Digitaler Rundfunk in Deutschland bleibt Sorgenkind

Veröffentlicht am 03. Mai. 2010 von unter Deutschland

Medientreffpunkt-MitteldeutschlandVertreter des privaten Radios in Deutschland haben auf dem Medientreffpunkt Mitteldeutschland in Leipzig das Sendenetz-Monopol der Media Broadcast beim bundesweiten digitalen Rundfunk kritisiert. Zugleich sprachen sie sich für staatliche Eingriffe zur Unterstützung der Versorgung der Bevölkerung mit digitalen Endgeräten aus. Zweifel äußerten die Experten an einem festen Abschalttermin für die terrestrische Ausstrahlung von Radio auf herkömmlichen UKW-Frequenzen.

Moderiert von Rechtsanwalt Helmut G. Bauer wurde darüber debattiert, warum das für die Anbieter günstigere und für die Hörer vielfältigere digitale Radio (DAB) in Deutschland nicht vorankommt. Dass der Weg zun durch die Studios einer Krankenhaus-Fernsehserie führte, war recht bezeichnend: DAB in Deutschland ist seit mehr als zehn Jahren ein Dauerpatient.

Für Erwin Linnenbach, Sprecher der REGIOCAST GmbH Co. KG, ist das Monopol der Media Broadcast wesentliches Hindernis für die Durchsetzung eines bundesweiten digitalen Radios. Was Media Broadcast verlange, ermögliche kein vernünftiges Geschäftsmodell. Christophe Montague, Chef der NRJ International Operations GmbH, sieht es ähnlich: Auch er habe den Eindruck, Media Broadcast versuche in dem Vergabeverfahren das Maximale herauszuholen, was für DAB aber nicht hilfreich sei.

Bis 22. Juli müssen interessierte Sender einen Vertrag mit der Media Broadcast vorlegen. Bei der Sitzung der Kommission für Zulassung und Aufsicht (ZAK) im August soll dann über die Aufteilung der Übertragungskapazitäten entschieden werden. Laut Cornelia Holsten, Direktorin der Bremer Landesmedienanstalt (brema) und ZAK-Mitglied, gibt es derzeit sieben Bewerber. Sie mahnte mit Blick auf die Kritik, die medienpolitische Lobby-Arbeit der Radioanbieter zu verbessern und gemeinsam aufzutreten.

Tatsächlich bemängelte Montague mit Blick auf Lobby-Arbeit, dass es vielen um Bestandsschutz gehe, was die Entwicklung behindere. Auch Linnenbach machte “zu viele Bewahrer” aus, im privaten wie im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Vor allem letzterer habe Angst vor Wettbewerb. Zudem gebe es Interessen, die Kapazitäten anders zu nutzen. Montague schlug vor, die digitalen Kapazitäten in Deutschland neu zu verteilen, wobei der öffentlich-rechtliche Rundfunk Plätze abgeben solle. Eine Neuordnung der Radiolandschaft könne in fünf bis sechs Jahren für DAB zum Erfolg führen.

Heinz-Dieter Sommer, Hörfunkdirektor des Hessischen Rundfunks (hr) meinte dagegen, ein neuer Frequenz-Mix werde die Probleme nicht lösen. Die Medienpolitik sei Schuld an der Situation. Sie müsse wirtschaftlich tragfähige Bedingungen auch für private Anbieter schaffen. Letztlich könnten aber nur neue Angebote an Programmen zum Erfolg führen. Da seien auch die öffentlich-rechtlichen Sender gefragt, da die privaten dies allein nicht leisten könnten – “sonst werden wir UKW in zehn Jahren noch nicht abschalten”.

Ob der Staat die Anschaffung digitaler Endgeräte fördern solle, wurde unterschiedlich beurteilt. Linnenbach sagte: “Wir sehen keine andere Möglichkeit als einen Markteingriff” – ausnahmsweise, weil die Struktur nicht stimme. Auch Montague sagte: Die Einführung von DAB könne in Deutschland der Markt allein nicht richten.

Zur Frage eines festen Abschalttermins für UKW im Telekommunikationsgesetz (TKG) zeigten sich die Experten skeptisch. Die Frist bis 2015 könne man streichen, meinte etwa Montague. Die Erfahrung zeige, dass Termine immer wieder verschoben würden; und dies den Bundesländern zu überlassen, führe zu Chaos. Linnebach sieht keinen Grund für die Frist: “Warum den Menschen das wegnehmen?” Und für Sommer schafft ein Datum, das immer wieder verschoben werde, kein Vertrauen. Wenn, dann müsse es verbunden sein mit einer klaren und gemeinsamen Strategie. Vor allem aber müsse das Interesse an der Digitalisierung geweckt werden, um für das Radio die Übertragungswege zu sichern. Die Bevölkerung wie die Politik würden die Notwendigkeit für DAB nicht sehen, sagte Sommer: “Radio ist wie warmes Wasser, es fällt erst auf, wenn es weg ist”.

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