Drei Viertel der Sechs- bis 13-Jährigen hören Radio

Veröffentlicht am 23. Jul. 2019 von unter Deutschland

Die aktuelle ma 2019 Audio II bestätigt erneut eindrucksvoll: über 52 Millionen Menschen hören in Deutschland täglich Radio! Tendenz eher gleichbleibend. Eine stolze Zahl, obwohl hier ja nur die Bevölkerung ab 14 Jahren ausgewiesen wird. Nicht erfasst ist die Radionutzung von Kindern, die offenbar gleich aus mehreren Gründen nicht abgefragt wird. Schwer zu verstehen, da die Branche doch sonst erbittert um jeden Hörer auf ihrer Haben-Bilanz ringt und heute ansonsten eine große Bandbreite des Radiokonsums erforscht. Rundruf also bei einigen Verantwortlichen: wie ist es um die Nutzung des Mediums bei Kindern bestellt? Die Antworten fallen ernüchternd aus – und reichen vom banalen „schwieriges Thema“ bis „die Nutzung wurde auf das Radio ausgelegt schon lange nicht mehr detailliert erforscht“. Unter dem Strich liefern „KIM-Studie“ oder die „Kinder-Medien-Studie“ zwar einige Anhaltspunkte, eine spezifische Analyse sieht indes anders aus. 

Erstaunlich eigentlich, denn a) gehören laut KIM Studie 2018 drei Viertel der sechs- bis 13-Jährigen aktiv zu den Radionutzern (26 Prozent schalten sogar täglich ein) und sind bereits bei jungen Wellen wie DASDING,Radio TEDDY,N-JOY oder 1LIVE zu Gast, und b) handelt es sich hier um die künftige potentielle Kundschaft, deren Nutzungsgewohnheiten man eigentlich im Fokus haben sollte. Zumal laut KIM-Studie Musik und Radio bei den rund 6,5 Millionen in Deutschland lebenden sechs- bis 14-jährigen Kids eine wichtige Rolle spielen.

Vielleicht ist dieses geringe Interesse nach mehr Transparenz auch ein Spiegel des Programmangebotes, das der Hörfunk den Jüngsten heute zuteil kommen lässt. Natürlich gibt es auf öffentlich-rechtlicher Seite weiter beliebte punktuelle Angebote wie „Ohrenbär“ (NDR) oder „Kakadu“ (Deutschlandfunk Kultur) MDR TWEENS, Radio TEDDY und der KiRaKa des WDR senden auf regionaler Ebene einschlägige 24-Stunden-Vollprogramme. Hinzu kommen einige eher wenig aufwändig gemachte Spartenkanäle im Internet. Das war es aber auch schon. 

Bundesweit gesehen bietet Radio im Vergleich zum Fernsehen den Kindern damit nur begrenzte Alternativen. Was möglicherweise vorrangig an den Aufwendungen liegt, die ein pädagogisch anspruchsvolles und gleichzeitig unterhaltsames Kinderprogramm kostet. Zudem bedarf es einer cleveren Strategie, die mutmaßlich doch sehr heterogen Interessen von Kindern zwischen 5 und 13 Jahren (und ihrer Eltern) unter den berühmten (Programm-) Hut zu bekommen.

Das jüngste Angebot für Kinder wurde mit MDR TWEENS am 3. Dezember 2018 vom Mitteldeutschen Rundfunk aus der Taufe gehoben. Das Kinderprogramm sendet via DAB+ größtenteils moderne aktuelle Hits, baute zuletzt aber gleichzeitig seine redaktionellen Inhalte kontinuierlich aus.

 

Jana Cebulla (Bild: ©MDR/Sophie Lotzwik)

Jana Cebulla (Bild: ©MDR/Sophie Lotzwik)

RADIOSZENE-Mitarbeiter Michael Schmich sprach mit Redaktionsleiterin Jana Cebulla über bisherige Entwicklung bei MDR TWEENS.

