Stand: Sonntag, 01-Mai-2005 13:40

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Streit um Subventionen für freies Radio Orange

Orange 94.0, das freie Radio in Wien, erhält eine staattliche Subvention von 320.000 Euro. Das wurde am Donnerstag im Wiener Gemeinderat mit den Stimmen der SPÖ, Grünen und des BZÖ (Bündnis Zukunft ÖSterreich) beschlossen. Vorausgegangen war ein Parteienstreit, ob der Sender das wirklich verdiene:

ÖVP Wien für ein freies Radio, das diese Bezeichnung auch verdient
"Keine Subvention für einen Sender, der am Gängelband der SPÖ hängt!"

"Die Wiener ÖVP ist sehr wohl für ein freies Radio, aber das muss diesen Namen auch wirklich verdienen ", betonte ÖVP Wien Gemeinderat Wolfgang Aigner anlässlich der heute im Gemeinderat zur Debatte stehenden Subventionsvergabe an das 'freie' Wiener Stadtradio 'Radio Orange' in der Höhe von 320.000 Euro. "Bei Radio Orange kann von freier und unabhängiger Berichterstattung aber keine Rede sein. Es ist offensichtlich, dass die Radiomacher dieses Senders am Gängelband der SPÖ hängen, daher kann die ÖVP Wien der Subvention nicht zustimmen", so Aigner.

"Die passende Farbe zur politischen Ausrichtung des Radios sollte wohl eher dunkelrot sein, blickt man auf die Homepage des Radios. Pamphletartige Beschimpfungen aller nicht links-linken Gruppen, ein Österreich-Bild, in dem von Chauvinismus, Opfermythen und diversen rot-weiß-roten Identitätskonstruktionen gesprochen wird, zeigen, wes Geistes Kind hier am Werk ist. Hier liegt die Vermutung nahe, dass in vorauseilendem Gehorsam die politische Linie des Subventionsgebers vertreten wird. Die Wiener SPÖ hat aufgrund ihrer jahrzehntelangen absoluten Machtausübung ein derart diffiziles Abhängigkeitsgeflecht aufgebaut, dass die in Abhängigkeit Geführten diesen Zustand gar nicht mehr als solchen wahrnehmen", stellt Aigner fest.

"Die Wiener ÖVP tritt für eine Finanzierungskonstruktion ein, die eine tatsächlich freie Entfaltung verschiedener freier Radiogestalter ermöglicht. In dieser Hinsicht sind wir absolut gesprächsbereit, wir wollen aber keinen subventioniertes Radio Löwelstraße", skizziert Aigner die Linie der ÖVP Wien.

 

SPÖ: "Wien unterstützt Artikulationsräume für junge Menschen!"

"Radio Orange ist das größte freie Radioprojekt im deutschsprachigen Raum", sagte heute Wiener Gemeinderätin Laura Rudas im Rahmen der Debatte zur Subvention für "Radio Orange" im Wiener Gemeinderat. "Mit diesem Projekt unterstützen wir Artikulationsmöglichkeiten für junge Menschen, aber auch für ethnische Minderheiten und MigrantInnen. Menschen, die nicht sehr häufig mediale Artikulationsmöglichkeiten bekommen."

Radio Orange sei ein kritisches, freies und unabhängiges Radioprojekt: "Es reicht, einmal bei Radio Orange hineinzuhören, um zu wissen, was das bedeutet", so Rudas weiter. "Dass ein kritisches Medium offensichtlich so manchen nicht ins Konzept passt, zeigt die Kürzung der Förderung durch den Bund."

Der Stadt und den Wiener SozialdemokratInnen mache Partizipation und die Vermittlung von Medienkompetenz nicht Angst - "wir sehen es vielmehr als unser dezidiertes politisches Ziel an", so Rudas. "Das umfasst sowohl die Subvention an Radio Orange, das Projekt Offener Fernsehkanal, das Medienzentrum, die Video- und Filmtage - und auch die Senkung des Wahlalters in Wien als Ausdruck von Partizipation junger Menschen!"

 


Blick ins Studio von orange 94.0

Wiener Gemeinderat: Subventionen für orange 94.0 beschlossen

GR David Ellensohn (Grüne) verwahrte sich gegen eine ÖVP-Aussendung, in der behauptet wurde, bei Radio Orange könne von freier Berichterstattung keine Rede sein. Gerade die freie Berichterstattung sei für die ÖVP offenbar Grund genug, die Subvention von 320.000 Euro abzulehnen.

GR Dr. Wolfgang Aigner (ÖVP) konterte, Freiheit könne nicht sein, am Gängelband des Subventionsgebers zu hängen. Ein Parteisender gehöre nicht mit Steuergeldern subventioniert.

GR Ing. Herbert Rudolph (FPÖ) wies darauf hin, dass Radio Orange außer der Subvention der Stadt Wien über keine ausgewiesenen Einnahmen verfüge. Es sei auch nicht im Sinne der Stadt, um 320.000 Euro eine Gruppe zu subventionieren, die durch die Zielsetzung des Verzichts auf professionelle Journalisten und Ablehnung von Werbung ausschließlich eigene Ideen verwirklichen wolle.

Steuergeldverschwendung sei nicht die Subvention für das Freie Radio, sondern eher die Aufspaltung des FPÖ-Klub mit der Installierung eines neuen Klubs, sagte Gmeinederätin Laura Rudas (SPÖ). Das Radioprojekt sei vor allem deswegen als frei zu bezeichnen, weil es aus Steuermitteln gestützt werde. Es sei unabhängig und biete vielen Initiativen und Minderheiten eine Plattform. Demokratie bedeute, viele Interessen zu Wort kommen zu lassen, betonte die Rednerin.

Inserate würden sehr wohl Einfluss auf das jeweilige Medium nehmen, betonte StR. David Ellensohn (Grüne). Auch ÖVP-Politiker hätten sich von dem Radiosender interviewen lassen, dort werde aber kritischer gearbeitet als im ORF.

Der Antrag wurde mit Mehrheit angenommen.


Radio Orange-Party am Tag des Sendestart am 17.08.1998

Link:
orange 94.0
Aircheck vom 1. Sendetag am 17.08.98

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