austra kommen noch – live und in Farbe auf Facebook, im Stream und natürlich auch im Radio. 

Schon am 18. März hat radioeins sich solidarisch mit den vielen jetzt geschlossenen Berliner Clubs, Veranstalter*innen und Künstler*innen gezeigt und ist Partner bei der gemeinsamen  Streamingplattform unitedwestream.berlin, um auf eine Spendensammlung aufmerksam zu machen. Eine tolle Aktion, denn die Einnahmen der Streams fließen in eine Spendensammlung für soziale Härtefälle, mit der unter der Coronavirus-Quarantäne notleidende Clubs und Künstler*innen unterstützt werden können.

rbb 88.8 veranstaltet am 21. Mai das „90er-Drive-In Konzert“. Im eigenen Auto kann das Publikum dabei die Hits von Oli. P, Magic Affair und Captain Jack live erleben.

04) Da sind wir leider, genauso wie alle anderen Unternehmen und Menschen, von den Entscheidungen der Politik, der Landesregierungen und den Gesundheitsämtern abhängig. Der Gesundheitsschutz unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, aber auch unseres Publikums steht für uns an oberster Stelle.


 

„Die Auftragslage unserer Eventtochter APD Events ist stark eingebrochen und auch unser geplantes On Air Konzept für den Sommer muss gecancelt oder verändert werden“

 

Carsten Hoyer, ANTENNE NIEDERSACHSEN, Geschäftsführer und Programmdirektor 

1) Der Verzicht von Konzerten, Festivals und Großveranstaltungen schmerzt uns natürlich. Zum einen persönlich, zum anderen auch als Unternehmen. Die Auftragslage unserer Eventtochter APD Events ist stark eingebrochen und auch unser geplantes On Air Konzept für den Sommer muss gecancelt oder verändert werden. Das ist nicht nur für uns, sondern auch für unsere Partner, mit denen wir gemeinsam Events geplant haben, sehr traurig. Denn gerade die persönliche Begegnung mit unseren Hörern und gemeinsam mit ihnen zu feiern, ist für uns jedes Jahr aufs Neue besonders.

Carsten Hoyer (Bild: ©Antenne Niedersachsen)

Carsten Hoyer (Bild: ©Antenne Niedersachsen)

2) Natürlich ist gerade der Sommer Veranstaltungshochsaison. Neben zahlreichen Stadt- und Schützenfesten in Niedersachsen, findet in Hannover normalerweise das Maschseefest statt, wo wir als Radiosender unter anderem das Bühnenprogramm mitgestalten. Zusätzlich ist leider auch unsere größte Veranstaltung – das Antenne Niedersachsen STARS for FREE auf der Expo Plaza in Hannover – von der Absage der Großveranstaltungen betroffen. So muss auch anstelle des Verschenken von Tickets im Programm etwas anderes für diesen Zeitraum geplant werden.

3) Natürlich arbeiten wir bereits seit einiger Zeit an neuen Ideen. So haben wir bereits vor ein paar Wochen unter dem Dach unserer Konzertmarke „STARS for FREE“ einen @home Ableger gelauncht, bei dem Künstler kleine Konzerte aus ihren Wohnzimmern sendeten.

4) Großveranstaltungen werden sicherlich noch einige Zeit, vielleicht auch bis Ende des Jahres ausgeschlossen sein. Wir müssen also über Alternativen nachdenken oder bestehende Konzepte so umgestalten, dass sie auch unter den geänderten Vorzeichen umsetzbar sind. Daran arbeiten wir bereits mit Hochdruck und ich bin mir sicher, dass wir Wege und Möglichkeiten finden werden und freuen uns darauf sie umzusetzen.