RADIOSZENE: MDR TWEENS ist seit 2018 auf Sendung. Was war die Intention zur Schaffung dieses Angebots? An wen richtet sich das neue Programm?

Jana Cebulla: Mit MDR TWEENS bekommen die Kinder in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen erstmals ein ganztägiges Radioprogramm geboten – ein Novum in Mitteldeutschland! MDR TWEENS das sind: viel Musik, jede Menge Informationen, Tipps und Wissenswertes aus der Lebenswelt unserer jungen Hörerinnen und Hörer sowie die Möglichkeit, selbst mitzureden.

Das Programm hat einen regionalen Fokus und wendet sich an Kinder in Mitteldeutschland zwischen acht und 13 Jahren – mit der Kernzielgruppe Zehn- bis 13-Jährige. Auch wenn wir Eltern im Programm nicht ansprechen, so nutzen wir dennoch Elternforen beziehungsweise Elternseiten im Netz, um über die Eltern Kinder für unsere Angebote zu begeistern.

Und: Unser jüngstes Programm ist neben MDR KLASSIK und MDR SCHLAGERWELT das dritte exklusives DAB+ Angebot des MDR und damit unser klares Bekenntnis für den digitalen terrestrischen Hörfunk.

 

„20 Prozent der Kinder besitzen ein eigenes Radio“

 

RADIOSZENE: Gerade die sehr jungen Hörer werden im Radio (gezielt) nur eher spärlich bedient. Welches Potential umfasst die angesprochene Hörerschaft im Sendegebiet?

Jana Cebulla: Das Mediennutzungsverhalten wandelt sich: Lesen, Zuschauen und Zuhören findet heute auf vielen verschiedenen Kanälen statt. Das belegt auch die Kinder-Medien-Studie 2018. Das heißt: Es stellt sich nicht mehr die Frage nach dem Wo, sondern vielmehr nach dem Was. Laut Kinder-Medien-Studie 2018 hören 65 Prozent aller Kinder zwischen vier und 13 Jahren gezielt beziehungsweise regelmäßig Radio. Zehn- bis 13-Jährige hören mehr, Kinder im Vorschulalter weniger Radio, wobei bei den Vorschülern noch verstärkt Hör-CDs zum Einsatz kommen.

MDR TWEENS Schultour in Schleiz, Klasse 5c des Konrad Duden Gymnasiums, Tim Wiese ist der 3.v.l. (Bild: ©MDR/Sophie Lotzwik)

MDR TWEENS Schultour in Schleiz, Klasse 5c des Konrad Duden Gymnasiums, Tim Wiese ist der 3.v.l. (Bild: ©MDR/Sophie Lotzwik)

Die KIM-Studie 2018 – durchgeführt vom Medienpädagogischen Forschungsverband Südwest in Zusammenarbeit mit dem SWR – beschäftigt sich mit dem Medienverhalten der Sechs- bis 13-Jährigen in Deutschland. Die repräsentative Studie belegt: Das Radio ist im Alltag der Kinder von Bedeutung, drei Viertel der Sechs- bis 13-Jährigen zählen zu den Radionutzern. Ein Viertel hört laut Studie täglich Radio, 28 Prozent ein- bis mehrmals in der Woche, wobei Mädchen und Jungen eine gleich starke Affinität zum Radiohören zeigen. Und: 20 Prozent der Kinder besitzen ein eigenes Radio.

Bezüglich unseres Nutzerpotentials in Mitteldeutschland weist das Statistische Jahrbuch 2017 für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen rund 610.000 Kinder und Jugendliche zwischen sechs und 15 Jahren aus.

RADIOSZENE: Gibt es Erkenntnisse über die Kernzeiten, zu denen Kinder Radio besonders häufig nutzen?

