Österreichs Radiolandschaft im Umbruch

Veröffentlicht am 19. Apr. 2004 von unter News, Österreich

Radioszene FeatureMit dem Einstieg der NRJ Gruppe bei Krone Hit ist der Startschuß für die Neuordnung der heimischen Radiolandschaft gefallen. Der Deal zwischen dem französischen Radiokonzern und der Mediaprint markiert die zweite große Zäsur in der erst jungen Geschichte des österreichischen Privatradios.

Auch die erste große Umwälzung im Jahr 2001 hat die Mediaprint eingeleitet. Das von ÖVP und FPÖ damals beschlossene Privatradiogesetz schaffte die notwendigen Rahmenbedingungen, um Radionetzwerke aufzubauen. Innerhalb kürzester Zeit und mit großem finanziellen Aufwand stampfte die Mediaprint den (beinahe) bundesweiten Senderverbund Krone Hit R@dio aus dem Boden.

Der frühere Krone Hit R@dio Geschäftsführer Bernhard Weiss kaufte in ganz Österreich kleine und mittelgroße Sender, um sie unter einem Dach zu vereinigen. Für viele Sender war diese Einkaufstour Rettung in letzter Sekunde. Kaum ein Lokalsender, der nach 3 Jahren Betrieb nicht in schweren finanziellen Nöten steckte. Die kurze Phase der vielen kleinen eigenständigen Lokalsender ging damit zu Ende, zumal sich im Sog von Krone Hit weitere Netzwerke und Kooperationen bildeten. Aus Radio Express, Digi Hit Radio, Meine Welle, Radio Gute Laune, Pl1, Radio Wörthersee und wie sie alle hießen entstanden Krone Hit, HiT FM, Arabella (Tirol) und Radio Harmonie.

Doch die, von den Betreibern der neuen Sendernetzwerke, erhofften Effekte traten nicht ein. Auch mit größerer technischer Reichweite und geringeren Personalkosten lassen sich die vergrößerten Sender weder wirtschaftlich führen, noch konnte die Übermacht des öffentlich-rechtlichen Rundfunks gebrochen werden. Seit 1998 steht das Match um Marktanteile zwischen ORF und Privatradio mit kleinen Verschiebungen 80 zu 20.

Damit alle Privatsender von diesem kleinen Stück vom Hörerkuchen satt werden können, muss entweder das Kuchenstück größer oder die Zahl der Esser kleiner werden. Da die Privaten im Kampf um die heimischen Hörer seit über 5 Jahren auf der Stelle treten, wird sich zwangsläufig die Zahl der Marktteilnehmer verringern müssen. Genau dies geschieht jetzt.

Laut Branchengerüchten will NRJ gleich zwei Ketten in Österreich aufbauen – neben Energy auch ein älter positioniertes Network. Die gesetzlichen Hindernisse und Schwierigkeiten, die solchen Projekten derzeit noch im Wege stehen, will die Regierung aus dem Weg räumen. Die Novellierung des Privatradiogesetzes steht kurz bevor. Unter anderem sollen Netzwerke, die technisch mehr als 70 Prozent der Österreicher versorgen (mittlerweile war auch schon von nur mehr 60 % die Rede) künftig wie ein Sender agieren dürfen, auch die Übernahme von Mantelprogrammen soll großzügiger gehandhabt werden.

Der heimische Privatradiomarkt reduziert sich auf wenige Player. Die zwei wichtigsten und potentesten Blöcke sind NRJ/Mediaprint und die Styria. Daneben versucht Arabella seine technische Reichweite über neue Lizenzen zu vergrößern, welche Strategie die MOIRA mit 88.6 und dem HiT FM Network angesichts der Verschiebungen am Radiomarkt einschlagen wird, ist derzeit schwer einzuschätzen. Und was die Fellner Brüder mit ihren beiden Antennesender in Salzburg und Wien vorhaben ist ebenso fraglich wie mysteriös. Jedenfalls haben sie sich bereits um weitere Lizenzen beworben, darunter auch in Linz.

Die Vergabe der Linzer Frequenz, die in den nächsten Monaten über die Bühne geht, hat einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf den heimischen Radiomarkt. Mit einer technischen Reichweite von über 500.000 Personen und einer strategisch wichtigen Lage ist dieser neue Sender für alle Marktteilnehmer von großer Bedeutung. Deshalb sind 19 Bewerbungen bei der KommAustria eingegangen. Darunter selbstverständlich NRJ, Styria, MOIRA, Arabella und die Fellners (gleich mit mehreren ganz unterschiedlichen Anträgen).

Für sie alle wäre Linz enorm wichtig und ein Investment in deren Zukunft. Sollte die KommAustria Linz jedoch einem nicht kommerziellen Bewerber wie Radio Maria zusprechen und so den kommerziellen Radios einen attraktiven Sender entziehen, wäre dies ein deutliches und zukunftweisendes Statement: Österreich ist an einem funktionierenden dualen Rundfunksystem nicht interessiert. Sollte Linz an einen eher exotischen Bewerber wie Lounge FM gehen, würde Linz mit hoher Wahrscheinlichkeit in 1 bis 3 Jahren an einen der oben genannten Radiobetreiber verkauft werden.

Denn die einzige Chance mit Privatradio in Österreich Geld zu verdienen ist, noch effizienter und kostengünstiger zu arbeiten und noch größer zu werden. Welche und wie viele Gruppen künftig in Österreich Radio betreiben werden, kann noch nicht abgeschätzt werden. Eines ist jedoch sicher, es werden weniger sein als jetzt.

(Walter Leicher)

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