 

„Für uns sind solche Termine sehr gute Gelegenheiten mit unserem Publikum in den Dialog zu treten und sie Face to Face zu erreichen. Das fällt jetzt flach. Das Verhältnis zu unserem Publikum wird darunter nicht leiden“

 

Martin Grasmück, SAARLÄNDISCHER RUNDFUNK, Stellvertretender SR-Programmdirektor

1) Das ist schmerzhaft, ohne Frage – vor allem aber für die Künstlerinnen und Künstler natürlich und an zweiter Stelle dann für das Publikum. Die Menschen haben sich oft schon lange auf die Konzerte und Veranstaltungen gefreut, rechtzeitig Karten gekauft oder diese verschenkt. Wir bedauern sehr, dass diese Krise auch zu solchen Absagen führt. Doch die Gesundheit geht selbstverständlich vor. Aufgrund der Rückmeldungen, die wir erhalten haben, muss ich aber sagen, dass beim Publikum nach anfänglicher Verunsicherung doch am Ende ein großes Verständnis für die Maßnahmen vorhanden ist. Das öffentliche Leben hat sich in den letzten Wochen ja radikal verändert und ist teilweise ganz zum Erliegen gekommen.  Das muss man im Gesamtzusammenhang sehen. Für die Musikerinnen und Musiker und auch viele Veranstalter geht es nun um ihre wirtschaftliche Existenz. Das hat ganz andere Dimensionen.

Dr. Jan Schulte-Kellinghaus (Bild: ©rbb/Thomas Ernst)

Dr. Jan Schulte-Kellinghaus (Bild: ©rbb/Thomas Ernst)

2) Wir müssen hier unterscheiden zwischen echten SR-Veranstaltungen und solchen, die wir präsentieren. Insgesamt wurden von uns selbst 48 Eigenveranstaltungen bis Ende August abgesagt, davon 31 Konzerte der Deutschen Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern (DRP). Zusätzlich sind 51 unserer Präsentationen in Kooperation mit externen Veranstaltern ausgefallen. Mit dem SR Ferien Open Air in St. Wendel mussten wir auch die traditionell große Fete der Schülerinnen und Schüler zum Ferienstart canceln. Im letzten Jahr kamen alleine zu dieser Sommerveranstaltung über 12.000 Menschen. Für uns sind solche Termine, wie natürlich auch zum Beispiel das SR Klassik Open Air am Losheimer See mit der DRP, sehr gute Gelegenheiten mit unserem Publikum in den Dialog zu treten und sie Face to Face zu erreichen. Das fällt jetzt flach, doch der Kontakt zwischen dem SR und den Saarländerinnen und Saarländern war immer schon extrem stark. Das Verhältnis zu unserem Publikum wird darunter nicht leiden, da bin ich mir sicher.

3) Ja, wir haben etwa mit der Deutsche Radio Philharmonie inzwischen Kammermusikproduktionen auf die Beine gestellt. In kleiner Besetzung können wir die Abstandregeln beim Musizieren einhalten. Unsere Musikerinnen und Musiker sind hier mit eigenen Vorschlägen auf uns zugekommen. Wir produzieren dies dann für SR 2 KulturRadio und auch als Video fürs Netz, etwa für den DRP-Youtube-Kanal. Der SR-Gesellschaftsabend fand zwar ohne Publikum statt, die Künstler aus der Kabarettszene lieferten jedoch ihre Beiträge teilweise quasi aus dem Homeoffice zu. Außerdem sammelt SR 2 kreative Wohnzimmer-Auftritte von Künstlerinnen und Künstlern aus der Großregion im „Corona Culture Club“.

4) In gewohnter Form ganz kurzfristig sicher nicht. Doch wir lernen jeden Tag hinzu und so langsam stellt sich das öffentliche Leben auf die neue Realität ein. Am wichtigsten ist es, dass Abstands- und Hygieneregeln eingehalten werden. Vielleicht werden es dann Events mit weniger Publikum sein, die sich realisieren lassen – und man muss Mund-Nasen-Schutz tragen. Auch für die Kulturszene müssen Wege aus dieser Krise gefunden werden. Ich bin hier optimistisch, dass es wieder aufwärts geht, wenn auch wahrscheinlich nur langsam. Mit dem SR 1-Autokino und den Autokonzerten, die im Saarland in mehreren Städten gerade anlaufen, ist ein erster Schritt in diese Richtung getan.

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