Oliver Peral: “Antenne AC soll emotionaler werden”

Veröffentlicht am 21. Nov. 2006 von unter Deutschland, News

Seit dem 1. November 2006 ist Oliver Peral der neue Chef beim Lokalsender für den Kreis Aachen 107.8 Antenne AC. Im RADIOSZENE Interview erkärt Peral, wie es mit dem Sender im schwierigen Aachener Markt weitergehen soll.

Oliver_PeralRADIOSZENE: Wie beurteilen Sie als neuer Chefredakteur des Senders die momentane Situation von 107.8 Antenne AC im Aachener Radiomarkt?

Peral: Antenne AC steht gut da, obwohl der Sender im Hinblick auf die letzten Monate nach dem Weggang von Stefan Babic ja quasi sich selbst überlassen war. Nach der letzten MA gab es einen riesen Sprung nach oben. Wir liegen jetzt bei einer Stundenreichweite von 33.000 Hörern. Das ist eine gute Ausgangsposition. Die Zahlen möchte ich halten und dann ausbauen. Aber ich sehe noch viel Aufbauarbeit, um sich hier im Kreis Aachen besser zu positionieren als bisher. An das Thema müssen wir ran. Stichwort: lokale Kompetenz!

RADIOSZENE: Stadt und Kreis Aachen sollen in ein paar Jahren ja nun tatsächlich politisch vereint werden. Können Sie schon beurteilen, ob sich das auch auf die beiden Privatradio-Lizenzen auswirkt?

Peral: Das ist für mich noch schwer zu beurteilen, ich bin ja erst seit 2 Wochen hier. Fusionspläne gab es ja schon vor einer sehr langen Zeit, aber in den die nächsten Jahren wird sich da wohl viel ändern und das Konkurrenzverhältnis zu Aachen 100,eins wird auf jeden Fall weiter Bestand haben. Schließlich hat die LfM unsere Frequenz für weitere 5 Jahre verlängert.

RADIOSZENE: Der Betreiber von Antenne AC ist ja gleichzeitig auch Hauptbetreiber Ihres größten Konkurrenten – nämlich des belgischen Senders 100’5. Ist das ein Problem für Sie?

Peral: Nein, überhaupt nicht! 100’5 bedient eine ganz andere Geschmacksgruppe. 100,5 ist das junge Hitradio, agressiver und lauter. Wir bedienen die reifere Zielgruppe und legen unsere Schwerpunkte eher auf lokale Berichterstattung. In erster Linie definiert sich die Abgrenzung aber durch unser Musikformat, das eher Oldie-based ausgerichtet ist. Der Hauptgesellschafter, in diesem Fall Radio Salü, möchte natürlich, dass beide Stationen erfolgreich sind. Um das zu erreichen wird jeder Sender für sich versuchen, seine Positionen im Markt zu stärken. Das Ziel von 107.8 Antenne AC ist klar: Nummer 1 im Kreis Aachen, Stadt und Land!

RADIOSZENE: …und mit wie vielen redaktionellen Mitarbeitern will Antenne AC das Ziel umsetzen?

Peral: Wir haben einen von der LfM vorgegebenen, überschaubaren Personalschlüssel. Dazu eine Reihe freier Mitarbeiter. Zugegeben ein kleines, überschaubares Team. Der Vorteil liegt aber auf der Hand: wir sind wendig, schnell, hochmotiviert und sehr effektiv. Die Konkurrenz wird sich warm anziehen müssen…

RADIOSZENE: …und wie viel eigenes produziertes Programm können Sie damit gestalten?

Peral: Die Kunst ist es natürlich bei so einem kleinen Team immer, das Kreativpotenzial optimal zu bündeln. Aktuell gibt es drei Sendungen: die Morgenshow, die Vormittagssendung von 10-14 Uhr, und die Drive Time von 14-18 Uhr. Und die können wir auch gut besetzen. Hier achte ich wieder akribisch darauf, mehr Lokalität zu platzieren. Und die Themen liegen hier sprichwörtlich auf der Straße. In der letzten Woche haben wir beispielsweise die Strafanzeige, die der Aachener Friedenspreis gegen Merkel und Co. gestellt hat, groß gefahren. Dazu eine Vielzahl kleinerer, regionaler Themen, die aber unsere Hörer beschäftigen und bewegen.

RADIOSZENE: Wollen Sie vielleicht selbst die Frühsendung irgendwann moderieren?

Peral: Nein, definitiv nicht! Die Kombination Frühmoderator und CvD halte ich für problematisch. Um beides unter einen Hut zu bekommen, müsste man sich zerreißen. Das geht auf Dauer nicht gut. Die Vergangenheit bei 107.8 hat das ja auch gezeigt. Nein, ich werde mich vorerst voll auf die Neustrukturierung und Gestaltung des Programms konzentrieren. Allerdings: Anfang des Jahres wird es auf 107.8 auch eine kleine Sendung mit mir geben.

