Stand: Montag, 31-Mär-2008 23:31

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10 Jahre Privatradio in Österreich

Ein Interview mit Krone Hit Programmchef Rüdiger Landgraf

LandgrafRüdiger Landgraf gehört zu den Pionieren der heimischen Privatradiobranche. Er hat die österreichische Radiolandschaft mitgeprägt. Radioszene hat ihn zum 10jährigen Privatradiojubiläum interviewt.

Wie haben Sie  den  Start der Privatsender in Österreich vor 10 Jahren erlebt?

Ich bin im Bett gelegen, weil ich am nächsten Tag um 07:00 in den 88.6 Jetranger - unseren Verkehrshubschrauer - steigen musste, ein toller Job übrigens. Habe beim Sendestart hin und hergeschalten und war happy, dass man endlich in Österreich Privatradio machen darf, ohne mit Gefängnis bedroht zu werden.

Nach 10 Jahren Privatradio, dominiert der ORF noch immer den heimischen Radiomarkt, haben die Privatradios etwas falsch gemacht?

Jede Menge - da wäre zum Beispiel einmal geringe Kontinuität aufgrund zu hoher Erwartungen - und damit unrealistischer Businessmodelle. Ein Sender (RTL) hat im Jahr 1998 sogar 2 Relaunches gemacht, das war sicher im Nachhinein betrachtet eine Überforderung der Hörer.

Die Hauptursachen sehe ich jedoch in der Politik: Österreich wurde zum Privatradio verurteilt (vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte), entsprechend geliebt war das Kind dann auch: Hohe Werbemöglichkeiten für den ORF (bei gleichzeitiger Gebührenhoheit), später Start, "Vorwarnung" durch die Antenne Steiermark, die das BCI Engagement erst möglich gemacht hat (Wie fragte gerade erst RTR Chef Alfred Grinschgl im Standard - Worin liegt der Unterschied zwischen Ö3 und Antenne Bayern), schlechtere Frequenzen, Benachteiligung bei Gewinnsteuern, Crosspromo für Ö3 im Fernsehen (beides erst Jahre später korrigiert), und - last but not least - das Verbot von bundesweitem Privatradio, das erst im Jahr 2004 aufgehoben wurde.

Welche Fortschritte und Entwicklungen haben die heimischen Radiosender in Bezug auf ihr Programm in den vergangenen 10 Jahren gemacht?

Die Programme unterscheiden sich stärker voneinander und von Ö3 - und das wird mittlerweile auch wahrgenommen. KRONEHIT ist etwa im Schnittalter um 7 Jahre jünger als Ö3, auch andere Sender haben sich etablieren können. Man lebt heute nicht mehr vom Prinzip Hoffnung (irgendwann haben wir genug Hörer, um leben zu können), sondern von positiven Cash-Flows, und erst die stellen die Grundlage für Kontinuität dar.

Welchen Einfluss hatte die heimische Medienpolitik auf die Entwicklung des österreichischen Radiomarktes in den vergangenen 10 Jahren?

Der stärkste Einfluss war sicher bis 1998, als man Privatradio verhindert hat, als es im ehemaligen Ostblock bereits etabliert hat. Wäre Österreich nicht im Europarat, hätte es wahrscheinlich länger gedauert. Europäisches Recht stand über österreichischem - und das war in diesem Fall gut so. Auch danach hat man sich vorwiegend an der Maxime "ein bisserl liberaler als ein Monopol, aber nur wenn es dem ORF nicht wehtut" orientiert. Noch größer war freilich der Einfluss der Juristen, die es durch Fehler 2x geschafft haben, das Privatradio praktisch an den Start zurückzuschicken. (1995, 2001). Bis heute gilt für einige 1998 vergebene Frequenzen keine Rechtssicherheit, beim ORF wäre so etwas undenkbar. Dafür hat man sich lange Zeit der romantischen Vorstellungen hingegeben, die Bestimmung des Privatradios lege im lokalen Bereich (alles andere kann ja sowieso der ORF machen). Damit wurden Versorgungsgebiete geschaffen, die es den Betreiber schwer machten, zu überleben. Von den Lokalradios sind folglich auch nur wenige übrig geblieben.

Wie und wohin wird sich Radio im Allgemeinen und Privatradio im Speziellen in Österreich in den nächsten 10 Jahren entwickeln?

Solange Leute Arbeiten, Auto fahren, bügeln oder in der Früh geweckt werden wollen, wird es Radio geben. Das Radio wird aber vielfältiger werden: Schon jetzt produzieren viele Privatradios Podcasts, einige auch Sidestreams. UKW wird als Verbreitungsweg dominant bleiben, wenn ich eine Schätzung anhand von Erfahrungswerten aus Großbritannien wagen darf, dann werden in 10 Jahren noch mindestens 80% der Radionutzung über UKW erfolgen

Was wünschen Sie sich zum 10-jährigen Jubiläum von den heimischen Medienpolitikern?

Gleichstellung mit dem ORF bei Frequenzvergaben, Marktkonforme Planung der Digitalisierung, mehr Rechtssicherheit für Privatradiobetreiber. Und: Medien als Branche begreifen, und nicht als Sprachrohr. Leider gibt es bei der Fee auch immer nur drei Wünsche.

(WR/Radioszene)

 
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