
42 Millionen Franzosen hören täglich Radio, aber auf UKW, Langwelle und Mittelwelle. Sie müssten 150 Millionen analoge Radioempfänger auf den Müll werfen, wenn das digitale Radio kommt. Alles ist unklar. Keine Industrielobby redet für das Medium Radio. Medienpolitik war und ist in Frankreich zentralistische Industriepolitik. Frankreich kennt keine quälende und innovationshemmende Föderaldebatte in Rundfunkfragen. Was in Paris entschieden wird, ist Industriezukunft. Die Forderung von Pierre Bellanger an die Politik, staatlich die Ausstattung der Handys zu erzwingen, ist vielleicht für deutsche Seelen ungewöhnlich, aber bedenkenswert. Wenn nämlich in Deutschland keine baldige Debatte über die Einbettung von digitalem Radio in die Normzukunft beginnt und keine alternativen Modelle industriepolitischer Regulierung diskutiert werden, kann es sein, dass Fernsehkonzerne und Telekomgesellschaften ihr Ding machen und das digitale Radio nur im Internet stattfindet. Also, warum nicht in alle Handys einen Multi-Standard-Chip für digitales Radio einbauen?
Bernt von zur Mühlen arbeitet als Medienberater in Luxemburg. E-Mail: bvzm@bvzm.net
Dieser Beitrag ist im Rahmen des täglichen Tagebuchs von Bernt von zur Mühlen im Medienboten am 30. Januar 2007 erschienen und wird mit freundlicher Genehmigung des Medienbote Verlags auf RADIOSZENE veröffentlicht.
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