Stand: Samstag, 10-Mai-2008 21:54

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Schweigen im Äther

Medientreffpunkt MitteldeutschlandZehn Jahre Privatradio in Österreich – ein Grund zum Feiern? Nicht einmal die Betreibergemeinde selbst tut es. Die Zielgruppe schon gar nicht. Ein Befindlichkeitsbericht von Walter Gröbchen.


Vor zehn Jahren wurde die “On”-Taste für Privatradio in Österreich gedrückt. Zuvor hatte die SPÖ im Verbund mit dem ORF, aber auch im Gleichklang mit der ÖVP und den Zeitungsverlegern, das Thema jahrzehntelang blockiert. Erst der Verfassungsgerichtshof und der europäische Gerichtshof für Menschenrechte (!) “zwangen Österreich in mühsamen Schritten zur halbherzigen Liberalisierung”, wie “Standard”-Medienredakteur Harald Fidler in nüchternen Worten festhielt. Im Frühjahr 1998 ging es dann breitflächig los. Und zumeist unendlich naiv, grosskotzig und kleingeistig.

Viele Artikel sind zum Zehn-Jahres-Jubiläum verfasst worden. Ganze Sonderteile, Schwerpunkte und Fachmagazin-Seiten wurden der österreichischen Privatradio-Landschaft gewidmet. Jubel Trubel Heiterkeit? Eher nicht. Kurios auf den Punkt brachte es der “Horizont”. Er titelte: “Nur kein Blick zurück: das Radio hat Zukunft!”. Sprich: die gesamte Historie bislang war eine Katastrophe, aber wir hoffen, daß sich unsere Investitionen dennoch irgendwann rentieren (und wollen unseren Zweckoptimismus gern an unsere Werbekunden weiterreichen…). Daß der Abschluss des “Horizont”-Sonderteils ein Dutzend mit Sendernamen geschmückte Grabkreuze (“Ewig schweigen im Äther”) vorführte, vom seligen Radio CD bis zu HitFM, passt da trefflich ins Bild. Der Rest vom Fest schreit anno 2008, typisch Österreich, nach Subventionen. Und RTR-Kapo Alfred Grinschgl verklärt das zurückliegende Dezennium zur Erfolgsstory. Wider besseres Wissen.

Woran aber liegt es, dass der Privatradio-Markt in Österreich bis heute vor sich hin grundelt (Ausnahmen bestätigen die Regel)? Gerade mal ein Fünftel Marktanteil schafft die gesamte Armada kommerzieller Hörfunkbetreiber über den Daumen gepeilt, die restlichen vier Fünftel hat der ORF für sich gepachtet. Okay, der hat Ö3 ultrastromlinienförmig gepanzert, um den Dudelfunk mit eigenen Mitteln zu schlagen. Kann in volle Töpfe und auf ein arg opulentes UKW-Frequenzband (zu)greifen. Und hat die eigene Sender-Flotille mit Ö1, FM4 und den ganzen Bundesland-Radios klug und (über)mächtig aufgestellt.

Aber warum erreicht das Propagandagetrommel und – war da nicht noch etwas? – das Programm der privaten Konkurrenz den Grossteil der österreichischen Bevölkerung nicht? Weil die brav der lange eingeübten Staatsreligion ORF folgt? Weil sie Ö3 nicht von “KroneHit” unterscheiden kann? Weil sie zu schwach ist, einmal eine andere Stationstaste zu drücken oder den Sendersuchlauf zu betätigen? Sorry, das ist Quatsch. Das wissen Sie. Das weiss ich. Das wollen nur die Privatradiobetreiber nicht wissen.

Die Antwort: weil die Ideen, die Musik”vielfalt”, die Format-Hörigkeit, der Berater-Input und der redaktionelle Output vieler Stationen einfach zum Einschlafen sind. Und weil hier ständig so penetrant gelogen, schöngefärbt und hochgestapelt wird, dass es weh tut. “Die besten Songs aller Zeiten”… “Garantiert mehr Musik”… “Die aktuellsten Verkehrsinfos” … (ich schreib’ das ungeniert aus einer gelb-roten Postwurfsendung ab, die dieser Tage meinen Postkasten verstopfte). Wer soll diesen Marketing-Schwall glauben, wenn das Lulu, das aus dem Äther tropft, höchstens lauwarm ist?

“Good promotion kills a bad product fast” – das lernt man im Business-Grundkursus. Ich hab’ den Spruch schon vor neun Jahren laut aufgesagt, in einem “Trend”-Resümeé zum Thema “Privatradio in Österreich” . Es hat sich wenig verändert seither. Ich würde nur den Merksatz ändern auf: “Bad promotion kills a bad product ultraslowly”. Und dann mit einem herzhaften Gähnen den Einschalt-Knopf suchen. In der Tat: den “On”-Button. Es kann nur besser werden. Es wird besser werden.

Walter GröbchenWalter Gröbchen war von 1981 - 1993 Ö3 Redakteur und Moderator, ist heute Mitbetreiber & Musikchef von Lounge FM in Linz/Steyr/Wels und freier Berater.

Link:
Grob. Gröber. Gröbchen.

 
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