Stand: Donnerstag, 28-Apr-2005 13:23

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Nacht- und Nebelaktion bei Radio Hundert,6

Nach Stellen des Insolvenzantrags für die Radio Hundert,6 Medien GmbH ist Geschäftsführer Thomas Thimme in einer Nacht- und Nebelaktion in neue Studios umgezogen und hat ca. 30 Mitarbeiter zurückgelassen. Vorher wurde die Sendelizenz auf die "Power Radio GmbH" übertragen. Gesellschafter dieser Firma sind Thomas Thimme (64%) und Norbert Schmidt (36%).


Hundert,6 Gebäude am Katharina-Heinroth-Ufer


Dazu hier die Presseerklärung der zurückgelassenen Mitarbeiter von Hundert,6:

Der Frosch zeigt die Rote Karte

Mitarbeiter kalt gestellt – Geschäftsführung seilt sich ab

In einer Nacht- und Nebelaktion hat Hundert,6-Geschäftsführer Thomas Thimme den traditionsreichen Hauptstadt-Sender in neue Geschäftsräume in der Potsdamer Straße 131 verlegt und mehr als zwei Drittel der Belegschaft (rund 30 Mitarbeiter) zurückgelassen. Die zum Teil seit vielen Jahren bei Hundert,6 beschäftigten Radiomacher standen heute morgen vor verwaisten Studios am Katharina-Heinroth-Ufer 1. Bis zu diesem Zeitpunkt hat die Geschäftsführung die Pläne absolut geheim gehalten und in den Medien dementiert. Dabei waren die rechtlichen Rahmenbedingen dieser Aktion völlig nebulös: Sämtliche zurückgelassenen Hundert,6-Mitarbeiter hielten gültige Arbeitsverträge in den Händen. Gegen Mittag bestätigte das Amtsgericht Charlottenburg schließlich, dass für die Hundert,6 Medien GmbH Insolvenz angemeldet wurde. Der Sendebetrieb auf der Frequenz von Hundert,6 ging heute jedoch unter dem neuen Veranstalter Medialog weiter.

Diese Wild-West-Methoden sind allerdings unter der Regie von Thomas Thimme nichts Neues. Bereits am 28.2.1991 standen die Mitarbeiter des Berliner Senders Radio Hundert vor verschlossenen, bewachten Türen. Der damalige Geschäftsführer Thomas Thimme hatte den Sender Konkurs gehen lassen, nur um sich später beim Frequenz-Nachfolger Energy als neuer Geschäftsführer zu präsentieren. Die ausgesperrten Mitarbeiter blieben auf der Strecke.


Das ehemalige Büro von Geschäftsführer Thomas Thimme

Medienanstalt betreibt „Politik der ruhigen Hand“

Dass Hundert,6 in Schwierigkeiten steckte, war bei Radio-Insidern kein Geheimnis. Das erste Privatradio der Hauptstadt – jahrelang Marktführer – hatte in den letzten Jahren zunehmend mit Hörerverlusten zu kämpfen und stagnierte schließlich auf niedrigem Niveau. Aus Sicht der Mitarbeiter waren nicht zuletzt Konzeptionslosigkeit und eine stetige Verflachung der Inhalte mit verantwortlich. Auf diese Punkte hatte ein Großteil der Belegschaft immer wieder, das letzte Mal im März in einem Offenen Brief an die Geschäftsführung hingewiesen.

Zuletzt machte sich unter Hundert,6-Mitarbeitern zunehmend Verwunderung breit, dass die eigentlich als Aufsichtsbehörde fungierende Medienanstalt Berlin Brandenburg (MABB) diesem Treiben kein Ende bereitete. Schließlich ist in den Lizenzbedingungen von Hundert,6 von einem „hohen, journalistisch gestalteten Wortanteil“ und „aktuellem Berlin-Bezug“ die Rede. Eine Nachfrage des Betriebsrats bei der MABB vergangene Woche ergab, dass die Medienwächter über aktuelle Verstöße gegen diese Vorgaben nicht informiert waren. Ein Beispiel ist hier etwa die kürzlich erfolgte weitgehende Abschaffung der eigenen Live-Nachrichten mit regionalen Informationen. Auf die Warnung des Betriebsrates, die Geschäftsführung von Hundert,6 plane offenbar einen drastischen Stellenabbau, reagierte eine MABB-Sprecherin lakonisch mit dem Verweis auf die „heutigen Zeiten“.

Missmanagement nicht hinnehmen

Es darf nicht sein, dass sich ein Geschäftsführer derart unfair seiner Verantwortung der Belegschaft gegenüber entzieht und zuständige Aufsichtsgremien tatenlos zusehen. Die solcher Art „entsorgten“ Mitarbeiter von Hundert,6 sind keine Frösche und wehren sich!


