Community oder Radiosender?

Veröffentlicht am 18. Mrz. 2010 von unter Deutschland

MDR SPUTNIK macht es vor: Senden war gestern, heute ist Kommunizieren angesagt. Mit eigenen und Drittplattformen geht der öffentlich-rechtliche Sender dabei ins Rennen um die Gunst der Hörer und Nutzer.

Eric Markuse (Programmchef von MDR SPUTNIK)

Eric Markuse (Programmchef von MDR SPUTNIK)

„Ich habe Profile auf mySPUTNIK.de und bei Facebook. Außerdem twittere ich als eric_markuse. Das macht Spaß und ist wichtig, um den rasanten Wandel Sozialer Medien nachvollziehen zu können. Und diese sind inzwischen ein immer wichtiger werdender Bestandteil meines Berufes“, erklärt Eric Markuse, Programmchef von MDR SPUTNIK. Vielleicht ist sein eigenes Interesse an Social Media auch verantwortlich für die Ausrichtung von MDR SPUTNIK. Denn der Sender ist in Sachen Soziale Netzwerke besonders gut aufgestellt.

Das macht nach Markuses Ansicht auch Sinn: „In Sozialen Netzen erfüllen sehr viele junge Menschen Teile ihrer kommunikativen und sozialen Bedürfnisse. Durch die Nutzung Sozialer Netzwerke wird die Mediennutzung nachhaltig geprägt und es entstehen moderne Kommunikationsformen, die heute als selbstverständlicher Bestandteil der Jugendkultur gelten.“ Und da sich MDR SPUTNIK als Jugendkultur-Programm versteht, sei die Befassung mit dem Thema selbstredend. „Senden allein reicht nicht mehr – SPUTNIK muss mit den Hörern auf Augenhöhe kommunizieren. Als Medienanbieter müssen wir im stetigen Dialog mit unseren Hörern und Nutzern stehen. Senden war gestern, Kommunizieren ist heute. Wir betreiben unsere Plattform auch für junge Musiker und Nachwuchsbands. Diese Bands spielen wir im Tagesprogramm und in einer speziellen Radiosendung – ein gutes Beispiel, wie User Generated Content bestens funktioniert! Und einmal im Jahr verleihen wir den RadioAward für neue Musik an die besten Nachwuchsmusiker von dieser Plattform. Diese Mischung aus Social Media, Radio und gezielter Kulturförderung ist einmalig in Deutschland.“ Dabei nutzt MDR SPUTNIK vor allem die eigene Plattform mySPUTNIK.de. „Es handelt sich hierbei um einen „Hörerklub 2.0“, also um eine Radiocommunity und zugleich um eine Plattform für junge Bands und Musiker, die wir fördern“, erläutert Markuse. Darüber hinaus gibt es SPUTNIK-Fanseiten bei myspace, Facebook und studiVZ. SPUTNIK findet man aber auch bei YouTube und Dailymotion. „Und natürlich gibt es auch einen sehr lebhaften SPUTNIK-Account beim Micro-Blogging-Dienst Twitter.“

„Als Medienanbieter müssen wir im stetigen Dialog mit unseren Hörern und Nutzern stehen. Senden war gestern, Kommunizieren ist heute.“

Die Community mit Bandplattform ist für den Sender eine wichtige Verbindung zu seinen Hörern, ein bedeutendes Kommunikationselement und stark genutzter Rückkanal. „Wir verstehen uns als Community mit Radioanschluss.“ Deshalb gibt es bei SPUTNIK auch Social-Media-Redakteure, die von morgens bis abends mit Hörern und Usern kommunizieren und alle entsprechenden Plattformen, auf denen der Sender vertreten ist, bedienen. „Das sind echte Fulltime-Jobs. Die Redakteure schließen sich mit den Sendungsmanagern kurz und besprechen die Themenlage, sichten bereits vorliegendes Material und planen Online Umsetzungsformen.“ Die Social-Media-Redakteure sind dabei nicht nur für die Produktion und Veröffentlichung sendungsbegleitender, journalistischer Inhalte auf SPUTNIK.de verantwortlich, sondern müssen die mySPUTNIK-Community und die SPUTNIK-Profile auf anderen Plattformen wie Facebook, studiVZ oder Twitter mit einbeziehen, die Inhalte auf diesen verteilen und auf User-Feedback reagieren.

SPUTNIK-Studio

SPUTNIK-Studio

Dabei dienen die Sozialen Netze selbst oft als Recherchegrundlage. „Sie sind ein Aufmerksamkeits- und Meinungsjahrmarkt. Hier erfährt man quasi in Echtzeit, was die Menschen beschäftigt. Wer mit einem jungen Radio dicht an seinen Hörern sein will, kommt um Soziale Netze nicht herum. Aus unserer mySPUTNIK-Plattform und diesen Netzen haben wir schon viele Themen fürs Programm generiert“, führt der Programmchef aus. „Das Engagement auf Drittplattformen wie Facebook dient zudem dazu, die Aufmerksamkeit auf unser Programm zu lenken. SPUTNIK besitzt durch einen Geburtsfehler nur wenige kleine UKW-Frequenzen in Sachsen-Anhalt, das Internet ist für unseren Sender ein unverzichtbarer Verbreitungsweg. Und auf Facebook & Co. treffen wir potenzielle Webradio-Hörer.“

„Das Internet ist für unseren Sender ein unverzichtbarer Verbreitungsweg. Und auf Facebook & Co. treffen wir potenzielle Webradio-Hörer.“

1.000 Fans hat SPUTNIK bei Facebook, mehr als 3.600 Nutzer zählt der Sender bei meinVZ. Doch was nützen diese Zahlen? In der Media-Analyse Radio finden sich diese Daten nicht wieder. „Die Media-Analyse Radio ist in ihrer jetzigen Form überholt. Die neue Währung heißt Aufmerksamkeit“, meint Markuse. „Wie viel Aufmerksamkeit schenken uns unsere Hörer – zum Beispiel in Sozialen Netzwerken? Und wie viel Aufmerksamkeit geben wir unseren Hörern zurück? Wenn die Kommunikation künftig ein wichtiger Bestandteil des Journalismus sein wird, wovon ich überzeugt bin, dann muss man auch diese Kommunikation messen, um den Wert einer Programm-Marke zu bestimmen. Dabei geht es um Images, um emotionale Bindungen. Ich denke, wir müssen schnell das klassische Reichweiten-Quotendenken um diesen Aspekt erweitern.“

Quelle: (SLM-Fachmagazin themen + frequenzen Ausgabe 1/2010)

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