Dirk Darmstaedter: Mit dem Radio bin ich aufgewachsen

Veröffentlicht am 19. Nov. 2018 von unter Musik

Der Trend zu „Musikern am Radiomikrofon“ hat sich zuletzt weiter verstärkt – es werden (wohl aus gutem Grund) immer mehr. Derzeit sind nach einer aktuellen Zählung bundesweit über 80 Musiker auch als Programmgestalter beim Radio aktiv. RADIOSZENE hat bereits im Juli 2017 über diese Entwicklung berichtet und stellt in einer Serie Künstler vor, die regelmäßig das Aufnahme- mit dem Sendestudio tauschen. So wie der in Hamburg und New Jersey aufgewachsene Sänger und Songwriter Dirk Darmstaedter, der auch mit seiner damaligen Band The Jeremy Days überaus erfolgreich war, die von 1988 bis 1995 fünf Alben aufnahm und davon immerhin vier Longplayer in den Offiziellen Deutschen Charts platzieren konnte.

Dirk Darmstädter (Bild: ©BREMEN 2 / Markus Wustmann)

Dirk Darmstädter (Bild: ©BREMEN 2 / Markus Wustmann)

Der Erfolgshit der Band „Brand New Toy“ aus dem Jahr 1989 erreichte Platz 11 der Single-Charts und verzeichnet bis heute noch bei diversen Programmen (vor allem Norden) regelmäßige Airplay-Einsätze. 2002 gründete Darmstaedter ‘Tapete Records – Lloyd Cole, Robert Forster (Go-Betweens) und Fehlfarben sind nur einige der KünstlerInnen, die hier betreut wurden. Seit 2009 hat Dirk sein eigenes Label ‘Beg Steal & Borrow‘ und ist ab 2019 auch als Dozent bei der BIMM, Hamburg aktiv.

Einmal im Monat, freitags von 19.00 bis 22.00 Uhr gestaltet Dirk Darmstaedter bei Bremen Zwei seine eigene Sendung namens Sounds Like Dirk. Darin enthalten: zahlreiche Musikneuerscheinungen und Newcomer auf der Szene, handverlesene Tracks, Infos, Storys – und als besonders Schmankerl: vom Moderator produzierte eigene, kleine Versionen von den Lieblingssongs der Hörer.


RADIOSZENE-Mitarbeiter Michael Schmich sprach mit Dirk Darmstaedter über seine Erfahrungen als Programmgestalter beim Radio.

RADIOSZENE: Wann sind Sie erstmals mit dem Radio in Kontakt gekommen, welches waren Ihre bevorzugten Sender?

Dirk Darmstaedter: Mit Radio bin ich aufgewachsen. In meiner Kindheit (in New Jersey, USA) waren es die aktuellen Top Forty-Sender aus New York City, in meiner Jugend (in Hamburg) dann „Musik für junge Leute“ (NDR) direkt nach der Schule. Hier wurden nicht nur die aktuellen Hits gespielt, sondern neue, aufregende Bands und Künstler vorgestellt. 

Dirk Darmstädter und Band (Bild: ©BREMEN 2 / Markus Wustmann)

Dirk Darmstädter und Band (Bild: ©BREMEN 2 / Markus Wustmann)

RADIOSZENE: Welche Musik im Radio haben Sie gehört, welche Interpreten haben Sie auf dem Weg zum Musiker beeinflusst?

Dirk Darmstaedter: Angefangen von den Beatles, über Punk, New Wave, Singer-Songwriter und Ska. Lloyd Cole, Orange Juice, Talk Talk, The Smiths, … die Liste ließe sich endlos fortsetzen.

RADIOSZENE: Seit einiger Zeit moderieren Sie bei Bremen Zwei eine monatliche Show. Wie gefällt Ihnen der Job als Radiomoderator?

Dirk Darmstaedter: Sehr gut. Hier habe ich in Zusammenarbeit mit der Musikredaktion freie Hand und kann meine Sendungen so gestalten, wie ich mir das vorstelle, mit einem Fokus auf Neuveröffentlichungen und Stories, Hintergründen und Infos zu den Künstlern und Produktionen. Eigentlich versuche ich jede Sendung so zu machen, wie ich mir das als Radiohörer wünschen würde, wenn es denn diese Form von Sendungen noch öfters geben würde.

 

„Eigentlich versuche ich jede Sendung so zu machen, wie ich mir das als Radiohörer wünschen würde“

 

RADIOSZENE: Nach welchem Motto stellen Sie die Musik und Themen der Sendung zusammen?

