Digitalradiotag 2018: Digitaler Radioempfang auf stabilem Wachstumskurs

Veröffentlicht am 03. Sep. 2018 von unter Deutschland

Podcasts, Streaminganbieter, Webradio, DAB+ und UKW: Der Audio-Markt ist vielfältiger geworden. Wie sieht die Zukunft von Audio aus? Wie entwickeln sich vor allem die digitalen Angebote? Beim Digitalradiotag 2018 auf der IFA in Berlin haben die Medienanstalten heute die aktuellen Zahlen und Trends des digitalen Hörfunks in Deutschland diskutiert.

Digitalradio - Das Radio der Zukunft (Bild: ©SWR/NDR/Klaus Westerman)

Digitalradio – Das Radio der Zukunft (Bild: ©SWR/NDR/Klaus Westerman)

Erstmalig haben die Medienanstalten in diesem Jahr den Digitalisierungsbericht, der nun schon seit 2005 erscheint, in einen Audiobericht und einen Videobericht getrennt. Am Vormittag wurden zunächst die Ergebnisse des neuen Digitalisierungsberichts Audio vorgestellt. Mehr als die Hälfte der Deutschen ab 14 Jahren hat Zugang zu digitalen Radiogeräten mit DAB+, IP, Satellit- oder digitalem Kabelempfang oder nutzen Webradio. Der Radioempfang über Satellit und Kabel ist weiterhin rückläufig, während DAB+ und IP mit Wachstumsraten von 15 % (DAB+) und 13 % (IP) als Übertragungsweg auf stabilem Wachstumskurs bleiben.

Mehr DAB+ Programme heißt mehr DAB+ Nutzung

Die aktuellen Daten des Digitalisierungsberichts zeigen zudem deutlich, dass die Akzeptanz von DAB+ maßgeblich vom verfügbaren Programmangebot abhängt. In Bundesländern wie Bayern oder Sachsen ist die lokale und regionale Programmvielfalt vergleichsweise hoch. Zugleich hat mehr als jeder fünfte Haushalt (22 %) in diesen beiden Ländern ein DAB+ Empfangsgerät, gut 5 % mehr als im bundesweiten Durchschnitt. Bundesweit haben gut 12,7 Mio. Personen über 14 Jahren Zugang zu einem DAB+ Radiogerät, das sind 1,7 Mio. mehr als im Vorjahr.

Cornelia Holsten (Bild: ©Annette Koroll)

Cornelia Holsten (Bild: ©Annette Koroll)

Cornelia Holsten, Vorsitzende der Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten, zeigte sich beeindruckt: „Die Entwicklung trotzt allen DAB+-Skeptikern und macht sehr deutlich, dass DAB+ mehr und mehr an Fahrt aufnimmt. Das Programm wird immer vielfältiger und das wissen die vielen Hörer von DAB+ zu schätzen.“

Die Bevollmächtigte des Landes Rheinland-Pfalz für Medien und Digitales, Staatssekretärin Heike Raab forderte in ihrer anschließenden Keynote eine zügige Anpassung der Regelungen zur Interoperabilität: „Es geht darum, dem Hörfunk in der digitalisierten Welt von morgen zukunftsfähige Entwicklungsperspektiven zu eröffnen. Wie bereits im vergangenen Jahr im Bundesrat gefordert, sollte das Telekommunikationsgesetz zügig und isoliert von der Umsetzung des Europäischen Kodex für die elektronische Kommunikation angepasst werden.“

Die Daten für die Ergebnisse zum Radioempfang werden jährlich im Rahmen einer bevölkerungsrepräsentativen Telefonbefragung durch Kantar TNS im Auftrag von den Medienanstalten, ARD, Deutschlandradio, Media Broadcast und Vodafone erhoben.

Starkes Wachstum von Online-Audio

Am Nachmittag des Digitalradiotags wird von der Medienanstalt Berlin-Brandenburg (mabb) und der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM) veranstaltet und steht ganz im Zeichen von Online-Audio. Dabei wird der neue Online-Audio-Monitor präsentiert, der repräsentative Ergebnisse zur Webradio-, Streaming- und Podcast-Nutzung sowie zu Smart Speaker liefert (Siehe Meldung weiter unten!).

