Staatsanwaltschaft
ermittelt bei Radio Maryja
Die
Staatsanwaltschaft Danzig hat eine Überprüfung des nationalkatholischen
Radiosenders Radio Maryja eingeleitet. Grund dafür ist ein Schreiben
des ehemaligen polnischen Präsidenten Lech Walesa an den polnischen
Justizminister in Reaktion auf eine ausgestrahlte Sendung, in welcher
er der Zusammenarbeit mit dem kommunistischen Geheimdienst SB bezichtigt
wurde.
"Das
Schreiben des ehemaligen Präsidenten wurde auf dem Dienstweg an
die Staatsanwaltschaft Danzig weitergeleitet, da die Staatsanwaltschaft
in diesem Fall verpflichtet ist, Lech Walesa als Zeugen zu hören",
so Krzysztof Trynka, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft gegenüber
der polnischen Presseagentur PAP.
Der konkrete
Fall betrifft eine von Radio Maryja ausgestrahlte Sendung, in der Walesa
Zusammenarbeit mit dem SB vorgeworfen wurde. Tenor der Angriffe: Auf
Seiten der Dissidenten habe es Spione des kommunistischen Geheimdienstes
gegeben. Der Runde Tisch zwischen Opposition und kommunistischer Führung
habe das polnische Volk verraten. Der Ex-Präsident wandte sich
daraufhin in einem Brief an Justizminister Andrzej Kalwas, in welchem
er die Offenlegung von Informationen fordert, die u. a. Aufsschluss
über eine "mögliche" Zusammenarbeit mit dem SB gibt,
und in welchem er beweisen wollte, dass er weder in der Zeit des "runden
Tisches" noch zu irgendeinem anderen Zeitpunkt geheime Absprachen
getroffen hat.
Walesa
hat sich in der letzten Zeit häufiger negativ über den konservativ-katholischen
Radiosender ausgelassen. So warf er dem Sender und dessen Betreiber,
dem Redemptoristenpater Tadeusz Rydzik, vor, der polnischen Demokratie
und dem Image der polnischen Kirche in der Welt Schaden zuzufügen.
Ebenfalls machte sich Walesa dafür stark, dem in Torun beheimateten
Sender die Geldquellen abzugraben. Der Sender finanziert sich in erster
Linie aus Spenden, die teilweise in dunklen Quellen vermutet werden.
Noch vor einer Woche entging Walesa aus diesem Grund im masurischen
Gizycko knapp einer Schneeballattacke. Der Werfer, ein Mitglied der
rechtsextremen Jugendorganisation Mlodziez Wszechpolska ("Allpolnische
Jugend"), wurde festgenommen.

Eine von vielen Radio Maryja Antennen
Link:
Radio Maryja