RADIOSZENE EXKLUSIV INTERVIEW MIT STEPHAN SCHWENK:
Antenne
Koblenz - Neuzugang bei "The Radio Group"
RADIOSZENE:
Herr Schwenk, Sie haben sich in den vergangenen Jahren positioniert
als sehr innovationsfreudiger Radiounternehmer, der neue Radiosender
aufbaut und schlecht laufende saniert. Welche Sender gehören denn
zur Zeit zu Ihrem Wirkungskreis?
Schwenk:
Die Geschäftsführung bei Radio Hamburg und dem Vermarkter
More steht bei mir natürlich im Fokus. Darüber hinaus bin
ich Gesellschafter bei Spreeradio (42,5 %), Radio Cottbus (55%) und
jetzt neu bei Antenne Koblenz (95,2 %) über The Radio Group.
RADIOSZENE:
Sie gehören somit zu einigen wenigen privaten Radiomachern,
die auch Radiostationen besitzen. Alle anderen Sender sind in der Hand
von großen Verlagen oder Radioketten. Sehen Sie hier eine Chance?
Schwenk:
Seit Beginn der Entwicklung des Privatradios 1985, war es mein
Traum, eigene Radiosender zu führen. Durch diese Motivation ist
es mir gelungen, Wege zu finden, die es Radiosendern ermöglicht,
in einem schlechten Umfeld zu funktionieren. Ich sehe mich in keiner
Weise als Konkurrent zu Großverlegern. Ich liebe das Radiomachen
und freue mich, wenn Radiosender in kleinen Märkten, die für
Verleger nicht lukrativ sind, funktionieren. Wir decken somit eine Nische
ab, mit der andere nur Probleme hätten.
RADIOSZENE:
Verbindet Sie das auch mit Sven Herzog, der ja auch als Nicht-Verleger
mit der Lokalradiolizenz (Radio in Tier) besitzt und offensichtlich
einem großen landesweiten Privatsender Paroli bieten kann?
Schwenk:
Auch Sven Herzog hat sich als unabhängiger Lokalsender sehr gut
gegen die landesweiten Radioketten behaupten können. Nicht ohne
Grund reagieren die Mitbewerber sehr empfindlich auf Aktionen des Senders...
RADIOSZENE:
…weswegen auch aufgrund einer Klage vom SWR der Name
„Radio Trier“ in „Radio in Trier“ geändert
werden mußte und Ihr neues Radio Koblenz sich ebenfalls umbenennen
mußte. Lag dort die gleiche Klage vor oder war die Änderung
eher prophylaktisch?
Schwenk:
Wir haben uns über die Namensgebung des Senders sehr viele
Gedanken gemacht. Der Name sollte auf alle Fälle den Regionalbezug
zu Koblenz herstellen und kein reiner „Phantasiename“ sein,
deshalb hielten wir beide Namensideen „Radio Koblenz 98.0“
sowie „Antenne Koblenz 98.0“ für sehr passend, haben
uns jedoch noch nicht festgelegt. Die definitive Entscheidung, den Programmnamen
Antenne Koblenz 98.0 zu verabschieden, ist erst kurz vor der Verhandlung
von „Radio Trier“ entschieden worden. Es war wahrscheinlich
strategisch das „Beste“, was wir tun konnten.
RADIOSZENE:
Ist das der Grund der Verzögerung des Sendestarts, der ja für
den 1. Dezember 2003 geplant war? Wann wird es jetzt losgehen, was für
ein Format darf man auf 98.0 erwarten?
Schwenk:
Die Verzögerung des Sendestarts ist der plötzlichen
Kündigung des Standortes des Sendeturms der Telekom anzurechnen.
Das ist schon sehr seltsam, gerade als wir loslegen wollten, standen
wir ohne Sendeturm da. Zum Glück konnte durch die schnelle Unterstützung
der Telekom nun ein neuer Sendestandort gefunden werden. Wir werden
im Januar „on air“ geschaltet. Für den offiziellen
Sendestart haben wir uns den 29. Februar vorgenommen. Besondere Momente
sollten zu einem besonderen Zeitpunkt stattfinden (schmunzelt). Wir
werden uns auf ein CHR Format konzentrieren, mit viel Abwechslung einem
starken Regionalbezug. Da die reinen Musikformatierungen für Lokalradios
mittlerweile antiquiert sind, haben wir uns für das Format „Koblenz“
entschieden.