Jana Cebulla: Laut KIM-Studie hören Kinder besonders vor und nach der Schule Radio. Die begleitende Funktion wird besonders während des Frühstücks und beim Lernen am Nachmittag sichtbar. Unser Programm orientiert sich daran. Deshalb haben wir unsere Live-Sendung am Nachmittag auch bewusst auf 16.00 Uhr gelegt, denn Kinder und Jugendliche besuchen nach dem Unterricht oft noch AGs und hören deshalb erst später wieder Radio. 

RADIOSZENE: Auf welchen Erfahrungen wurde MDR TWEENS geplant und ausgerichtet?

Jana Cebulla: Erfahrungen mit Kindersendungen haben wir unter anderem mit ‚Figarinos Fahrradladen‘ sammeln können. Dieses Kinderangebot wurde einst bei MDR KULTUR gesendet und ist jetzt immer samstags von 10.00 bis 11.00 Uhr bei MDR TWEENS zu hören.

RADIOSZENE: Tragende Programmsäule ist die Musik. Welche Musikangebote bieten Sie Ihren jungen Hörern?

Jana Cebulla: MDR TWEENS sendet montags bis samstags ab 19.00 Uhr – außer freitags ab 18.00 Uhr – eine Musik-Spezialsendung: Montags heißt es „MDR TWEENS Firstplay“ – hier stellen wir eine Stunde lang neue und weniger bekannte Songs vor -, dienstags wird es mit „MDR TWEENS Clara“ klassisch, mittwochs laden wir zur „MDR TWEENS Schlafstörung“ – dahinter verbirgt sich eine bunte Musikmischung -, donnerstags wird es rockig mit „MDR TWEENS Rock It“ und freitags senden wir „MDR POP-TWEENS“. Jeden Samstag steht das Programm zwischen 19.00 und 21.00 Uhr ganz im Zeichen der „Disco“-Musik.

Tagsüber öffnen wir uns und sind breiter aufgestellt: Wir spielen altersbezogene Musik, also Titel, die eher von Jüngeren gehört werden – wie zum Beispiel Songs der Band Deine Freunde. Hier grenzen wir uns auch klar von MDR SPUTNIK ab. Kinderlieder spielen wir nicht, weil sie eben auch von unserer Kernzielgruppe nicht mehr gehört werden.

 

„In unserer Live-Sendung geht es genauso um den Ferienbeginn wie um anstehende Landtagswahlen“

 

RADIOSZENE: Auf welche Schwerpunkte konzentrieren sich die weiteren redaktionellen Inhalte?

Jana Cebulla: Im Zentrum des Programms steht eine zweistündige Livesendung – immer wochentags von 16.00 bis 18.00 Uhr: „MDR TWEENS Live“ wird moderiert von Chris Löwe. Anliegen dieser Sendung mit einem täglich wechselnden Schwerpunktthema ist es, mit Kindern ins Gespräch zu kommen. Auch aktuelle Ereignisse und Tagesbefindlichkeiten haben hier ihren Platz. So geht es genauso um den Ferienbeginn wie um anstehende Landtagswahlen – aufbereitet für unsere jungen Hörerinnen und Hörer. Kindernachrichten senden wir nicht.

Im Anschluss an „MDR TWEENS Live“ geht es ab 18.00 Uhr weiter mit einer jeweils einstündigen, redaktionell gestalteten Spezialsendung:

Montags heißt es „MDR TWEENS – Na und?!“. Dies ist eine Inklusionssendung, in der Kinder aus dem Sendegebiet porträtiert werden, die mit Handicap durchs Leben gehen.

Dienstags folgt „TWEEN Screen“: Die Sendung beschäftigt sich mit dem Thema Mediennutzung. Die Spanne reicht hier von praktischen Hinweisen – unter anderem: Wie gestalte ich ein sicheres Passwort? oder Was macht WhatsApp mit meinen Daten? – bis hin zum Spieletipp.

