Zimper: Die
Bewerbungsfrist endete am 27.3.2006. Der Bescheid kam am 3.4.2007.
Die erste Instanz benötigte also ein Jahr, um zu entscheiden.
Ich finde nicht, dass dies relativ schnell war. Angesichts früherer
Verfahren – etwa jenes um Wien 98,3 MHz – hat mich das
aber auch nicht mehr überrascht.
RADIOSZENE: Viele
Radiomacher haben ja auf Radio Arabella als Favoriten unter den 11
Bewerbern (darunter ENERGY und Klassik Radio) getippt, das in der Vergangenheit
schon recht viele
Frequenzen bekommen hat.
Eine Frequenz in Graz hätte nach Tulln, Mostviertel und Linz
gut in das schnell wachsende Arabella Netzwerk gepasst.
Was, glauben Sie, hat die Medienbehörde überzeugt, sich
trotzdem für die Leykam zu entscheiden?
Zimper: Der hohe
Lokalanteil, die lokale Verankerung der Gesellschaft, das Medien-Knowhow
der Leykam,
und das den steirischen Radiomarkt ergänzende VINTAGE-Format – das
alles hat wohl dazu beigetragen. Gewicht hatte sicher auch, dass sowohl
der Rundfunkbeirat als auch die Landesregierung unser Projekt zur Zulassung
empfohlen haben.
RADIOSZENE: Wie
stellen Sie sich vor, im engen Grazer Markt zwischen Antenne Steiermark,
ORF Radio Steiermark, Hitradio Ö3 und KRONEHIT, einen
vermarktbaren Platz zu finden? Wie deutlich können Sie ein klar
unterscheidbares Musikformat programmieren, oder gehen Sie
voll auf den USP eines Lokalradios?
Zimper: Graz und nochmals
Graz – das wird sehr wichtig im Wortanteil des
Senders sein. Es gibt auch eine Talkshow-Strecke am Nachmittag. Die geschätzten
Kollegen von Soundportal sind für Jugendliche und Studenten zuständig – und
wir für alle ab 30. Und das ist eine Menge! Den Grazerinnen und
Grazern wird es wichtig sein, ihr eigenes Grazer Radio zu hören.
Das ORF-Radio Steiermark ist für Oma und Opa. Und KRONEHIT ist
mittlerweile bedeutungslos in Graz.
Übrigens glaube ich, dass die Hörer nicht in Musikformaten
denken, sondern in ihrer Lieblingsradiostation eine Art guten Freund
sehen. Die Station wird als Gesamtpersönlichkeit wahrgenommen.
Zur Vermarktbarkeit:
Nur wir und Soundportal bieten Radiowerbung für
Graz und Umgebung, bei den anderen müssen sie das ganze Bundesland
buchen. Wir werden für Grazer Betriebe eine entsprechend günstige
Alternative sein, ohne Streuverlust.
RADIOSZENE: Die
schillernde Grazer Lokalradioszene hatte in der Vergangenheit ja
bereits einiges zu bieten: das Grazer Stadtradio, 107.5 Der
Musiksender,
Radio
Melange,
Radio
Nostalgie und bis heute auch "Das Soundportal". Was können
Sie aus den vergangenen und aktuellen Programmen lernen, um den
neuen
Sender
zum Erfolg
zu führen?
Zimper: Da
von den genannten Radios nur Soundportal überlebt hat, würde
ich sagen: sich ein Konzept überlegen und dann ab Sendestart mindestens
drei Jahre lang daran festhalten. Es braucht Jahre, um das Vertrauen
und die Sympathie der Hörer zu gewinnen. Auch da ist es ähnlich
wie bei guten Freundschaften.
RADIOSZENE: Mit ENERGY, PARTYFM,
KRONEHIT haben Sie fast ausschließlich bei
jüngeren Radioformaten Erfahrungen gesammelt. Ist das für
Sie eine Umstellung, jetzt ein Erwachsenenradio 30+ zu beraten?
Zimper: Meine ersten Honorare
beim Radio verdiente ich bei Radio Niederösterreich,
wo ich insgesamt acht Jahre lang freier Mitarbeiter war. Zum Beispiel
habe ich als Autor rund 100 Folgen des erfolgreichen täglichen Radiotalks „Der
Kaffee ist fertig“ geschrieben, eingebettet in ein Schlager- und
Oldieformat. Dort liegen meine Radiowurzeln. Außerdem bin ich mittlerweile
44 und so alt wie mein Durchschnittshörer.
RADIOSZENE: Wird es auch Schlager beim neuen Sender geben?
Zimper: Natürlich. Qualitätsvollen Schlager. Beispielsweise Udo Jürgens „Ich
war noch niemals in New York“, Daliah Lavi „Meine Art, Liebe
zu zeigen“ oder Stefan Waggershausen „Zu nah am Feuer“.
RADIOSZENE: Haben Sie schon einen
Namen für das neue Radioprogramm?
Zimper: Die
Namensgebung ist noch nicht entschieden. Wir haben unter dem Arbeitstitel „MUR-Radio“ eingereicht,
es wird aber eher ein anderer Name werden.
RADIOSZENE: Wie schaut der Zeitrahmen
aus, ab wann wird voraussichtlich der Sender on air gehen?