BBC Radio 2 ist eine Station, die Radio-Berater verwirrt. Sie hat ein jährliches Programm-Budget in Höhe von 53 Mio. USD. Schaltet man die Station zu verschiedenen Tageszeiten ein, hört man Up-Beat zum Frühstück, eine gemütliche morgendliche Musik und ein nachrichtenbasiertes Hörertelefon-Programm. Es gibt Musikdokumentationen. Es gibt Folk-Shows, Country-Musik, Big-Band-Shows, House und religiöse Sendungen. Und ein Programm namens „Der Organist unterhält – Nigel Ogden präsentiert populäre Orgel-Aufnahmen“.

Ein Programm-Budget von 53 Millionen USD klingt viel – vor allem, weil es – naja – viel ist. (Hinzu kommen ja noch weitere 16 Mio. für Vertrieb und Hörerservice). Aber es ist ein Budget, das schrumpft. In Wirklichkeit muss BBC Radio den Gürtel enger schnallen. Und mit Budgetkürzungen, so scheint es, kommen Einschnitte ins Programm. Einige nächtliche Live-Sendungen sind vor ein paar Jahren verschwunden – und Ende dieses Monats wird die BBC auch noch den Rest der Live-Nachtsendungen abschaffen.

900,000 Leute schalten nachts BBC Radio 2 ein. Sie werden ohne irgendeine Livesendung zwischen Mitternacht und 5 Uhr morgens allein gelassen.
Stattdessen hören Hörer Wiederholungen und einige voicetracked Musik-Shows, abgedudelt von einem Automatisierungssystem, das mehr als ein Mal Probleme verursacht hat.
Sie sind nicht die einzigen. Automatisiertes Senden über Nacht ist inzwischen die Regel und nicht mehr die Ausnahme. In Irland gibt es eine Station – eine Dubliner Privatstation – die nachts einen Live-Moderator bietet. Dafür ist dann der ganze Rest automatisiert.
Man könnte argumentieren, dass nächtliche Zuhörer eher menschlicher Gesellschaft bedürfen als tagsüber. Es ist sicherlich der Fall, dass das Publikum nachts mit überraschend viel Feedback reagiert. Die Schichtarbeiter oder Schlaflosen sind halt nicht zu schüchtern für eine Kontaktaufnahme mit ihrer Lieblings-Radiostation.
Nächtliches Radio ist auch eine Spielwiese für neue Stationen. Nirgendwo lernt man das Handwerk besser – und abzuschätzen, wie man dem Publikum das Leben erleichtern kann.
Es enttäuscht, zu hören, dass sich BBC Radio 2 mit seinem 53-Millionen-Haushalt von nächtlichen Livesendungen verabschiedet. Menschliche Gesellschaft ist eben der Hauptunterschied zwischen echtem Radio und einer Spotify-Playlist! So bleibt es eine Schande, dass dies willentlich zerstört wird.












