Hinter den Kulissen von Radiomachern

Veröffentlicht am 15. Apr. 2019 von unter Deutschland

Tausend kleine Handgriffe und Entscheidungen, die niemand sieht (oder hört) – und was die Zukunft bringt.

Retro-Radio (Bild: Pixabay)

Retro-Radio (Bild: Pixabay)

Wer bestimmt eigentlich, was im Radio läuft, und warum sind Titel aus den Charts bei manchen Sendern gar nicht zu hören? Radio bedeutet heute vor allem Vielfalt – neben privaten und öffentlichen gibt es auch zahlreiche kleine und kleinste Sender, die sich, wenn es gelingt, eine treue Zuhörerschaft erarbeiten. Radio bedeutet jedoch meist auch einen immensen Organisationsaufwand, zumindest, wenn es um große Redaktionen handelt. Da ist die technische Unterstützung wie durch ein ERP System gern gesehen und hilft, den Überblick zu behalten. Ein solches System unterstützt dabei, alle wichtigen Informationen zentral zu bündeln und verwalten zu können. Auch die Mitarbeiterverwaltung wird so zum Kinderspiel. 

Doch es ist kein Programm oder Computer, der entscheidet, welche Stücke laufen, mit welchen Themen sich die Sendungen beschäftigen oder welche Informationen man frei zugänglich macht. Radio wird immer von Menschen gemacht. Die Technik als ausführendes Organ ist dennoch ein wichtiger Teil des Radiobetriebs. 

Welche Musik wird gespielt?

Während ein Einzelkämpfer im Internetradio ganz nach seinem persönlichen Geschmack entscheiden kann, welche Musik er spielt, gibt es in größeren Radiostationen immer Redakteure, die gemeinsam über das Programm entscheiden. Dadurch, dass diese Sender eine deutlich weitere Reichweite erzielen, müssen die Programme auch besonders massentauglich sein. Das beginnt schon damit, dass Neuerscheinungen von den Redakteuren unter die Lupe genommen werden, bevor über sie bei den Teambesprechungen entschieden wird. Dabei gelten ganz bestimmte Regeln, die sich von Sender zu Sender unterscheiden können. 

Natürlich wird auch darüber bestimmt, wie oft ein Lied gespielt wird – die sogenannte Rotation ist oftmals eine Gratwanderung. Ein Titel darf nämlich nicht nerven, sonst schalten die Hörer ganz schnell um. 

Jeder Sender hat ein eigenes Profil 

Die Beliebtheit eines Senders bei seinen Stammhörern liegt darin begründet, dass deren Musikgeschmack so gut wie möglich trifft. Darum sind spezialisierte Sender, zum Beispiel mit Rockmusik oder Klassik, so erfolgreich. Die Hörer wissen, was sie zu erwarten haben und können sich darauf verlassen. Je mehr ein Sender auf Werbeeinnahmen angewiesen ist, die natürlich eine gewisse Reichweite erfordern, umso „massentauglicher“ muss sein Programm sein. Insofern haben die kleinen und kleinsten Sender die größte Freiheit. 

Die Moderatoren sind Sympathieträger 

Nicht wenige Hörer schalten bereits morgens um 6 ihren Lieblingssender ein, weil sie die Moderatorin oder den Moderator so sympathisch finden. Die gut gelaunten, freundlichen Stimmen bringen bereits in der Frühe Schwung in das Leben der Hörer, indem sie motivierend klingen und authentisch gute Laune verbreiten. Wenn man das als Radiosender schafft, ist man einen wichtigen Schritt gegangen.

Doch auch die sonstigen Themen des Alltags, seien es die Kommentare zu den überregionalen Nachrichten oder die lokalen Ereignisse, müssen auf bestimmte Art und Weise von den Moderatoren transportiert werden. Wenn sie es schaffen, beim Hörer ein Wir-Gefühl zu erzeugen, sodass dieser sich verstanden fühlt, ist der wichtigste Schritt zur Hörerbindung geschafft. Welche Themen allerdings besonders herausgestellt werden, oder ob sich der Sender sozial engagiert, wird immer im Team entschieden.

Auch Fälle von Boykott bestimmter Künstler oder Lieder, wie sie aktuell wieder Michael Jackson betreffen, müssen in der Redaktion besprochen werden. Manche Sender beteiligen sich daran, andere entscheiden, nicht über den Künstler zu urteilen. 

Warum sind Charthits bei manchen Sendern gar nicht zu hören?

Dass ein Lied in den Charts ist, sagt nichts über dessen Spielbarkeit bei verschiedenen Sendern. Es kommt immer darauf an, ob der Song zum Profil passt, oder nicht. 

Radio: vom politischen Instrument zum Begleiter durch den Tag

Radio gibt es in Deutschland seit 1923, nachdem die Technik in den USA und den Niederlanden erprobt wurde. Anfänglich wollte der Staat die totale Kontrolle über die Inhalte. Es durfte nur in einem eingeschränkten Bereich gesendet und empfangen und jedes einzelne Gerät musste genehmigt werden. Als 1933 die Nationalsozialisten an die Macht kamen, sah das Ganze etwas anders aus: die massenhafte Verbreitung von Radiogeräten war nun erwünscht, denn sie sollten für die Zwecke der Nazis genutzt werden. Dank des extra entwickelten Volksempfängers „Goebbelsschnauze” konnte sich jeder ein Gerät leisten. 

1945, nach dem Ende des Krieges, war dann Schluss mit der Propaganda. Radio wurde bis 1949 nur von den Siegernächten gemacht, 1950 wurde dann die ARD gegründet. Später kam zur Mittelwelle noch UKW hinzu, ein weiterer wichtiger Schritt zur Verbreitung des Radios. Immer mehr Personen konnten sich ein Gerät leisten, doch man schaltete meist nur für eine bestimmte Sendung an, und dann wieder aus. Bis das Fernsehen aufkam, das eine wichtige Konkurrenz wurde. Nun kam es darauf an, den Hörer am Radio zu halten. Er wurde durch den Tag geführt und durch ein abwechslungsreiches Programm dauerhaft unterhalten. 1981 kamen dann die privaten Sender hinzu und in den letzten Jahren die unzähligen Webradios.

Und die Zukunft des Radios? Ähnlich wie beim Fernsehen wird der Medienkonsum „on demand“ eine immer größere Rolle spielen. Musik wird über das Internet gekauft und konsumiert, wobei man häufig seine Playlist ganz individuell zusammenstellen kann. Die Vermittlung von Informationen erfolgt verstärkt über Podcasts, die zu beliebigen Zeiten abgerufen werden können. Das Motto lautet also: Weg vom Massenmarkt und der Massensendung, hin zur Individualität. 

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