Beatsteaks-Bassist Totze: Für uns war Radio ultrawichtig!

Veröffentlicht am 14. Mrz. 2019 von unter Musik

Wenn der Bassist der BeatsteaksTorsten Scholz aka Totze Trippi – nicht gerade im Studio oder auf den großen Bühnen des Landes unterwegs ist, präsentiert er bei rbb Fritz jeden dritten Sonntag im Monat in seiner eigenen Sendung Musik und Geschichten, die ihn bewegen. Dies tut er mit großer Leidenschaft und Hintergrundwissen. Schließlich hat Totze, was nicht viele wissen, bereits im damaligen Berliner Offenen Kanal der 90er Jahre erste Radioerfahrungen gesammelt. 

Den Beatsteaks in ihrer heutigen Besetzung schloss sich der Musiker im Jahr 2000 an. Seit dieser Zeit geht es mit der Band beständig nach oben. Die Beatsteaks spielen neben anderen Gruppen wie  Die Ärzte  und  Die Toten Hosen in der ersten Liga der erfolgreichsten Alternative Rockbands Deutschlands.

 Torsten Scholz aka Totze Trippi (Bild: ©rbb/Timmy Hargesheimer)

Torsten Scholz aka Totze Trippi (Bild: ©rbb/Timmy Hargesheimer)

RADIOSZENE Mitarbeiter Michael Schmich sprach im Rahmen unserer Serie „Musiker am Radiomikrofon“ mit Torsten Scholz aka Totze über seine Sendung bei Fritz und sein Verhältnis zum Radio.


RADIOSZENE: Wann sind Sie erstmals mit dem Radio in Kontakt gekommen, welches waren damals ihre Senderfavoriten?

Torsten Scholz: Das erste Mal ist sicher 25 Jahre her. Ich hatte im Offenen Kanal Berlin eine eigene Sendung („Hardcorenightfight“), in die Bands eingeladen waren – unter anderem auch die Beatsteaks. Damals habe ich viel DT 64, Rockradio B, und Radio 4U gehört.

RADIOSZENE: Welche Musik im Radio haben Sie in jungen Jahren gehört, welche Interpreten haben sie auf dem Weg zum Musiker beeinflusst?

Torsten Scholz: Ich habe schon immer viel Verschiedenes gehört, da war alles dabei außer Rechtsrock, viel New Wave am Anfang, dann Hip-Hop, dann Punk und Hardcore. Ich höre alles, was mir gefällt … Im Radio kam ja immer bis auf einige Ausnahmen eher Formatmucke, “meine” Musik lief da äußerst selten.

RADIOSZENE: Seit einigen Jahren moderieren Sie im rbb bei Fritz eine monatliche Show. Wie gefällt Ihnen der Job als Radiomoderator?

Torsten Scholz: Bester Job! Wenn ich könnte, würde ich das immer machen, ich liebe es. Fritz ist auch toll und lässt Freiheiten. Total super.

Totze von den Beatsteaks in Bielefeld (Bild: yours layout jpwelchering)

Totze von den Beatsteaks in Bielefeld (Bild: yours layout jpwelchering)

RADIOSZENE: Nach welchem Motto stellen Sie die Musik und Themen der Sendung zusammen?

Torsten Scholz: Ich spiele natürlich in erster Linie meine Lieblingsmusik. Im Grund alles, was mir gefällt. Es gibt keine Genregrenzen. Am besten die Musik, die sonst nicht so oft im Radio läuft.

RADIOSZENE: Was kann ein Musiker den Hörern besser vermitteln als ein Radiomoderator?

Torsten Scholz: Ich glaube, das ist voll egal. Wenn ein Moderator Bock hat, isses egal, ob er Bäcker oder Musiker ist. Ich glaube, ich habe einen Prominentenbonus, weil meine Band in Berlin relativ bekannt ist.

RADIOSZENE: Hat Ihnen das Radio früher und heute bei der Durchsetzung Ihrer Karriere als Musiker geholfen?

Torsten Scholz: Für uns war Radio ultrawichtig und für mich als Konsument absolut meinungsbildend. Ich lerne immer noch neuen Kram durch das Radio kennen, mehr als durch das Internet. Aber wie gesagt, ich bin auch ein relativ alter Sack.

 

„Der Blick auf die Charts zeigt, dass schlechter Geschmack beim Musikhören auch die Radiolandschaft mitprägt“

 

RADIOSZENE: Müssten die Sender nicht noch deutlich intensiver den Musikernachwuchs fördern?

Torsten Scholz: Die Sender können sich die Zähne ausbeißen, wenn die Hörgewohnheiten heutzutage so von Playlisten beeinflusst sind, wie sie sind. Aber klar, immer dran bleiben und nach geiler Musik buddeln. Es wird immer Leute geben, die das honorieren. Und vielleicht haben die Kids irgendwann die Nase voll vom unpersönlichen Klickzahlenranking. Man weiß es ja nicht.

RADIOSZENE: Alternative Rock läuft aktuell weniger im Radio als noch vor einigen Jahren. Spezialsendungen sind bei einigen öffentlich-rechtlichen Sendern komplett verschwunden. Natürlich gibt noch Fritz, und der Song „Gentleman Of The Year“ ist beispielsweise weiter ein Klassiker in den Rotationen der Sender. Unter dem Strich ist Rock im Radio aber weniger geworden … Haben Sie dafür Erklärungen?

Torsten Scholz: Das liegt am Zeitgeist, glaube ich. Rock ist nicht so dope wie Rap, genau wie Rap mal nicht so angesagt war wie Rock. Die Zeiten ändern sich und ändern sich und ändern sich … alles normal.

Ja, und Fritz ist am Ende wie einige andere Sender leider eine Ausnahme, aber der Blick auf die Charts zeigt, dass schlechter Geschmack beim Musikhören auch die Radiolandschaft mitprägt. Was soll da im Radio laufen, wenn Leute Andreas Gabalier oder H.F. oder sonst was für Kram hören … Einheitsbrei wo man hinschaut.

RADIOSZENE: Wie viel Radio hören Sie heute selbst noch? Was gefällt Ihnen beim Radio, was würden Sie gerne ändern?

Torsten Scholz: Im Auto immer Radio, in der Küche immer Radio, ab und an mal eine Spezialsendung im Radio … auch im Netz. Eher die „normalen” Sender – da ist manchmal Luft nach oben.

RADIOSZENE: Welche Projekte stehen in diesem Jahr bei den Beatsteaks an?

Torsten Scholz: Null, nix, gar nichts geplant. Arnim macht Radio, und ich mache Radio und alle machen sonst auch irgendwas. Aber geplant ist nichts. 

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