Stand: Mittwoch, 04-Apr-2007 23:31

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Neues Grazer Lokalradio will noch dieses Jahr loslegen

In Graz gibt es seit Einführung in Österreich eine bewegte Lokalradioszene. Die freigewordenene Frequenz 94,2 MHz des ehemaligen Nostalgieradios, das alte Schellackplatten aus den 30er und 40er Jahren sendete, ist nun an den Bewerber IQ Plus, einer Radiotochter der Leykam Medien AG, vergeben worden.

Beraten wird das neue Radioprojekt von Medienmacher Dr. Martin Zimper (Foto rechts). Über seine Firma Medienprojekte GmbH ist er auch 10% an der Lizenz-Gesellschaft mitbeiteiligt. Im RADIOSZENE-Interview verrät Zimper nun weitere Einzelheiten.

RADIOSZENE: Herr Zimper, im Vergleich zu anderen Lizenzverfahren (z.B. Baden 93,4) kam die Entscheidung der KommAustria ja relativ schnell. Hat Sie das überrascht?

Zimper: Die Bewerbungsfrist endete am 27.3.2006. Der Bescheid kam am 3.4.2007. Die erste Instanz benötigte also ein Jahr, um zu entscheiden. Ich finde nicht, dass dies relativ schnell war. Angesichts früherer Verfahren – etwa jenes um Wien 98,3 MHz – hat mich das aber auch nicht mehr überrascht.

RADIOSZENE: Viele Radiomacher haben ja auf Radio Arabella als Favoriten unter den 11 Bewerbern (darunter ENERGY und Klassik Radio) getippt, das in der Vergangenheit schon recht viele Frequenzen bekommen hat. Eine Frequenz in Graz hätte nach Tulln, Mostviertel und Linz gut in das schnell wachsende Arabella Netzwerk gepasst. Was, glauben Sie, hat die Medienbehörde überzeugt, sich trotzdem für die Leykam zu entscheiden?

Zimper: Der hohe Lokalanteil, die lokale Verankerung der Gesellschaft, das Medien-Knowhow der Leykam, und das den steirischen Radiomarkt ergänzende VINTAGE-Format – das alles hat wohl dazu beigetragen. Gewicht hatte sicher auch, dass sowohl der Rundfunkbeirat als auch die Landesregierung unser Projekt zur Zulassung empfohlen haben.

RADIOSZENE: Wie stellen Sie sich vor, im engen Grazer Markt zwischen Antenne Steiermark, ORF Radio Steiermark, Hitradio Ö3 und KRONEHIT, einen vermarktbaren Platz zu finden? Wie deutlich können Sie ein klar unterscheidbares Musikformat programmieren, oder gehen Sie voll auf den USP eines Lokalradios?

Zimper: Graz und nochmals Graz – das wird sehr wichtig im Wortanteil des Senders sein. Es gibt auch eine Talkshow-Strecke am Nachmittag. Die geschätzten Kollegen von Soundportal sind für Jugendliche und Studenten zuständig – und wir für alle ab 30. Und das ist eine Menge! Den Grazerinnen und Grazern wird es wichtig sein, ihr eigenes Grazer Radio zu hören. Das ORF-Radio Steiermark ist für Oma und Opa. Und KRONEHIT ist mittlerweile bedeutungslos in Graz.

Übrigens glaube ich, dass die Hörer nicht in Musikformaten denken, sondern in ihrer Lieblingsradiostation eine Art guten Freund sehen. Die Station wird als Gesamtpersönlichkeit wahrgenommen.

Zur Vermarktbarkeit: Nur wir und Soundportal bieten Radiowerbung für Graz und Umgebung, bei den anderen müssen sie das ganze Bundesland buchen. Wir werden für Grazer Betriebe eine entsprechend günstige Alternative sein, ohne Streuverlust.

RADIOSZENE: Die schillernde Grazer Lokalradioszene hatte in der Vergangenheit ja bereits einiges zu bieten: das Grazer Stadtradio, 107.5 Der Musiksender, Radio Melange, Radio Nostalgie und bis heute auch "Das Soundportal". Was können Sie aus den vergangenen und aktuellen Programmen lernen, um den neuen Sender zum Erfolg zu führen?

Zimper: Da von den genannten Radios nur Soundportal überlebt hat, würde ich sagen: sich ein Konzept überlegen und dann ab Sendestart mindestens drei Jahre lang daran festhalten. Es braucht Jahre, um das Vertrauen und die Sympathie der Hörer zu gewinnen. Auch da ist es ähnlich wie bei guten Freundschaften.

RADIOSZENE: Mit ENERGY, PARTYFM, KRONEHIT haben Sie fast ausschließlich bei jüngeren Radioformaten Erfahrungen gesammelt. Ist das für Sie eine Umstellung, jetzt ein Erwachsenenradio 30+ zu beraten?

Zimper: Meine ersten Honorare beim Radio verdiente ich bei Radio Niederösterreich, wo ich insgesamt acht Jahre lang freier Mitarbeiter war. Zum Beispiel habe ich als Autor rund 100 Folgen des erfolgreichen täglichen Radiotalks „Der Kaffee ist fertig“ geschrieben, eingebettet in ein Schlager- und Oldieformat. Dort liegen meine Radiowurzeln. Außerdem bin ich mittlerweile 44 und so alt wie mein Durchschnittshörer.

RADIOSZENE: Wird es auch Schlager beim neuen Sender geben?

Zimper: Natürlich. Qualitätsvollen Schlager. Beispielsweise Udo Jürgens „Ich war noch niemals in New York“, Daliah Lavi „Meine Art, Liebe zu zeigen“ oder Stefan Waggershausen „Zu nah am Feuer“.

RADIOSZENE: Haben Sie schon einen Namen für das neue Radioprogramm?

Zimper: Die Namensgebung ist noch nicht entschieden. Wir haben unter dem Arbeitstitel „MUR-Radio“ eingereicht, es wird aber eher ein anderer Name werden.

RADIOSZENE: Wie schaut der Zeitrahmen aus, ab wann wird voraussichtlich der Sender on air gehen?

Zimper: Es wird sicher Einsprüche von Mitbewerbern geben, die man wohl abwarten muss. Ziel ist es, noch in diesem Jahr on air zu gehen.

Links:
Neues Radio für Graz geplant
Graz erhält ein neues Stadtradio: Leykam Medien AG geht on air

 

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