Ich habe neulich bei Wikipedia gelesen, dass die Radioinnovation formerly known as DAB mittlerweile vermarktet wird als „Digital Radio“, um Verwechslungen mit der Brauerei DAB und der DAB-Bank zu vermeiden (Wikipedia findet noch zahlreiche weitere Verwechslungsmöglichkeiten, u.a. den Deutschen Akademikerinnenbund, den Daytona Beach Airport und den Deutschen Aikido-Bund).
Man möchte also unbedingt Party-Dialoge ausschließen wie „Hast Du DAB? – Nein, nur Holsten.“ Oder „Ich bin jetzt zu DAB gewechselt. – Ach, ich bin zufrieden mit meiner Sparkasse.“
Ich kann mich noch genau erinnern, wie mir mein erster DAB-Receiver angeboten wurde. Es war 1996, ich arbeitete bei einem Lokalradio im Südwesten Deutschlands und unsere Station war Teil einer neuen Digital-Bewegung, genauer gesagt, Teil des LfK-DAB-Pilotprojektes. Der billigste (subventionierte) Receiver hätte damals rund 200 Mark gekostet, soweit ich mich erinnern kann. Für mich damals zuviel Geld, ich war Zivi.
Mittlerweile bin ich in einem Alter, in dem 200 Mark (bzw. das Euro-Äquivalent) mich nicht davon abhalten würden, ein innovatives technisches Gerät zu kaufen und noch immer fällt mir kein Grund ein, mir einen DAB-Receiver zu kaufen.
Seit 1996 habe ich mir hingegen gekauft:
einen Ipod,
einen stationären Mini-Disc-Recorder,
einen mobilen Mini-Disc-Player,
Noxon Audio,
einen DVD-Player,
W-LAN,
drei Palm Pilots,
mehrere Handies,
drei externe Festplatten,
Playstation 2,
einen Beamer,
mehrere CD-Player,
einen Blackberry,
mehrere TV-Geräte,
Laptops
sowie einen Handscanner in Stiftform von Siemens.
Alle diese Geräte haben sich als sinnvolle und treue technische Begleiter in mein Leben integriert (ok, bis auf den Handscanner, der hat von Anfang an nicht funktioniert).
Dass jetzt Schweden und Finnland – zwei Länder, denen ich im Punkt technischer Expertise durchaus viel zutraue – sich von DAB abwenden, erhöht ebenfalls nicht unbedingt meine Kauflust.
Glaubt man den Beteuerungen der DAB-Lobby und den Aussagen der involvierten Politiker (siehe: „Stoiber kündigt Offensive bei Digitalradio DAB an“), wird DAB dennoch kommen, spätestens 2010 soll nach dem Willen der EU-Kommission Schluss sein mit analogem Rundfunk. Ich habe also noch knappe 5 Jahre Zeit, mir einen DAB-Receiver zuzulegen. Ich hoffe, dass er dann nützlicher sein wird als der Siemens-Handscanner.
Christian
Schalt
(Programmdirektor KRONEHIT Österreich)
E-Mail: christian.schalt@kronehit.at
Links:
DAB bei Wikipedia
Stoiber kündigt Offensive bei DAB an
Europäische Kommission drängt zum Umstieg auf digitalen Rundfunk
Digitalradio: Weil der Mensch zahlt
DAB – Die Brauerei
DAB – Die Bank
DAB – das Radio
Diskussion des Schalt-Reports auf radioforen.de