Mittwochs geht es mit „MDR TWEENS – Die Hobbyisten“ um Freizeitaktivitäten der Kinder und Jugendlichen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. In jeder Sendung wird ein Kind und sein spezielles Hobby vorgestellt.

Donnerstags dreht sich mit „MDR TWEENS BissenWissen“ alles um Wissensvermittlung in kleinen, verständlichen Beiträgen.

Freitags werden in der Sendung „MDR POP-TWEENS“ Bands und Einzelkünstler oder auch Musikrichtungen besprochen und vorgestellt.

MDR TWEENS Schultour in Wittichenau, Klasse 6b aus der Oberschule „Korla Awgust Kocor“ (Bild: ©MDR/Sophie Lotzwik)

MDR TWEENS Schultour in Wittichenau, Klasse 6b aus der Oberschule „Korla Awgust Kocor“ (Bild: ©MDR/Sophie Lotzwik)

RADIOSZENE: MDR TWEENS wird im Sendegebiet terrestrisch über DAB+ verbreitet. Der Besitz von Smartphones ist zumindest bei Kindern ab 10 Jahren schon beachtlich. Setzen Sie begleitend auch auf die Nutzung via Webradio oder sozialer Medien?

Jana Cebulla: MDR TWEENS ist zu empfangen über DAB+ sowie im Livestream auf der Webseite mdr-tweens.de. Außerdem ist MDR TWEENS auf mdr.de/kinder und auf Instagram vertreten.

RADIOSZENE: Über welche Wege und Aktionen machen Sie im Sendegebiet auf das Programm aufmerksam?

Jana Cebulla: Wir gehen verschiedene Wege, um auf MDR TWEENS aufmerksam zu machen: Zum einen sprechen wir die Eltern über Foren und Elternseiten im Netz an. Zum anderen adressieren wir Lehrerinnen und Lehrer: So hatten wir im Frühjahr dieses Jahres über 3000 Schulen in Mitteldeutschland ein Infopaket geschickt, mit dem wir für unsere „MDR TWEENS Schultour“ getrommelt haben. Schülerinnen und Schüler der Klassenstufe drei bis sieben waren aufgefordert, Themenvorschläge für eine MDR TWEENS-Sendung zu erarbeiten. Die Resonanz war groß. Unser Konzept – zu zeigen, dass Angebote des MDR auch für junge Menschen relevant sind – ging auf. Am Ende wurden vier Gewinnerklassen ausgewählt. Diese konnten sich vor Ort unter anderem über einen spannenden Radio-Workshop zum Thema Medienkompetenz mit MDR TWEENS-Moderator Tim Wiese freuen. Bei dem Workshop rund ums Radio lernten die Mädchen und Jungen wie ein Podcast entsteht und produzierten selbst auch einen zu ihrem eingereichten Themenvorschlag. Zu hören war dieser Podcast bei MDR TWEENS im Programm. 

Außerdem haben wir für MDR TWEENS viral über YouTube Kids und Disney Channel geworben.

RADIOSZENE: Gibt es bereits erste Erkenntnisse über die Akzeptanz auf MDR TWEENS?

Jana Cebulla: Da unsere Schulaktion erst jüngst beendet wurde, gibt es noch keine auswertbaren Ergebnisse über eine Reichweitensteigerung oder die Steigerung der Nutzung. Gefreut hat uns aber die rege Teilnahme am Wettbewerb. Schulen aus dem gesamten Sendegebiet haben sich beteiligt und ihre Themen bei MDR TWEENS eingereicht – von Görlitz, Gera, Plauen bis nach Magdeburg. Auf jeden Fall ist eine Neuauflage für den Herbst geplant.

Außerdem freuen wir uns über viele Nachrichten von Kindern und ihren Eltern, die uns täglich via E-Mail, Telefon und Instagram erreichen. 

Weiterführende Informationen

 

Teaserbild: rawpixel/123RFM.com

 

Kommentar hinterlassen

Tags: , , ,