Dirk Darmstädter (Bild: ©Dirk Darmstädter)

Dirk Darmstädter (Bild: ©Dirk Darmstädter)

Dirk Darmstaedter: Fokus sind schon Neuveröffentlichungen. Es wird – nach wie vor – ganz viel spannende Musik veröffentlicht, die aber meistens von der größeren Masse gar nicht mehr wahrgenommen wird. Es gibt also viel zu entdecken in meiner kleinen Show. Und die Geschichten hinter den Songs, den Künstlern und den Produktionen sind auch ganz wichtig. 

RADIOSZENE: Was kann ein Musiker den Hörern besser vermitteln als ein Radiomoderator?

Dirk Darmstaedter: Das kann ich so pauschal gar nicht sagen. Ich glaube, es geht hauptsächlich darum, dass jemand der Musik liebt und lebt, die Sendungen nach seinem persönlichen Geschmack zusammenstellt, der gut zu Bremen Zwei passt. Es gilt, das Interesse und die Hingabe zu dieser großartigen Kunstform zu vermitteln. Und einfach Spaß zu haben und den Hörern einen schönen, interessanten Freitagabend zu bereiten.

RADIOSZENE: Hat Ihnen das Radio früher und heute bei der Durchsetzung Ihrer Karriere als Musiker geholfen?

Dirk Darmstaedter: Klar, als unsere Songs damals im Radio rauf und runter liefen, hat das die ganze Sache definitiv nach vorne gebracht. Es kamen mehr Leute zu den Konzerten, man kannte unsere Songs, die ganze Wahrnehmung war eine andere. Umso wichtiger, dass heute – wie bei Bremen Zwei – nicht nur bekannte, „sichere” Songs im Radio laufen, sondern neue Künstler vorgestellt und gefördert werden, die dann in 10 bis 20 Jahren als die “Klassiker” gelten. 

RADIOSZENE: Müssten die Sender nicht noch deutlich intensiver die deutsche Musikszene und den Nachwuchs fördern?

Dirk Darmstaedter: Definitiv. Nicht nur die deutsche Szene, sondern die europäisch, amerikanische und weltweite Musikszene und Nachwuchs. Ich wünsche mir wieder eigenwillige Radio-Moderatoren, die mit Kisten voller Neu-Entdeckungen aufgeregt in die Sender kommen, um diese tolle Musik mit den Menschen zu teilen.

Dirk Darmstädter in Berlin (Bild: ©Dirk Darmstädter)

Dirk Darmstädter in Berlin (Bild: ©Dirk Darmstädter)

RADIOSZENE: Wie viel Radio hören heute selbst noch? Was gefällt Ihnen beim Radio, was würden Sie gerne ändern?

Dirk Darmstaedter: Obwohl ich ein großer Radio-Liebhaber bin, höre ich derzeit so gut wie gar nicht mehr Musik-Radio. Ich kann beim besten Willen keine 20 bis 30 Stücke umfassende „Hit Rotation“ mehr ertragen.

Ich halte mich mit Podcasts und Info-Radio über Wasser. Es gibt natürlich Ausnahmen, wie „Zeiglers wunderbare Welt des Pop (ZwWdP)“ auf Bremen Vier, wirklich sehr zu empfehlen! Byte.fm in Hamburg ist auch toll.  Aber das sind leider, leider noch die großen Ausnahmen. Bremen Zwei gehört auch dazu.

 

„Ich wünsche mir wieder eigenwillige Radio-Moderatoren, die mit Kisten voller Neu-Entdeckungen aufgeregt in die Sender kommen, um diese tolle Musik mit den Menschen zu teilen“

 

RADIOSZENE: Welche Projekte als Musiker stehen bei Ihnen an? Wann werden Sie wieder auf der Bühne zu sehen sein?

Dirk Darmstädter (Bild: ©Markus Wustmann)

Dirk Darmstädter (Bild: ©Markus Wustmann)

Dirk Darmstaedter: Ein neues Album ist für Anfang / Mitte 2019 geplant, da bin ich gerade am Aufnehmen. Meine alte Band, die Jeremy Days, finden sich (nach 24 Jahren!) für ein Konzert im Hamburger Docks am 18. Januar 2019 wieder zusammen. Wenn wir uns alle vertragen und nicht die Köpfe einschlagen, könnte dann 2019 noch mehr kommen. Mal schauen.

Ansonsten nehme ich fleißig Songs für den „Coversong Of The Month Club“ im Rahmen meiner Sendung auf. Nächsten Monat ist „Alison“ von Elvis Costello dran. 

Und ich freue mich auf weitere spannende Abende im Bremen Zwei-Sendestudio für „Sounds Like Dirk“ in 2019! 

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