Siegfried Schneider (Bild: BLM)

Siegfried Schneider (Bild: BLM)

Siegfried Schneider, Präsident der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien, bewertet die Ergebnisse positiv: „Die Zahlen für Online-Audio, die wir seit 2009 im Webradio-Monitor und nun im Online-Audio-Monitor veröffentlichen, werden von Jahr zu Jahr besser. Das beeindruckende Wachstum von Online-Audio belegt auch: Radio ist weiterhin auf der Erfolgsspur. Klar ist gleichzeitig: Vor allem Sender, die Online-Audio-Trends erkennen und nutzen, werden profitieren.“

mabb-Direktorin Dr. Anja Zimmer ergänzt: „Neue Angebote und neue Plattformen bereichern den Online-Audio-Markt. Eine Regel muss für alle gelten: Chancengleichheit.“ Die neuen Spielregeln des Online-Audio-Marktes diskutieren in einem Panel Dr. Nicola Balkenhol (Deutschlandradio), Sven Bieber (Spotify Germany), Charlotte Meyer-Hamme (Spiegel Online), Stephan Schmitter (RTL Radio Deutschland) und Dr. Anja Zimmer (mabb).

Quelle: die medienanstalten


41 Millionen in Deutschland nutzen Online-Audio-Angebote

Webradio und Online-Audio-Angebote sind zum Massenmedium geworden und tragen dazu bei, dass die Audionutzung in Deutschland insgesamt steigt. Rund 41 Millionen und damit fast 60 Prozent der Bevölkerung nutzen inzwischen zumindest gelegentlich Online-Audio-Angebote. Bei den 14- bis 29-Jährigen sind es bereits über 90 Prozent. Dabei spielen nicht nur Musik-, sondern auch Wortinhalte eine wichtige Rolle.

Online-Audionutzung-2018 in Deutschland

Webradio wird von rund 38 Prozent der Bevölkerung gehört, bei den 14- bis 29-Jährigen sind es fast 60 Prozent. Auch die mobile Online-Audio-Nutzung gewinnt weiter an Bedeutung: 77 Prozent der regelmäßigen Online-Audio-Nutzer hören Webradio und Audio-on-Demand-Angebote wie Musikstreaming, Podcasts oder Radiosendungen auf Abruf auch außer Haus. Die häufigste Nutzungssituation ist dabei das Auto. Das meistgenutzte Gerät für den Online-Audio-Konsum ist das Smartphone mit 70 Prozent.

Geräte zur Online-Audionutzung

Das sind erste Ergebnisse des neuen Online-Audio-Monitors 2018, die heute im Rahmen des Digitalradiotages der Medienanstalten veröffentlicht wurden. Auftraggeber der von Kantar TNS durchgeführten Studie sind die Bayerische Landeszentrale für neue Medien (BLM), die Medienanstalt Berlin-Brandenburg (mabb), die Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg (LFK), die Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen, der Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) und VAUNET – Verband Privater Medien.

Live- und Onlinenutzung

Siegfried Schneider, Präsident der BLM für die beteiligten Medienanstalten: „Die Ergebnisse des neuen Online-Audio-Monitors zeigen, dass Radioangebote als Simulcastsender, Online-Ableger klassischer Radiosender und Webradioprogramme auch in der Online-Audio-Welt eine wichtige Rolle spielen. Radio lebt und hat beste Zukunftsaussichten. Trends wie Podcasts und Smart Speaker unterstützen diese Entwicklung und sind Rückenwind fürs klassische Radio. Es liegt nun an den Radiomachern, diese Trends weiterhin in ihrem Sinne zu nutzen. Auch der Medienpolitik liefert der Online-Audio-Monitor wichtige Hinweise für zukünftige regulatorische Herausforderungen.“

 

Klaus Schunk (Bild: Radio Regenbogen )

Klaus Schunk

Klaus Schunk, Vorsitzender des Fachbereichs Radio und Audiodienste im VAUNET und Geschäftsführer von Radio Regenbogen: „Webradio hat sich als reichweitenstarker digitaler Übertragungsweg für Radio in Deutschland etabliert und die privaten Radioveranstalter sind im Netz sehr gut aufgestellt und breit vertreten. Der Zugang zu den Hörern wird in der digitalen Welt oftmals von Plattformen, künftig verstärkt auch durch Smart Speaker und Sprachassistenten, kontrolliert. Hier ist die Politik gefordert, Zugang und Auffindbarkeit für Inhalteanbieter diskriminierungsfrei sicherzustellen.“

 

Lars Peters (Bild: BVDW)

Lars Peters (Bild: BVDW)

