917XFM: Ziemlich zugeschnittene Zielgruppe

Veröffentlicht am 20. Feb. 2017 von unter Deutschland, Musik

(Bild: ©www.917XFM.de)

FluxFM, egoFM und 917XFM – sie sind das Salz in einer bisweilen doch gleichförmigen Hörfunksuppe ihrer Verbreitungsgebiete. Oder die Hechte im Karpfenteich? Wie auch immer – die Privatradios mit der besonderen Musiknote setzen bewusst auf Konzepte, mit denen die ganz großen Hörerzahlen sicher nicht zu erreichen sind – die in ihren urbanen Senderäumen aber unikate Alternativen zum sonstigen Programmangebot darstellen. Formate mit echtem Alleinstellungsmerkmal – und sehr zur Freude der Musiklabels mit dem Repertoireschwerpunkt „Jenseits des Mainstream“. Musik dieser Gattung hat es naturgemäß ohnehin schwer genug in der Welt der UKW-Radios. Die Beliebtheit der drei Stationen ist trotz vermehrter medialer Konkurrenz – dank konsequenter Ausrichtung auf die Online-Medien – auch außerhalb ihrer eigentlichen Verbreitungsregionen relativ hoch.

Beispiel 917XFM: im umkämpften Radio-Ballungsraum Hamburg sendet eine kleine, aber motivierte Mannschaft einen außergewöhnlichen und spannenden Musikmix aus Indie Rock, Alternative, Singer Songwritern/Neon Folk, HipHop, Elektro und Jazz Elementen. Dazu eine hörbare Brise an Musik aus der Hamburger Musikszene sowie begleitende musikredaktionelle Berichterstattung, Specials und News. Obwohl nicht offiziell in der Reichweitenuntersuchung Media-Analyse (MA) gelistet, hat sich 917XFM mit seiner Musikausrichtung einen festen Platz in der hanseatischen Radiowelt zwischen N-JOY, ENERGY Hamburg, delta radio sowie den ortsansässigen nicht-kommerziellen Angeboten gesichert. Was sich übrigens inzwischen in einem spürbaren Anteil an Werbung niederschlägt.

(Bild: ©www.917XFM.de)


Im Gespräch mit RADIOSZENE-Mitarbeiter Michael Schmich spricht 917XFM-Musikchef Gunnar Astrup über das Musik- und Programmkonzept des Senders.

RADIOSZENE: 917XFM ist seit 2010 auf Sendung. Wie kam es zur Gründung und an welche Hörer richtet sich das Programm?

Gunnar Astrup (Bild: ©Alsterradio 106.8 rock'n pop)

Gunnar Astrup (Bild: ©Alsterradio 106.8 rock’n pop)

Gunnar Astrup: 917XFM, Hamburgs Musiksender startete im September 2010 zunächst als Pilotprojekt während des Hamburger Reeperbahn Festivals und wurde aufgrund der positiven Hörerresonanz fortgeführt. Seit dem sendet alsterradio 106,8 rock ´n pop auf seiner Hamburger City-Frequenz 91,7 MHz das musikalische Fensterprogramm. Bei dem Schwestersender finden Musikstile ihren Platz, die es im Radio sonst eher schwer haben – wie Indie, Alternative, Elektro oder Jazz. Mit Band-Nachwuchswettbewerben fördern wir regelmäßig Hamburger Newcomer. 2011 wurde der alsterradio-Schwestersender mit dem Hamburger Musikpreis „HANS“ als bestes „Hamburger Medienformat des Jahres“ ausgezeichnet. Da es sich offiziell um ein Fensterprogramm handelt, werden die Hörerzahlen nicht einzeln ausgewiesen. Aufgrund der jungen Zielgruppe ist auch die App sehr beliebt, was unsere Zugriffzahlen zeigen.

RADIOSZENE: Gibt es schon Aussagen über die tatsächliche Hörerstruktur?

Gunnar Astrup: Wir verzichten bewusst auf die Ausweisung, da die Methodik der MA für ein Nischenprogramm nicht zu repräsentativen Zahlen führt. Wir sind streng genommen ein Fensterprogramm von alsterradio 106,8 rock ‘n pop, werden aber als eigenständiger Sender wahrgenommen. Denn zwischen 2.00 und 5.00 Uhr senden wir ein gemeinsames Programm. Bei der Vermarktung setzen wir eher auf die „Marke“ 917XFM – Hamburgs Musiksender.

RADIOSZENE: Ihre Musikmischung ist für einen Privatsender in der Tat sehr eigenwillig und sicher einmalig – nicht nur im Sendegebiet. Ist 917XFM ein reiner Indie-Sender?

Gunnar Astrup: Ehrlich gesagt orientieren wir uns gar nicht an kommerziellen Charterfolgen. Aber was heißt denn „ein reiner Indiesender“? Wir besinnen uns bei 917XFM – Hamburgs Musiksender wieder auf das Wesentliche beim Radio: die Musik! Heutzutage unterscheiden sich viele AC-Wellen ja nur noch über die Jingle-Pakete. Wir haben ein tolles Team, das sich mit der Musik auseinandersetzt. Das Genre Indie gibt es doch gar nicht mehr. Es gibt Trends in den Charts, die aus der Indie-Bewegung kommen. Rock kann aber auch immer wieder Indie sein. Wir spielen Songs, die hoffentlich unsere Hörer berühren und die zuerst die Hürde des Bauchgefühls unserer Redakteure überwinden muss. Wir haben übrigens auch schon große Hits gespielt, allerdings zum Teil eineinhalb Jahre vor dem Charterflug in Deutschland, weil wir die Songs aus anderen Märkten gefischt haben – wie zum Beispiel Vance Joy, Hozier, Milky Chance – oder aber Bands VOR ihrem großen Durchbruch und ohne Label unterstützt haben. Meist nehmen wir Songs aber aus unserer Rotation, wenn die AC-Formate angreifen.

