Rik DeLisle: „Radio ist heute stinklangweilig“
Hits, Hits, Hits: Warum herrscht Gleichklang bei den deutschen Musikradios?
„Musik ist das wichtigste Element im Radio“, zumindest darin waren sich am Dienstag die Teilnehmer einer heftig geführten Podiumsveranstaltung auf dem Medientreffpunkt Mitteldeutschland einig. Doch was will der Hörer? Können per Computer zusammengestellte Playlists den Moderator ersetzen, kann das Musikradio in Zeiten legaler oder illegaler Downloads aus dem Internet überhaupt bestehen? Welche Musikstrategien verfolgen die Privaten und die öffentlich-rechtlichen Sender? Nach Antworten suchten Matthias Gehler (MDR), Rik DeLisle (Radioprofi), Hans-Jürgen Kratz (Antenne Thüringen), Moderator Dr. Jochen Huber (Tagesspiegel Berlin) und Markus Langemann (DELUXE GRUPPE).
Radio-Urgestein Rik DeLisle (Bild r.) sorgte gleich zu Beginn der Debatte mit der Äußerung „Radio ist Mathematik“ für Unmut. Markus Langemann entgegnete vehement: „Das ist der Tod für den Hörfunk.“ Die Musikauswahl müsse wie das Radio insgesamt am Menschen dran sein. „Mathematik nimmt dem Hörfunk die Leidenschaft.“ Genau das sei das Problem: „Weil Mathematik so eine Rolle spielt, hat der Hörfunk genau diese Funktion, ein popkulturelles Leitmedium zu sein, verloren.“ Der Privatradio-Macher Hans-Jürgen Kratz meinte, es müsse Schluss sein mit dem Märchen, ein Computer bestimme das Radioprogramm. „Der Computer ist nur ein Rechenknecht. Die Auswahlkriterien werden von schlauen Menschen vorgegeben.“
Und was den Begriff der popkulturellen Leitkultur angehe: „Das mag für die 60er Jahre zutreffend gewesen sein, weil damals die Alternativen fehlten.“ DeLisle meinte: „Radio ist heute stinklangweilig.“ Es fehle vor allem an kreativen Typen. Matthias Gehler protestierte: „Das Radio lebt! Und es wird weiter leben!“ Grundsätzlich stehe die Musik beim Radio stets an erster Stelle. Danach kämen Information oder Regionalität. Natürlich wünsche man sich Kreativität im Radio und kein Beamtentum. „Es gibt Kreativität. Und wir sind weiter auf der Suche nach kreativen Menschen.“ Kritik übte Gehler an der Musikindustrie. „Vielfach lässt die Qualität der CDs zu wünschen übrig.“ Manches könne er schlicht nicht über den Sender gehen lassen, weil es schlecht abgemischt sei. Obendrein spiele das Internet seitens der Musikindustrie eine immer stärkere Rolle.

Rik DeLisle (Radioprofi), Matthias Gehler (MDR), Dr. Joachim Huber (DER TAGESSPIEGEL),
Hans-Jürgen Kratz (Antenne Thüringen),
Markus Langemann (DELUXE GRUPPE),
Hans-Jürgen Kratz machte klar, nach spätestens drei, vier Songs müsse der Hörer erkennen, welches Programm er höre. Für so genannte Mainstream-Formate seien Menschen zwischen 14 und 49 Jahren die Zielgruppe. Man müsse aber auch die stetig steigende Zahl älterer Menschen im Blick haben. Kratz betonte, wenn sie auf Werbung angewiesen seien, müssten sie wissen, wie sie die Zielgruppe zwischen 14 und 49 Jahren erreichen können. Daran habe sich das Musikprogramm zu orientieren. Allerdings, so Kratz: Wenn alle das gleiche spielten, müsse man sich eben in anderen Bereichen unterscheiden. „Die Schlacht wird woanders geschlagen, beispielsweise im Bereich Comedy oder Service.“ Was mangelnde Vielfalt in der deutschen Radiolandschaft angeht, meinte Rik DeLise, es gebe mehr Vielfalt, wenn mehr Frequenzen existieren würden. „Mehr Frequenzen sind die Antwort.“ (Henri Ilgner)
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Medientreffpunkt Mitteldeutschland 2008
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