NRW: DAB+ Ausschreibungsverfahren für zweite Jahreshälfte denkbar

Veröffentlicht am 23. Jan. 2019 von unter Deutschland

Wie geht es weiter mit der flächendeckenden Einführung von digitalem Radio in Nordrhein-Westfalen? Wir erinnern uns: nachdem die Ergebnisse aus dem Gutachten „Zukunft des Hörfunks in Nordrhein-Westfalen 2028“ im Frühherbst 2018 dringenden Handlungsbedarf für eine rasche Einführung von digitaler Hörfunkverbreitung signalisiert hatten, rief bereits kurze Zeit später die Landesanstalt für Medien NRW in Vorbereitung einer Beantragung von DAB+ Übertragungskapazitäten interessierte Radiomacher zu einem “Call For Interest“ für den Rundfunkdienst im VHF-Band III auf.

LfM - Landesanstalt für Medien NRWMit den Rückmeldungen aus dieser Abfrage sollte „eine möglichst umfassende und flächendeckende Versorgung der Bevölkerung mit einem vielfältigen Programmangebot und programmbegleitenden Diensten des privaten Hörfunks gesichert werden.“ Hörfunkveranstalter, Plattformanbieter sowie Anbieter vergleichbarer Telemedien waren eingeladen, den Bedarf für eine DAB+ Verbreitung ihrer Angebote in NRW  anzugeben. Nach Ende der Bedarfsabfrage hatten 46 Interessenten ihr Interesse an DAB+ Kapazitäten hinterlegt. 


Im Gespräch mit RADIOSZENE-Mitarbeiter Michael Schmich sprach Dr. Petra Gerlach, Leiterin Medienpolitik und -ökonomie in der Düsseldorfer Landesanstalt für Medien NRW über das nun anstehende weitere Procedere.

RADIOSZENE: Die Sammlung der Interessensbekundungen für DAB+ ist abgeschlossen. Dabei hat sich eine stattliche Anzahl sendewilliger Radiomacher gemeldet. Wie geht es nun weiter? Welche nächsten Schritte zur Einführung von DAB+ müssen nun gegangen werden?

Dr. Petra Gerlach: 46 Veranstalter haben sich auf die Bedarfsabfrage der Landesanstalt für Medien NRW gemeldet und damit ihr Interesse an DAB+-Kapazitäten in Nordrhein-Westfalen bekundet. Unter ihnen sind lokal, regional und national ausgerichtete private Programmanbieter und Plattformbetreiber. Wir werden nach der weiteren Auswertung als erstes die Zuordnung der benötigten DAB+-Kapazitäten bei der Staatskanzlei Nordrhein-Westfalen beantragen. In einem weiteren Schritt prüft dann die Bundesnetzagentur, ob sie den angemeldeten Bedarf decken und dem Land NRW zur Verfügung stellen kann.

Dr. Petra Gerlach (Bild: © pp_massmedia-fotoservice)

Dr. Petra Gerlach (Bild: © pp_massmedia-fotoservice)

RADIOSZENE: Gibt es bereits Vorstellungen über die Anzahl der zu vergebenden Frequenzen sowie die Zahl und den Zuschnitt der Sendegebiete?

Dr. Petra Gerlach: Die Auswertung der Interessen lässt einen Bedarf für eine landesweite Bedeckung erkennen. Einige Interessenten sprechen sich auch für eine regionale Verbreitung aus, wobei allerdings häufig eine gröbere Struktur als die ursprünglich avisierte Aufteilung des Landes in neun Regionen bevorzugt wird. Die Medienkommission entscheidet, welche Übertragungskapazitäten zur Deckung dieser Bedarfe bei der Landesregierung angefordert werden. Die Entscheidung der Medienkommission hierzu ist für März 2019 geplant. 

 

„Einige Interessenten sprechen sich auch für eine regionale Verbreitung aus, wobei allerdings häufig eine gröbere Struktur als die ursprünglich avisierte Aufteilung des Landes in neun Regionen bevorzugt wird“

 

RADIOSZENE: Mit welchen Vorgaben gehen Sie in das anschließende Auswahlverfahren? Haben beispielsweise Interessenten aus Nordrhein-Westfalen beziehungsweise schon aktive Lokalradios einen gewissen Bonus?

Dr. Petra Gerlach: Nein, so einen „Bonus“ gibt es nicht. Das Landesmediengesetz NRW sieht vor, dass wir alle Bewerber gleich behandeln müssen. Nach Zuordnung der Übertragungskapazitäten durch das Land werden wir die Kapazitäten ausschreiben. Die Auswahl erfolgt dann anhand der dort beschriebenen Kriterien.

RADIOSZENE: Spielt auch eine „Small Scale DAB“-Verbreitung eine Rolle bei der künftigen Architektur der digitalen Hörfunklandschaft?

Dr. Petra Gerlach: Die flächendeckende Sicherung von Vielfalt in ganz NRW hat für uns zunächst Vorrang. Theoretisch könnten weitere DAB-Erscheinungsformen berücksichtigt werden, vielleicht auch die „Small-Scale DAB“-Variante, wo dies sinnvoll und technisch möglich ist.

RADIOSZENE: Gibt es bereits einen konkreten Zeitplan, bis wann erste Anbieter mit ihren digitalen Angeboten auf Sendung gehen?

Dr. Petra Gerlach: Nein, es gibt aber Anhaltspunkte. Nach der Entscheidung der Medienkommission zur Bedarfsanmeldung im März wird die Bundesnetzagentur prüfen, ob sie diesen Bedarf decken kann. Wenn wir davon ausgehen, dass die von uns angemeldeten Bedarfe gedeckt werden können, dann könnte es in der zweiten Jahreshälfte zu Ausschreibungsverfahren kommen. Man muss aber bedenken, dass die Landesanstalt für Medien NRW nicht allein Herrin des Verfahrens ist. Deshalb sind zurzeit konkrete Angaben dazu nicht sinnvoll. 

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