RADIOSZENE:
Wer hat die CI des Senders entworfen, wie wird das Senderlayout
sich anhören, wer wird die Jingles produzieren?
Schwenk:
Das Corporate Design hat der Geschäftsführer Vittorio
Nobile mit der Agentur CVR aus Frankfurt erarbeitet. Die Anforderungen
an das Logo waren ein einprägsames Design, schnelles Erlernen und
eine hohe Wiedererkennung aufgrund einfacher, jedoch individueller Gestaltungsmerkmale,
wie die Form oder die Integration der Frequenz. Was die Jingles und
das Sounddesign anbelangt, befinden wir uns noch in der Screening-Phase.
RADIOSZENE:
Wie wird die Personalstruktur aussehen? Wie viele Jobs wird
es noch geben?
Schwenk:
Ja, wir sind sehr glücklich mit Vittorio Nobile (30) einen
jungen talentierten Geschäftsführer gefunden zu haben, der
sehr viel Erfahrungen im Verkauf hat. Er war 5 Jahre als Verkaufsleiter
bei der Agentur Gerryland in Würzburg tätig und hat zusätzlich
Mediaberater von über 40 Radiosender der gesamten Bundesrepublik
geschult und ausgebildet. Er ist gerade dabei, den Sender vor Ort aufzubauen
und natürlich auch auf der Suche nach jungen Talenten. Personal
wird auf jeden Fall gesucht, wir werden daher in Kürze Stellenanzeigen
in der Radioszene schalten.
RADIOSZENE:
Während in anderen Bundesländern wie Bayern von der großen
Lokalradiokrise geredet wird, ist in Rheinland Pfalz eher etwas von
einer neuen Lokalradio-Euphorie zu spüren. Laufen die Uhren hier
anders, oder liegt es an der anderen Radioentwicklung in diesem Bundesland?
Schwenk:
Selbstverständlich wissen wir, dass es nicht gerade die
beste Zeit für den Aufbau neuer Medienunternehmen ist und uns auch
hier nichts in den Schoß fallen wird, jedoch werden wir uns nicht
von unseren Wegen abbringen lassen und alles dafür tun, einen erfolgreichen
neuen Radiosender für Koblenz aufzubauen. Wir haben gezeigt, dass
man auch in einem strukturschwachen Gebiet wie in Cottbus erfolgreiches
Lokalradio machen kann. Dabei muss jedoch vom Grundkonzept bis hin zum
Management alles passen. Es gibt nur wenige Radiomacher in Deutschland,
die in der Lage sind, effektives Lokalradio zu machen. Unser Geschäftsführer
Vittorio Nobile gehört ebenso dazu wie Juliane Adam in Cottbus.
99,9 Prozent der deutschen Radiobranche denkt nur in Programmkategorien
und redet nur von Formaten, Jingles und Moderatoren. Der Fehler ist,
dass die meisten Leute reine Programmacher sind und keine betriebswirtschaftlichen
Füchse. Wirtschaftlich können wir von den US-Radiostationen
hier sehr viel lernen. In Bayern und anderswo sind lokale Radiostationen
von vorn herein falsch aufgebaut worden.
RADIOSZENE:
Was raten Sie Deutschlands Radiomachern für 2004?
Schwenk:
Habe gewußt, dass diese Frage kommt. Ich wünsche Ihnen allen
natürlich ein erfolgreiches Jahr und gute wirtschaftliche Voraussetzungen.
Vielleicht öfter mal was wagen, offen sein für neue Konzepte
und neue Wege, über das reine Formatradio hinaus denken (Der Hörer
hat es verdient!), weniger klagen, nicht stehen bleiben, sondern weiterlaufen.
RADIOSZENE:
Herr Schwenk, wir bedanken uns für das Gespräch.
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