RADIOSZENE: Welche Rolle spielt die Musik aus dem unmittelbaren Sendegebiet?

Gunnar Astrup: Wir versuchen lokale Bands zu unterstützen. Dabei müssen die Bands natürlich bestimmte Qualitätsmerkmale erfüllen. Es kann aber durchaus sein, dass Künstler im Programm landen, die noch ganz jungfräulich sind und vielleicht erst wenige Songs in der Garage produziert haben. Die Musik muss uns lediglich berühren! Außerdem veranstalten wir zusammen mit weiteren Hamburger Partnern seit 2011 einen Newcomer-Wettbewerb bei dem jedes Jahr mehrere hundert Bands teilnehmen.

RADIOSZENE: Wie sieht die weitere Programmstruktur neben der Musik aus, welche sonstigen Inhalte transportieren Sie?

Gunnar Astrup: Wir setzen ganz klar auf die Musik, ganz klassisch machen wir zur vollen Stunde Nachrichten und Wetter. Das Programm wird angefüttert mit Beitragsplätzen, die wir bei uns im Haus produzieren. Hier beleuchten wir stark die Hamburger Clubszene und kündigen Konzerte an, die wir als Medienpartner präsentieren.

RADIOSZENE: Gibt es Synergien mit Ihrem Mutterhaus alsterradio?

Gunnar Astrup: Klar, „hauptberuflich“ bilden wir die Musikredaktion von alsterradio 106,8 rock ´n pop. Bei uns in der Redaktion laufen die Fäden von 917XFM – Hamburgs Musiksender zusammen: Ein kleines Team gestaltet dort das komplette Programm. Von der Musikplanung über die Redaktionsplanung, Kooperationen und Promotion – das alles entwickeln wir in unseren vier Wänden. Dies geht so weit, dass wir teilweise in Hamburger Clubs und Konzertlocations anrufen, um zu überprüfen, ob noch Werbematerial von uns vor Ort ist. Wir werden dabei aber von vielen Kollegen unterstützt, die in erster Linie für alsterradio 106,8 rock ´n pop arbeiten. Das heißt, die Produktion von On-Air-Promotion-Elementen und der Verkauf des Programms ist nicht mehr unser Steckenpferd! (lacht).

RADIOSZENE: Senden Sie auch musikredaktionelle Inhalte wie Interviews oder Spezialsendungen?

Gunnar Astrup: Wir arbeiten beispielsweise eng mit der Interessengemeinschaft der Hamburger Musikwirtschaft (IHM) zusammen und haben ein gemeinsames Format entwickelt. In der „917XFM Gaststätte” stellen spannende Persönlichkeiten aus der Hamburger Musikszene in einem Gespräch mit unserem Moderator Hannes Erdmann ihren Job und Musik vor. Regelmäßig machen wir Spezialsendungen zu großen Festivals, schicken Hörer hin und kooperieren mit den Veranstaltern. Ganz neu ist eine Hip-Hop Sendung, da wir uns diesem Genre bisher noch nicht so intensiv gewidmet haben.

Besonders spannend sind für uns die 917XFM StudioBühnen Konzerte. Wir haben bei uns im Keller eine gemütliche Bühne für 60 Hörer, auf der wir wirklich tolle Künstler begrüßen konnten – wie unter anderen Bear’s Den, William Fitzsimmons, Selig. Die Künstler bekommen eine Stunde im Programm von 917XFM für ein exklusives Konzert, im Vorfeld verbunden mit Interviews und Ankündigungen.

Selig auf der 917XFM StudioBühne (Bild: ©www.917XFM.de)

Selig auf der 917XFM StudioBühne (Bild: ©www.917XFM.de)

RADIOSZENE: Am Abend sendet auf der Frequenz zudem stundenweise, quasi als Untermieter, das Musikradio ByteFM. Wie kam diese Kooperation zustande?

Gunnar Astrup: ByteFM sind „Freunde des Hauses“. Die Kooperation hat ihren Ursprung in einer Auflage der Landesmedienanstalt.

RADIOSZENE: Über welche Kanäle machen Sie im Sendegebiet auf das Programm aufmerksam?

Gunnar Astrup: Unser Erfolg hat sich bisher über Mund zu Mund Propaganda eingestellt. Wir versuchen über soziale Medien auf uns aufmerksam zu machen. In Hamburg gibt es eine rege Live-Szene. Wir sind als Medienpartner bei vielen Konzerten vertreten und platzieren unser Logo dort – hier haben wir natürlich eine ziemlich zugeschnittene Zielgruppe.

RADIOSZENE: Wie sehen die weiteren Planungen für 917XFM aus?

Gunnar Astrup: Wir möchten gerne gesund und beständig weiter wachsen. Wir haben sehr viele Ideen, wie man unser Programm ausbauen könnte. Wir arbeiten täglich daran, das Programm noch besser zu machen – Details über zukünftige Projekte kann ich derzeit aber noch nicht verraten. Das Potential von 917XFM – Hamburgs Musiksender ist aber noch lange nicht erschöpft! (lacht)

 

(Titelbild: Bild: ©www.917XFM.de)

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