Entenschwemme
nach Entenrennen
Zehntausend
Plastikenten bei Radio Wien Entenrennen entkommen – Umweltschützer
kämpfen in Nationalpark gegen Entenflut.
Wien/Hainburg
– Dabei hatte alles so schön angefangen: Das erste Radio
Wien Entenrennen, bei traumhaftem Wetter, geschätzte tausend Besucher
– nur die Enten haben nicht mitgespielt. 20.000 orangene Plastikenten
setzte Radio Wien in den Donaukanal, die schnellste von ihnen konnte
ihrem glücklichen Gewinner eine Reise nach Sardinien erschwimmen.

Der Plan
von Radio Wien: Die Enten in Heiligenstadt ins Wasser werfen, nach dem
Wettschwimmen werden die eigens aus China importierten orangenen Plastikenten
unterhalb des Ziels rausgefischt. Die Enten haben offenbar andere Pläne:
Die extra eingerichtete Ölsperre ist heillos unterdimensioniert,
kaum eine Ente nimmt sie ernst – im Gegenteil: Mehr als 17.000
Plastikenten entweichen in die vermeintliche Freiheit – hin zum
Schwarzen Meer.
Öko-Alarm
im Nationalpark
Durch spezielle
Strömungsverhältnisse werden zigtausend Enten in der Nacht
auf Montag im Nationalpark Donauauen angeschwemmt. Die Verwaltung des
Nationalparks ist verärgert: "Da erklären wir den Besuchern,
dass sie ihren Mist mitnehmen sollen und jetzt ist alles voller Plastik."
Speziell das linke Donauufer ist auf einer Strecke von mehreren Kilometern
voll von kleinen orangenen Enten.
In mühsamer
Kleinarbeit versuchen jetzt freiwillige Helfer des Nationalparks die
Auen zu säubern. Mühsam, weil alles von Hand gemacht werden
muss – der Einsatz von Maschinen verbietet sich im Naturschutzgebiet.

Endstation
Gabcikovo
Der Traum
vom schwarzen Meer wird sich für die wenigsten Enten erfüllen,
nicht einmal Budapest dürften sie erreichen: In der Slowakei wartet
das Kraftwerk Gabcikovo – inklusive einer 16 Meter hohen Schleuse.
Sollte die eine oder andere Ente die Schleuse passieren, haben sie wenigstens
freie Fahrt bis hinter Budapest, bis zum Eisernen Tor.

Rätselraten
um die Genehmigung
Völlig
unklar ist, warum das Entenrennen in dieser Form überhaupt genehmigt
werden konnte. Spätestens seit den Erfahrungen von 88.6 Der Musiksender
vor vier Jahren (damals riss das Netz, 7000 Enten entkamen) wissen die
Verantwortlichen im Wiener Rathaus, dass bei einer derartigen Veranstaltung
einiges schief gehen kann. Diesmal ist kein Netz gerissen – es
gab nämlich erst gar keines. Die Ölsperre war schon vom Prinzip
her nicht geeignet, die Entenflut zu stoppen. Insider vermuten, dass
die Genehmigung nur erteilt wurde, weil Radio Wien traditionell über
beste Kontakte zur Wiener SPÖ – und damit zu den Verantwortlichen
im Rathaus verfügt.
ORF
schweigt Vorfall tot
Im staatlichen
Radio wird die Verschmutzung der Hainburger Au mit keinem Wort erwähnt
– weder auf Radio Wien, noch auf Radio Niederösterreich.
Beim Hörerservice von Radio Wien heißt es lapidar: "Es
haben sich schon viele aufgeregt, wir leiten das an die Zuständigen
weiter."
(Vittorio
Czernazke)