Die Kraft des Wortes: DAB+ und Podcasts

Veröffentlicht am 17. Nov. 2019 von unter Standpunkte

Hört man sich französische Talk-Sender an, stellt sich immer wieder die Frage, warum dieses Format nicht bei uns in Deutschland funktioniert. OK, es gibt DLF und Deutsche Welle. Die können es ja aber nicht sein (Klinkern der Eiswürfel im Whiskyglas ist zu hören und das Schlurfen der Pantoffeln, grins).

Das ist Feinarbeit. (Screenshot: France 2)

Das ist Feinarbeit. (Screenshot: France 2)

Mit DAB+ und Streaming wäre es doch eigentlich gut möglich, ein massenattraktives Radioprogramm zu erstellen und verbreiten. Dass die kumulierten Viertelstundenreichweiten geringe Hördauer erzeugen, zieht nicht so ganz: man möge sich einmal Radio RMC anhören.

Eine Programmanalyse zeigt rasch, wie die cleveren Macher dort ansetzen: 28 Elemente in 15 Minuten (Call-ins, Moderatorenbeiträge, Jingles, Werbung, Nachrichtenteaser, Nachrichten), das Ganze eingebettet in Doppel- und Dreifachmoderationen …und mit einem sehr persönlichen nachbarschaft-freundschaftlichen Draht zu den Hörern. Diese können durchaus über 80 sein. Funktioniert das Format auch linksrheinisch, weil die Romanen eher gerne plaudern? Könnte schon sein.

Vive la France jedenfalls – nicht nur wegen der rüstigen Senioren. Interessant auch, dass die vier großen Anbieter durch die Bank Bewegtbild parallel anbieten.

Mathieu Gallet mit seiner Plattform Majelan: 75% aller Hörer wären bereit zu zahlen. (Screenshot: France 2)

Mathieu Gallet mit seiner Plattform Majelan: 75% aller Hörer wären bereit zu zahlen. (Screenshot: France 2)

Ein ganz wichtiges Element des Erfolges ist mit Sicherheit die Stimme der Moderatoren. Ergänzt mit der Präsenz und Echtzeit ist sie der Schlüsselfaktor erfolgreichen Radios – nicht Podcasts oder DAB+. Dem Hörer ist es gleich, über welchen Kanal er empfängt. Im Zweifelsfall weiß er gar nicht, über welchen Kanal er gerade hört. Podcasts werden eine gewisse Chance haben mit modularem Einsatz in bestehenden Live-Programmen.

Stimme und Live-Experience sind die tragenden Elemente erfolgreichen Radios bzw. Audios – die Podcast-Anbieter können die Chance nutzen, “live” gestreamte Angebote oder modulare Angebote für UKW-Radiosender zu erstellen. Ob eine non lineare-Nutzung eine weite Verbreitung findet, wird sich zeigen. Gut ist auf jeden Fall, dass neue Elemente in dem Kultur- und Massenmedium Radio Einzug finden und für wichtige Innovation und Transformation sorgen.


Helmut Poppe (Bild: privat)

Helmut Poppe (Bild: privat)

Helmut Poppe gehört zu den Privatradiopionieren in Deutschland und hat früh den Blick über den Tellerrand gewagt. Er war in der RTL-Gruppe (seinerzeit IPA) und bei Studio Gong für Vertrieb und Marketing leitend für den Vertrieb des Werbeinventars verantwortlich und kenn auch das Lokalgeschäft durch seine Vertriebstätigkeit u.a. bei Radio RPR. Schon 1999 wirkte er bei dem Entstehen des Webradios “Radio germany.net” mit. Mit seinem Mediaforschungs- und Marketinghintergrund berät er Agenturen, Start-Ups und Audioanbieter in Fragen der Strategie und Markenbekanntheit sowohl in Deutschland und benachbarten Ausland, insbesondere in Frankreich.

Kommentar hinterlassen

Tags: