Der Hans Duschke-Report.
28.12.1999
Ich habe darauf verzichtet, der verehrten Leserschaft schon vor einigen Tagen "Fröhliche Weihnachten" zu wünschen, wußte ich doch, daß sich diese überwiegend aus Menschen rekrutiert, die "beim Radio" beschäftigt sind, oder dort beschäftigt zu sein glauben, bzw. zu gern dort beschäftigt wären, und die Aufmerksamkeit eben jener konnte ich in der Zeit des Christenfestes doch unmöglich in Anspruch nehmen, waren sie zumeist doch schwer im Einsatz: in kaum einem anderen Metier, als dem des "Radios" und dessen Peripherie nämlich tummeln sich nach leidvoller, langjähriger Erfahrung des Verfassers so viele Weihnachtsmänner.
Da kann bestenfalls noch der CB-Funk der Neuzeit, das Internet konkurrieren, wo selbst Zeitgenossen Ihren geistigen Unrat kompostieren dürfen, die nicht einmal mehr bei Vera Int-Veens TV-Talk-Inferno nach ihrer Meinung gefragt werden. Wenn man einmal bedenkt, welchen Stellenwert das Medium Radio in der Prioritätenleiter des durchschnittlichen Konsumenten in unserem kapitalistischen Verarschungsmiteinander einnimmt und anhand empirischer Erhebungen weiß, daß selbst ein sog. "P1", oder, populär ausgedrückt, Stammhörer eines Senders sich gerade mal leidlich an den Namen eben jenes Moderators erinnern kann, der durch groß angelegte und teure On- und Off-Air-Promotions ins Stammhirn gehämmert wird, dann staunt man, ach was, kommt aus dem Staunen gar nicht mehr heraus darüber, wie wichtig sich die Protagonisten eines Sekundärmediums ausweislich ihrer Internet-Ergüsse nehmen. Möglich aber auch, daß zumindest einige genau dies längst erkannt haben und das Medium "Gästebuch" als Therapie verstehen, wohl wissend, daß sie dort aller Wahrscheinlichkeit nach mehr Leser erreichen, als Hörer im Radio. Im Internet entsagen sie es sich dann auch nicht, ungehemmt über ihre eigenen Befindlichkeiten, ihr vergeudetes, bzw. das nicht vorhandene Talent ungeliebter Kollegen und deren sexuelle Vorlieben zu referrieren, wo sie im Sendestudio -gottlob!- nur Liner-Cards vorlesen dürfen.
Dies alles ist nicht ohne Unterhaltungswert, und auch der Verfasser möchte latent vorhandene, voyeuristische Anlagen nicht verleugnen: wo sonst, wenn nicht in den Gästebüchern der Web-Seiten erfährt man, welche Damen-Dessous Geschäftsführer unter dem Nadelstreifenanzug tragen, wenn sie Praktikanten begrabbeln, welche Schlafgewohnheiten DJs haben und daß der schon vor Dezennien aufgeflammte Generationskonflikt nun, an der Schwelle zum nächsten Jahrtausend, endlich ausgestanden scheint; wissen wir doch, daß unsere jungen, dynamischen Medienfuzzis vor allem eins im Kopf haben:
Mercedes-Schiebepanzer fahren, nach alter Väter Sitte! So ist´s recht, so brummt die Konjunktur, Sackelzement, Grüne hin, Sozis her.
Apropos Politik: kam da im letzten Drittel des abgelaufenen Jahres doch glatt ein Politiker aus dem Beitrittsgebiet, dessen Name ich glücklicherweise bereits verdrängt habe, auf die gloriose Idee, die Zwangsgebühren für den, inzwischen aber auch vollends überflüssigen Öffentlich Rechtlichen Rundfunk, künftig nicht mehr mittels GEZ einzutreiben, sondern gleich mit der Lohnsteuer abzuzocken, um womöglich den völlig maroden "MDR-Life" zu alimentieren, der offenbar von einer derartigen Qualitätsfreiheit durchsuppt sein muß, daß ihn selbst die Ossis nicht hören wollen. Den "Heinz des Jahres", der dem Manne für diesen Vorschlag gebühren würde, hatte ich aber bereits an "SWR"-Intendanten Voss verliehen: vielleicht erlaubt der ihm ja, mal dran zu lecken!
Von Leipzig nach Balin, wa? Ödnis macht sich breit, allerorten Heulen und Zähneklappern. RTL-Müller unterbricht neuerdings schon mal die Frühnachrichten, um diese durch intelligente Fragen aufzuwerten: "Äh, Christoph, äh, du hast da gerade von einem, äh, einer Vergewaltigung in
Charlottenburg berichtet?" - "Ja, Arno!" - "Ääääh, Christoph, wo, äh, liegt denn dieses Charlottenburg?"
Nur etwa 2 Flugstunden entfernt vom österreichischen Wien, wo für Arno Müller jetzt der Traum aller kleinen Drachen in Erfüllung gegangen ist: er darf für RTL Feuerwehrmann spielen, sind doch in Berlin eh´ längst alle Flammen erloschen. Während er an einer Re-Formatierung bastelt und aus dem Born seiner Erfahrung strategische Gemeinheiten ausheckt, bleibt man beim Hörer-Primus "88.6 - Der Musiksender" gelassen und PD Bernd Sebor kann offenbar noch die Zeit erübrigen, die Gaben seines universellen Radiowissens auch im Burgenland zu verteilen, während in der Hauptstadt schon vielerorts die Kittel brennen, weil die Herren Kommerzialräte nach immerhin bald 9 Monaten Privatsender-Schwangerschaft die Geburt des Break-Even feiern wollen. Macht´s doch bitt´schön neet so a Heektik do drüb´n, die Piefkes sackeln eh das ganze Gööld ein!
Und schleppen es hoffentlich nicht in den Musikalienhandel, um dort massenweise CDs von Mariah Carey, Whitney Houston und Celine Dion zu erstehen, die doch nun schließlich und endlich, ob ihrer an Körperverletzung grenzender Unerträglichkeit, ebenso den Orkus runterrauschen mögen, wie das ganze Rapper-Gesocks, Gesindel und Gelichter!
Ist das, als einziger, bescheidener Wunsch fürs neue Jahr, wirklich zuviel verlangt?