Dr. Lars Peters, Bundesverband Digitale Wirtschaft: „Online Audio ist weder Hype noch ferne Zukunft, sondern heute bereits fester Bestandteil im täglichen Leben der meisten Deutschen. Nachdem die Jüngeren die Vorreiter waren, nutzen nun auch immer mehr Ältere und Frauen die vielfältigen online-basierten Audio-Angebote vom linearen Radio über Audio-on-Demand und Podcast bis hin zum Musikstreaming. Die populärer werdenden Smartspeaker, die vorrangig für Audio-Inhalte genutzt werden, unterstützen den Trend zusätzlich.“

 

Die ersten zentralen Ergebnisse und Thesen zur Primetime von Webradio und Online-Audio, der Bedeutung von Podcasts und Radiosendungen auf Abruf und zur Audionutzung von Smart Speakern finden sich in der Ergebnispräsentation zum Online-Audio-Monitor 2018.

Auf der dmexco am 12. September 2018 in Köln stehen Smart Speaker und die hohe Relevanz von Audio im Online-Werbemarkt im Fokus. Zu diesem Zeitpunkt wird auch der Online-Audio-Monitor 2018 vollständig veröffentlicht.

Die jeweiligen Ergebnisse stehen zu den Präsentationsterminen unter www.online-audio-monitor.de zur Verfügung.

Methodische Hinweise
Der Online-Audio-Monitor untersucht bevölkerungsrepräsentativ die Online-Audio-Nutzung in Deutschland. Insgesamt wurden vom beauftragten Institut Kantar TNS 7.850 CATI-Interviews durchgeführt. Die Stichprobe setzt sich aus Festnetz- und Mobilfunknummern zusammen. Der Erhebungszeitraum war vom 2. Mai bis 21. Juni 2018.

Quelle: mabb


Digitalisierungsbericht 2018: Digitalradio mit positiver Entwicklung

  • Anteil der DAB+-Hörer steigt auf 12,7 Mio. Menschen (plus 1,8 Mio.)
  • Jedes zehnte Radiogerät im Kfz empfängt mittlerweile DAB+
  • Attraktives Programmangebot als Wachstumstreiber

Media BroadcastDie Nutzung des Digitalradios wächst konstant weiter, sowohl in den Haushalten als auch im Automobil-Sektor. Dies ist die Bilanz des aktuellen Digitalisierungsberichts zu Radioempfang und -nutzung 2018, den die Medienanstalten heute im Rahmen der Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin vorgestellt haben. Wichtiger Treiber der Entwicklung, so MEDIA BROADCAST, Betreiber von DAB+ Sendernetzen und Plattformen, ist nicht zuletzt ein attraktives Angebot an DAB+ Programmen.
Zahl der Endgeräte, Zugang zu DAB+

Laut aktuellem Radio-Digitalisierungsbericht steht bereits in 17 Prozent der Haushalte ein DAB+ Gerät, was einem Anstieg im Vorjahresvergleich um 1,9 Prozentpunkte entspricht. Absolut betrachtet nimmt die Zahl der Haushalte mit einem DAB+ Empfänger damit erneut um eine Million auf rund sieben Millionen Haushalte zu. Erfreulich für die Programmveranstalter ist auch die Zunahme bei der Zahl der DAB+ Hörer. Diese wächst um knapp 1,8 Million (2017) auf aktuell 12,7 Millionen Hörer.
Aktuell befinden sich dem Bericht zufolge 11,835 Mio. DAB+ Geräte auf dem Markt. Mit einem Anstieg um knapp 2 Mio. bzw. einem relativen Wachstum von 19 Prozent zeigen die DAB+ Geräte die mit Abstand größte Zunahme unter den verkauften Radiogeräten. Davon entfallen rund 1,2 Mio. DAB+ Geräte auf Wohnungen und 700.000 auf Kraftfahrzeuge.

Wachstum in den Bundesländern

James Kessel (MEDIA BROADCAST, Profilbild Xing)

James Kessel (MEDIA BROADCAST, Profilbild Xing)

„DAB+ kommt an. Das Wachstum wird nicht zuletzt durch attraktive Programmangebote und stetige Vermarktungsaktivitäten vorangetrieben“, hält James Kessel, Leiter Produktmanagement bei MEDIA BROADCAST fest. So zeigt beispielsweise Bayern einen Zuwachs bei Haushalten mit DAB+ von 2,7 Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr. Die Ländergruppe Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen liegt mit einem Wachstum um 3,5 Prozentpunkten auf 19,2 Prozent an der Spitze der Entwicklung. „Als Netz- bzw. Plattformbetreiber unter anderem für regionale DAB+ Angebote in Berlin, Berlin-Brandenburg, Bremen, Hamburg und Hessen sorgen wir ebenfalls für Dynamik und wissen, dass die Nachfrage privater Programmanbieter nach DAB+ Kapazitäten weiter steigt“, so Kessel.

