Peter Illmann: Ich bin kein großer Freund festgelegter Formate

Veröffentlicht am 20. Feb. 2019 von unter Deutschland

Peter Illmann, bundesweit bekanntes Gesicht zahlreicher Musik-TV-Shows der 1980er-Jahre wie „Formel Eins“, „Peter‘s Popshow“ oder „P.I.T. – Peter Ilmann-Treff“, hat wie so viele Fernsehmoderatoren dieser Zeit solide Radiowurzeln.

Peter Illmann (Bild: ©WDR/Annika Fußwinkel)

Peter Illmann (Bild: ©WDR/Annika Fußwinkel)

Der gebürtige Dortmunder zog nach dem Abitur nach München und absolvierte dort in der Abtei St. Bonifaz seinen Zivildienst. Nach dem Studium der Psychologie und Jura wurde er 1980 vom Bayerischen Rundfunk als einer der Nachfolger von Thomas Gottschalk für die BAYERN3-Sendung „Pop nach 8“ engagiert. Bis 2002 war er für die Moderation und Redaktion diverser weiterer Radio-Sendungen beim BR verantwortlich. Auch danach blieb Illmann, trotz zahlreicher weiterer TV-Engagements sowie diverser Ausflüge in die Schauspielerei, dem Radio eng verbunden.

Seit Anfang 2019 moderiert der Musikfachmann bei WDR4 die Sendung „Ab ins Wochenende.


Im Gespräch mit RADIOSZENE-Mitarbeiter Michael Schmich spricht Peter Illmann über die Anfänge beim Radio und seine neue Show beim Westdeutschen  Rundfunk.

RADIOSZENE: Sie kamen 1981 zu BAYERN 3. Wie wurden Sie für das Radio entdeckt?

Peter Illmann: Ich habe mich sozusagen selbst „entdeckt“, indem ich einfach zum BR gegangen bin und mich vorgestellt habe. Peter Machac und Jürgen Herrmann haben mich dann unter vielen anderen Bewerbern als einen der Nachfolger von Thomas Gottschalk ausgesucht. Gottschalk hat mir anfangs geholfen und mir die Nervosität genommen, denn ich wurde von heute auf morgen vor das Mikrophon und das Sendepult gesetzt.

Peter Illmann (Bild: WDR)

Peter Illmann (Bild: WDR)

RADIOSZENE: Welche Sendungen haben Sie damals moderiert?

Peter Illmann: „Pop nach 8“, „ARD Popnacht“, „B-Drive“, „BlueNightShadow“, „7 O’Pop“, Fasching und viele mehr.

RADIOSZENE: Bei „Pop nach 8“ waren Sie einer der Nachfolger von Thomas Gottschalk, der den Sender kurz zuvor verlassen hatte. Ein schweres Erbe?

Peter Illmann: Für die Hörer wohl mehr als für mich, denn er hatte einen großen Fan-Kreis. Für mich war es einfacher, denn Gottschalk hatte ja schon die Art der lockeren, authentischen Moderation „salonfähig“ gemacht. Und ich habe einfach so geredet, wie ich das für richtig hielt. Da hat auch niemand hinterher irgendetwas bemängelt, nur die Kirche und der Papst sollten nicht beleidigt werden.

RADIOSZENE: Sie gelten als Musikexperte. Welche Sounds haben Sie geprägt?

Peter Illmann: Sicherlich die Musik aus Großbritannien. Ob New Romantics wie Duran Duran, oder Elektronisch wie Depeche Mode, aber auch Punk wie The Clash.

RADIOSZENE: Wie sehen Sie im Rückblick die Zeit bei BAYERN 3, als Sie ja wohl noch viel freie Hand bei Musikauswahl und Programmgestaltung hatten?

Peter Illmann: Ja, das war eine völlig andere Zeit: Ich war Redakteur, Moderator und Musikchef in einer Person. Aber schon damals war es für mich wichtig, nicht nur meine Lieblingsmusik zu spielen. Es sollte durchaus für jeden etwas dabei sein, denn ich mache ja Sendungen nicht für mich, sondern für die Hörer. BAYERN 3 war eine sehr schöne Zeit, weil man mir am Abend „Narrenfreiheit“ ließ. Und das war gut so, denn so konnte ich die Selbstsicherheit erwerben, die ich auch im Fernsehen gut brauchen konnte.

RADIOSZENE: Auch während Ihrer Fernsehkarriere waren Sie für das Radio tätig. Wo haben Sie moderiert?

Peter Illmann: Ich bin BAYERN 3 auch während der Fernsehzeit treu geblieben, später habe ich eine Zeit lang für HITRADIO FFH gearbeitet.

