Keep On Rockin‘: Rock-Radios punkten bei der ma 2018

Veröffentlicht am 31. Jul. 2018 von unter Deutschland

Rückblick auf die ma audio 2018 II: wie haben sich eigentlich die Musikspartenangebote geschlagen? Vorab gesagt … unter dem Strich nicht schlecht! Vor allem, wenn man die Ergebnisse der „Tagesreichweite“ (Montag bis Sonntag) als Maßstab heranzieht.   

Im Segment „Schlager/Deutsch Pop“ konnten Radio Schlagerparadies (plus 15 %) und Radio B2 (plus 11 %) erneut zweistellig zulegen, auch Radio Paloma hat (nach Verlusten bei der Frühjahrs-MA) mit einem Zuwachs von 9 Prozent in die Erfolgsspur zurückgefunden.Die terrestrisch lediglich auf DAB+ verbreiteten Programme NDR Plus, Bayern plus sowie MDR Schlagerwelt sind bislang noch nicht innerhalb der „großen“ ma audio gelistet. Wohl aber erstmals das Volksmusikprogramm BR Heimat mit einer respektablen Tagesreichweite von 124.000 Hörern.

Klassik Radio verzeichnet ganz leichte Gewinne, sunshine live, der Sender für elektronische Tanzmusik, verliert nach Gewinnen bei der ma audio 2018 I nun wieder einige Hörer (-8 %).

RADIO-BOB-jubelt

RADIO-BOB bejubelt die ma-zahlen im Juli 2018

Kommen wir zu den Rock-Programmen, die überwiegend positive Reichweitenergebnisse eingefahren haben. Dies gilt zunächst für Radio 21 in Niedersachsen (plus 18 %) sowie das Schwesterprogramm ROCKLAND RADIO in Rheinland-Pfalz (plus 30 %). ROCKLAND.FM in Sachsen-Anhalt wuchs um immerhin 7 Prozent. Gleiches gilt für die bayerische ROCK ANTENNE, die ihren langjährigen Aufwärtstrend auf hohem Niveau fortsetzte. Als einzige Negativüberraschung unter den Rock-Angeboten vermeldete STAR FM 87,9 rückläufige Hörerzahlen (- 23 %).

Überstrahlt wurden diese Ergebnisse durch die Zahlen von RADIO BOB!, dessen Hauptprogramm (UKW in Hessen, deutschlandweit via DAB+) einen Hörerzuwachs um satte 44 Prozent generierte. Wobei die wachsende Akzeptanz von DAB+ sicher auch eine treibende Rolle gespielt haben mag. Der norddeutsche Ableger RADIO BOB! rockt Schleswig-Holstein legte um immerhin 17 Prozent zu.

RADIOSZENE fragte Jan-Henrik Schmelter, Geschäftsführer von RADIO BOB! nach den Gründen für die anhaltenden Reichweitengewinne:

Jan-Henrik Schmelter (Bild: RADIO BOB!)

Jan-Henrik Schmelter (Bild: RADIO BOB!)

Jan-Henrik Schmelter: Dafür gibt es eine Reihe von Gründen. Zunächst einmal haben viele Radiosender die Musikfarbe Rock in den zurückliegenden Jahren vernachlässigt, so dass nur wenige Rockformate übrig geblieben sind. Es mag eine Nische sein, aber mit Blick auf unsere nationale Markenstrategie ist das Potential für diese Nische am Ende wieder sehr groß. Wir haben seit dem Start von RADIO BOB! im August 2008 den Sender konsequent in diese Richtung weiterentwickelt, haben eine klare und unverwechselbare Positionierung im Markt und haben dadurch heute eine hohe Glaubwürdigkeit und eine treue und vor allem stark wachsende Hörerschaft. Shows von Alice Cooper und Tobias Sammet (Avantasia und Edguy) sind der nachweisbare Beleg für ein hohes Maß an Authentizität. Bei uns gibt es keine Comedy, kein Blabla, sondern ein ehrliches Programm für echte Rockfans.

Die nationale Verbreitungsstrategie (seit 2011) via DAB+ und in den letzten Jahren verstärkt über unsere eigenen REGIOCAST-Plattformen wie Webseite und App-Technologie hilft uns zudem, in allen Bundesländern mit wachsendem Erfolg ganz neue Zielgruppen zu erreichen. Wir haben 2011 seitens REGIOCAST klar und deutlich gesagt, dass DAB+ den Einstieg in nationales privates Radio in Deutschland ermöglicht und echte Chancen auch für Nischenangebote bietet. Die Erfolge von RADIO BOB! aber auch sunshine live geben uns heute nachweislich recht, auch wenn wir natürlich ebenso große Zugewinne bei der Nutzung via IP verzeichnen und hier das größte Potenzial für die Zukunft sehen.

RADIOSZENE: Der Sender verfügt  über eine gute Zahl an Musikspecials und Spartenstreams. Welches Gewicht haben diese Angebote für den Programmerfolg?

Jan-Henrik Schmelter: Die Diversifizierungsmöglichkeiten im Netz sind eine echte Bereicherung. Allein im ersten Halbjahr 2018 wurden die RADIO BOB! Streams im Schnitt monatlich mehr als 4,5 Millionen mal abgerufen, wobei mehr als die Hälfte auf die verschiedenen Spartenkanäle entfiel. Und das Schöne ist, egal ob BOBs Harte Saite, Grunge oder Punk – jeder der inzwischen über 20 Sparten-Streams zahlt auf die Marke RADO BOB! ein und bringt uns digitale Nutzung.