Automobile

Die Ausstattung der Fahrzeuge mit DAB+ Empfängern legt ebenfalls weiter zu. Mittlerweile werden 40 Prozent der Neuwagen mit DAB+ ausgestattet. Damit empfängt bereits jedes zehnte Autoradio Digitalradio. IP-Empfänger spielen im Kfz hingegen nach wie vor keine Rolle.

„Wir freuen uns, dass die positive Entwicklung bei DAB+ ungebrochen ist. Dies wurde zuletzt auch durch die Media Analyse Audio 2018 attestiert, die vom Start weg erfreulich gute Hörerzahlen für Digitalradio-Veranstalter ausweist. Das wichtige Signal an die Werbewirtschaft lautet: Digitalradio bietet bereits heute belastbare Reichweiten und verspricht weiteres Wachstum“, so Kessel. „Zur Beschleunigung dieser Entwicklung kann auch der Vorstoß des EU-Parlaments für eine Digitalradio-Pflicht in Neuwagen beitragen“, schließt Kessel. „Das Radio der Zukunft ist das Digitalradio.“

Quelle: Media Broadcast


MDR-Intendantin Karola Wille sieht für Radiostandard DAB+ “stabiles, belastbares Wachstum”

Karola Wille. Bild: rbb/MDR/Marco Prosch

Karola Wille. Bild: rbb/MDR/Marco Prosch

Als Belege einer stabilen, belastbaren Entwicklung hat MDR-Intendantin Karola Wille die am Montag, 3. September, in Berlin vorgelegten Zahlen der Reichweitenstudie DAB+ sowie des Digitalisierungsberichtes 2018 der Landesmedienanstalten bezeichnet. DAB+ stehe für Vielfalt und publizistischen Wettbewerb. Deshalb sei es erfreulich, dass gerade in den zurückliegenden Tagen viele Radioveranstalter neue, exklusive Angebote in DAB+ gestartet oder angekündigt haben.

Die Intendantin, die innerhalb der ARD die Lenkungsgruppe DAB+ führt, wünscht sich allerdings “noch mehr Dynamik” im gemeinsamen Bemühen um die Einführung des Digitalradio-Standards DAB+. Dafür bedürfe es aber der Mithilfe von Politik und weiteren Marktpartnern. Wille: “Wir brauchen dringend eine Änderung des Telekommunikationsgesetzes, die für Radiogeräte der Zukunft unter dem Stichwort Interoperabilität digitale Empfangsmöglichkeiten vorschreibt, gleich, ob es sich um Autoradios oder Küchenradios handelt”. Die Entwicklung in den Nachbarländern, die teilweise schon die Abschaltung der analogen UKW-Technik vollzogen oder konkrete Planungen dafür haben, zeige, dass die Radiobranche in Deutschland noch mehr Schwung bei der Einführung von DAB+ brauche. Die MDR-Intendantin: “Wir begrüßen die positiven Signale aus der Politik, jetzt die Änderung des Telekommunikationsgesetzes auf den Weg zu bringen und die Bremsen zu lösen”.

Stefan Raue (Bild: Deutschlandradio, Bettina Fürst- Fastré)

Stefan Raue (Bild: Deutschlandradio, Bettina Fürst- Fastré)

Auch der Intendant des Deutschlandradios, Stefan Raue, wendet sich an den Gesetzgeber: “Wir leisten einen aktiven Beitrag am DAB+ Ausbau in Deutschland, denn nur so erfüllen wir unseren nationalen Versorgungsauftrag. Jetzt sind vor allem der Bund und die Länder gefordert, bestenfalls noch in diesem Jahr den rechtlichen Rahmen bereit zu stellen, dass künftig alle in Deutschland verkauften Radiogeräte eine digitale Schnittstelle, zum Beispiel für den Empfang von DAB+ Programmen, erhalten. So sieht es der Koalitionsvertrag vor, und auch im Digitalradio Board herrscht Einigkeit darüber, dass dieser regulatorische Schritt notwendig ist, um die Haushaltsabdeckung mit Digitalradiogeräten zu fördern.”

 

Quelle: MDR-Pressemitteilung

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