 

„BAYERN 3 war eine sehr schöne Zeit, weil man mir am Abend „Narrenfreiheit“ ließ. Und das war gut so, denn so konnte ich die Selbstsicherheit erwerben, die ich auch im Fernsehen gut brauchen konnte“

 

RADIOSZENE: Seit Anfang des Jahres moderieren Sie bei WDR4 die Sendung „Ab ins Wochenende“. Als gebürtiger Dortmunder in Ihrem Bundesland eine besondere Herausforderung. Worum geht es in dieser Show?

Peter Illmann: Weniger eine Herausforderung als eine Ehre! Ich bin mit dem WDR groß geworden, Mal Sondock war in Kindertagen mein Idol. Insofern freue ich mich, jetzt für den WDR zu arbeiten. Bei „Ab ins Wochenende“ geht es darum, die Hörer – wie der Name schon sagt – gut in ihr Wochenende zu bringen. 

Mit Musik der 70er und 80er Jahre möchte ich sie – möglichst gut gelaunt – dabei unterstützen. Außerdem nehme ich während der Sendung live Musikwünsche ins Programm. Es ist für mich sehr schön, wieder Radio zu machen und das Team von WDR4 unterstützt mich dabei hervorragend.

RADIOSZENE: Wie wichtig sind solche Sendungen in denen noch ausführlich über Musik berichtet wird?

Peter Illmann: „Ab ins Wochenende“ ist ja keine musikwissenschaftliche Sendung. Welcher Drummer sich bei welcher Band bei welchem Auftritt den Fuß verstaucht hat  – das ist nur dann interessant, wenn es sich um Phil Collins handelt. Und die eventuellen Einflüsse der Country Musik auf Amerikas Landwirtschaft sind auch nicht das Thema.

Ich erzähle den Hörern Dinge, die mich selbst interessieren, zum Beispiel was die Stars und Musiker heute so machen. Ich stelle mir vor, was unterhält die Hörer, wenn sie in ihr Wochenende starten? Unterhaltsame Informationen, ohne dabei in Plattitüden und Allgemeinplätze abzurutschen. Für mich ist es auch sehr schön, mit den Hörern zu sprechen, was ich bei den „Last-Minute“-Musikwünschen gerne tue.

RADIOSZENE: Wie ist es heute um Ihren Medienkonsum bestellt? Eher Radio, TV oder Online-Medien?

Peter Illmann: Eher eine Mischung, wie bei den Meisten. Bei Radio und TV bin ich tatsächlich sehr „öffentlich-rechtlich“ unterwegs. Ich schaue mir täglich die Nachrichtensendungen an und als politisch interessierter Mensch auch viele Dokumentationen und Berichterstattungen. Für Recherchen aber ist das Internet natürlich unerlässlich. Aber ja: Ich habe auch ein Netflix-Abo!

RADIOSZENE: Was bedeutet das Radio explizit für Sie?

Peter Illmann: Informationen und Musik! Eine Zeit lang WDR5 oder Deutschlandfunk, dann gute Musik bei WDR4 oder auch mal Klassik Radio!

RADIOSZENE: Angenommen, man gibt Ihnen freie Hand bei der Gestaltung einer eigenen Show im Radio … mit welcher Musik würden Sie eine solche Sendung füllen?

Peter Illmann (Bild: ©HarryStahl.com)

Peter Illmann (Bild: ©HarryStahl.com)

Peter Illmann: Einer Mischung aus alt und neu, da könnten die Pet Shop Boys genauso vorkommen wie die Stones oder The Clash, Lana del Rey oder Robin Schulz, denn mein Musikgeschmack ist sehr breit! 

Oder aber eine Spezialsendung über eine bestimmte Musikrichtung, beispielsweise die Entstehung der englischen „New Romantic“-Welle aus dem Punk.

RADIOSZENE: Wie sehr hat sich aus Ihrer Sicht das Radio über die Jahre verändert? Was macht man heute besser, was vermissen Sie?

Peter Illmann: Radio heute ist sehr viel mehr „durchhörbarer“, es gibt bei den meisten Sendern keine Sendungen, die ich abschalten würde. Das Sounddesign ist sehr viel besser, es klingt wie aus einem Guss, das ist durchaus angenehm.

Was ich vermisse – vor allem beim Privatrundfunk – sind manchmal Moderatoren, die wirklich Personality haben, nicht immer nur „Friede, Freude, Eierkuchen“ verbreiten, sondern Ecken und Kanten haben.

Und die Playlists vieler Sender könnten beträchtlich größer sein. Manchmal habe ich das Gefühl, immer nur die gleichen Songs bestimmter Künstler zu hören. Da gibt es viel mehr – und anhand der Reaktionen der Hörer weiß ich, dass die es genauso sehen.

Ich bin kein großer Freund der festgelegten Formate, ich glaube Oldies und aktuelle Musik vertragen sich durchaus und auch da habe ich Bestätigung von Hörern bekommen. Es muss ja nicht gerade Kollegah und Heino in einer Sendung sein, obwohl das sicherlich auch seine Reiz hat.

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