 

„Bei DAB+ können wir für RADIO BOB! eine ausschließlich positive Entwicklung konstatieren“

 

RADIOSZENE: Wie bewerten Sie die Entwicklung der DAB+ Nutzung von RADIO BOB! Gibt es Zahlen die Verhältnis zwischen UKW- und digitaler Nutzung?

Jan-Henrik Schmelter: Für RADIO BOB! können wir eine ausschließlich positive Entwicklung konstatieren. Mehr als die Hälfte der Hörerinnen und Hörer kommen inzwischen von außerhalb Hessens, nutzen den Sender also via DAB+ oder IP (Apps, Webseiten, Aggregatoren). Eine detaillierte Aufschlüsselung kann ich Ihnen aktuell nicht anbieten, aber wir gehen davon aus, dass etwa 40 Prozent der Nutzung von RADIO BOB! über DAB+ passiert. Auch andere nationale Radioangebote wie eben sunshine live oder auch Klassik Radio weisen ähnliche Entwicklungen auf. Unsere nationale Markenstrategie trägt also die verdienten Früchte. Im Regionalen gibt es dagegen sicherlich noch Nachholbedarf. Zum einen fehlt hier für viele immer noch der Mehrwert im Vergleich zum bisherigen UKW-Empfang ihrer Lieblingsprogramme. Zum anderen ist die Gerätedurchdringung immer noch deutlich zu niedrig. Je nach Bundesland sprechen wir von 13 bis 22 Prozent der Haushalte mit einem Gerät. Dagegen stehen nahezu 100 Prozent der Haushalte mit mehreren UKW-Geräten. Hier haben wir noch ein großes Stück Wegstrecke vor uns.

Erstmals wurde in der MA Audio 2018 II ROCK ANTENNE HAMBURG ausgewiesen, das allerdings erst am 9. April 2018 auf den Frequenzen des ehemaligen Alsterradio 106,8 auf Sendung sind – und dessen Ergebnisse daher nur eingeschränkt bewertet werden kann. Grundsätzlich bleibt aber auch hier unter dem Strich ein sehr großer Reichweitenzuwachs für das hanseatische Rock-Angebot!

Guy Fränkel, Geschäftsführer und Programmdirektor ROCK ANTENNE (Foto: Antenne Bayern)

Guy Fränkel (Foto: Antenne Bayern)

Nach gut 100 Tagen auf Sendung zieht ROCK ANTENNE HAMBURG Geschäftsführer und Programmdirektor Guy Fränkel auf Nachfrage von RADIOSZENE ein erstes positives Fazit: „Wir sind mit der Entwicklung an unserem neuen Standort in Hamburg sehr zufrieden. Das Team vor Ort hat den Marken-Switch perfekt umgesetzt und lebt seit dem 9. April 2018 ‘ROCK ANTENNE Hamburg‘. Nach ein paar Tagen der Hörer-Verwunderung, wurde aber auch bei den Rock Fans in Hamburg die neue Marke überraschend schnell angenommen. Das Feedback war fast durchwegs positiv und unsere Message war klar: ‚Rock in Hamburg hat endlich ein zu Hause!‘. Natürlich war die Freude am MA-Tag riesengroß! Denn bereits seit 1. Januar 2018 haben unsere beiden Standorte im Bereich Musik, Promotion und Marketing zusammengearbeitet.

Das Programm wird täglich weiterentwickelt. Unser erstes Ziel war die Einführung der neuen Morningshow ‘Frühschicht mit Schmidt & Schmidts Katze‘. Parallel stand natürlich auch die neue Drive Time Schiene ‘Home Run‘ mit Lars Lorenz  im Fokus. Hier sind wir mit dem erreichten schon sehr zufrieden. Als nächstes steht die gemeinsame MA-Erhebung an und hier werden die Teams ihre ganze Kraft in viele neue Musikbenchmarks, Inhalte und Promotions stecken. Der erste Vorbote ist bereits on air. Aktuell fragen wir unsere Hörer, was sie bereit sind zu tun, um ein Jahr lang als VIP bei allen Heimspielen unseres FC St. Pauli mit dabei zu sein. Auf der Warteliste des Vereins stehen aktuell weit über 10.000 Menschen, die ein Dauerkarte für das Millerntor-Stadion ergattern wollen. Ein glücklicher ROCK ANTENNE-Hörer wird mit Begleitung dabei sein. Auch hier sind wir sehr stolz, dass ROCK ANTENNE Hamburg und der FC St. Pauli Ihre Medienpartnerschaft um zwei Jahre verlängert haben.“

Die Gewinner aus der Rock-Fraktion weisen beim Musikdesign im Kern vergleichbare Strukturen aus – die Spanne der gespielten Songs reicht von den 1970er-Jahren bis heute. Wobei der Schwerpunkt eher bei den älteren Dekaden (1980er und 1990er Jahren) liegt. Die Sparte profitiert tatsächlich von den rückläufigen oder stagnierenden Anteilen der landesweiten UKW-Mitbewerber, die das Rock-Genre seit Jahren eher stiefmütterlich behandeln. Auch profitieren Programme wie ROCK ANTENNE und RADIO BOB! offenbar sehr von ihren zahlreichen Spezialsendungen und Spartenstreams. Allerdings – Rock bleibt weiter Männersache. Der Frauenanteil unter der Hörerschaft liegt bei bestenfalls 40 Prozent, meistens deutlich darunter!

 

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