Das 107.8 Antenne AC Studio in Merzbrück bei Würselen

Das 107.8 Antenne AC Studio in Merzbrück bei Würselen

RADIOSZENE: Antenne AC ist ja der einzige NRW-Lokalsender ohne Mantelprogramm. Was läuft denn außerhalb der Sendeschienen?

Peral: Da läuft dann Musik nonstop, der Bürgerfunk von 20-22 Uhr und die stündlichen (zugelieferten) Nachrichten. Der erste Schritt wird aber sein, die Drive-Time möglicherweise bis 20:00 Uhr zu auszudehnen, damit wir da wirklich noch mal den „peak“ mitnehmen, den man ja zwischen 18 und 20 Uhr hat. Änderungen unterliegen hier aber der Zustimmung der VG und der LfM.

RADIOSZENE: Sie möchten “der lokalen Berichterstattung des Senders ein neues, frisches Profil verschaffen”. Auf welche Informationsinfrastruktur können Sie dabei zurückgreifen?

Peral: Die Mitarbeiter bei Antenne AC kommen alle aus der Region das ist schon mal ein Riesen-Vorteil. Die sind hier aufgewachsen und kennen das Sendegebiet „aus dem ff“. Mit diesem Team will ich aber eine lokale Berichterstattung, die emotionaler ist als bisher, die mitten aus dem Alltag unserer Hörer stammt. Kinder aus Würselen, die von ihrem gefährlichen Schulweg erzählen, sind mit allemal lieber als ein trockener Pressesprecher O-Ton irgendeiner Institution. Und: wir wollen nicht das senden, was am nächsten Tag in der Zeitung steht. Das können wir auch gar nicht leisten. Aber wir können auf Augenhöhe mit unseren Hörern schauen, was die Menschen im Kreis Aachen, Stadt beschäftigt und bewegt.

RADIOSZENE: In der Vergangenheit schien die BILD-Zeitung die einzige Quelle in der Morgenshow zu sein…

Peral: Wir greifen natürlich auch auf die Agenturen, Pressemitteilungen und Zeitungen zurück wie jeder andere Sender. Auch die BILD-Zeitung gehört zur professionellen Showprep dazu. Aber es kann natürlich nicht die Aufgabe eines Moderators sein, morgens zu kommen, die BILD -Zeitung aufzuschlagen und daraus zu zitieren! Das ist nicht ausreichend. Die Antenne AC Morgenshow wird zukünftig eine klare Struktur bekommen. Es wird neue redaktionelle Schwerpunkte geben, der Verkehrsservice soll weiter gestärkt werden und es sollen wieder mehr Hörer zu Wort kommen. Stichwort: Interaktion. Und ich möchte wieder regelmäßig Aktionen im Programm haben. Und da werden wir im Dezember mit einer ersten großen Überraschung On Air sein!

RADIOSZENE: Der Vorteil bei Antenne AC ist ja, dass die Playlist vollkommen unabhängig von Oberhausen ist: soll sich bei der Musik etwas ändern?

Peral: Wir fahren ein sehr schlüssiges (Musik)-Format in Abgrenzung zur Konkurrenz, das aber ausgebaut, gestärkt und optimiert werden kann. Daran werden wir hart arbeiten. Ebenso bei der akustischen Visitenkarte des Senders, den Jingles, Verpackungen etc. Veränderungen im Programm greifen in diesen Bereichen am schnellsten, weil sie am ehesten vom Hörer wahrgenommen werden.

RADIOSZENE: Wie gut kennen Sie eigentlich das nordrhein-westfälische Landesmediengesetz?

Peral: Hier liegt schon das dicke LfR-Handbuch (Landesanstalt für Rundfunk NRW) vor mir, da muss ich mich natürlich einarbeiten. Als Norddeutscher ist natürlich das Landesmediengesetz in NRW möglicherweise reglementierter als in Norddeutschland. Da werde ich mich einarbeiten. Das geht aber nicht von heute auf morgen.

RADIOSZENE: Viele Chefredakteure beim NRW-Lokalfunk wurden und werden durch die gegensätzlichen Interessen von Betriebsgesellschaft und Veranstaltergemeinschaft zerrieben. Fürchten Sie sich davor?

Peral: Die Aufgaben der VG und BG sind durch das Landesmediengesetz klar geregelt und können von jedem eingesehen werden. Ich sehe hier keine gegensätzlichen Interessen. Als CvD habe ich für die Weiterentwicklung des Programms zu sorgen und muß diese meinem Arbeitsgeber gegenüber, der Vertragsgesellschaft, verantworten. Grundsätzlich aber wollen wir alle eins: mehr Akzeptanz, mehr Hörer, mehr Erfolg! Und das werden wir mit 107.8 Antenne AC garantiert erreichen!

RADIOSZENE: Herr Peral, vielen Dank für das Gespräch.

LINK:
107.8 Antenne AC – Die schönsten Songs aller Zeiten


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