Leere Studios bei Hundert,6

Links:
Mehr Fotos der letzten Tage bei Hundert,6
Hundert,6-Homepage

Weitere Meldungen zum Thema aus der Online-Presse:

Radio Hundert,6 soll dichtgemacht werden (Digitalfernsehen)
Mitarbeiter fürchten um Radio Hundert,6 (Tagesspiegel)
Verein Berliner Journalisten protestiert gegen Aussperrung von Mitarbeitern (VBJ)
Endgültig ausgequakt! Radio Hundert,6 meldet Insolvenz an (B.Z.)
Insolvenzantrag für Radiosender 100,6 eingereicht (Die Welt)
Höchst unschön: Hundert,6-GF Thimme entledigt vieler Mitarbeiter (Berliner Zeitung)
Klammheimlich wurde Hundert,6 gestern geschlossen, offiziell sendet er weiter (taz)
Hundert,6 ist insolvent Thomas Thimme sendet weiter. (Tagesspiegel)
Berliner Rundfunk-Posse:: Sag zum Abschied leise gar nichts (SPIEGEL)
Herrn Thimmes bizarre Hintergründe (Neues Deutschland)
Büros bei Radio Hundert,6 durchsucht (Netzeitung)
Betrugsverdacht gegen Geschäftsführer Thimme (Berlin Online)
Lizenz von Hundert,6 in Gefahr (FOCUS)


- OFFENER BRIEF –
19.04.2005

von der Belegschaft der
Radio HUNDERT,6 Medien GmbH
Mediatainment Berlin Gesellschaft für Aktions- und Medienmarketing mbH

an die Medienanstalt Berlin-Brandenburg (MABB)

MITARBEITER SPRECHEN SICH FÜR LIZENZENTZUG AUS / MABB VON THIMME AUSGETRICKST?

Sehr geehrter Herr Dr. Hege,
sehr geehrte Mitglieder des Medienrates,

für uns stellt sich im Moment eine zentrale Frage:

war Ihnen und den Mitgliedern des Medienrates klar, welche Konsequenzen Ihre Entscheidung in der Sitzung vom 4. März 2005 hatte, als Sie über die Genehmigung der „Übertragung der Sendeerlaubnisse“ der Radio HUNDERT,6 Medien GmbH und Power Nord-Brandenburg auf die Medialog GmbH entschieden haben?

Dass Sie mit dieser „Formalie“ die Arbeitsverträge der gesammelten Hundert,6-Belegschaft preisgaben?

Wussten Sie von den Plänen unseres Geschäftsführers, nach dieser Änderung des Veranstalters den Großteil der Belegschaft abzustoßen?

Oder hat Sie Herr Thimme etwa ausgetrickst? Schwer zu glauben, denn laut Lizenzvertrag hat doch ein Veranstalter der Medienanstalt „Auskunft über seine wirtschaftlichen Verhältnisse (aufgegliederte Entwicklung der Einnahmen und Ausgaben) zu geben, um der Medienanstalt die Beurteilung der wirtschaftlichen Entwicklungschancen der bestehenden und neuer Veranstalter zu ermöglichen.“

 

Weiter können wir folgendes fast nicht glauben:

Sie haben gestern offenbar verschiedenen Medienvertretern bestätigt, Sie hätten die vorübergehende Zusammenlegung der Programme von 91.8 – Best of Deutsch und Hundert,6, die im Moment stattfindet ebenfalls genehmigt.

Die Begründung: Herr Thimme habe aktuell mit Personalproblemen zu kämpfen!!!

Das „Personalproblem“ in Höhe von rund 30 Mitarbeitern wurde gestern von Herrn Thimme auf die Straße gesetzt!

Ihre Entscheidung, die Sendeerlaubnis auf einen neuen Veranstalter des gleichen Gesellschafters zu übertragen, hat dieses Personalproblem erst geschaffen.

Wir hoffen auf eine schnelle Antwort, da in der aktuellen Situation keinem der ausgeschlossenen Mitarbeiter staatliche Hilfen zustehen.

 

Mit freundlichen Grüßen

Die Mitarbeiter der
Radio HUNDERT,6 Medien GmbH
Mediatainment Berlin Gesellschaft für Aktions- und Medienmarketing mbH

 

P R E S S E M I T T E I L U N G 2005/03

20.04.2005

Vorläufiger Insolvenzverwalter bietet Betriebsrat Kooperation an
Neue Konzepte werden gesucht

Heute hat sich der vom Amtsgericht Charlottenburg bestellte, vorläufige Insolvenzverwalter, Udo Feser, der HUNDERT,6-Belegschaft im Katharina-Heinroth-Ufer vorgestellt.

Die Belegschaft empfand das Gespräch als angenehm und grundsätzlich konstruktiv.

In den kommenden Tagen sollen in weiteren Gesprächen mit allen Beschäftigten neue Konzepte zur Rettung der Arbeitsplätze erarbeitet werden.

Vorläufig bleiben damit aus Sicht des Betriebsrats alle Möglichkeiten offen.

Alle zuvor geäußerten Forderungen und Vorwürfe bleiben bestehen.

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